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Johannes Böinghoff

Was verstehen Sie unter ?Karriere??

?Karriere? einfach als Aufstieg in einer Hierarchie zu verstehen, wäre zu kurz gegriffen und zu banal. Hinter dem Wort ?Karriere? steht für mich erst einmal die Frage, auf welchem Gebiet man die kommenden Jahre oder sogar Jahrzehnte tätig sein will und welche Qualifikationen dafür notwendig sind. Das ist die wichtigste Entscheidung überhaupt. Wenn man das Richtige gefunden hat und sich mit Begeisterung und Leidenschaft an seine Aufgaben macht, ist dies zwar noch kein Garant, wohl aber die Voraussetzung für das, was man landläufig als ?Karriere? bezeichnet.

Haben Sie Ihre Karriere geplant?

Nein, aber ich habe mich früh dem Umfeld ?genähert?, in dem ich arbeite. Während meiner Schulzeit bin ich des Öfteren in die USA gereist und habe dort eine andere Servicebereitschaft als in Deutschland kennen gelernt. Ich war vor allem von Mobilitätsunternehmen wie z.B. Airlines begeistert. Deshalb habe ich mich nach der Schule bei Unternehmen der Reisebranche umgeschaut, die Dienstleistungsmarketing und -management als kombiniertes BA-Studium anbieten. So bin ich zu Sixt gestoßen. Ich versuche in allen Bereichen des Konzerns mitzuarbeiten, in denen ich die Qualität des Serviceprozesses beeinflussen oder vermarkten kann. Seit zwei Jahren kann ich dies in Spanien auch in verantwortlicher Position tun.

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Was verstehen Sie unter guter Führung?

Mitarbeiter für Ziele zu begeistern und somit ein echtes Team zu bilden. Sicherlich muss am Ende eine Entscheidung getroffen werden, aber es ist wichtig, Mitarbeiter bei der Entscheidungsfindung mitzunehmen. Im Übrigen reift die Antwort auf diese Frage mit den eigenen Erfahrungen. Sicher werde ich sie in zehn Jahren anders beantworten.

Was war Ihr größter Erfolg?

Der erfolgreiche Aufbau des Spanien-Geschäfts von Sixt als verantwortlicher Geschäftsführer. Vor zwei Jahren hat der Vorstand beschlossen, diesen wichtigen Markt mit eigenen Vermietstationen zu erschließen. Mittlerweile hat Sixt in einigen Städten einen respektablen Marktanteil, auf Palma de Mallorca zum Beispiel von mehr als 10 %. Unseren Service schätzen mittlerweile nicht nur Deutsche, Niederländer oder Briten, sondern auch die Spanier selbst.

Was war Ihr größter Missverfolg?

Ehrlich gesagt: Fehler und Fehleinschätzungen hat es sicher gegeben. Ein richtiger Misserfolg ist mir jedoch bisher erspart geblieben. Aber ich bin sicher: Irgendwann wird er kommen. Ich bin 26 Jahre, alles andere wäre eine Illusion. Dann kommt es darauf an, wie man den Misserfolg managt und welchen Rückhalt man im Unternehmen hat. Ich habe Sixt, den Vorstand und die weiteren Führungskräfte, so kennen gelernt, dass dieser Rückhalt vorhanden ist.

Was ist Ihnen über die Arbeit hinaus noch wichtig?

Mir ist es wichtig, die spanische Kultur kennenzulernen und die Sprache zu verstehen, um damit auch private Kontakte in Spanien knüpfen zu können. Es ist schon erstaunlich, dass Manager nach Jahren aus dem Ausland zurückkommen und eigentlich nichts über ihren langjährigen Lebensmittelpunkt wissen. Und sonst? Wenn ich es irgendwann schaffe, meinen Pilotenschein durchzuziehen, dann wäre ich glücklich.

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Dieser Artikel ist erschienen am 21.11.2007