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Junge-Karriere-Expertentelefon:
Bewerbung, Arbeitsmarkt, Gehälter

Soll ich mich jetzt bewerben oder lieber eine Zusatzrunde an der Uni einlegen? Wie sieht der Arbeitsmarkt in meiner Branche aus? Was darf ich im Gehaltsgespräch fordern? Kann ich jetzt trotz Krise den Job wechseln? Diese und andere Fragen beantworteten unsere Experten Gitte Härter, Lutz Thimm und Ulrike Heitze am Junge-Karriere-Expertentelefon Anfang Oktober. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir zum Nachlesen zusammengefasst.
Gitte Härter, Mitinhaberin des Münchner Coaching-Unternehmens "objektiv." und Autorin zahlreicher Karrierebücher, beantwortete Fragen zum Thema Bewerbung: >> hier die Antworten

Lutz Thimm, Bereichsleiter High Potentials bei der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants, beantwortete Fragen zu Trends am Arbeitsmarkt und in einzelnen Branchen: >> hier die Antworten

Die besten Jobs von allen


Ulrike Heitze, Junge Karriere-Redakteurin beantwortete Fragen zum Thema Gehälter: >> hier die Antworten

Gitte Härter beantwortete Fragen zum Thema Bewerbung:

Worauf legen Personaler bei Bewerbern den größten Wert?
Es gibt nicht DIE Personaler. Das sind alles einzelne Menschen mit unterschiedlichen Kriterien - persönlich und vom Unternehmen her. Was der eine gut findet, kommt beim anderen vielleicht weniger gut an. Konzentrieren Sie sich auf sich - darauf, eine individuelle und gute Bewerbung zu verfassen und im Gespräch einen authentischen Eindruck zu machen. Bereiten Sie sich vor. Informieren Sie sich über die Firma und darüber, welche Leute dort gesucht werden. Lesen Sie die Stellenausschreibung genau und überprüfen Sie, ob Sie die Anforderungen erfüllen. Verstellen Sie sich nicht und spielen Sie keine Rolle, die Ihnen nicht entspricht.

Ich habe Angst, dass ich mir mit meinem Studienabbruch die Chance auf einen guten Job verbaut habe. Für die interessanten Stellen fehlt mir einfach die Qualifikation.
Wenn Sie selbst ein Problem mit etwas haben und etwas als Manko sehen, dann strahlen Sie das auch aus. Und damit machen Sie sich möglicherweise erst ein Problem, das vorher gar nicht da war. Deshalb: Setzen Sie sich mit sich selbst auseinander. Und speziell mit den Themen, mit denen Sie selbst ein Problem haben oder von denen Sie glauben, dass sie ein Absagegrund sein könnten: Worum geht es konkret? Was befürchte ich? Wie gehe ich selbst damit um? Warum habe ich mich damals für X entschieden und nicht für Y? Eine Firma sucht einen passenden Mitarbeiter - persönlich und fachlich. In vielen Fällen ist es einem Personalentscheider einfach wichtig zu sehen, dass sich ein Bewerber mit sich selbst auseinandersetzt und frühere Entscheidungen auch begründet und dahinter steht. Und dass er mit "Schlappen" umgehen kann.

Ich war selbstständig und möchte mich jetzt anstellen lassen. Wie kommt das an?
Eine allgemeine Aussage à la "Es kommt super an - es kommt schlecht an" gibt es nicht. Im wesentlichen ist wichtig, wie Sie sich bewerben und präsentieren. Nehmen Sie immer auch beide Seiten der Medaille wahr und erkennen Sie sie an. Wenn Sie direkt von der Uni in die Selbstständigkeit gegangen sind, dann haben Sie einerseits bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten erworben, eben weil Sie selbstständig waren. Andererseits haben Sie bestimmte Erfahrungen eben nicht, weil Sie selbstständig waren. Oft fehlen gerade auch wichtige Kriterien, wie Sich-einordnen-können (in Strukturen und Prozesse) oder auch der Umgang mit dem Team und Vorgesetzten. Machen Sie sich schriftlich Gedanken in beide Richtungen. Dann sind Sie gut vorbereitet und treten ganz anders auf. Auf Fragen im Gespräch können Sie dann auch überlegt antworten und zeigen, dass Sie beide Aspekte anerkennen. So etwas macht Eindruck. Ansonsten ist natürlich die zentrale Frage: Wieso möchten Sie die Selbstständigkeit aufgeben? Ein Personalentscheider wird möglicherweise auch überlegen, ob Sie als "Ihr eigener Chef" überhaupt in der Lage sind, sich etwas sagen zu lassen. Überlegen Sie sich, welche Fragen Sie sich stellen würden. Und auch, was Sie sagen möchten. Nicht, um irgendwas auswendig runterzubeten, sondern um in der schriftlichen Bewerbung und im Gespräch dann auch zu wissen, was Sie sagen möchten, wofür Sie welche Beispiele nennen wollen.

