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Jan Hellmich

Hallo, meine Name ist Jan, ich bin 31 Jahre alt und mache derzeit meinen MBA an der Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia. Vor meinem MBA habe ich bei einem grossen, deutsch-amerikanischen Automobilhersteller gearbeitet. Aber fangen wir mal vorne an:

Ich bin in der Naehe von Stuttgart aufgewachsen und habe sowohl mit meinen Eltern als auch spaeter alleine im Rahmen eines High School Austauschprogramms einige Jahre in den USA gelebt. Nach Zivildienst und einem Studium zum Diplom-Betriebswirt (BA) in Stuttgart und Madrid fing ich Ende 2000 als Produktmanager bei eben jenem Autohersteller im deutschen Vertrieb in Berlin an. Nach ca. 2 Jahren in der Hauptstadt bin ich dem "Ruf in die Konzernzentrale" nach Stuttgart gefolgt und war dort fuer das weltweite Produktmanagement einer Fahrzeugreihe zustaendig.

Die besten Jobs von allen



  • Zurueck auf dem Campus
  • Das Leben in Philly
  • Cohorts, Pods, etc. ? der Orga-Overkill
  • Notengebung und Grade-Non-Disclosure
  • Der typische Tag im Leben eines Wharton MBAs
  • Recruiting - Die Suche nach einem Summer Internship
  • Wharton Global Immersion Program ? Reise ins Reich der Mitte
  • Was machen eigentlich die Partner waehrend des MBAs?
  • Das zweite MBA-Jahr beginnt
  • Was um Himmels Willen ist ein Leadership Fellow?
  • How was your summer? Are you going back?
  • Upcoming MBA Events
  • Fundraising - Klotzen statt Kleckern
  • Die German MBA Conference
  • "Im zweiten Jahr wird alles besser!"
  • Die Entscheidung für die Zeit nach dem MBA
  • Der Super-Februar
  • Wharton, Walton und Watson
  • Wharton mal aus einer anderen Perspektive

    Nach zwei Traumjobs fuer so einen Autonarren wie mich und nach 3 œ Jahren in meiner letzten Position habe ich mir die Frage gestellt, wie es weitergeht. Die Zeit war reif fuer eine neue Herausforderung und neben einem MBA kam fuer mich auch der Wechsel an einen auslaendischen Konzernstandort in Frage. Allerdings wuerde ich dort zwar zusaetzliche Auslandserfahrung sammeln, haette aber weiterhin in meinem angestammten Aufgabengebiet gearbeitet. Ein MBA hingegen, so hoffte ich, wuerde es mir ermoeglichen, auf meiner Erfahrung aufzubauen, eine generalistische Management-Ausbildung zu erhalten, interessante Leute kennenzulernen und gleichzeitig sowohl mein Fernweh als auch das Fernweh meiner Frau zu stillen. Und ich wurde nicht enttaeuscht. Aber dazu spaeter mehr..

    Die Vorbereitungen auf den MBA und das Bewerbungsverfahren bei diversen Business Schools ist ja bekanntlich bereits sehr intensiv. Neben TOEFL, GMAT und Essays, Interviews und Recommendations muss schliesslich auch erst einmal die richtige Business School ausgewaehlt werden. Ich hatte ca. 6 Monate fuer den gesamten Prozess einkalkuliert und habe diesen Zeitraum auch im nachhinein als angemessen empfunden. Natuerlich gilt: je mehr Zeit man investieren kann, desto besser

    Warum fiel die Wahl also auf die Wharton School? Zunaechst einmal habe ich mich bewusst fuer ein 2-jaehriges MBA-Studium entschieden, da ich eine moeglichst intensive (also sowohl breite als auch tiefe) Managementausblidung erhalten wollte. Darueber hinaus wollte ich mir die Moeglichkeit offen halten, per Summer Internship eine neue Branche kennenzulernen.

    Bei der Auswahl der Programme habe ich mich natuerlich der ueblichen Informationsquellen bedient: Rankings, Infoveranstaltungen, Gespraeche mit Alumni, Internetrecherche etc. Richtig kennenlernen kann man eine Schule aus meiner Sicht aber nur, wenn man sie tatsaechlich besucht und dadurch auch ein "Gefuehl" fuer den Ort bekommt, an dem man die naechsten Monate und Jahre verbringen wird. Ich habe daher alle Interviews on campus gemacht, um gleichzeitig Vorlesungen zu besuchen, mit Studenten Essen zu gehen, mir die Stadt anzuschauen und so die Schule kennenzulerenen. Ich habe also eine kleine Bewerbungstour durch die USA und UK gemacht und habe in 7 Tagen 6 Interviews in 4 verschiedenen Staedten gefuehrt. Dass man danach etwas mitgenommen ist, kann man sich vermutlich vorstellen. Dennoch hat es sich absolut gelohnt

    Den eigentlichen Ausschlag fuer Wharton hat dann auch eben dieser Besuch und der Kontakt mit den damaligen Studenten gebracht. Die Stimmung, die Leute und das gesamte Umfeld in Wharton haben mich von Anfang an begeistert. Und obwohl Wharton natuerlich in vielen Dimensionen eine Top-Schule ist, waren meine persoenlichen Gruende, hierher zu kommen im Endeffekt..

  • Flexibilitaet und Qualitaet der Ausbildung: Wharton hat nicht nur ein sehr gutes Finance Department sondern bspw. auch das weltweit groesste Marketing Department. Darueber hinaus bietet die University of Pennsylvania nahezu endlos viele Moeglchkeiten Kurse an anderen Fakultaeten zu belegen. Kurse aus dem Erstsudium werden haeufig anerkannt, damit man Dinge nicht doppelt lernen muss.
  • Die Leute und die Stimmung an der Schule und auf dem Campus (nahezu alles in Wharton's MBA-Proramm ist "student run"- also von Studenten fuer Studenten organisiert)
  • Der Ruf und die Tradition der Schule: Wharton ist z.B. die aelteste Business School der Welt
  • Die Tatsache, dass sowohl meine Frau als auch ich uns auf Anhieb vorstellen konnten, in Phildalphia (welches ein ziemlich europaeisches Flair hat) zu leben

    Der nicht so schoene Teil: die Kosten
    Nun ist so ein MBA ja aber nicht gerade billig. Der Wharton-MBA kostet derzeit 44.795 US-Dollar pro Jahr. Das MBA Program Office geht von einem notwendigen jaehrlichen Gesamtbudget von 69.369 US-Dollar pro Student aus (ich bin mir sicher, die Marketingprofessoren haben dafuer gesorgt, dass die psychologisch wichtige Preisgrenze von 70.000 nicht ueberschritten wird). Lebenshaltungskosten fuer Partner, Kinder und teure Hobbies sind dabei natuerlich nicht eingeschlossen. Ich halte diese Zahl allerdings fuer zu niedrig und kalkuliere eher mit ca. 100.000 Dollar pro Jahr - schliesslich bin ich ja auch mit meiner Frau hier und wir haben daher eine groessere Wohnung, hoehere Krankenversicherungskosten etc

    Diese Zahl ist natuerlich erst einmal unglaublich hoch. Woher all das Geld nehmen? Die gute Nachricht: 90 % der Gesamtkosten koennen per Darlehen gedeckt werden, welche durch die Schule organisiert werden. Darueber hinaus stellt sowohl die Schule als auch eine Vielzahl weiterer Organisationen Stipendien zur Verfuegung, fuer welche man sich bewerben kann. Der Grossteil der Studenten finanziert sich auf diesem Weg zusammen mit dem Einsatz von Ersparnissen den MBA. Rechnet sich der MBA denn ueberhaupt? Das ist sicherlich eine sehr interessante Frage, welche wir gegebenfalls spaeter behandeln werden

