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Kahn hat WM-Titel ?im Gefühl"

Handelsblatt-Redakteur Erich Ahlers berichtet aus Südkorea
?Sie wissen, dass die Messlatte gegen Deutschland sehr hoch liegt?, schickt Bundestrainer Michael Skibbe vor dem Show Down der Fußball-WM eine kleine Grußadresse an die Brasilianer. Doch die Hoffnungen auf ein mitreißendes Finale sind eher gering.
SEOUL. Das WM-Endspiel zwischen der DFB-Auswahl und den Südamerikanern, das am Sonntag um 13 Uhr (live im ZDF) in Yokohama angepfiffen wird, weckt viele Erwartungen. Doch die erstickte Kahn am Donnerstag mehr oder minder im Keim: ?Es ist gut möglich, dass sich beide Mannschaften total neutralisieren. So wie 1994, als es zwischen Brasilien und Italien auch nach 120 Minuten 0:0 stand.? Der Gedanke an das staubtrockene WM-Finale vor acht Jahren ist in der Tat verdammt desillusionierend.Andererseits geht nun einmal kein Weg an der Realität vorbei. Und die lässt nur wenig Spielraum für Hoffnungen auf ein mitreißendes Finale. Zum einen, weil die Möglichkeiten der Völler-Elf begrenzt sind, zum anderen, weil den Brasilianern nach den bisherigen Eindrücken wenig daran gelegen scheint, den Unterhaltungswert für die Zuschauer dauerhaft oben zu halten. Nach einer Führung setzt bei den Südamerikanern offenbar unverzüglich das ergebnisorientierte Denken ein.

Die besten Jobs von allen

Dietmar Hamann lobte das Team vom Zuckerhut dennoch für den ?schönsten und besten Fußball bei dieser WM?. Dass das Turnier generell längst nicht alle qualitativen Wünsche erfüllt habe, sei falsch. ?Das sehe ich anders, das Niveau war sehr anspruchsvoll?, befand Hamann. Kahn erklärte sogleich, wie sich der Fußball verändert hat. ?Es ist unglaublich, mit welchem Tempo und mit welcher Athletik heute gespielt wird?, referierte er. ?Man muss viel schneller denken, weil man den Ball im Mittelfeld nicht mehr in Ruhe annehmen kann, um dann mit dem Außenrist einen schönen Pass zu schlagen. Da kommen immer zwei, drei Leute, die grätschen.?Einer, der am Sonntag beim Grätschen nicht mitmachen wird, ist der gesperrte Ballack. Für ihn könnte Jens Jeremies in die Anfangself rutschen: ?Der hat viel Power?, sagt Skibbe. Darüber hinaus sind Umstellungen gegenüber dem Halbfinale eher unwahrscheinlich. ?Mein Gefühl sagt mir, dass wir Weltmeister werden. Fragen Sie mich nicht, warum?, sagte Kahn.Falls es klappt, würde Ausrüster Adidas den Spielern bald den vierten Stern auf die Trikotbrust heften ? für jeden WM-Titel einen.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.06.2002