Wie lange dauert es in der Regel, bis sich ein Unternehmen meldet?
Es gibt keine allgemeine Regel, wann sich Firmen zurückmelden. Manche sind fix, andere brauchen etwas länger - und manche melden sich leider erst sehr spät oder gar nicht. Haken Sie ruhig selbst nach. Aber fragen Sie nicht nur "Wissen Sie schon was?", sondern lassen Sie sich ruhig sagen, wie der weitere Verlauf des Bewerbungsprozesses sein wird, bis wann es generell eine Entscheidung geben wird. Natürlich ist es schon wichtig, dem Unternehmen auch etwas Zeit zu geben. Wenn man selbst wartet, kommt einem alles sehr lange vor. Eine Firma, die viele Bewerbungen bekommt, braucht auch die Zeit, alles durchzugehen und auszuwählen. Das kann dauern.

Kann ich Ihnen eben mein Anschreiben vorlesen - ob das gut ist?
Sorry, das würde die Telefonaktion sprengen. Und es würde auch nicht gut gehen, denn bei der Beurteilung eines Anschreibens ist auch immer wichtig, mehr zu wissen. Unter anderem: Wo bewerben Sie sich, auf welche Position, warum ...? Ein Anschreiben muss immer individuell auf die Bewerbung (Stelle, Unternehmen, Bewerber) zugeschnitten sein. Auf unserer Website www.selbstmarketing.de in den Online-Tipps/Bewerbung finden Sie zahlreiche weitere Tipps zum Anschreiben.

Demnächst ist eine Fachmesse, die mich interessiert. Es ist aber keine Recruiting-Messe. Welche Art von Unterlagen sollte ich da mitnehmen - richtige Mappen oder Flyer mit meinem Eckdaten? Kann ich davon ausgehen, dass Personalleute da sind?
Natürlich kann man nicht wissen, ob auch Personalentscheider da sind. Viele Firmen haben jedoch erkannt, dass Fachmessen eine gute Möglichkeit ist, neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Ich würde mich vorher erkundigen, ob Unternehmen da sind, die Sie unbedingt interessieren und dort nachfragen, ob auch Personalentscheider anwesend sind. Manche Firmen senden Personaler mit auf die Messe - genau aus diesem Grund - und machen teilweise auch bereits im Vorfeld Gesprächstermine aus. Ansonsten gilt generell: Einen Plan machen, welche Firmen Sie besuchen möchten. Und dann ausreichend Unterlagen mitnehmen. Ich würde für die Firmen, die Sie brennend interessieren, komplette Bewerbungsmappen mitnehmen. Und zusätzlich sorgfältig gemachte Flyer oder Karten in ausreichender Zahl dabei haben. Lieber mehr mitnehmen als ohne dastehen.

Wie finde ich Messen, die für meinen Bereich interessant sind?
Es gibt zum Beispiel den Verband der deutschen Messewirtschaft, www.auma.de . Dort kann man Messen online suchen. Außerdem sind Berufs- oder Branchenverbände immer eine sehr gute Informationsquelle.

Ich habe später zu studieren begonnen und bin jetzt als Berufsanfänger schon Anfang 30 - bin ich jetzt zu alt für Unternehmen?
Nein, keine Sorge. Nur wenn Sie selbst ein Problem damit haben, dann strahlen Sie das auch aus. Letztlich ist es doch so: 1. Mit Anfang 30 ist niemand zu alt. 2. Sie könnten eh nichts dran ändern. Also erübrigt sich die Frage ... Wichtig ist: Konzentrieren Sie sich darauf, was Sie zu bieten haben und warum Sie ein fachlich und persönlich guter Mitarbeiter für die entsprechende Stelle sind. Aber lähmen Sie sich nicht mit Dingen, die kein Problem sind bzw. die sie ohnehin nicht ändern können.