    Die ersten Eindruecke vom Leben als MBA Candidate
    Nun aber zum eigentlichen Thema; wie ist denn so das Leben als MBA Candidate (wie die MBA Studenten hier genannt werden)? Meine Ankunft in Wharton liegt nun schon ueber 6 Monate zurueck. Am Anfang steht das sogenannte pre-term, denn in Wharton muessen alle neuen Studenten an einer einmonatigen Einfuehrungsveranstaltung teilnehmen, bei welcher sichergestellt wird, dass alle gewisse Grundkenntnisse haben, die ersten Klausuren einem bereits den Angstschweiss auf die Stirn treiben und man vor allem viel Gelegenheit hat, die neuen Kollegen kennenzulernen und mit Ihnen ausgiebig zu feiern. Im pre-term hat man eine Vielzahl von Bootcamps (Vorlesungen, bei welchen man bspw. statistisches und mathematisches Grundwissen wieder auffrischen kann) aber auch bereits einige Wahlfaecher, wie z.B. "Business history" oder "Communication in times of crisis", welche freiwillig besucht werden koennen und welche einem einen Vorgeschmack auf die unglaubliche Breite des MBAs in Wharton geben. Der kroenende Abschluss des pre-terms ist dann ein mehrtaegiges "learning team retreat". Die gesamte Class of 2008 (in Wharton ca. 800 Studenten) faehrt gemeinsam in die Catskill Mountains, wird von 40 sogenannten leadership fellows bespasst und verbringt einige Tage miteinander in einem rustikalen Camp. Dort wird man in Learning teams eingeteilt, mit welchen man das gesamte erste Jahr verbringt, und hat natuerlich gleich bei einer Vielzahl von team building events die Moeglichkeit, sich kennenzulernen

    Mehr dazu in den kommenden Wochen an dieser Stelle... Zurueck auf dem Campus

    Zurueck vom Learning Team Retreat in den Catskill Mountains trifft einen erst einmal der grosse Schock. Die John M. Huntsman Hall, das hochmoderne Hauptgebaeude der Wharton Business School, im pre-term ausschliesslich von einigen Professoren, den Angestellten und eben den 800 MBAlern der Class of 2008 bevoelkert, muss auf einmal mehr als 2.000 Undergrads sowie eine zusaetzliche MBA Class (die Class of 2007, welche nach dem Summer Internship sehr gut gelaunt wieder auf dem Campus eintrifft) aufnehmen. Dies aendert die Atmosphaere in der Huntman Hall natuerlich gewaltig!

    Was im pre-term noch wie ein riesiger, teilweise bedrueckend ruhiger Raum wirkte, verwandelt sich ploetzlich in eine Art Bienenstock, in welchem es Tag und Nacht nur so brummt. Zu allen Tages- und Nachtzeiten sind die Study Rooms gefuellt mit Learning teams, die dort Ihre Besprechungen abhalten. Ueberall ist immer etwas los. Diese pulsierende, mitreisende Atmoshpaere ist absolut genial! Auf der anderen Seite ist es aber schon erstaunlich, wie man bei einem Gebaeude, welches erst vor 4 Jahren in Betrieb genommen wurde und 140 Millionen Dollar gekostet hat, nicht einmal genuegend - und vor allem ausreichend grosse - Lockers (Schliessfaecher) und Quiet Study Spaces fuer alle Studenten einplanen kann. Da sieht man mal, dass auch auch die groessten Business Schools nicht gegen planerischen Fehlgriffe immun sind

    Vom ersten Tag an sehr faszinierend fand ich die Internationalitaet in Wharton, die ja so nicht bei allen amerikanischen Business Schools gegeben ist. In meiner Klasse, der MBA Class of 2008, sind ca. 40% Studenten aus dem Ausland. Die offizielle Statistik besagt, dass 70 verschiedene Nationen repraesentiert sind. Auffallend ist aber auch, dass sehr viele der Amerikaner in Wharton auch schon ueber mehrere Jahre hinweg im Ausland gelebt haben. Einige meiner engsten amerikanischen Freunde haben beispielsweise mit der Navy einige Jahre in Italien verbracht, in Afrika bei einem Finanzunternehmen gearbeitet oder mehrere Jahre in Europa studiert. Ausserdem bin ich jeden Tag wieder ueberrascht, wieviele Sprachen meine Komolitonen sprechen. War man frueher bereits mit zwei Fremdsprachen sehr gut unterwegs, so hat sich der Standart in dieser Hinsicht scheinbar etwas nach oben entwickelt.

    Dieses internationale Umfeld trifft auf dem Campus der University of Pennsylvania, zu welcher die Wharton School ja gehoert, auf das klassiche Ivy League-Umfeld. Die Universitaet befindet sich auf einem riesigen Areal einige Blocks westlich von Center City zwischen 31. und 40. Strasse und Chestnut und Spruce Street (5 Blocks). Da Penn eine der aeltesten Universitaeten in den USA ist, wundert es nicht, dass ein Grossteil des Campus' von alten (fuer amerikanische Verhaeltnisse sogar sehr alten) Villen gepraegt ist, die ueber die Jahre hinweg mit Spendengeldern wohlhabender Ehemaliger erbaut wurden.

    Typisch fuer Philly ist auch, dass auf dem Campus eine Vielzahl von Kunstobjekten zu bestaunen sind. Darunter natuerlich das beruehmte LOVE-Symbol, welches in Philadelphia, der "City of brotherly love", mittlerweile als Stadtsymbol angesehen wird. Lediglich eine Rocky-Statue (ebenfalls ein sehr beruehmter - wenn auch imaginaerer - Buerger dieser Stadt) fehlt auf dem Campus und steht dafuer vor den Stufen des Philadelphia Museum of Art. Ganz wie im Film eben...

    Eingebettet in diese Campus-Landschaft gibt es eine riesige Infrastruktur, welche das Herz des durchschnittlichen, europaeischen Studenten hoeherschlagen laesst: diverse Bibliotheken, Copy Shops, Kurierdienste, Cafes, Kantinen und ein riesiger Sportkomplex mit einem Fitnesstudio welches ueber 5 Etagen verteilt neben dem ueblichen (wie z.B. Hallenbad mit 50-m-Olympiabecken!!!) natuerlich auch die notwendigen amerikanischen Spielereien wie Kletterwand und Golfsimulator bietet. Ausserdem darf natuerlich auf keinem amerikanischen Campus das riesiges Football Stadion fehlen. Darueber hinaus ist mit dem Penn Hospital auch noch eines der groessten Krankenhaeusser in den USA an die Universitaet angeschlossen. Und wie so viele, behauptet auch die UPenn, dass der erste Computer der Welt dort erfunden und gebaut wurde. Das Leben in Philly

    Wie ist denn nun aber das Leben in Philly? Metropolitan Philadelphia (also der Grossraum Philly) hat derzeit ca. 6 Millionen Einwohner und ist damit die fuenftgroesste Stadt in den USA. Whartonites leben meistens in Center City oder University City, wobei in University City die Naehe zum Campus und die guenstigeren Mieten definitive Vorteile sind. In Center City hingegen hat man mehr Nightlife, mehr Moeglichkeiten die kulturellen Highlights Phillys zu geniessen und lebt nicht inmitten von Tausenden von Studenten, welche die verschiedensten Fakultateten der University of Pennsylvania oder der in der Naehe gelegenen Drexel und Temple Universities besuchen.

