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Jörg Stüber (32), Teamleiter bei Ernst & Young

Chris Löwer
Er muss so gut kombinieren können wie ein Detektiv, hart recherchieren wie ein Enthüllungsjournalist und behutsam mit Menschen umgehen wie ein Psychologe.
Er muss so gut kombinieren können wie ein Detektiv, hart recherchieren wie ein Enthüllungsjournalist und behutsam mit Menschen umgehen wie ein Psychologe: Jörg Stüber, 32, Wirtschaftsprüfer und Teamleiter bei Ernst & Young.

In seiner 30-Köpfe-Mannschaft ist Stüber das Bindeglied zwischen Prüfungsassistenten und Leitung. Sein Job sei nichts für Stubenhocker, sagt der 32-Jährige. Sechs bis acht Wochen lebt er in Hotels. Und sitzt im "Prüfungszimmer" - meist ein umfunktionierter Besprechungsraum des Unternehmens, dem er in die Bücher schaut. Alltag während der Abschlussprüfung, für eine Woche oder auch einen Monat. Immer dabei: Laptop und tragbarer Drucker. "Den Bericht schreiben wir an Ort und Stelle."

Die besten Jobs von allen


Um ihn herum: Akten, Akten und noch mehr Akten. Zwischendurch Gespräche mit den Mitarbeitern der Mandanten über Unternehmenszahlen im Detail. Daraus ergeben sich Fragen. "Ich sitze nicht tagelang am Tisch, sondern ergründe in den Abteilungen, wie Zahlen zustande kommen. Ich spreche vom Buchhalter bis zum Geschäftsführer mit jedem. Wenn das erforderlich ist." Auch, wenn denen das nicht gefällt. "Man darf nicht allzu viel Respekt vor Geschäftsführern und Vorständen haben."

Akribische Suche und geregelte Arbeitszeiten - das passt in diesem Job nicht zusammen. "Während einer Jahresabschlussprüfung arbeite ich 50 bis 60 Stunden pro Woche." Schwacher Trost: überstunden lässt sich Stüber anrechnen auf ein Konto der vorgeschriebenen Mindestzeit für die Vorbereitung auf das Wirtschaftsprüferexamen. Ein Marathonlauf, für den man nicht nur Ausdauer braucht, sondern auch Biss, sagt Stüber: "Wirtschaftsprüfer müssen den Dingen auf den Grund gehen."
Dieser Artikel ist erschienen am 14.12.2001