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Jörg Ueberla


Welche Schule?
INSEAD
Year of Graduation:
Dezember 1998
Heutige Position:
Partner bei Wellington Partners
Welche Schule?
INSEAD

Year of Graduation:
Dezember 1998

Die besten Jobs von allen


Heutige Position:
Partner bei Wellington Partners

A. Gehalt und Karriere

1. Rückblickend betrachtet: Wo standen Sie job- / karrieremäßig, als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?
Vor meinem MBA hatte ich das Thema meiner Doktorarbeit (Spracherkennung) benutzt, um in einem englischen startup sehr früh einzusteigen (2. Mitarbeiter, im Jahr 1994). Ich war in der Firma zuerst für die Sprachverarbeitung verantwortlich. Bei einem so kleinem Team hatten sich die Aufgaben natürlich schnell erweitert - über quality control, operational issues, Wettbewerbsumfeld bis hin zu Partnerschaftsgesprächen. Dabei war ich bei den business issues gewissermaßen ohne Ausbildung ins kalte Wasser geworfen. Daher die Motivation, eine vernünftige Business-Ausbildung zu machen.

2a. Hatten Sie vor / bei Antritt des MBA-Studiums eine klare Karriere-Perspektive?
Das startup, bei dem ich tätig war, wurde von Venture Capital finanziert. Dieser erste Kontakt mit Venture Capital hat mich fasziniert und ich hatte ein großes Interesse auf die Venture Capital-Seite zu wechseln. Allerdings war ich mir nicht 100 Prozent sicher - und habe deswegen auch noch eine Reihe anderer Optionen (big corporate, consulting) allerdings mit weniger Herzblut verfolgt.

2b. Hat sich dies dann mit / nach dem MBA auch so entwickelt?
Ich hatte nach dem MBA tatsächlich die Möglichkeit ins Venture Capital einzusteigen. Auch durch die Interviews für die Alternativen war mir zu dem Zeitpunkt klar, dass ich wirklich ins Venture Capital wollte. Von daher war die Entscheidung für mich relativ leicht und ich bin tatsächlich dort gelandet, wo ich vor dem MBA hin wollte.

3. Hat sich der MBA job- / karrieremäßig gelohnt?
Strategisch gesehen war meine Erwartung an den MBA, mir eine Reihe von Türen und Business Möglichkeiten zu öffnen. Dieser Erwartung ist der MBA eindeutig gerecht geworden und von daher hat er sich voll gelohnt. Ohne den MBA wären mir keine dieser Möglichkeiten auch nur im Ansatz offen gestanden.

4a. Wie haben Sie Ihr MBA-Studium finanziert?
Mein vorheriger Arbeitgeber war ein startup, von daher stand nie zur Debatte dass ich den MBA von ihm finanziert bekommen könnte. Ich habe den MBA daher aus eigener Tasche finanziert.

4b. Hat sich die Investition "ausgezahlt"?
Auch rein finanziell betrachtet hat sich die Investition voll ausgezahlt. Sicher ein Geschäft mit einer sehr guten Verzinsung. (Wobei mir diese Komponente deutlich weniger wichtig war als die strategische, siehe Antwort auf Frage 3)

B. Alumni-Netzwerk

5. Wie wichtig ist das Alumni-Netzwerk Ihrer Schule für Sie?
Privat gibt es einen kleinen Kern aus meiner Promotion, die zu sehr guten Freunden geworden sind und mit denen auch ständiger Kontakt besteht.
Beruflich ist das Netzwerk auch wichtig. Das Schöne daran ist, dass meiner Einschätzung nach das Ehemaligen-Netzwerk für mich noch jedes Jahr wichtiger wird. Dies hängt damit zusammen, daß sich auch die anderen Ehemaligen in Ihrer Karriere weiterbewegen und sie deswegen immer bessere Kontakte darstellen.

6. Wie nützlich sind diese Kontakte für Sie beruflich?
Sicher nützlich, über Zeit immer nützlicher. Dabei kann es bei allen Schritten des Venture Capital Geschäfts helfen: Als Quelle neuer Deals, als Unterstützung während der due diligence, als Quelle für externe board member, als Quelle für Geschäftsbeziehungen unserer portfolio Firmen, bis hin zu Kontakten für den Firmenverkauf.

C. Rückblickend betrachtet, was haben Sie in Ihrem MBA-Studium gelernt, was in Ihrem heutigen Job von Bedeutung ist?

7. An Fachwissen:
Da der MBA in meinem Fall die erste Business Ausbildung war, ist das Fachwissen, was ich dort erlernt habe, für mich in vielen Bereichen von großer Bedeutung. Das geht von Finanzen über Sales und Marketing bis hin zu Human Ressources (das Einschätzen von Leuten und Organisationsstrukturen ist im Venture Capital geschäft extrem wichtig). Es deckt allerdings eher den Grundstock ab und nicht das konkrete Wissen, was in meinem Job angewandt wird.

8. An sonstigen Fähigkeiten (soft skills etc.):
Die sonstigen Fähigkeiten erlernt man meiner Meinung nach eher on-the-job, durch echte, manchmal auch schmerzliche Erfahrung.

9. Jedes MBA-Programm, das auf sich hält, verspricht, für eine General Management-Position fit zu machen. Können Sie das aus Ihrer Erfahrung bestätigen?
Ja, es hat mich sicher deutlich in dieser Richtung voran gebracht und von daher den Grundstock gelegt. Meiner Meinung nach ist man allerdings erst nach einer Reihe von echten on-the-job Erfahrungen für eine general management-Position richtig fit.

10. Fühlten Sie sich nach / mit dem MBA für "höhere" Aufgaben besser gewappnet? Und waren Sie es - aus der Distanz betrachtet - auch tatsächlich?
Das subjektive Gefühl, besser gewappnet zu sein, war stark. Dies enstpricht meiner Meinung nach auch aus der Distanz der Realität. Da es für mich die erste Business Ausbildung war, würde es mich allerdings auch wundern, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre.

D. Die menschliche Erfahrung

11. Welche Bedeutung hat das MBA-Studium für Ihre persönliche Entwicklung?
Subjektiv meine ich, dass der Einfluß recht klein war. Das kann allerdings daran liegen, dass der MBA sich vom Umfeld her nicht so stark von meinen früheren Studienerfahrungen unterschieden hat (auch während meines Studiums in Canada war die Studentenschaft extrem international, ich hatte vorher schon etwa zehn Jahre ausserhalb Deutschlands gelebt). Durch den MBA bin ich aber einen deutlich anderen Berufsweg gegangen, und die Einflüsse in den ersten fünf Berufsjahren waren bei mir deutlich stärker. Indirekt kann man die natürlich auch dem MBA zurechnen.

12. Ein Ratschlag für jeden, der sich für einen MBA interessiert?
Meiner Meinung nach sollte man tatsächlich einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel haben, um das meiste aus einem MBA herauszuholen. Es kochen alle nur mit Wasser.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.09.2004