    Im Endeffekt ist aber die Wahl des Wohnorts, sofern nicht von Beduerfnissen wie Kindergarten/Schule fuer die Kinder o.ae. gepraegt, oftmals einfach nur Geschmackssache. Philadelphia verfuegt naemlich ueber ein fuer amerikanische Verhaeltnisse sehr gut ausgebautes Nahverkehrsnetz mit Subways, Trolleys und Bussen. Ausserdem kann man die Entfernung zwischen Center City und der Uni auch problemlos zu Fuss zuruecklegen. Ich gehe von meinem Apartment in einer ehemaligen Fabrik am Rande von Center City ca. 20 Minuten zum Campus und geniesse es, mit diesem kleinen Spaziergang vor und nach der Uni mal den Kopf frei zu bekommen. Wenn es hingegen regnet oder schneit, dann sieht man morgens um kurz vor neun in Wharton dutzende von Taxis im Akkord vorfahren, welche die MBAs von Center City nach Wharton befoerdern

    Aus touristischer Sicht ist Philadelphia ebenfalls eine Reise wert. Old city, der aelteste Teil Philadelphias, ist sehr europaeisch gepraegt und hat sehr viele alte Bauwerke und wunderschoene kleine Gaesschen, die man auch in Holland vorfinden koennte. Die Details erspare ich mir, da sie ja in jedem Reisefuehrer nachzulesen sind, aber zu den Highlights eines Philadelphiabesuchs zaehlen neben vielen weiteren Dingen sicherlich die historische Liberty Bell (das Symbol fuer die amerikanische Unabhaengigkeit), die diversen, erstklassigen Museen der Stadt (Philadelphia Museum of Art, Rodin Museum, Barnes Foundation etc.), ein Rundgang durch Old City und eine Tour um die alten Regierungsgebaeude (die Stadt war bis 1800 Hauptstadt der USA). Auch verkehrstechnisch ist Philadelphia gut versorgt: mit dem Zug ist man in etwas mehr einer Stunde in New York und in etwa zwei Stunden in Washington. Da Philadelphia das Drehkreuz von US Airways ist, gibt es ausserdem mehr als genug taegliche Direktfluege in jede grosse Stadt in den USA und nach Europa.

    Glaubt man der Statistik, so ist Philadelphia auch eine der kriminellsten Staedte der USA. Und das will sicherlich etwas heissen. Allerdings muss angemerkt werden, dass ausser Kleinkriminalitaet o.ae. in Center City und University City eigentlich selten etwas passiert. Oftmals handelt es sich bei vielen der Delikte um Bandenkriminalitaet, welche sich in West Philadelphia oder South Philadelphia abspielt. Gegenden also, die man als normaler Student in Philly ohnehin eher selten zu Gesicht bekommt. Sowohl meine Frau als auch ich fuehlen uns in Philadelphia sehr sicher. Und wenn einem mal etwas komisch vorkommt, dann nimmt man einfach schnell eines der vielen Taxis, die man eigentlich immer ueberall findet. Nichtdestotrotz gilt: Philadelphia ist eine amerikanische Millionenstadt und die entsprechenden Verhaltensregeln, welche man heute in jedem Reisefuehrer nachlesen kann, sollte man natuerlich hier genauso beachten wie in New York, London oder Rom

    Alles in allem, fuehlen wir uns in Philly sehr wohl. Man hat oft das Gefuehl, dass Philly ein wenig von allem bietet: ein paar Wolkenkratzer (aber natuerlich nicht so viele wie in New York), mit Delaware und Schuylkill River einige Wasserflaechen (aber bei weitem nicht so viel wie in Chicago), viel europaeisches Flair (aber natuerlich nicht so viel wie in Paris oder Amsterdem) und diverse Gruenflaechen (aber leider auch nicht so viel wie z.B. im Central Park). Der grosse Vorteil von Philly ist sicherlich, dass es eine Millionenstadt ist, welche aber bei weitem nicht so anonym ist wie andere Staedte dieser Groesse. Die kleinen kopfsteingepflasterten Gassen, die man selbst in Center City haeufig findet, lassen einen schnell vergessen, wie gross diese Stadt tatsaechlich ist und die Tatsache, dass man hier viele Strecken zu Fuss zuruecklegen kann und immer und ueberall Freunde aus Wharton trifft, lassen den Wohlfuehlfaktor sehr schnell nach oben gehen

    Nachdem wir diesmal einen Blick auf das gesamte Umfeld hier in Wharton und Philadelphia geworfen haben, schauen wir uns beim naechsten Mal das akademische Leben in Wharton genauer an. Bis dahin, viele Gruesse aus Philly!!! Cohorts, Learning teams, Pods, etc. ? der Organisations-Overkill

    Wharton ist mit 800 full-time MBA-Studenten pro Jahr eines der groessten MBA-Programme. Um diese Massen zu organisieren ist natuerlich eine gewisse Struktur notwendig. Daher wird jeder Jahrgang (in meinem Fall die Class of 2008) in 12 Cohorts a ca. 65 Leute aufgeteilt.

    Frei uebersetzt bedeutet Cohort so etwas wie Herde (bei der entstehenden Gruppendynamik kommt man sich manchmal auch tatsaechlich wie ein Schaf vor). Die Cohort ist der Hauptbezugspunkt fuer das erste Jahr: mit der Cohort besucht man alle Pflichtvorlesungen (Core Classes), organisiert diverse extracurricular activities (Sportveranstaltungen, Parties oder Volunteer Events) und wird auch innerhalb der Cohort in eines von 12 Learning Teams eingeteilt. Die Cohorts werden durch diverse, von der Cohort selbst gewaehlte Officers in den verschiedenen Kommittees der Schule vertreten. Jede Cohort waehlt beispielsweise einen Academic Representative, zwei Social Reps (das Feiern darf nicht zu kurz kommen), einen Diversity Rep, zwei Volunteer Reps, einen Cultural Rep und und und..

    Die Learning Teams, welche aus fuenf bis sechs Mitgliedern bestehen, sind die festen Arbeitsgruppen fuer das erste Jahr, in welchen man gemeinsame Projekte bearbeitet, Hausaufgaben macht und oftmals gemeinsame Noten bekommt. Die Schule achtet bei der Einteilung darauf, dass eine moeglichst grosse ?Diversity? innerhalb des Teams herrscht. Sprich: moeglichst unterschiedliche Herkunft, Berufserfahrung, Nationalitaet etc. Zum einen soll dadurch ein moeglichst interkulturelles Lernen ermoeglicht werden, zum anderen wird dadurch aber auch auf die Arbeit in der ja immer internationaler werdenden Geschaeftswelt vorbereitet. In meinem Learning Team sind ausser mir eine Bulgarin, ein Taiwanese und zwei Amerikaner. Wie bereits an anderer Stelle angemerkt, haben fast alle sehr viel internationale Erfahrung. So haben meine amerikanischen Teammates beispielsweise ueber mehrere Jahre hinweg in England bzw. Israel gelebt

    Damit aber noch nicht genug der Einteilungen: jeweils drei Cohorts bilden eine Section. Diese sind allerdings nur fuer administrative Dinge wichtig: Sections haben in der Regel jeweils die gleichen Professoren und die jeweiligen Noten sind daher innerhalb der gesamten Section vergleichbar (mehr zu Notengebung siehe unten). Innerhalb der oben beschriebenen Cohorts, gibt es neben den Learning Teams auch noch die sogenannten Pods. Jeweils vier Learning Teams bilden einen Pod. Jeder Pod bekommt einen Leadership Fellow zugeordnet. Hierbei handelt es sich um eine Art Mentor aus dem zweiten MBA Jahr, welcher die Teams durch das erste Jahr begleitet, mit Ihnen Vorlesungen in Leadership and Teamwork besucht, diverse Team Feedback Sessions leitet oder auch einfach nur mit Rat und Tat zur Seite steht.

