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Joseph Perella startet durch

Von Robert Landgraf und Michael Maisch
Die Neugründung hat noch nicht einmal einen Namen, doch in der Branche wird sie bereits als ernsthafter Konkurrent für die Platzhirsche unter den Investmentbanken gehandelt. Bisher läuft das Institut, das die Wall-Street-Legende Joseph Perella derzeit aus dem Boden stampft, unter der Bezeichnung NoCo.
FRANKFURT. Nach Informationen aus Finanzkreisen arbeiten einige der Partner bereits an konkreten Übernahme-projekten. ?Es haben sich eine ganze Reihe von Unternehmen gemeldet, die an den Diensten des neuen Hauses interessiert sind?, berichtet ein mit den Plänen vertrauter Banker.Experten räumen kleinen auf die Beratung spezialisierten Investmentbanken derzeit gute Marktchancen ein. Da sich einige der großen Geldhäuser an der Wall Street stärker auf den Wertpapierhandel und lukrative Finanzierungen konzentrieren, fürchten viele übernahmewillige Unternehmen Interessenskonflikte und verlassen sich lieber auf den Rat kleinerer spezialisierter M&A-Banken. Die sechs wichtigsten kleineren Berater mit weniger als 650 Beschäftigten haben ihren Marktanteil den Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge im vergangenen Jahr fast verdreifacht.

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Perella gilt als einer der einflussreichsten Berater an der Wall Street und auch mit Neugründungen hat er bereits Erfahrung. 1988 startete er zusammen mit Bruce Wasserstein die Wasserstein Perella Group, die im M&A-Geschäft zeitweise zu den Top Fünf der US-Branche zählte. Nach Meinungsverschiedenheiten über die Strategie stieg Perella 1993 aus. Sein Partner Wasserstein verkaufte die Firma im Jahr 2000 für 1,3 Mrd. Dollar an die Dresdner Bank.Bis April 2005 arbeitete Perella als Vice Chairman bei Morgan Stanley. Als er diesen Posten aufgab, und am selben Tag Terry Meguid, weltweiter Leiter des Investment-Bankings des US-Hauses, kündigte, machten schnell Gerüchte die Runde, die beiden würden eine eigene Investmentbank aufmachen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Prominente Partner angeheuertIm Juni beriet Perella bereits den Kreditkartenanbieter MBNA, der für 35 Mrd. Dollar an die Bank of America verkauft wurde. Seither reisen er und Meguid rund um den Globus, um prominente Banker für ihr Projekt zu begeistern und als Partner anzuheuern. Zu den prominentesten Zugängen zählt Peter Weinberg, der zuletzt das europäische Geschäft von Goldman Sachs leitete. Darüber hinaus stießen in Europa Paulo Pereira, Philip Yates, Bernard Gault und der deutsche Morgan-Stanley-Banker Dietrich Becker zu Perellas Truppe. Alle vier gelten als äußerst erfahrene M&A-Berater, die im Laufe ihrer Karriere Übernahmen mit einem Wert von insgesamt fast einer Bill. Dollar eingefädelt haben.Doch Perellas neue Bank wird sich nicht nur auf die Fusionsberatung konzentrieren. NoCo wolle sich auch selbst an Unternehmen beteiligen und für große Kunden Vermögen verwalten, heißt es in Finanzkreisen. Als ein wichtiges Vorbild für das Geschäftsmodell gilt die 1996 gegründete US-Bank Greenhill, die als reine M&A-Beratung startete, später aber auch ins Beteiligungsgeschäft einstieg. Greenhill kam im März 2004 für 17,50 Dollar je Aktie an die Börse. Inzwischen hat sich der Kurs vervierfacht. Einige Frankfurter Investmentbanker gehen davon aus, dass auch Perella versuchen wird, seine Bank in einigen Jahren an die Börse zu führen, und Kasse zu machen.Derzeit sind die Partner allerdings erst einmal unterwegs, um bei Investoren in Amerika, Europa und dem Nahen Osten das nötige Eigenkapital für das neue Projekt einzutreiben. Mehr als eine Mrd. Dollar sollen insgesamt zusammen kommen.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2006