Sollte man Praktika machen während des Studiums - kommt das später gut an?
Ja, ist anzuraten. Zum einen auch ganz persönlich für einen selbst: Man kann nicht früh genug praktische Berufserfahrung sammeln. Zum zweiten kommen diese Berufserfahrung und die Einblicke durch Praktika auch gut bei Unternehmen an. Zum Thema "jobben" und/oder "fachliche Praktika" ist zu sagen: Wägen Sie clever ab. Wenn Sie heute einen Job haben, der nichts mit Ihrem Fach zu tun hat, sagen wir einen Fabrikjob, der aber gut bezahlt wird - dann ist das natürlich durchaus auch ein Aspekt. Wenn Sie entsprechend Kohle machen im Job, dann können Sie sich auch besser Ihrem Studium widmen. Gleichzeitig würde ich jedoch auf jeden Fall beide Seiten angehen: Teilen Sie sich Semesterferien am besten auf, wenn Sie neben fachlichen Jobs auch reine Geldjobs an der Hand haben sollten, die Sie nicht aufgeben können oder möchten. Ansonsten müssen Sie sich eben selbst die Verbindung zu ihrem angestrebten Beruf schaffen: Auch ein Bedienungsjob hat Relevanz. Überlegen Sie sich, was Ihnen der betreffende Job gebracht hat und was Sie gelernt haben oder welche Fähigkeiten Sie dort sinnvoll nutzen konnten. So können Sie im Bewerbungsgespräch dann auch einen Bogen schlagen. Mein Tipp: Lassen Sie sich unbedingt eine Bescheinigung über Ihre Praktika ausstellen und legen Sie diese Ihrer Bewerbung bei.

Was ist bei einer E-Mail-Bewerbung zu beachten?
Bei einer E-Mail-Bewerbung ist in der Regel das Anschreiben die E-Mail selbst. Als Anlage wird der Lebenslauf (eventuell mit Bild) beigefügt und - wenn nötig - ein Tätigkeitsprofil. Oft reicht das für die erste Kontaktaufnahme. Viele Unternehmen möchten ohnehin gerne eine normale Bewerbungsmappe sehen, wenn es "ernst" wird. Also immer darauf vorbereitet sein, die Unterlagen in Papierform bereit zu haben. Zeugnisse sollten Sie nur dann mitschicken, wenn sie professionell gescannt sind - also gut lesbar und gleichzeitig optimal komprimiert, damit der Dateianhang nicht riesig wird (damit macht man sich keine Freunde beim Personalentscheider). Gleiches gilt fürs Foto. Bei Dateianlagen sollten Sie ein Format wählen, das das Unternehmen auch sicher hat. Nehmen Sie gegebenenfalls vorher Kontakt auf und fragen Sie nach. Prüfen Sie zum Schluss alles mit einem aktuellen (!) Virenscanner. Weitere Tipps zur Online-Bewerbung gibt es auch unter www.jobrobot.de und www.selbstmarketing.de .

Was mache ich, wenn ich eine Absage erhalten habe, weil meine Gehaltsvorstellung zu hoch war?
Sofern Sie wissen, dass es an der Gehaltsvorstellung lag, und sofern Sie runtergehen möchten, rufen Sie dort an und sprechen darüber. Aber Achtung: Sie haben Ihre Gehaltsvorstellung nicht umsonst auf Betrag X festgelegt. Gehen Sie von daher bitte nicht nur deshalb massiv runter, nur weil etwas interessant klingt. Das passiert Bewerbern immer wieder - und dann müssen sie in der Probezeit aufhören, weil sie mit ihrer Kohle nicht zurecht kommen.

Die Firma hat mir eine Absage geschickt, will aber meine Unterlagen behalten.
Gut, wenn Sie das möchten. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass dann tatsächlich etwas kommt. Allerdings ist es durchaus so, dass Firmen sich wieder bei viel versprechenden Kandidaten melden. Bewerben Sie sich jedoch ganz normal weiter. Und warten Sie keinesfalls darauf, dass solche Aussichten direkt oder in naher Zukunft umgesetzt werden.