    Aber nicht das gesamte Leben als MBA spielt sich rund um die Cohorts ab. Wie bereits erwaehnt, gibt es diese Cohorts ohnehin nur im ersten Jahr. Im zweiten Jahr des MBA Programms belegt man ausschliesslich Elective Classes, also Wahlfaecher. Diese finden dann nicht mehr in festen Cohorts sondern in bunt zusammengewuerfelten Klassen statt. Wenn Projektarbeit gefragt ist, sucht man sich in diesem Fall sein Team also meist selbst aus. Auch im ersten Jahr kann man in Wharton bereits diverse Electives belegen, sofern sie nicht mit den Core Classes im Konflikt stehen. Allerdings ist das Core Programm bereits sehr arbeitsintensiv

    Neben den beschriebenen Strukturen gibt es in Wharton ausserdem ueber 80 Clubs. Hierbei handelt es sich um Professional Clubs (z.B. den Consulting Club oder den Automotive Club), Cultural Clubs (beispielsweise den Europa Club oder Greater China Club), Athletic Clubs oder auch Community Service und sogenannte Special Interest Clubs. Zwei der groessten Special Interest Clubs sind der Wharton Partners Club und das MBA Pub. Der erstgenannte ist der Club fuer Partner und Familien der MBA Studenten und organisiert jede Menge Events fuer Partner, Familien und Studenten. Das MBA Pub laeutet jeden Donnerstag abend den Wochenabschluss fuer die Full time MBAs ein. Da diese, wie bereits erwaehnt, freitags keine Vorlesungen haben, trifft man sich dort am Donnerstag abend sehr gerne auf Bier und Pizza, plant das bevorstehende Wochenende und laesst die vergangene Woche Revue passieren. Boese Zungen behaupten jedoch, es handelt sich um eine einfache amerikanische Sporthalle in der Unmengen Freibier und Pizza konsumiert wird...

    Notengebung und Grade-Non-Disclosure

    In Wharton herrscht - vergleichbar mit vielen anderen amerikanischen Business Schools - Relative Grading. Grob gesagt bedeutet das, dass Noten anhand einer Normalverteilung vergeben werden. Es gibt also immer eine bestimmte Anzahl an A?s und eine bestimmte Anzahl an B?s etc. Fuer einen Europaer ist dies erst einmal eine sehr ungewohnte Sache, da diese erzwungene Notenverteilung ja im Zweifelsfall auch mal zu Ungerechtigkeiten fuehren kann. Warum muss beispielsweise ein Team ein C bekommen obwohl alle Teams erstklassige Arbeit geleistet haben? Nach einigen Monaten gewoehnt man sich aber auch daran und lernt damit umzugehen, zumal in Wharton ja Grade-Non-Disclosure herrscht.

    Mit Grade-Non-Disclosure bezeichnet man das ?Abkommen? aller Studenten, die eigenen Noten waehrend der Jobsuche nicht publik zu machen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass man waehrend seines MBAs nicht ausschliesslich Zeit zum bueffeln verwenden muss, sondern auch aktiv am Clubleben teilnehmen, extracurricular activities nachgehen und nicht zuletzt auch mehr Zeit darauf verwenden kann, anderen Studenten zu helfen oder Erfahrungen auszutauschen. Ein Ansatz also, mit dem eher das ganzheitliche Lernen anstatt der einseitige Fokus auf Noten gefoerdert werden soll. Die sogenannten Academic Honors (Top 20% der Studenten) oder die Director?s List (Top 10%) duerfen natuerlich publik gemacht werden. Schliesslich sollen herausragende Leistungen nach wie vor honoriert werden

    Waehrend Grade-Non-Disclosure in den vergangen Jahren noch ein Abkommen zwischen Studenten, Professoren und der Business School an sich war, so ist die Business School im vergangenen Jahr offiziell davon abgegangen. Aus Sicht der Universitaet duerfen Unternehmen nun zwar nach den Noten fragen, fuer die Studenten aendert sich aber nahezu gar nichts, da es sich nun sozusagen um einen Ehrenkodex unter den Studenten handelt. Die Erfahrungen in den vergangenen Monaten bestaetigen auch, dass sich die Unternehmen nach wie vor an dieses Abkommen halten und es respektieren: mit wenigen Ausnahme wurde keiner meiner Mitstudenten im Interview nach seinen Noten gefragt

    Der typische Tag im Leben eines Wharton MBAs

    Wie sieht nun eigentlich der typische Tag im Leben eines first-year-MBAs in Wharton aus? Wie erwaehnt, ist man im ersten Jahr hauptsaechlich mit Core Classes beschaeftigt. Mein "Stundenplan" an einem typischen Tag im ersten Semester sah wie folgt aus:

    6.30 Uhr: Wieder einmal klingelt der Wecker da ich den guten Vorsatz gefasst habe, mehr Sport zu treiben. Viel zu oft entschliesse ich mich aber lieber noch 45 Minuten weiterzuschlafen. Daran sollte ich dann wohl noch arbeiten..

    8.00 Uhr: Zur Uni gehen, vor der ersten Vorlesung noch schnell Emails checken und einen Blick ins Wall Street Journal werfen

    9.00-10.20 Uhr: Vorlesung Managerial Economics (MGEC621)

    10.30-11.50 Uhr: Vorlesung Corporate Finance (FNCE601)

    12.00-13.30 Uhr: Lunch Meeting mit Learning Team: Statistics Project fuer den naechsten Tag vorbereiten

    13.30-14.50 Uhr: Vorlesung Management Communication (WHCP653)

    15.00-17.00 Uhr: Accounting Homework und Vorbereitung der Accounting Vorlesung fuer den naechsten Tag

    17.00-18.30 Uhr: "Young Alumni" Panel Discussion im General Management Club

    Auszeit fuer einen kurzes Abendessen mit meiner Frau beim Italiener

    20.30-22.30 Uhr: Mit Learning Team Statistics Project fertigstellen

    22.30-23.30 Uhr: Emails schreiben

    24.00 Uhr: Gute Nacht!

    Mir war im Vorfeld bereits klar, dass der MBA sehr zeitintensiv werden wuerde. Speziell das erste Semester ist allerdings noch intensiver als gedacht. Vor allem die sogenannten "Hell Weeks", Wochen, in welchen trotz Beteuerungen des MBA Program Offices, dass alle Assignments der verschiedenen Vorlesungen koordiniert werden, erstaunlicherweise wieder mal vier oder fuenf Projekte zeitgleich abgegeben werden muessen, treiben einen manchmal fast in den Wahnsinn.

    Richtig intensiv wird es auch, wenn das Recruiting fuer die Summer Internships losgeht und pro Tag zwei bis drei der sogenannten Employer Information Sessions stattfinden (mehr zum Recruiting im naechsten Artikel) oder wenn mal wieder einer der vielen interessanten Gastredner auf dem Campus ist.

    In den vergangenen Monaten waren beispielsweise Ian Davis (Managing Director von McKinsey), Steve Ballmer (CEO von Microsoft) und Sallie Krawcheck (CFO von Citigroup) zu Gast. Waehrend es natuerlich eine tolle Erfahrung ist, diese Gastredner live zu sehen oder sogar persoenlich zu treffen, so ist es natuerlich auch eine zusaetzliche zeitliche Belastung, die einem das ein oder andere Mal eine sehr lange Nacht bescheren kann, in welcher man versucht die "verlorene" Zeit wieder reinzuholen

    Generell muss aber auch angemerkt werden, dass die Arbeitsintensitaet mit der Zeit nachlaesst. Zum einen gewoehnt man sich einfach an die Arbeitsbelastung und wird effizienter, zum anderen faellt es den meisten Leuten aber auch leichter, sich in die Elective Classes hineinzuknien, welche man ja selber ausgewaehlt hat und die man dementsprechend auch tendenziell interessanter findet als so manche Core Class.

