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Jobben ist nicht gleich Jobben

Von Jan Keuchel
Viele Studenten müssen Hinzuverdienen. Beim Jobben muss sich der Student gut auskennen ? sonst wollen Fiskus und Sozialkassen ihren Anteil.
DÜSSELDORF. Kein Wunder, dass deshalb viele Studenten vor allem eins tun: sie jobben. Laut Statistischem Bundesamt waren im Jahr 2000 rund 621 000 Studenten (und Schüler) nebenher erwerbstätig ? Tendenz steigend. Zwei Jahre später, zum Zeitpunkt der letzten offiziellen Erhebung, lag die Zahl schon bei 710 000.Doch Studenten, die nicht aufpassen, müssen so manchen Euro, den sie hart erarbeitet haben, wieder abgeben. Die Vorschriften sind streng hier zu Lande ? und kompliziert dazu. ?Die Regelungen zu vereinfachen?, klagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, ?das wäre schon sinnvoll?.

Die besten Jobs von allen

Dies gilt vor allem für die Gehaltsgrenze, ab wann die Bafög-Kürzung einsetzt. Denn wer die staatliche Förderung vollständig behalten will, darf maximal den krummen Betrag von 4 206,62 Euro im Jahr oder 350,55 Euro im Monat hinzuverdienen. Auch Steuern und Sozialabgaben werden dann nicht fällig.Jeder Euro darüber, macht dagegen schon Vater Staat glücklich. Übt ein Hochschüler zum Beispiel einen 400-Euro-Minijob aus, muss er im Gegenzug auf 38,82 Euro monatlich an Bafög verzichten. Für Meyer auf der Heyde eine unnötige Bürokratisierung. ?Die Bafög-Kürzung sollte erst ab der 400-Euro-Grenze einsetzen?.Denn bei dieser Gehaltshöhe befinden sich Studenten sowieso in einem Bereich, der weitere Abgaben fordert. Handelt es sich um einen gewerbliche Minijob, zahlt der Studierende zwar keine Steuern und Sozialabgaben. Aber der Arbeitgeber muss pauschal 25 % an die Bundesknappschaft abführen (Minijob-Zentrale). Erfolgt die Beschäftigung in Privathaushalten, sind das nur 12 %. Bei der Gehaltsgrenze ist im Übrigen besondere Vorsicht angesagt: Denn die 400 Euro monatlich überschreitet man schon, wenn zusätzlich Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeld gezahlt werden.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kranken- und RentenversicherungÜbersteigt das Gehalt die 400-Euro-Grenze, dann ist Lohnsteuer fällig. Nach Auskunft des Deutschen Studentenwerks geht allerdings trotzdem kein Cent verloren, wenn der Studi im Jahr nicht mehr als den steuerlichen Grundfreibetrag von 7 664 Euro hinzu verdient. Dann bekommt er die gezahlte Steuer später über die Einkommenveranlagung zurück.Außerdem bleibt er kranken- und pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei, wenn er seine Zeit und Arbeitskraft weiter hauptsächlich für das Studium aufwendet. Als Faustregel gilt: Nicht mehr als 20 Wochenstunden sind ungefährlich. Darüber hinaus müssen gute Gründe genannt werden, warum das Studium weiter die Hauptbeschäftigung ist ? etwa weil der Job nur am Wochenende ausgeübt wird, in den Abend- oder Nachtstunden.Beiträge zur Rentenversicherung werden in dieser Gehaltsklasse dagegen in jedem Fall fällig. Für den Studenten aufsteigend von 1,94 % bei 400 Euro bis zu 9,75 % bei 800 Euro (Niedriglohnsektor). Der Beitrag des Arbeitgebers beträgt immer 9,75 %.Viele Studenten arbeiten aber nicht regelmäßig, sondern nur in den Semesterferien. Auch diese Gruppe muss eine Lohnsteuerkarte vorlegen, erhält in der Regel aber die vom Arbeitgeber einbehaltene Steuer bei der Einkommensteuerveranlagung zurück (sofern der Grundfreibetrag von 7 664 Euro nicht überschritten wird). Erfolgt die Tätigkeit ausschließlich in der vorlesungsfreien Zeit, müssen keine Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung abgeführt werden. In die Rentenkasse muss dagegen eingezahlt werden, und zwar aufsteigend nach Lohngröße für die Studenten (bis maximal 9,75 %). Der Satz des Arbeitgebers beträgt lohnunabhängig stets 9,75 %.Studenten, die sich nicht in einer diesen Kategorien wiederfinden, müssen nicht lange überlegen ? sie werden wie jeder normale Arbeitnehmer behandelt.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Eine Bürokratenklippe sind Kindergeld bzw. Kinderfreibetrag Eine weitere Bürokratenklippe sind Kindergeld bzw. Kinderfreibetrag sowie der Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung (924 Euro jährlich). Bei einem eigenen Einkommen des Studenten von mehr als 7 680 Euro müssen Mutti und Vati nämlich auf diese staatlichen Förderungen verzichten. Der Ausbildungsfreibetrag wird schon ab einem Gehalt von 1 848 Euro jährlich gemindert. Da das Kindergeld ein Rechtsanspruch der Eltern ist, können Studenten im Übrigen das Geld nicht für sich verlangen.Wer seinen Lohn versteuern muss, kann im Gegenzug aber auch die Kosten für sein Erststudium absetzen. ?Diese Aufwendungen können ab 2004 bis zu 4 000 Euro im Jahr als Sonderausgaben abgezogen werden?, weiß Claudia Ende von der Bundesteuerberaterkammer. Zu den absetzbaren Kosten gehören laut Ende etwa Studiengebühren, Kosten für Fachbücher sowie für Computer, auswärtige Unterbringung, Fahren zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder das häusliche Arbeitszimmer.Wenn es sich um ein Erststudium innerhalb eines Dienstverhältnisses handelt, etwa ein praxisintegriertes BWL-Studium, können die Ausgaben sogar unbegrenzt geltend gemacht werden. Außerdem können ? unabhängig von einem Arbeitsverhältnis ? Zahlungen für ein Zweitstudium voll abgezogen werden, wenn sie in einem konkreten Zusammenhang zu späteren Einnahmen aus dem angestrebten Beruf stehen.Und ist der Student besonders strebsam, wartet am Ende noch ein letztes Zückerchen: ?Wer seinen Doktor gemacht hat?, sagt Ende, ?der kann schließlich auch noch die Promotionskosten absetzen?.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.04.2005