Kann ich bei einem Unternehmen nachhaken, wenn ich noch nichts gehört habe?
Keine Sorge: Wenn Sie nachhaken und das auf freundliche Art tun, dann kommen Ihre Initiative und Ihr Interesse auch gut an. Fragen Sie jedoch konkret nach und vor allen Dingen nicht negativ à la "Sicher bekomme ich eine Absage, sonst hätte ich schon was gehört, oder?" Nicht irritieren lassen, auch wenn einzelne Personalentscheider genervt sein sollten oder sagen, dass sie Nachhakereien nicht möchten. Es ist Ihr gutes Recht als Bewerber, sich zu melden und den Sachstand zu erfahren. Gute Personaler freuen sich über Intiative - viele Unternehmen bieten sogar explizit an, sich bei Fragen jederzeit zu melden.

Was mache ich, wenn ich schlechte Zeugnisse habe?
Zunächst: Erkennen Sie an, dass ein Unternehmen bestimmte Entscheidungskriterien hat, auch wenn es welche sind, die Sie selbst nicht gut finden. Jeder von uns hat bestimmte Kriterien oder "Filter", das ist auch okay. Wenn also eine Firma einen bestimmten Notendurchschnitt verlangt oder andere K.O.-Kriterien setzt, dann ist das eben so. Der zweite Aspekt ist: Wenn Sie ein schlechtes Zeugnis haben, können Sie eh nichts dran ändern. Es ist schon so. Lernen Sie also selbst erst mal, damit umzugehen. Drittens: Das Zeugnis ist nicht alles! Ich wiederhole noch mal: Eine Firma sucht einen passenden Mitarbeiter - persönlich und fachlich qualifiziert. Ein Zeugnis ist ein Puzzlesteinchen dabei. Machen Sie sich darauf gefasst, dass Sie auf schlechte Zeugnisse angesprochen werden oder auch auf einzelne Noten und bereiten Sie sich darauf vor. Das nimmt Ihnen den Schrecken und Nervosität und schützt vor Sprachlosigkeit. Die schlechten Noten offensiv im Anschreiben ansprechen? Nein! Das ist nicht selbstbewusst, sondern Defensive und Rechtfertigung. Hat nichts da zu suchen. Abgesehen davon stoßen Sie den Personalentscheider auch noch drauf und machen Ihre schlechten Noten aktiv zum Thema. Verstecken? Auch nicht. Nicht einfach ein Zeugnis rausnehmen, nur weil es Ihnen nicht passt. Das sieht aus, als ob Sie etwas zu verstecken haben und kommt nicht gut. Sollten sämtliche Zeugnisse unter aller Kanone sein, eventuell eine andere Form für die erste Kontaktaufnahme wählen, zum Beispiel die Kurzbewerbung (Anschreiben, Foto, Lebenslauf, eventuell Tätigkeitsprofil). Auf Anforderung beziehungsweise zum Gespräch können Sie dann die kompletten Unterlagen mitbringen.

In welcher Reihenfolge schreibt man im Lebenslauf seine Berufserfahrung und die Ausbildung?
Frisch Ausstudierte haben in der Regel noch nicht viele Stationen im Lebenslauf, so dass alles gut auf eine Seite geht. Dann ganz normal chronologisch. Wenn Sie schon mehr gemacht haben und auch Berufserfahrung nach dem Studium haben, dann könnte es besser sein, den Lebenslauf umzudrehen. Also mit der aktuellen Stelle zu beginnen und sich zurück zur Ausbildung/zum Schulabschluss zu arbeiten. Danach kommen Kenntnisse wie EDV, Sprachen etc. Der Lebenslauf soll nicht länger als zwei A4-Seiten sein (bitte nicht quetschen!). Wer mehr zu sagen hat, zum Beispiel einzelne Stellen näher erklären möchte, der sollte dafür ein separates Tätigkeitsprofil beifügen. Achtung: Immer relevant bleiben! Nicht künstlich aufblasen, das macht eine Bewerbung nicht besser.

Wie soll man sich im Assessment Center verhalten?
Da gibt's nur eins: Authentisch bleiben! Seien Sie so, wie Sie sind. Versuchen Sie nicht, eine Rolle zu spielen oder irgendwas darzustellen, von dem Sie glauben, dass es gern gesehen wird. Das Assessment Center dient - wie das Gespräch - beiden Seiten dazu, herauszufinden, ob man miteinander kann und möchte. Wenn Sie vor Nervosität sterben: Es gibt Literatur, mit der Sie sich darauf vorbereiten können, was auf Sie zukommt (zum Beispiel "Assessment Center" von Hesse/Schrader aus dem Eichborn Verlag). Aber bitte nichts auswendig lernen.