    So traeumt also jeder First-year MBA davon, moeglichst schnell im Second-Year zu sein um dann die schoeneren Seiten des MBA-Lebens oefters geniessen zu koennen. Zeitmanagement will dennoch gelernt sein und macht einem das Leben als MBA sicherlich deutlich leichter - sowohl im ersten als auch im zweiten Jahr an der Business School. Ob das zweite Jahr dann wirklich soviel leichter sein wird, werde ich bald herausfinden. Recruiting - Die Suche nach einem Summer Internship

    Ein wesentlicher Bestandteil der zweijaehrigen MBA-Programme ist das sogenannte Summer Internship. In der vorlesungsfreien Zeit von Anfang Mai bis Anfang September haben die MBA Studenten Zeit fuer mindestens ein, wenn nicht sogar zwei Internships. Im Normalfall entscheiden sich die Studenten fuer ein ca. 10- bis 12-woechiges Praktikum, einige wenige "ganz Harte" geben sich aber auch zwei 8-woechige Praktika

    Der ganze Recruiting-Spass beginnt bereits sehr frueh: Im November kommen die ersten Unternehmen auf den Campus, um sich in sogenannten EIS (Employer Information Sessions) den Studenten vorzustellen, die Praktikumsmoeglichkeiten zu erlaeutern und mit viel gutem Essen und reichlich Drinks um die Gunst der Studenten zu buhlen. Diese EIS koennen sehr uebersichtliche Veranstaltungen sein, bei welchen nur eine Handvoll Studenten anwesend ist und dementprechend intensiven Kontakt mit den anwesenden Managern und Personalern hat, oder aber auch enorm grosse Veranstaltungen, bei welchen alle Tagungsraeume im nahegelegenen "Inn at Penn"-Hotel gebucht werden und mehrere hundert Studenten auf zig Unternehmensvertreter treffen.

    Mit die ersten und definitiv auch die groessten Veranstaltungen haben die grossen Unternehmensberatungen und Investment Banken. Bei diesen Veranstaltungen sind im Normalfall Unternehmensvertreter aus aller Herren Laender vor Ort und die Unternehmen betreiben einen betraechtlichen Aufwand, um moeglichst viele Studenten zu erreichen. Flankiert wird dies von laenderspezifischen Veranstaltungen, bei welchen beispielsweise die europaeischen Bueros der jeweiligen Firma alle europaeischen Studenten zur Cocktail Hour oder zum Abendessen einladen, um somit naehere Kontakte zu knuepfen

    Ebenfalls sehr interessant sind auch Info Sessions, die Firmen gemeinsam mit einem der diversen Clubs durchfuehren. Wenn beipielsweise ein Automobilhersteller auf den Campus kommt, ist es durchaus ueblich, dass das MBA Career Management Office den Kontakt mit dem Wharton Automotive Club herstellt und separate, weniger formelle Veranstaltungen fuer die Clubmitglieder arrangiert werden. Dadurch haben die Unternehmen die Moeglichkeit, bereits sehr frueh enge Kontakte zu Studenten mit entsprechenden Interessen zu knuepfen und die Clubs bekommen dadurch noch bessere Kontakte in die jeweilige Branche.

    Das angesprochene MBA Career Management Office steht waehrend der gesamten Recruiting Season und auch darueber hinaus mit Rat und Tat zur Seite und organisiert eine Vielzahl von Workshops, die mehr oder weniger interessant und sinnvoll sind. Spezielle Workshops fuer auslaendische Studenten, bei welchen die Besonderheiten der Jobsuche in den USA diskutiert wurden, habe ich als sehr hilfreich empfunden. Ob der Workshop "Small Talk fuer Anfaenger" oder "Tischmanieren im Geschaeftsleben" fuer MBA Studenten, die im Schnitt bereits fuenf Jahre Berufserfahrung haben, so sinnvoll ist, kann man vermutlich lange diskutieren..

    Die gesamte Workshop-Orgie gipfelt schliesslich in der sogenannten DIP Week (Dedicated Interview Period). Hierbei handelt es sich um eine vorlesungsfreie Woche Anfang Februar, in welcher Dutzende von Unternehmen nach Wharton kommen und in den speziellen Interview Suites auf dem Campus oder in nahegelegenen Hotels die Bewerber interviewen. Je nach Branche kann es sich hierbei um "normale" Bewerbungsgespraeche handeln, wie sie in vielen Branchen ueblich sind oder auch um ganz speziell auf die Branche zugeschnittene Interviews, wie beispielsweise die legendaeren Case Interviews in der Consulting Branche, bei welchen neben den ueblichen Fragen auch noch diverse Fallstudien bewaeltigt werden muessen

    Wie bereits von anderen MBA-Tagebuchschreibern angemerkt, ist der Aufwand, den manche Unternehmen fuer diese Events betreiben, immens und keinesfalls mit dem zu vergleichen, was ich aus Deutschland zum Thema Recruiting kannte. An einem Tag waehrend der DIP Week waren z.B. zwei gesamte Etagen im Four Seasons Hotel in Philadelphia von einer grossen internationalen Unternehmensberatung und einer grossen amerikanischen Investment Bank belegt. In dutzenden Hotelzimmern wurden Interviews durchgefuehrt und in den Suites, in welchen alle Bewerber zwischen den verschiedenen Interviews pausieren konnten, tummelten sich Heerscharen von MBA Studenten

    Waehrend der DIP Week haben dieses Jahr ca. die Haelfte aller Studenten mindestens ein Jobangebot erhalten. Allerdings kommen laengst nicht alle Branchen bereits zur DIP Week auf den Campus. PE (Private Equity) oder Real Estate sind typischerweise Branchen, die erst deutlich spaeter kommen oder gar nicht direkt auf dem Campus rekrutieren, sondern stattdessen Bewerbungen akzeptieren und die Bewerber an ihren jeweiligen Firmensitz zum Interview einladen. Im Job Board, einer Art Online Stellenboerse des MBA Career Managment Office, werden selbst jetzt, also zu einem Zeitpunkt, wo die Summer Break bereits seit drei Wochen begonnen hat, noch immer einige neue Jobangebote eingestellt

    Wie frueh man die Zusage fuer ein Summer Internship bekommt, haengt somit also u.a. auch davon ab, in welche Branche man hineinschauen moechte. Consultants, Investment-Banker und CPG-Marketingleute (Consumer Packaged Goods) haben in der Regel relativ frueh ein Jobangebot. Studenten mit Interesse an PE oder Real Estate muessen hingegen oft deutlich laenger warten, bis die eigentliche Recruiting Season fuer sie beginnt

    In jedem Fall faellt einem das Recruiting aber deutlich leichter, wenn man bereits fruehzeitig weiss, fuer welche Branche man sich interessiert. Das MBA Career Management Office "triezt" einen demensprechend auch schon im September (also gerade einmal vier Wochen nach Beginn des MBA Programms), einen Career Development Plan zu erstellen. Ausserdem ist die Flut an Unternehmenspraesentationen auf dem Campus auch so gross, dass man durchaus den Ueberblick verlieren kann oder ggf. nur noch auf EIS unterwegs ist, wenn man sich nicht fruehzeitig etwas spezialisiert. Ein wenig Planung macht einem also auch hier das Leben deutlich leichter

    Wenn man schlussendlich ein Angebot erhalten hat, dann faengt bei vielen der grossen Unternehmen der eigentliche Spass erst an. Die sogenannten Sell Weekends stehen an. Hierbei handelt es sich um Wochenenden, an welchen die Unternehmen die akzeptierten Bewerber (oftmals samt Partner) an ihren Firmensitz oder in die Sonne fliegen, um sie dadurch davon zu ueberzeugen, dass das jeweilige Unternehmen die richtige Wahl ist. Dort trifft man dann die "neuen Kollegen", lernt das Umfeld kennen und kann sich ein detailliertes (wenn auch sicherlich geschoentes) Bild von allem machen

    Zusammenfassend muss man sagen, dass dieser gesamte Recruiting Prozess fuer einen Europaer sicherlich sehr gewoehnungsbeduerftig und auch faszinierend ist, dass man sich aber auch manchmal wie im falschen Film vorkommt. Schliesslich hat man sich gerade wieder zum Studentenleben entschieden und seinen Lebensstandard nach unten geschraubt und ploetzlich findet man sich in Nobelhotels wieder, wird zu fuerstlichen Abendessen eingeladen und hat manchmal den Eindruck, dass sich die Unternehmen eher bei den Studenten bewerben als umgekehrt.

