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Joachim Klewes kehrt zurück

Von Maike Telgheder
Der Großmeister der PR-Branche kehrt zu seinen Anfängen zurück. Joachim Klewes wird Senior-Partner des Agenturriesen Pleon. So wie er vor zehn Jahren ausstieg, kehrt er nun zurück ? völlig überraschend.
Joachim Klewes kehrt zu seinen Anfängen zurück. Foto: Joachim Klewes
DÜSSELDORF. Die Nachricht sorgt für Schlagzeilen. Ein Star der deutschen PR-Szene verlässt sein Unternehmen. Joachim Klewes steigt beim Branchenführer Kohtes & Klewes aus ? und überrascht so vor zehn Jahren die Branche.Jetzt, fast genau zehn Jahre später, kehrt er ebenso überraschend wieder zurück. Heute wird offiziell bekannt gegeben, dass der 52-Jährige künftig wieder bei der von ihm und Paul Kohtes gegründeten Public-Relations-Agentur arbeitet, die inzwischen Pleon heißt.

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Joachim Klewes wird ab kommendem Januar Senior-Partner. Er soll Kunden beraten, den PR-Nachwuchs ausbilden und neue Beratungsansätze in Europas größter Agenturgruppe, wie Pleon sich nennt, vorantreiben. Da sitzt er dann im zweiten Stock der Zentrale in Düsseldorf unweit von Agentur-Mitgründer Paul Kohtes, der noch einen Tag in der Woche als Senior-Berater wirkt.Klewes gehört zu den wenigen Menschen, denen man schon im Alter von Mitte 40 den Titel der grauen Eminenz anhängte. Das liegt zweifellos an seinen Verdiensten für die PR-Branche. Zu deren Professionalisierung hat er in den vergangenen zwei Jahrzehnten viel beigetragen. So hat er neue Techniken entwickelt, um den Erfolg von PR-Kampagnen zu messen. Und es liegt an seiner zusammen mit Paul Kohtes 1988 gegründeten Agentur Kohtes & Klewes (K&K), die beide binnen weniger Jahre zum Branchenführer ausgebaut haben. Eine Erfolgsgeschichte, über die auch die Konkurrenten heute noch anerkennend sprechen.Nicht zuletzt dürfte der gebürtige Sauerländer mit dem kurz geschorenen grau-weißen Haarwuchs selbst seinen Ruf durch sein distinguiertes Auftreten befördert haben: dunkelblauer Dreiteiler, Manschettenknöpfe im hellblauen Hemd, die dezent das Muster der Krawatte fortsetzen sowie die aufgestickten Initialen J.K. auf dem Ärmelaufschlag folgen dem jüngsten Diktat der Eleganz.Mit wohltemperierter Stimme und effektvollen Handbewegungen unterstreicht er Aussagen wie diese: ?Das Reizvolle an meiner neuen Aufgabe ist, dass ich mich inhaltlich engagieren kann, ohne von Managementaufgaben absorbiert zu werden.? Gleichzeitig bleibe genug Zeit für seine Honorarprofessur an der Freien Universität Berlin sowie sein Kommunikationsforschungsinstitut com.X, sagt der Heimkehrer.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Beratung auf AugenhöhePleon-Deutschlandchef Frank Behrendt, 43, der vor fast 20 Jahren bei Klewes als Texter vorsprach, jedenfalls freut sich sichtlich, ?mit Klewes einen der profiliertesten Köpfe der deutschen Kommunikationsszene? gewonnen zu haben. Insbesondere für die Unterstützung der Beraterteams verspricht er sich viel von dem ?added brain?, wie er es nennt, des neuen, altbekannten Senior-Beraters.Für Timo Sieg, Europachef bei Pleon, ist Klewes mit seiner Erfahrung, Professionalität und Abgeklärtheit und nicht zuletzt seinen Kontakten genau der richtige Ansprechpartner für die Entscheidungsträger in