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Johannes Gartzen

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Professor Johannes Gartzen, 53, lehrt Schweiß- und Lasertechnik Im Fachbereich Maschinenabau an der Fachhochschule Aachen. Weil vor etwa neun Jahren viele Maschinenbauer von der Arbeitslosigkeit bedroht waren, förderte Gartzen Gründungen an der Hochschule.
Was ist ein Spin-off und welche Vorteile bietet es?

Johannes Gartzen: Ein Spin-off ist ein Unternehmen, das bereits zu Hochschulzeiten des Unternehmers gegründet wird und Aufträge übernimmt. Dadurch kennen die Gründer schon die Auftragslage, wenn sie die Hochschule verlassen. Außerdem sind die Startinvestitionen geringer, weil die Gründer teilweise die Infrastruktur der Uni nutzen. Und die Haftung ist eingeschränkt, weil man viele Aufträge unter Forschung und Entwicklung abwickeln kann. Das Risiko zu scheitern ist deshalb vergleichsweise gering.

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Wie läuft die Gründung eines Spin-offs bei Ihnen ab?

In der Regel verpflichte ich Studenten, denen ich die Führung eines Unternehmens zutraue, als Hilfskräfte, suche mit ihnen ein interessantes Arbeitsgebiet und kümmere mich um Aufträge. Dazu gründen wir gemeinsam eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Nebenbei besuchen die Studenten für zwei Semester das Unternehmerseminar, das wir in Zusammenarbeit mit der Gründerregion Aachen anbieten. Nach der Diplomarbeit wandeln die Gründer das Unternehmen in eine GmbH um und verlassen die Hochschule.

Wozu braucht man dann Gründerlehrstühle?

Ein Fachmann wie ich hat zwar intensive Kontakte zur Industrie und eine Antenne dafür, was wichtig und was unwichtig ist. Aber uns Maschinenbauern fehlt häufig der betriebswirtschaftliche Hintergrund. Ich würde es deshalb begrüßen, wenn der zuständige Minister die Einführung eines Master-Studiengangs "Entrepreneurship" an unserer Hochschule genehmigen würde.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.12.2001