    Eines steht jedenfalls fest: die Unternehmen, welche an den grossen Business Schools rekrutieren, sehen die teilweise immensen Kosten, die damit verbunden sind, eher als Investition in die Zukunft und nicht als reine Aufwaendungen. Darueber hinaus hat die Class of 2008 in Wharton derzeit auch das Glueck, dass die wirtschaftliche Lage sehr positiv ist. Die Recruiting-Statistiken fuer dieses Jahr werden dementsprechend sehr positiv ausfallen. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser positive Trend fortsetzt und auch im naechsten Jahr, wenn meine Klassenkameraden und ich nach einer Festsanstellung suchen, so bleibt

    Was werde ich in diesem Sommer machen? Ich habe mich fuer ein Praktikum bei einer grossen, international taetigen Unternehmensberatung entschieden und werde in einem der europaeischen Bueros taetig sein. Davor werde ich allerdings noch fuer vier Wochen im Rahmen des Wharton Global Immersion Program durch China reisen. Mehr dazu beim naechsten Mal... Wharton Global Immersion Program ? Reise ins Reich der Mitte

    Im letzten Update vor der Sommerpause melde ich mich heute nicht aus Philadelphia, sondern aus Hong Kong. Ich befinde mich seit ca. drei Wochen auf dem Wharton Global Immersion Program (GIP) in Greater China. Greater China? Unter diesem Begriff fasst die Business School großzügig alles zusammen, was in der einen oder anderen Definition unter China fällt. Dementsprechend haben wir die erste der vier Wochen in Taiwan verbracht, sind weiter nach Peking und Shanghai gereist und sind nun in der letzten Woche in Hong Kong.

    Auf dem GIP haben wir im Durchschnitt vier Tage lang ein organisiertes Programm, in welchem wir Firmen, Unternehmer und Politiker treffen, bevor wir dann drei Tage Freizeit haben und die touristischen Highlights Chinas entdecken. Außerdem stehen Besuche bei den diversen Partnerschulen von Wharton in China auf dem Program.

    Wharton bietet derzeit vier solcher GIPs an: Greater China, South East Asia, South America und Africa. Man kann nicht zuletzt anhand dieser Programme den Trend in Richtung Asien erkennen, welche die meisten Business Schools zusammen mit der gesamten Geschäftswelt derzeit vollziehen. Im Durchschnitt nehmen 40 Studenten an jedem der vier GIPs teil. Da die Nachfrage nach Greater China aber in den letzten Jahren ständig zugenommen hat, wurde die Kapazitaet in diesem Jahr erstmals auf 80 Plätze verdoppelt. Es befinden sich also derzeit 120 der 800 Studenten der Class of 2008 auf einem GIP in Asien. Dass selbst dies noch nicht ausreicht, lässt sich daran erkennen, dass je nach Stadt nochmals 10 bis 20 weitere Wharton- Studenten parallel zur GIP Gruppe reisen, sich privat in das jeweilige Hotel einbuchen und dann je nach Möglichkeit auch an den Gruppenaktivitäten teilnehmen.

    Dass Reisen in einer derartig großen Gruppe nicht immer einfach ist, ist vermutlich klar. Eine einfache Reise von Shanghai nach Hong Kong (Flugzeit unter zwei Stunden) kann da schonmal zu einem tagesfüllenden Akt werden:

  • morgens um 10 Uhr die Koffer am Hotel auf zwei Lkws verladen und schon zum Flughafen schicken.
  • um 11 Uhr geht es dann mit der 80-köpfigen Gruppe zur Metro, um nach einer halben Stunde Fahrzeit an der Transrapid Station anzukommen.
  • Fahrt im Transrapid von Downtown Shanghai zum Flughafen. 430 km/h schnell ist man in weniger als acht Minuten am Flughafen. Mit dem Auto dauert das deutlich länger als eine Stunde. Und der Transrapid, hier Maglev genannt, ist wirklich unglaublich schnell!!!
  • Gruppen Check-In dauert dann geschlagene 1 œ Stunden, sodass man gerade rechtzeitig zum Abflug um 14.30 Uhr durch Passkontrolle und Security ist.
  • Nach Ankunft um 16 Uhr in Hong Kong geht dann die ganze Truppe durch Zoll und Passkontrolle und ca. 120 Koffer werden wieder auf Lkws verladen
  • Der Gruppen-Bus zum Hotel fährt um 17 Uhr ab, wo man dann um 18 Uhr eintrifft.
  • Koffer suchen und 80 Mann einchecken etc. dauert eine weitere Stunde und um 19 Uhr ist man dann endlich auf seinem Zimmer.

    Wie schwer es ist, alle 80 Meinungen unter einen Hut zu bekommen wenn es an die Ausgestaltung des Nachtlebens geht, möchte ich gar nicht erst beschreiben...

    In Summe ist das GIP aber eine tolle Erfahrung. Auch wenn die Gruppendynamik manchmal sehr ?interessant? ist, sind Land und Leute einfach unglaublich faszinierend und das Programm, welches die B-School zusammen mit Wharton-Studenten und Alumni aus den jeweiligen Städten organisiert, ist mit wenigen Ausnahmen hervorragend. Sollte also jemand vorhaben, in Wharton seinen MBA zu machen, so kann ich ihm das GIP nur wärmstens empfehlen.

    Sommerpause? Teilweise...

    In den nächsten Wochen werde ich mich hauptsächlich meinem Summer Internship widmen und dementsprechend voraussichtlich eine kleine Sommerpause bis September einlegen. Meine Frau Tina wird allerdings in den kommenden Wochen einen Artikel über das Leben von Ehepartnern und Freunden/Freudinnen in Philadelphia und in Wharton verfassen ,welcher dann an dieser Stelle veröffentlicht wird.

    Bis dahin wünsche ich einen spannenden und hoffentlichen sonnigen Sommer... Was machen eigentlich die Partner waehrend des MBAs?

    Wie von Jan bereits in seinem letzten Artikel vor der "Sommerpause" angekuendigt, werde ich in diesem Artikel von meinen Erfahrungen als Partner eines MBA-Studenten in Wharton berichten. Mit "ich" meine ich mich: Tina, 28 Jahre, Floristin, meistens gut gelaunt und mit Jan verheiratet

    Am Anfang stand die Entscheidung: Sollen "wir" dem Abenteuer MBA nachgehen und uns fuer zwei Jahre ins Ausland begeben oder weiter dem Alltagstrott in Stuttgart folgen? Diese Entscheidung will wohl ueberlegt sein, denn schliesslich bedeutet dies nicht nur fuer den jeweiligen MBAler eine ganz neue Herausforderung sondern natuerlich auch fuer die "bessere Haelfte" eine ganz gewaltige Umstellung:

  • Freunde und Famile zuruecklassen
  • den Job aufgeben und je nach Land und Visasituation bis zu zwei Jahre nicht arbeiten
  • und je nach Land eine andere Sprache lernen, sich im Alltag zurechtfinden und neue Leute kennenlernen

