Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Kaderschmieden mit MBA

Anders als in Deutschland, wo es Azubis mitunter bis zum Vorstandsvorsitz schaffen oder Ehrgeizige “aus kleinen Verhältnissen" zum Bundeskanzler, rekrutiert sich in Frankreich und Großbritannien die politische und wirtschaftliche Machtelite traditionell über einige wenige Elitehochschulen.
Während in Großbritannien der Karriereweg klassischerweise über eines der Renommiercolleges in Oxford oder Cambridge geht, bleibt das Sprungbrett zur Macht in Frankreich bis heute das Institut d'Etudes politiques de Paris, allgemein bekannt als “Sciences-Po". Dort haben Staatspräsident Chirac (seine Frau und seine Tochter) genauso wie sein Vorgänger Mitterrand studiert, praktisch sämtliche Minister der gegenwärtigen linken Regierung wie die der vorhergehenden rechten.
Eine Reihe dieser Kaderschmieden bietet nun auch MBA-Programme an. Vorteil: Anders als bei sonstigen Neugründungen profitiert man hier auch von der Infrastruktur und der Reputation der gesamten Institution. Nachteil: Die MBA-Abschlüsse dieser Schulen gehören (noch) nicht zu den Top-Diplomen. Auch gibt es natürgemäß noch kein ausgeprägtes Ehemaligen-Netzwerk.
Sciences-Po bietet eines der kürzesten MBA-Programme überhaupt. Nur neun Monate lernen die 40 Studenten im Herzen von Paris. Kosten: 110.000 Francs. In Cambridge bietet das Judge Institute of Management Studies ein einjähriges MBA-Programm für circa 80 Studenten an, das auch über zwei Jahre gestreckt werden kann (19.000 bzw. 21.000 Pfund).
Etwas kurios ist die Situation in Oxford, wo es zwei indirekt miteinander konkurrierende Institutionen gibt, die sich spinnefeind sind: das Templeton College, das wegen seiner Seminare für Top-Manager einen hervorragenden Ruf genießt, und die Said Business School mit ihrem MBA-Programm. Gegenwärtig machen für 19.200 Pfund etwa 100 Studenten jährlich ihren MBA an der nach dem saudi-arabischen Geschäftsmann Wafic Said benannten Schule, mittelfristig sollen es 200 bis 250 sein. Neben dem MBA bietet Said auch PhD- und undergraduate-Programme an.

Internet:
www.sciences-po.fr
www.jims.cam.ac.uk
www.templeton.ox.ac.uk
www.sbs.ox.ac.uk/sbs
Dieser Artikel ist erschienen am 11.06.2001