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Joachim Hunold, Air Berlin

Christoph Jon Berndt
Dieser hemdsärmelige Lautsprecher ist die Sorte Chef, vor der uns die Karriereberater immer gewarnt haben: ungefragter Duzer, Schulterklopfer, Rampensau, Betriebsratsallergiker. Andererseits: Er schafft hart ran, macht aus roten Zahlen schwarze, ist beim Feiern morgens um 6 noch für Personal und Zapfhahn da, versprüht Aufschwunggefühle, bevor sie entstehen.
Was hält man von einem wie Joachim- "Ich bin der Achim"-Hunold, CEO von Air Berlin? In Arbeitsethik kommt bei ihm der Eintrag ins Klassenbuch noch vor den Fleißbildchen, in Machiavellismus stünde durchaus ein Bildchen zur Verklebung an. Jetzt greift er auch noch nach der Condor, und die Condorista bangen schon mal um die Tarifverträge.

Nicht erst die externe Weiterbildung zum Systemiker lehrt, dass feine Zurückhaltung zeitlose Tugend ist; dass der wahre Charismatiker ein beredter Schweiger ist, mit Augen und Ohren reichlich nehmend und mit dem Munde sparsam gebend; und dass "flach spielen, hoch gewinnen" weiter angesagt ist, beim Flurfunk wie in der Montagsrunde mit dem Leitungskreis. Überzeugen mit Taten statt Übertönen mit Raten!

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Nein, eine scheckheftgepflegte Boeing würde man Hunold ohne neutrales Wertgutachten nicht unbedingt abkaufen; unbesehen jedoch ein 49-Euro-Frühbucherticket nach Mallorca. Den Aachener Karnevalsorden bekam er dafür, "dass es auch heute noch Männer gibt, die den Mut haben, ein Typ zu sein". Und den Mund macht der Typ auf, "wenn ich meine, es läuft einiges schief ? Das halte ich für meine Bürgerpflicht."

Für dieses Maß an Selbstherrlichkeit gebührt Hunold kritisch-distanzierte Anerkennung; aber nur, weil er mit einer Condor-Übernahme Größeres schaffen wird, als er mit lautesten Worten je verkündete. Performer dürfen durchaus laut sein - wenn das Verhältnis zwischen Pegel und Performance stimmt.

Und wenn selbst sie zur rechten Zeit erkennen, wann beredtes Schweigen besser ist: Beim "Achim" hat das während des Börsengangs von Air Berlin, wenn auch erst im zweiten Anlauf, gerade noch geklappt.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.10.2007