Soll man die so genannte Dritte Seite unbedingt machen?
Wenn Sie sich wohl damit fühlen, kurz eine Zusammenfassung über Ihre Person und Ihre Qualitäten separat aufzuführen, dann tun Sie's. Aber nehmen Sie Abstand von einer Aneinanderreihung von inflationären Wörtern wie flexibel, teamfähig, kommunikativ ... die sagen nicht wirklich etwas aus. Wenn Sie sich unwohl damit fühlen oder einfach nicht so über sich schreiben können, dann lassen Sie's.

Braucht man unbedingt ein Deckblatt?
Nein. Wirklich notwendig ist es nicht. Aber auch hier gilt: Wie Sie sich damit wohl fühlen. Ein schönes Deckblatt macht in der richtigen Mappe allerdings durchaus was her: Sie können die Bewerbung personalisieren, indem schon auf dem Deckblatt das Unternehmen und die angestrebte Position steht, Sie können Ihr Foto direkt zeigen und Ihre Kontaktdaten liegen obenauf. Was ist wichtig beim Foto? Zum Foto gibt es wahnsinnig viel zu sagen - man glaubt es kaum. Einen ausführlichen Text gibt es hier: www.selbstmarketing.de/tipps/artikel/bib1/1_foto.htm

Zu welcher Strategie raten Sie? Welche Wege der Bewerbung sollte man nutzen?
Verlassen Sie sich bitte nicht ausschließlich auf den Stellenmarkt in der Zeitung! Ich rate zu allem, wo Sie aktiv gefragt sind: Unternehmenswebsites recherchieren, kennen lernen und sich direkt auf dort ausgeschriebene Stellen bewerben - oder eine Initiativbewerbung schicken. In gut ausgewählte Jobbörsen ein sorgfältiges, aussagekräftiges Profil stellen. Wenn es Ihnen liegt, persönlich Kontakt aufzunehmen, dann sind auch Recruitingmessen sinnvoll. Auch Personalvermittler sind eine gute Möglichkeit. Generell gilt: Es gibt so viele Wege, wie Sie an eine passende Stelle kommen können. Fahren Sie deshalb auf jeden Fall mehrgleisig.


Lutz Thimm beantwortete Fragen zu Trends am Arbeitsmarkt und in einzelnen Branchen:

Am Arbeitsmarkt sieht's ja ziemlich mau aus. Wo gibt es denn überhaupt noch Chancen für Absolventen?
Sowohl im Absolventen- als auch im Young-Professional-Markt hat sich die Zahl der Stellenangebote in allen Branchen drastisch reduziert. Hinzu kommt, dass es auf einen reduzierte Anzahl an Stellen eine stark wachsende Bewerberanzahl gibt. Kurz gesagt: die Unternehmen haben die Qual der Wahl. Gute Aussichten haben nach wie vor Ingenieure für die Bereiche Konstruktion, Produktion und Entwicklung sowie Naturwissenschaftler für die Breiche Forschung und Entwicklung.

Ich studiere BWL und möchte nach meinem Examen gerne bei einer Bank einsteigen. Würden Sie mir das empfehlen?
Bewerber mit der Zielgruppe Banken und Versicherungen können von einem sehr restriktiven Einstellungsverhalten der Unternehmen ausgehen, direkt gesagt: ein Bewerberüberschuss versetzt die Unternehmen in die Lage, sich die Besten aussuchen zu können.

Mein Vordiplom habe ich hinter mir, jetzt überlege ich, wie ich mein Studium am besten auf den Arbeitsmarkt ausrichte.
Eine strategische Planung des Studiums am Arbeitsmarkt ist bedingt möglich, aber schwierig, weil sich die Jobchancen schnell ändern können. Schließlich haben die Informatikstudenten, die vor drei Jahren bewusst Informatik wählten, damals auch nicht damit gerechnet, dass sich die Aussichten in so kurzer Zeit so verschlechtern würden.

