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Junge Elektroingenieure verzweifelt gesucht

Junge Elektroingenieure werden derzeit verzweifelt gesucht. Im Mittelstand sind etwa 60 Prozent der Unternehmen nicht in der Lage, offene Stellen mit geeigneten Kandidaten zu besetzen, berichtet das Job- und Wirtschaftsmagazin karriere in seiner Januar-Ausgabe.?Die Absolventen des Jahres 2005 werden den Bedarf der Wirtschaft kaum decken können?, bestätigt Michael Schanz vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) diesen Trend. Knapp 5.300 Elektroingenieure wurden 2005 laut Adecco Personaldienstleistungen gesucht; das sind rund zwölf Prozent mehr als 2004. Die wachsende Nachfrage nach E-Technikern spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen wider: Aktuell sind rund 11.100 arbeitslose Elektroingenieure gemeldet ? über 22 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Das Gros der Arbeitslosen, gut drei Viertel, sind über 40 Jahre alt. Junge E-Techniker und Hochschulabsolventen sind kaum betroffen.

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Ein Grund für den Nachwuchsmangel: Die Zahl der Elektrotechnik-Absolventen hat sich seit 1995 nahezu halbiert auf knapp 6.000. Und auch für die Zukunft sind die Jobaussichten für E-Techniker sehr gut: Der VDE schätzt, dass der jährliche Bedarf bei etwa 11.000 Elektroingenieuren liegt. Selbst bei leicht steigenden Absolventenzahlen klafft künftig eine Lücke.Ein Teil der Nachwuchsprobleme ist allerdings auch hausgemacht. Denn viele Unternehmen finden keine passenden Kandidaten für ihre freien Stellen, weil ihre Anforderungen immer spezifischer werden und sie gleichzeitig nicht gewillt sind, Zeit und Geld in Einarbeitung und interne Nachqualifizierung zu investieren. Das Profil des Bewerbers soll 100-prozentig auf die Stelle passen.Auf der anderen Seite drängen Hochschulabsolventen nach wie vor zu den Branchengrößen: ?Viele Bewerber konzentrieren sich nur auf die beliebtesten Arbeitgeber wie BMW oder Porsche, ohne sich selbstkritisch zu fragen, ob ihre Qualifikationen wirklich den hohen Anforderungen dieser Unternehmen, die sich die Besten aussuchen können, genügen ? und lassen sich dann durch haufenweise Absagen frustrieren?, beobachtet Guido Emde, Senior Consultant beim Recruiting-Dienstleister Access. Dabei werden Elektroingenieure in fast allen Industrie- und Dienstleistungszweigen gebraucht. Nur noch ein Drittel der Arbeit entfällt auf klassische Ingenieuraufgaben wie Produktentwicklung und Konstruktion, ein Drittel auf planerische Aufgaben und der Rest auf Marketing und Vertrieb. ?Die Einsatzmöglichkeiten für Elektroingenieure haben sich erweitert. Damit hat sich die Zahl der Wettbewerber um gute Kandidaten vervielfacht?, sagt Peggy Knabe, Human-Resources-Managerin bei Infineon, gegenüber karriere.Die Januar-Ausgabe von karriere erscheint am 16. Dezember.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.12.2005