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Karrieremütter: Ganz oder gar nicht?

Von Juliane Lutz
Mit Kindern kommt oft die Karriere-Krise. Eine ehemalige McKinsey-Beraterin machte aus ihrer Not eine Tugend und gründete mit zwei Partnern die Firma Profiplaza. Das Ziel: Müttern mit langjähriger Berufserfahrung entsprechende Teilzeitbeschäftigungen zu vermitteln.
DÜSSELDORF. Mit den Kindern kam die Karrierekrise. Bislang war Barbara Meinke, die ihren richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, beruflich sehr erfolgreich. Die Betriebswirtin, die drei Fremdsprachen beherrscht, brachte es in einem Telekommunikationsunternehmen bis zur Marketing-leiterin.Obwohl immer zu beruflichen Höchstleistungen bereit, kam für die 41-Jährige nach der Geburt ihrer beiden Kinder ein Fulltimejob mit 50-Stunden-Woche nicht mehr infrage. Der Kompromiss: Projektarbeit. Meinke: ?Am liebsten wäre mir aber eine Teilzeitstelle, in der ich meine langjährige Erfahrung einbringen kann. Doch alle Positionen, die mich interessieren, laufen Vollzeit.?

Die besten Jobs von allen

Ganz oder gar nicht ? vor diesem Dilemma stehen hierzulande die meisten gut ausgebildeten Mütter. ?Natürlich gibt es familienfreundliche Unternehmen. Doch noch immer kommen zu wenige Firmen vor allem hochqualifizierten Frauen mit Anhang entgegen?, beobachtet Frauke Spreckels vom Verband berufstätiger Mütter.Fakt ist: 97 Prozent aller weiblichen Führungskräfte möchten nach der Geburt eines Kindes so bald wie möglich wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens Accenture Ende 2007. Allerdings möchten sie genau wie Barbara Meinke nicht mehr unbedingt in eine 50-Stunden-Woche zurück.Ein Drittel der befragten hochqualifizierten Frauen wünscht sich flexiblere Möglichkeiten, um Job und Nachwuchs verbinden zu können. Zum Beispiel Teilzeitstellen. Da es bislang daran mangelt, liegt unnötig viel Potenzial zwischen Kinderzimmer und Spielplatz brach.Meinke stieß im Zuge ihrer Suche nach einer verantwortungsvollen und zugleich familienfreundlichen Stelle per Zufall auf die Jobplattform Profiplaza. ?Wohin wenden sich Karrierefrauen mit Nachwuchs, denen der Sinn nach einem anspruchsvollen Teilzeitjob steht?? Diese Frage stellte sich Cornelia Sengpiel, die vor der Geburt ihrer Kinder ebenfalls in hohen Marketingpositionen und zuletzt als Beraterin bei McKinsey gearbeitet hatte, immer wieder.Personalberater vermitteln nur Fulltimejobs, und Zeitarbeitsfirmen besetzen zwar Teilzeitstellen, wenden sich aber weniger an hochqualifizierte Frauen. Deshalb gründete Sengpiel im vergangenen Juni mit zwei Partnern Profiplaza. Ihr Ziel: Mütter mit akademischer Ausbildung und langjähriger Berufserfahrung an Firmen zu vermitteln, die tatsächlich flexible Stellenangebote vergeben.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Bereits 120 Frauen sind bei Profiplaza gelistetGenerell werde es gut ausgebildeten Müttern noch immer nicht leicht gemacht ? trotz Fachkräftemangels und Alterung der Gesellschaft, bestätigt Personalberater Philipp Gebhard. ?Stehen eine 35-jährige Frau mit Kind und ein gleichaltriger Mann ? beide ähnlich qualifiziert und berufserfahren ? zur Auswahl, entscheiden sich größere Unternehmen und Beratungen meist für den männlichen Kandidaten. Vermutlich, weil sie glauben, mit ihm ein geringeres Risiko einzugehen, da eine Mutter noch zusätzliche, familiäre Verpflichtungen hat?, stellt der Partner bei Acclivitas fest.Ernüchternd ist auch das Fazit von Kajus Rottok, geschäftsführender Teilhaber bei der weltweit tätigen Personalberatung Ray & Berndtson. ?Mandate, in denen es um Teilzeitstellen geht, werden gar nicht an uns herangetragen.? Rottok hört allenfalls, dass Unternehmen versuchen, weibliche Top-Führungskräfte ? ab Ebene Abteilungsleiterin aufwärts ? mit entsprechenden Angeboten zu halten.Dabei bieten sie aber eher 60- oder 75-Prozent-Lösungen an. ?Die Unternehmen hoffen aber intensiv, dass die Frauen so bald wie möglich wieder auf eine 100-Prozent-Stelle aufstocken?, beobachtet Rottok. ?Dabei ist fast jeder Job teilbar?, ärgert sich Brigitte Cichy, stellvertretende Personalleiterin der Taunus-Sparkasse in Bad Homburg.Diese Lücke versuchen nun Cornelia Sengpiel und Partner zu füllen. Sie sprechen Firmen gezielt auf Teilzeitstellen und Projektjobs an. Seit Januar laufen die Vermittlungen auf Hochtouren. ?Wir bemerken bei den Unternehmen eine große Offenheit, und immer mehr platzieren die Stellenangebote bei uns, für die es bislang keine Plattform gab.? Der Pool an Interessentinnen wächst täglich. ?Bereits 120 Frauen sind bei uns gelistet. 85 Prozent davon bringen langjährige Erfahrung mit, insbesondere aus Großunternehmen.?Zu den ersten Kunden von Profiplaza auf Unternehmensseite gehört Johanna Mittelmeier, Inhaberin von Mittelmeiers Berater- und Trainerbrokerage in Frankfurt. Die erste Mitarbeiterin, die sie über die Jobplattform vermittelt bekam, hat als Vertriebsspezialistin gerade angefangen. Mittelmeiers Fazit: ?Ich werde wieder über Profiplaza suchen. Sie haben eine gute Palette an Kandidatinnen und ein Feeling dafür, welche Profile passen.?Auch Personalchefin Cichy begrüßt, dass es nun eine Vermittlung für bestqualifizierte Frauen mit Kind gibt. ?Wir haben in der Sparkasse viele gut ausgebildete, in Teilzeit beschäftige Mütter und mit ihnen beste Erfahrungen gemacht.? Mit Profiplaza will sie nach zwei Kandidatinnen für Teilzeitstellen suchen.Denn Cichy weiß: ?Firmen, die auf individuelle Lebensverhältnisse eingehen, bekommen hochloyale Mitarbeiter.?
Dieser Artikel ist erschienen am 17.02.2008