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Jürgen Schrempp muss vor Gericht

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp muss gegen im Betrugsprozess gegen den Autobauer vor Gericht. Das Verfahren beginnt am 1. Dezember im US-Bundesstaat Delaware.
Daimler-Chrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp. Foto: dpa
HB STUTTGART. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp muss in dem am 1. Dezember beginnenden Betrugs-Prozess gegen den Autobauer vor dem Gericht im US-Bundesstaat Delaware aussagen. Ebenfalls vorgeladen sind Finanzvorstand Manfred Gentz und der frühere Chrysler-Chef Bob Eaton, sagte am Montag ein Sprecher des Autokonzerns. Wann die Top-Manager vor Richter Joseph J. Farnan Jr. in Wilmington aussagen müssen, stehe noch nicht fest, hieß es. Daimler-Chrysler rechnet auf Grund von Äußerungen Farnans mit etwa vier bis fünf Verhandlungstagen.Tracinda, die Investmentfirma des US-Milliardärs und früheren Chrysler-Großaktionärs Kirk Kerkorian, hatte im Jahr 2000 gegen Daimler-Chrysler geklagt. Kerkorian beschuldigt Daimler-Chrysler, die Investoren über die Art der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler im Jahr 1998 belogen zu haben. Sie sei anders als vom Unternehmen behauptet kein Zusammenschluss unter Gleichen, sondern eine Übernahme von Chrysler durch Daimler gewesen. Kerkorian, der vor der Fusion im Jahr 1998 fast 14 Prozent der Chrysler-Anteile hielt, will auf Grund massiver Aktienkurs-Verluste seit dem Zusammenschluss drei Milliarden Dollar verloren haben und verlangt nun diese Summe.

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Daimler-Chrysler hat wiederholt erklärt, dass die Vorwürfe haltlos seien. Tracinda sei über alle Schritte der Fusion informiert gewesen; die inzwischen ausgeschiedene frühere Chrysler-Führung hatte im Verlauf der Voruntersuchungen eidesstattlich erklärt, der Fusionsvertrag sei vollständig und sachgerecht umgesetzt worden.Das Bezirksgericht Delaware mit Sitz in Wilmington hatte am vergangenen Freitag der Klage Kerkorians endgültig stattgegeben. Damit war DaimlerChrysler mit seinem Antrag gescheitert, das Verfahren ohne gerichtliche Verhandlung zu beenden. Eine ähnlich gelagerte Klage von Kleinaktionären war im August mit einem Vergleich beendet worden, in dem der Stuttgarter Konzern 300 Millionen Dollar gezahlt hatte. Dies sei aber kein Schuldeingeständnis gewesen, hatte der Autobauer damals betont.Das Gericht in der 73 000-Einwohner-Stadt Wilmington (etwa in der Mitte zwischen Washington und New York) ist deshalb Schauplatz des spektakulären Prozesses, weil die damalige Chrysler Corporation ihren offiziellen Firmensitz in Delaware hatte. Das Hauptquartier des US- Autobauers befindet sich allerdings in der US-Autometropole Detroit (Michigan).
Dieser Artikel ist erschienen am 24.11.2003