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Jasmin & Markus

"Wir sind das größte Heiratsinstitut der Welt", scherzte mein Chef an meinem ersten Arbeitstag bei der Deutschen Bank in Konstanz. Ich habe nur gelächelt und gedacht: "Never - das passiert mir bestimmt nicht." Es kam anders. Ich wechselte nach Frankfurt, sozusagen in die Zentrale des Heiratsinstituts.
"Wir sind das größte Heiratsinstitut der Welt", scherzte mein Chef an meinem ersten Arbeitstag bei der Deutschen Bank in Konstanz. Ich habe nur gelächelt und gedacht: "Never - das passiert mir bestimmt nicht." Es kam anders. Ich wechselte nach Frankfurt, sozusagen in die Zentrale des Heiratsinstituts. Anfangs war ich so mit meinem neuen Job im Depotbankservice beschäftigt, dass ich den netten Kollegen nebenan überhaupt nicht wahrnahm. Eines Tages stand ich mit einem Problem vor ihm. Als er mit strahlendem Lächeln sagte, ich solle mir keine Sorgen machen, er kümmere sich darum, war es um mich geschehen. Von dem Moment an ließ ich keine Gelegenheit aus, ihm zufällig über den Weg zu laufen

Die zahlreichen Abteilungspartys kamen mir gerade recht. Lange war ich nicht sicher, ob Markus so fühlte wie ich. Also versuchte ich, viel Zeit in seiner Nähe zu verbringen, ohne einen Verdacht bei den Kollegen aufkommen zu lassen. Endlich wagte ich es, mich mit ihm in der Kantine zu verabreden - im Betreff meiner Mail schrieb ich: "Antrag auf Eintrag in Ihrem Terminkalender". Von dem Tag an trafen wir uns regelmäßig nach Feierabend.

Die besten Jobs von allen


Mit diversen Tricks, zum Beispiel unbeobachteten Aufzugfahrten, und dem Prinzip "Getrennt das Büro verlassen, gemeinsam nach Hause kommen" schafften wir es, dass in den ersten Monaten niemand von uns erfuhr. Im Nachhinein weiß ich, dass unsere Befürchtungen unnötig waren - ich habe oft den Eindruck, dass die Kollegen unsere Beziehung mitleben. Mittlerweile sind wir seit mehr als drei Jahren ein Paar - in dieser Zeit wurden wir beide zu Teamleitern befördert - und gerade mit dem privaten Projekt Hausbau beschäftigt. Wir fahren täglich gemeinsam zur Arbeit, sehen uns in denselben Meetings und verbringen 90 Prozent unserer Lunch-Dates miteinander.
Im Büro sitzen wir 20 Meter entfernt, obwohl ich inzwischen wegen Outsourcing Mitarbeiterin der State Street Bank bin. Eine Vereinbarung ist uns sehr wichtig: Spätestens beim Betreten der heimischen vier Wände ist das Thema Büro beendet. In unserer 120-Mitarbeiter-Abteilung gibt es neben uns vier weitere Pärchen. Zumindest weiß ich von vier.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.08.2004