    Nachdem wir uns gemeinsam fuer das Abenteuer MBA entschieden hatten, ging es darum, sich fuer ein Land bzw. fuer eine Stadt zu entscheiden. Ich empfehle jedem, wenn er die Moeglichkeit hat, vorher die jeweiligen Staedte zu besuchen, um sich ein genaueres Bild davon zu machen und zu sehen, ob die Stadt einem "sympathisch" ist. Wie von Jan bereits erwaehnt, haben wir eine kleine MBA-Staedtetour gemacht, um zumindest einmal einen ersten Eindruck von den Schulen, den Staedten und den Menschen zu bekommen. Nach dieser Reise waren meine Favoriten London und Philadelphia, wobei die folgenden Gruende fuer London gesprochen haetten:

  • innerhalb der EU die Moeglichkeit, relativ problemlos arbeiten zu koennen
  • schneller erreichbar und einfacher bei Familie und Freunden
  • sehr partnerorientierte Business School, welche mir bereits zeitgleich mit Jan's Zusage ein Welcome Package geschickt hat.
  • London ist einfach schoen

    Fuer Philadelpia sprachen:

  • groesseres Abenteuer
  • tolle, oftmals verkannte Stadt
  • eine Stunde Fahrzeit zu meiner absoluten Lieblingsstadt New York City
  • Aus Jan's Sicht ein nochmals renommierteres MBA Programm, welches aufgrund der Groesse der Schule noch mehr Moeglichkeiten bietet

    Obwohl Philadelphia fuer mich arbeitstechnisch eigentlich von Nachteil ist, haben wir uns fuer Philly entschieden... und haben diese Entscheidung auch nicht bereut!

    Fuer Partner von MBA-Studenten gibt es zwei Formen von Visa fuer die USA, welche auch direkt an das Visum des Studenten gekoppelt sein muessen: das F- und das J-Visum. Bekommt der MBAler ein F-1-Visum, dann bekommt der Partner ein F-2-Visum. Genauso ist es mit dem J-Visum. Mit dem F-Visum, welches ich habe, darf ich einreisen und fuer die gesamte Zeit des MBA-Studiums in den USA bleiben, aber leider nicht arbeiten. Mit dem J-Visum koennte man arbeiten, ist jedoch fuer Deutsche sehr schwer zu bekommen und selbst wenn man das gute Stueck doch ergattern kann, ist es oft sehr schwierig, ueberhaupt einen Job zu bekommen. Einige der Wharton-Partner haben nach nun fast einem Jahr immer noch keinen Job

    Wenn man also weiss, dass man nicht arbeiten kann, sollte man sich auf jeden Fall vorher Gedanken machen, was man denn nun zwei Jahre lang mit der vielen Freizeit so anstellt. Fuer mich war klar: ich will mein Englisch auf Vordermann bringen und mich auf jeden Fall ehrenamtlich betaetigen. Ansonsten habe ich das alles erstmal auf mich zukommen lassen. So richtig planen kann man im voraus eigentlich sowieso nicht

    Es gibt in Philadelphia - und in allen anderen Grossstaedten der USA auch - unglaublich viele Charity-Organisationen, die immer helfende Haende suchen und es gibt diese "Jobs" in so vielen unterschiedlichen Bereichen, dass eigentlich fuer jeden etwas zu finden ist. Ich bin mittlerweile so eingebunden, dass ich fast die ganze Woche unterwegs bin. Und es macht Riesenspaß, man lernt unglaublich viel ueber das Land, lernt neue Leute kennen und hat eine mehr als sinnvolle Beschaeftigung

    Am Anfang stellen sich natuerlich viele Fragen, werde ich schnell Anschluss finden? Wie klappt's mit der Sprache? Wieviel Zeit nimmt der MBA tatsaechlich in Anspruch? Aber auch alltaegliche Dinge wie z.B.: Wo ist der naechste Supermarkt? Wo bekomme ich ordentliches Brot (in den USA eine von Europaeern viel gestellte Frage), etc.?

    In der Tat ist es ja nun so, dass ein MBA-Studium nicht unbedingt ein Spaziergang ist und man richtig bueffeln muss. Jan und ich waren uns bewusst, dass dies sicherlich nicht leicht werden wuerde und auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen wird, haben dann jedoch festgestellt, dass Jan sehr viele Dinge fuers Studium von zu Hause aus erledigen kann und auch seine Learning Team Meetings haben oft bei uns in der Wohnung stattgefunden. Das bringt dann auch den schoenen Nebeneffekt, dass ich seine Learning Team Mates richtig gut kennengelernt habe und mir vor allem auch ein Bild von der Bueffelei und den im MBA behandelten Themen machen kann. In Summe haetten wir also nicht gedacht, dass wir im ersten MBA-Jahr so viel Zeit gemeinsam verbringen wuerden.

    Fuer die Zeit, die man dann doch alleine ist, gibt es ja aber jede Menge Moeglichkeiten: In Wharton - wie in den meisten anderen B-Schools - gibt es einen sogenannten Partners Club, der sich meistens schon an den Welcome Weekends vorstellt und bei welchem man sich dann auch schon anmelden kann. Dieser Club bietet ueber das Jahr verteilt eine Menge Aktivitaeten an, wie z.B.Ausfluege, Restaurant-Nights, Picknicks, Museumsbesuche etc.

    Darueber hinaus gibt es in den meisten amerikanischen Staedten auch ein sogenanntes "German MeetUp". Dies ist eine Art Stammtisch, der woechentlich stattfindet. Ein richtiger Stammtisch eben. Wahlweise auch samstags als "German Kaffeeklatsch". Dort findet man auch viele Amerikaner, die gerne ihr Deutsch aufbessern wollen. Sehr lustige Angelegenheit das Ganze und natuerlich auch gut gegen etwaige Heimwehattacken - sollten diese einen dann doch mal erwischen. Und dann gibt es schliesslich auch noch die Moeglichkeit, mit dem Chinatown Bus nach New York zu entfliehen

    Obwohl ich am Anfang ziemlichen Respekt vor diesem Schritt hatte und ich natuerlich nicht begeistert war, dass ich zwei Jahre in meinem Job aussetze und kein Geld verdiene, bin ich jetzt umso ueberzeugter, dass es die richtige Entscheidung war, "gemeinsam" das MBA-Studium und das damit verbundene "Abenteuer" anzugehen. Denn es gibt einige Studenten in Wharton, die ohne ihren Partner nach Philadelphia gekommen sind und bei denen die Beziehung leider in die Brueche gegangen ist. Das muss natuerlich nicht sein, dennoch kann man den Alltag eines MBA-Studenten eigentlich nur nachzuvollziehen, wenn man "live" dabei ist!

    Ich fuehle mich nun also sehr wohl in Philadelphia, habe viele neue Freunde gefunden, viele neue Erfahrungen gemacht, eine Aufgabe gefunden, die ich unglaublich gerne mag (und die mir sicherlich auch sehr fehlen wird, wenn wir wieder zurückgehen) und - last but not least - ich habe sehr viel dazu gelernt. Auch wenn es zwischendurch natuerlich nicht immer einfach ist, wuerde ich mich immer wieder fuer ein solches Abenteuer entscheiden! Mal schauen was als naechstes kommt..

    Mit blumigen Gruessen,

    Eure Tina Das zweite MBA-Jahr beginnt

    Man mag kaum glauben, wie schnell dreieinhalb Monate vorbeigehen koennen. Der Sommer mit China-GIP, Summer Internship in Europa und einem Kurztrip nach Florida mit Freunden aus Wharton liegt hinter uns, Philly hat uns wieder und das akademische Leben ist schon wieder in vollem Gange. Aber fangen wir mal vorne an..