Mit meinem Job bin ich nicht so recht zufrieden, aber ich traue mich nicht, meine sichere Stelle aufzugeben und mich woanders zu bewerben. Wer weiß, ob ich die Probezeit überstehe. Was würden Sie mir raten?
Grundsätzlich empfehle ich, den Arbeitsmarkt und speziell Ihre Branche so gut zu beobachten, dass Sie aus voller Überzeugung sagen können: Ich kenne mein em Markt und kann darin meinen Marktwert taxieren. 90 Prozent der Leute können das nicht. Die wichtigsten Fragen dabei sind: Wer sind die Mitbewerber? Wie groß ist die Zahl der Mitbewerber? Wie geht es den Unternehmen? Stellen sie in Teilbereichen noch ein? Wenn ja, dann wo? Wenn nein, warum nicht?


Ulrike Heitze beantwortete Fragen zum Thema Gehälter:

Ich bin Grafikerin in einer Werbeagentur, habe fünf Jahre Berufserfahrung und hätte gern drei Dinge gewusst:
1) Kann ich, wenn ich nach einem Erziehungsurlaub wieder einsteige, gehaltlich da anknüpfen, wo ich aufgehört habe?
2) Wie oft kann ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?
3) Wer kann mir zum Thema Bildungsurlaub weiterhelfen?
1) Jein, das hängt davon ab, ob es ihnen gelingt, in der Zeit der Abwesenheit am Ball zu bleiben - und das dem Arbeitgeber auch so rüber zu bringen. Versuchen Sie, sich während der Elternzeit auf dem aktuellen Stand der Technik, der Methoden etc. zu halten, damit sie für den Arbeitgeber "nicht an Wert verloren haben", wenn Sie zurück kommen. Aber es ist schon so: Die Gefahr, dass die Elternzeit zunächst mal als Einkommensbremse wirkt, ist groß. Die Kollegen werden Ihnen auf jeden Fall ein paar Gehaltssprünge voraus haben.
2) Grundsätzlich sind 12 bis 18 Monate ein akzeptabler Zeitraum. Viele Unternehmen reden auch schon automatisch ein mal jährlich im Zielvereinbarungsgespräch übers Gehalt. Angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage sind Nullrunden aber keine Seltenheit. Wichtig zu wissen: Mehr Gehalt gibt es niemals, weil eine bestimmte Zeit abgelaufen ist (á la "Ich arbeite seit drei Jahren für das gleiche Geld, jetzt muss ich doch mal mehr kriegen"). Es gibt nur mehr Geld, wenn man mehr Verantwortung oder mehr Arbeit bekommen hat, einen tollen Job gemacht hat oder eine tolle (zusätzliche) Leistung vorweisen kann. Chefs geben nur mehr Geld gegen mehr Leistung.
3) Bildungsurlaub ist Ländersache, das heißt es gibt keinen bundeseinheitlichen Standard. Infos gibt's unter: http://www.bildungsurlaub.com

Ich bin Steuerreferentin bei einer Leasinggesellschaft, habe zwei Diplome und mache demnächst meine Steuerberaterprüfung. Wenn ich jetzt wechseln würde, was würde sich aufs Gehalt auswirken?
Also ob sich die beiden Diplome gehaltlich auswirken, hängt davon ab, ob Sie sie beide im Job brauchen oder zumindest nützlich sind. - Sonst wird der Arbeitgeber die nicht beide honorieren wollen. Viel viel wichtiger wird zum einen die erfolgreiche Steuerberaterprüfung sein und vor allem Ihre Berufserfahrung. Die ist bei Unternehmen zurzeit deutlich mehr gefragt als viele Diplome (wobei die natürlich ihre Chancen auf dem Jobmarkt schon steigern, sie sollten aber jobrelevant sein).

Ich mache demnächst meinen FH-Abschluss im International BA und würde gerne als Einkäuferin in die Telekomm.- oder E-Technik-Branche gehen? Jetzt habe ich schon herausgefunden, dass ich mein Wunschgehalt von 50.000 Euro vermutlich nicht verlangen kann, oder? Was gibt es denn da für Alternativen?
Also 50.000 Euro sind zurzeit für Einsteiger wirklich enorm hoch gegriffen. Das könnten Sie bei einer der Top 5-Unternehmensberatungen bei sehr guten Qualifikationen verlangen. Aber nicht als Einkäufer. 35.000 bis 40.000 für FH und 37.000 bis 43.000 sind da sehr viel realistischer (das ist das, was das Gros der Absolventen über alle Jobs und Branchen derzeit verdient). Grundsätzlich zahlt die E-Technik-Branche derzeit deutlich besser als Telekommunikationsunternehmen.
Als Alternative könnten Sie dem Unternehmen anbieten, das Gehalt nach der Probezeit anzuheben, wenn man sich dann beschnuppert hat (!! Nach Möglichkeit die Erhöhung schon zahlenmäßig in den Vertrag schreiben lassen!! Eine "Überprüfungszusage" bringt nicht automatisch mehr Geld). Oder, wenn das Unternehmen nicht mehr kann oder will, um Weiterbildung verhandeln. Da hat der Chef auch was von und Seminare sind ordentlich teuer, da kann man ganz gut mit fahren.