den Kundenunternehmen, die Beratung auf Augenhöhe wollen. Pleon berät unter anderem 17 der 30 Dax-Unternehmen. Dass er quasi seinen ehemaligen Chef einstellt ? Sieg wurde vor elf Jahren von Klewes engagiert?, davon könne man nun wirklich nicht sprechen. Das Verhältnis sei in den vergangenen Jahren immer partnerschaftlich unverkrampft gewesen, sagt Sieg.Klewes hatte Ende 1996 seinen Ausstieg bei Kohtes & Klewes damit begründet: ?Ich will mit 43 noch mal etwas Neues anfangen.? Er machte sich mit der Unternehmensberatung K.Brain selbstständig, war ein Jahr lang Gesellschafter und Europa-Präsident der Public-Relations-Agentur Edelman, gründete in der New-Economy-Phase zwei Kommunikationsdienstleister, die mittlerweile verkauft sind.Im Jahr 2000 gründete er zusammen mit dem ehemaligen Journalisten und K&K-Mann Alexander Güttler die Unternehmens- und Kommunikationsberatung Güttler+Klewes, führte sie ein Jahr später in die Komm.passion-Group über, die durch Fusionen und Übernahmen binnen fünf Jahren zu einer 100-Mann-Agentur anwuchs.Letzten Monat schließlich beendete Klewes sein Engagement bei Komm.passion. Es sei mit seinem Gründungspartner von Anfang an so verabredet gewesen, sagt er, dass man nach fünf Jahren Bilanz ziehe. Es sei eine gute Zeit gewesen, aber jetzt locke eine neue Aufgabe ? ansonsten will er das Thema nicht weiter vertiefen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Platz für QuerdenkerDass Klewes seinen eigenen Kopf hat und damit nicht immer auf Gegenliebe stößt, bestätigen Weggefährten: ?Joachim Klewes polarisiert, weil er seine Meinung und seine Empfehlungen sehr klar äußert. Das will nicht unbedingt jeder Kunde hören?, sagt Klaus Hillebrandt, ehemaliger Coca-Coca-Kommunikationschef und zeitweise Partner bei K&K. Klewes selbst greift zu seinen Lieblingssportarten Yachtsegeln und Kutsche fahren, um sich zu erklären: ?Das sind beides Sportarten, bei denen man sehr teamorientiert sein muss. Einer alleine kann da gar nichts ausrichten. Trotzdem ist es wichtig, dass man weiß, wo man hinwill und dass man zu bestimmten Zeiten auch seinen eigenen Kopf durchsetzt.?Bei Pleon jedenfalls ist durchaus Platz für solche Leute, macht Deutschlandchef Behrendt klar. ?Klewes ist gewollt als Impulsgeber und Querdenker.? Eine Rückkehr zu seiner Agentur ist es für den PR-Profi Klewes übrigens nur bedingt. ?Ich kehre zu einem anderen Unternehmen zurück, als ich verlassen habe. Die starke unternehmerische Orientierung, die positive Aggressivität und der Biss sind geblieben?, sagt Klewes. Aber was das Leistungsspektrum anbelangt, so sei Pleon heute viel breiter aufgestellt als damals und biete Zugang zu allen Kommunikationsdisziplinen.Wie die Agentur weiterentwickelt werden kann, das beschäftigt ihn heute schon: ?Ich denke, dass es in ein paar Jahren einen Agenturtypus geben wird, den wir uns heute noch nicht vorstellen können?, sagt er und verweist auf die USA, wo es Anwaltskanzleien gibt, die eigene PR-Töchter gegründet haben.?Warum sollen wir nicht Anwälte, Wirtschaftsprüfer und andere Professionals in unser Team nehmen ? oder ganze Teams aus diesen Spezialisten integrieren? Auch hier zu Lande werden wir Kommunikationsthemen noch viel disziplinübergreifender angehen müssen?, findet er.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.10.2006