Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Jens & Michelle

Noch nie hatte ich so gefroren wie an diesem Februartag 2001, als ich in Chicago aus dem Cockpit meines Lufthansa-Airbus stieg. Minus 20 Grad, schrecklicher Wind. Aber irgendwie hat dieses Wetter Michelle und mich zusammengebracht. Ich kam aus München, obwohl meine Einsätze normalerweise in Frankfurt starten; Michelle kam aus Frankfurt, obwohl sie damals in München stationiert war. Ihr erster Langstreckeneinsatz "on duty" als Flugbegleiterin.
Noch nie hatte ich so gefroren wie an diesem Februartag 2001, als ich in Chicago aus dem Cockpit meines Lufthansa-Airbus stieg. Minus 20 Grad, schrecklicher Wind. Aber irgendwie hat dieses Wetter Michelle und mich zusammengebracht. Ich kam aus München, obwohl meine Einsätze normalerweise in Frankfurt starten; Michelle kam aus Frankfurt, obwohl sie damals in München stationiert war. Ihr erster Langstreckeneinsatz "on duty" als Flugbegleiterin.

Wegen Schnee beim Start in Frankfurt landete Michelle verspätet in Chicago - zum Glück, denn sonst wäre sie schon auf dem Rückflug nach Frankfurt gewesen und wir hätten uns nicht getroffen. Wir liefen uns in der Hotellobby und danach im Abflugbereich des Flughafens über den Weg. Irrtümlich hatte ihr einer gesagt, dass ich zur Münchener Crew gehörte, und da wollte sie ihrem künftigen Kollegen Hallo sagen. Für das Missverständnis werde ich ewig dankbar sein. Wir plauderten so nett, dass ich sie nach der Ankunft in Frankfurt auf einen Kaffee einladen wollte. Später gestand sie mir, dass sie erst in diesem Augenblick die drei Kopilotenstreifen an meinem Ärmel bemerkte. Sie bekam einen ordentlichen Schreck, denn sie hatte mich gleich geduzt. Den Kaffee schlug sie aus. Sie wolle ihre Eltern am Bodensee besuchen, sagte sie. Der Fünf-Minuten-Plausch war mir richtig in die Glieder gefahren. Ich konnte sie die ganze Zeit im Cockpit nicht vergessen und wusste nicht einmal, wie sie hieß. Ich besorgte mir die Crewliste des Frankfurt-Flugs, auf der ich ihren Namen sofort fand, weil der erste On-Duty-Einsatz eines Crewmitglieds immer vermerkt wird. Übers Internet recherchierte ich ihre Telefonnummer - ich wusste ja, dass die Postleitzahl zum Bodensee passen musste -, fand sogar ihre Handynummer und schickte eine SMS. Eine Woche darauf holten wir den Kaffee in München nach. Es blieb nicht der letzte:

Die besten Jobs von allen


Im August 2002 haben wir geheiratet. Viele meiner bislang 4.000 Flugstunden haben wir zwar nicht zusammen an Bord verbracht. Die Einsatzplanung versucht aber unsere Dienstpläne so zu koordinieren, dass wir einmal pro Monat gemeinsam fliegen und unsere freien Tage zusammen verbringen können. Und das Du bei der Arbeit haben wir natürlich beibehalten.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2004