Ich bin Diplom-Biologin und beende bald ein einjähriges Aufbaustudium BWL. Danach würde ich gerne in die Pharmaindustrie irgendwo an die Schnittstelle zwischen dem kaufmännischen und dem forschenden Bereich. Was kann ich da verdienen?
Gute Frage, auf die ich keine direkte Antwort habe. Prinzipiell würde es Ihnen mehr Gehalt bringen, wenn Sie eher im kaufmännischen Bereich landen könnten. Um herauszufinden, was man an so einer Schnittstelle verdienen kann, möchte ich Ihnen einige Online-Gehaltschecks empfehlen. Dort wird Ihr Ausbildungsprofil und der Zieljob verglichen mit Leuten, die in ähnlicher Position arbeiten. An diesen Referenzwerten können Sie dann evtl. Werte für sich ableiten. Kostenlos und innerhalb von ein paar Minuten fertig ist der Gehaltscheck auf www.wirtschaftswoche.de (runterclicken in Gehaltsbereich). Wer dann eine tiefere Analyse will, kann dann anschließend noch einen kostenpflichtigen Check machen. Einen kostenpflichtigen Check (18 Euro) speziell für Berufseinsteiger gibt es den Junge Karriere Seiten unter http://www.jungekarriere.com/gehalts-check . Dort gibt es auch noch einen 20 Euro-Check für "fortgeschrittene" Fach- und Führungskräfte, ist allerdings auf die gängigen Positionen wie Personaler, Marketing, Finanzen etc. beschränkt. Für "Randgruppen" ;-) gibt es leider keine Daten

Ich habe an der TU Dresden studiert und arbeite seit drei Jahren im Kleinbetrieb meiner Eltern. Mache da eigentlich alles von Finanzen bis hin zur Mitarbeiterführung. Aus persönlichen Gründen möchte ich jetzt nach München gehen und dort irgendwo als Controller einsteigen. Wie wirkt sich denn die Zeit bei meinen Eltern aus?
Also diese Zeit sollten Sie auf keinen Fall unter den Scheffel stellen, auch wenn das nur ein klitzekleiner Betrieb war. Führungserfahrung wird bei den Unternehmen sehr gern gesehen (und auch honoriert). Lassen Sie sich das von Ihren Eltern also auf jeden Fall ins Zeugnis schreiben. Vielleicht haben Sie damit sogar sie Möglichkeit gleich als Nachwuchsführungskraft ins Controlling einzusteigen und die "Fachkräftestufe" auszulassen (vorausgesetzt Sie wollen Mitarbeiterverantwortung übernehmen). Was Sie letztlich da verdienen können, hängt auch von der Branche und der Unternehmensgröße ab, so dass ich hier schlecht zahlen liefern kann. Grundsätzlich sind Controller zurzeit sehr gefragt, hier könnte man also vielleicht ein bisschen lockerer pokern als in manch anderen Bereichen. Ein "ausgewachsener" Controller (Mittlere Führungskraft) verdient im Schnitt 63.000 Euro. Prinzipiell sollten Sie für den Standort München mindestens 20 Prozent für das höhere Gehaltsniveau als im Bundesdurchschnitt draufschlagen.

Ich studiere BWL und bin bald fertig. Meine Note wird allerdings nicht so toll aussehen. Wird sich das später nachteilig auf mein Gehalt auswirken?
Nein, das schmälert höchstens ihre Chancen bei der Jobsuche. Beim Gehalt ist das den Personalern ziemlich wurscht. Eine schlechte Note ist in einigen Unternehmen leider ein Knock out-Kriterium in der ersten Runde, viele lassen sich aber mit Praktika, Berufserfahrung, Auslandsaufenthalten "besänftigen". Diese Qualifikationen zählen meist viel mehr als eine schlechte Note (die man ja vielleicht auch gut begründen kann).
Dieser Artikel ist erschienen am 26.09.2002