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Jürgen & Sandra

Letztes Jahr im April ließ Sandra in einem Münchener Biergarten bei Weißbier und Leberkäs' die Bombe platzen. Sie hatte ihren Abteilungsleiter gewarnt, dass sie ihn überraschen wolle. Als ich dann auftauchte, ein kurzes Hallo in die Runde meiner Ex-Kollegen rief, zielstrebig den freien Platz neben Sandra ansteuerte und ihr einen Kuss gab, fiel unserem gemeinsamen (Ex-)Chef fast die Kinnlade herunter.
Letztes Jahr im April ließ Sandra in einem Münchener Biergarten bei Weißbier und Leberkäs' die Bombe platzen. Sie hatte ihren Abteilungsleiter gewarnt, dass sie ihn überraschen wolle. Als ich dann auftauchte, ein kurzes Hallo in die Runde meiner Ex-Kollegen rief, zielstrebig den freien Platz neben Sandra ansteuerte und ihr einen Kuss gab, fiel unserem gemeinsamen (Ex-)Chef fast die Kinnlade herunter.

Aber von vorn: Nach zwei Jahren als Marketingmanager bei der Siemens-Tochter Com kündigte ich und ging ein knappes Jahr auf Weltreise. Nach der Rückkehr fing ich als Account Manager bei Palm One, dem Handheld-Hersteller, in München an, traf mich aber regelmäßig mit meinen Com-Kollegen und mit meinem ehemaligen Chef. Der hatte inzwischen eine neue Marketingassistentin, Sandra. Einen Tag vor Weihnachten 2002 rief ich in seinem Büro an, um ihn zum Essen einzuladen. Er war nicht da und ich kam mit Sandra ins Plaudern. Wir verstanden uns so gut, dass sie mir am Ende den Link zu ihrem Foto im Internet gab - mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Das Mittagessen mit dem Chef wurde im neuen Jahr nachgeholt - zu dritt natürlich.

Die besten Jobs von allen


Die Arbeit bei Com war in der Folgezeit immer wieder ein nettes Thema zwischen Sandra und mir. Ich gab ihr ein paar fachliche Tipps und amüsierte mich köstlich, wenn sie mir später erzählte, ihr Chef habe geantwortet: "Das hat der Herr Nagler schon vor drei Jahren vorgeschlagen." Nachdem wir in jener denkwürdigen Biergartenrunde unser Geheimnis gelüftet hatten, bekam Sandra allerdings nicht nur positives Feedback im Büro. Ein Kollege, der wohl gern meine Stelle eingenommen hätte, verhielt sich ziemlich unsportlich. Obwohl er bald eine andere Freundin hatte, versuchte er weiter, Sandra zu provozieren, indem er laut mit seiner neuen Flamme am Telefon Intimitäten austauschte.

Schwamm drüber, es gibt wichtigeres. Unser Masterplan für das nächste Jahr sieht vor, dass wir erst ein paar Monate in Australien arbeiten und dann nach Südamerika gehen. Mitte September brechen wir auf. Für diesen Traum haben wir beide gekündigt. Meine Bewerbungen bei australischen Unternehmen laufen noch, und Sandra hält auf jeden Fall den Kontakt zu Com.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2004