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Karriere mit der Ich-Aktie

Anne Koschik
Internext hat eine Nische im hart umkämpften Markt der Stellenbörsen im Internet entdeckt.
Kurz und knapp ist die Anweisung zur Anfahrt ins Kölner Internext-Büro: "Von der Kalker Hauptstraße in die Hollweghstraße einbiegen, gerade durch, und auf der alten Krankenhausrampe stehen bleiben." Im ehemaligen Katholischen Krankenhaus Kalk, wo zeitweise auch das Amt für Stadtsanierung untergebracht war, liegt grauer Filz auf altem Linoleum. Gelbe Farbe frohlockt an den Wänden - die Vergangenheit des alten Gemäuers verdeckt sie nicht.

"Unsere Kunden mögen die Atmosphäre", meint Marketingleiter Dirk Berweiler, der zwei Räume der alten Klinik als Vertriebsbüro der eigentlich in Karlsruhe beheimateten Internext GmbH angemietet hat. Für zwölf Mark pro Quadratmeter bietet hier die Stadt Köln jungen Unternehmen und Existenzgründern einen preisgünstigen Einstieg ins Geschäftsleben.

Die besten Jobs von allen


Auch wenn das noch spärlich eingerichtete Büro Berweiler eher an ein Sterbezimmer als an eine Geburtsstation erinnert, herrscht an diesem Morgen Aufbruchstimmung. Zusammen mit Internext-Geschäftsführer Arno Kunzmann legt der Marketingleiter letzte Hand an einen Werbeprospekt für die Cebit.

Als "Jobrevolution im Internet" verkaufen sie ein neues Geschäftsmodell, das auf der "Ich-Aktie" und Internexts Metasuchmaschine Jobworld basiert, die rund 30 Stellenbörsen im Internet nach Anzeigen durchforstet. Zum 15. April will das Startup mit seiner neuen Dienstleistung unter den Internet-Jobvermittlern auftrumpfen.

"Die Ich-Aktie ist eigentlich ein Stellenprofil", erklärt Dirk Berweiler. Ausbildung, persönliche Daten, Berufs- und Branchenwunsch, Sprach- oder Computerkenntnisse sowie Ortskennzahlen muss der Bewerber angeben. Passende Stellenangebote werden dem Bewerber ständig zugeordnet: "Wie in einem Aktien-Chart kann der Abonnent so seine Marktlage einschätzen."

Neu ist, dass auch die Unternehmen nur die gewünschten Attribute für die zu besetzende Stelle eingeben und keine klassische Stellenanzeige aufgeben müssen. Stimmen Bewerber- und Stellenprofil überein, erhält der Job-Suchende eine Nachricht und entscheidet, ob er zugreift oder nicht - zum Nulltarif. Auch Unternehmen zahlen erst, wenn eine vorher festgesetzte Anzahl von Bewerbungen bei ihnen eingegangen ist - dann pro Bewerbung.

Das Geschäftsmodell baut auf der Metasuchmaschine Jobworld auf, mit der Nutzer zurzeit auf etwa 180.000 Stellenangebote im deutschsprachigen Raum zugreifen können. Im Januar erreichte Internext 522.000 Besucher. Wie der Internet-Marktforscher NetValue festgestellt hat, liegt nur die Stellenbörse des Arbeitsamtes mit 862.000 Besuchern darüber. Stepstone hatte zur gleichen Zeit 310.000 Besuche, Monster 257.000 und Jobpilot 176.000.

Was Internext von diesen Karriereportalen unterscheidet: Es arbeitet ohne eigene Domain. Das Unternehmen bietet Jobworld bei Wirtschaftsverlagen, dem Shopping-Portal der Deutschen Post Evita, Unicum und Jobs.de an. "Einnahmen entstehen bei unseren Endkunden wie Philips oder Infineon, die ihre Stellen besetzen wollen", sagt Kunzmann. Aber auch die Stellenbörsen zahlen dafür, mit Hilfe von Jobworld mehr Nutzer zu erreichen. Der Markt verspricht enorme Zuwächse: "In fünf Jahren wird rund die Hälfte aller qualifizierten Stellen in der deutschen Wirtschaft über das Internet besetzt", schätzt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internet-Wirtschaft Electronic Commerce Forum.

Daran möchte Internext mit der neuen Stellenprofilsuche teilhaben. Sobald auch mit dem neuen Geschäftsmodell Gewinne gemacht werden, soll die Tochter Medianext gegründet werden und das Job-Geschäft übernehmen. "Wir rechnen damit in drei Monaten", sagt Berweiler, der in der neuen GmbH neben Kunzmann Geschäftsführer für Vertrieb und Marketing wird.

Gekreuzt haben sich ihre Wege 1999 bei Evita, wo Berweiler als Redaktionsleiter arbeitete. Zuvor hatte der jetzt 36-Jährige bei einem Kölner Zeitungsverlag die Online-Dienste mit aufgebaut. In ihrer Brancheneinschätzung waren sich die beiden sehr nahe: "1999 gab es 300 Jobbörsen, heute sind es 1.200, und der Markt wächst weiter. Schon vor zwei Jahren haben wir erkannt, dass der Markt so nicht funktioniert", erklärt Berweiler.

Das Internext-Konzept überzeugte ihn: Mit steigenden Umsatzzahlen, die Arno Kunzmann nicht näher beziffern will, bewegte sich das Startup "immer in den schwarzen Zahlen". Mittlerweile arbeiten fünf feste und vier freie Mitarbeiter für den 45-jährigen promovierten Informatiker, der nebenbei noch mehrere andere Projekte betreibt.

Beim Schritt in die Selbstständigkeit hatte 1998 das Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe (FCDI), wo Kunzmann zehn Jahre Abteilungsleiter war, mit Räumen und Infrastruktur geholfen. Fremdkapital benötigte er nicht, weil er die Software selbst entwickelte.

Auch Medianext soll sich selbst finanzieren. "Das Go-Kriterium ist, wenn die Sache sich trägt", sagt Berweiler. Das schlichte Kölner Büro ist Symbol für die Bodenhaftung. Der Marketingleiter lacht: "So wird die New Economy zur neuen Bescheidenheit."

Dirk Berweiler wird einer der Geschäftsführer der geplanten Internext-Tochter Medianext. Die Suchmaschine des Unternehmens läuft auch unter www.karriere.de/jobturbo
Dieser Artikel ist erschienen am 26.03.2001