    Nach dem China-GIP, ueber den ich ja bereits aus Hongkong berichtet hatte, ging es fuer mich weiter nach Europa, um in Deutschland mein 10-woechiges Summer Internship bei einer grossen Unternehmensberatung zu machen. Die Internships sind in der Regel 8 bis 12 Wochen lang und sollen moeglichst umfangreiche Einblicke und Ausblicke auf das geben, was einen vielleicht nach dem MBA erwartet. In Summe war mein Internship eine rundum positive Erfahrung, bei der ich sehr viel Neues gelernt habe, viele nette und interessante Leute getroffen habe und an einem spannenden Projekt mitarbeiten konnte

    Ende August ging es dann zurueck nach Philly und wir wurden, wie bereits im letzten Jahr, von strahlend blauem Himmel, Sonne und schwuel-heissen 35 Grad Celsius empfangen. Da ich einige Tage vor meinen Kommilitonen wieder in Philly war, durfte ich mal wieder erfahren, wie ruhig Philly ohne die tausenden Studenten der Upenn, Drexel und Temple University ist. Egal, in welche Bar man abends geht, man hat immer viel Platz und die Barkeeper haben immer Zeit fuer ein kleines "Schwaetzchen". Aber die Zeiten sind inzwischen wieder vorbei, da der Unibetrieb bereits Anfang September wieder voll gestartet ist

    Was um Himmels Willen ist ein Leadership Fellow?

    Da ich vor einigen Monaten als Leadership Fellow fuer die Class of 2009 ausgewaehlt wurde, war mein Sommer ausserdem eine Woche kuerzer als der meiner Kommilitonen. Ihr fragt Euch nun sicherlich: was um Himmels Willen ist ein Leadership Fellow? Leadership Fellows sind MBA-Studenten aus dem zweiten MBA-Jahr (Second Years), die als Mentoren fuer die neuen MBA Candidates (First Years) fungieren, mit ihnen vor dem Start des eigentlichen MBA-Programms fuer einige Tage auf das sogeannte learning team retreat gehen, um dort die neuen Studenten in Learning Teams einzuteilen, diverse Aktivitaeten durchzufuehren (alles rund ums Thema team building und Gruppendynamik) und den First Years die Moeglichkeit zu geben, sich richtig kennen zu lernen, bevor die intensive Teamarbeit auf dem Campus beginnt.

    Ausserdem muss man als Leadership Fellow die Projekte der Teams im Fach "Teamwork and Leadership" benoten und fuehrt Feedback Sessions mit den jeweiligen Learning Teams durch. Jeder Leadership Fellow ist fuer vier Learning Teams a sechs Personen zustaendig, sodass man als Leadership Fellow - es gibt in Summe 40 pro Jahrgang - 24 Mentees hat.

    Direkt nach dem Sommer wurden wir also auf das Learning Team Retreat vorbereitet, das in den Catskill Mountains im Staat New York stattfindet. Wir hatten bereits in den vergangenen Monaten diverse Teamwork- und Moderationsschulungen sowie Outdoor-Trainings besucht, da es nun aber um die konkrete Vorbereitung und Ausgestaltung des Retreats ging, waren natuerlich alle sehr gespannt. Und da man die verschiedenen Uebungen, die wir mit den First Years durchfuehren wollten, natuerlich am besten lernt, wenn man sie selbst bereits einige Male mitgemacht hat, sind wir also am Sonntag morgen in aller Fruehe in Richtung Norden aufgebrochen, um nach 4 Stunden Fahrt in unserem sehr rustikalen "Camp Iroquis Springs" in Rock Hill, NY, anzukommen

    Das Camp ist ein klassisches Summer Camp, wie man es aus den schlechten amerikanischen Filmen der 70er Jahre kennt. Im Hochsommer treiben sich dort bis zu 500 Schueler rum und verbringen ihren Sommer in Jugendgruppen, teilen sich zu zehnt eine Dusche und essen jeden Tag das gleiche Essen. Und genau so ist es uns auch ergangen: 20 Mann im Schlafsaal, 2 Duschen teilen, wovon es in einer nur kaltes Wasser gab, jeden Morgen um 6.30 Uhr aufstehen, etc. Waehrend die First years das aber nur zwei Tage ueber sich ergehen lassen mussten, waren wir Leadership Fellows fast fuenf Tage in den Bergen. Da wir aber mit 30 Grad und Sonnenschein traumaftes Wetter hatten, konnte man auch das halbwegs gut ueberstehen.

    Als dann nach zwei Trainingstagen endlich die ersten 400 First Years ankamen, ging auch gleich das volle Programm los und ueber zwei Tage hinweg wurden diverse Uebungen durchgefuehrt, angefangen vom Helikopter bauen ueber Team-Song schreiben oder Team Values definieren bis hin zum Hochseil-Parcour, Kanu-Rennen oder Trust Fall (sich rueckwaerts von einer Mauer fallen lassen um - hoffentlich - von der Gruppe aufgefangen zu werden). Abends wurde das Programm dann mit Barbeque, Football, Tennis und Lagerfeuer oder Pokerturnier abgerundet.

    Rueckblickend war es ein Erlebnis, wie es amerikanischer gar nicht sein koennte (manchmal dachte ich, ich waere tatsaechlich in einem der schlechten 70er-Jahre-Filme) und die Class of 2009 hatte jede Menge Spass und konnte sich ausgiebig kennenlernen. Fuer die Leadership Fellows war es natuerlich ein sehr stressiges Unterfangen, mehr als 800 Leute an 3 Tagen durch das Camp zu schleusen und dabei immer sicherzustellen, dass alle ein gleichbleibend positives Erlebnis haben. Aber der Spassfaktor war auch sehr hoch und eines steht fest: wenn man sich mal mit 40 Mann fuenf Tage lang in den Catskill Mountains in Rock Hill rumgetrieben hat, hat man defintiv wieder einige sehr gute Freunde dazugewonnen. Sowas schweisst einfach zusammen

    How was your summer? Are you going back?

    Nach dem Retreat haben wir uns dann noch mit einigen Freunden ein verlaengertes Wochenende in Florida gegoennt, bevor Anfang September das "grosse Hallo" auf dem Campus stattfand und die gesamte Class of 2008 auffallend gut gelaunt wieder in Wharton eingetrudelt ist. Der Grossteil der Studenten hat zusammen mit einem positiven Abschlusszeugnis auch bereits ein Jobangebot fuer die Zeit nach dem MBA mitgenommen. Obwohl vor allem die Banken vor dem Hintergrund der Kreditkrise in diesem Jahr nach Aussage unseres Career Offices deutlich weniger Jobangebote ausgesprochen haben, scheint der negative Trend bislang jedoch an Wharton vorbeigegangen zu sein. Da hoffen wir mal, dass es auch so weitergeht

    Viel spannender ist fuer uns MBAler jedoch die Frage, wieviel Prozent der Studenten tatseachlich ihr Angebot annehmen werden. Waehrend sehr viele Leute nur Positives vom Sommer zu berichten hatten, haben auch einige festgestellt, dass der Job wohl doch nicht so der Traumjob ist und ueberlegen sich daher, ob sie nicht etwas anderes machen moechten. Diese Frage will aber nicht nur gut ueberlegt sein, sondern auch schnell entschieden sein, denn viele Firmen halten ihre Angebote zum einen nur fuer wenige Monate offen (meist ca. 2 bis 3 Monate) und versuchen darueber hinaus, die Studenten mit dem sogenannten Signing Bonus zu koedern. Dies kann dann schon mal bedeuten, dass man 25,000 Dollar Bonus bekommt, wenn man sich in den ersten vier Wochen fuer das Angbeot entscheidet, aber "nur" 10,000 Dollar wenn man sich spaeter entscheidet.

    Stellt sich abschliessend die Frage ,ob das zweite MBA-Jahr weniger stressig ist als das erste. Die Antwort hierauf werde ich leider auch erst in einigen Wochen kennen. Bislang fuehlt es sich auf jeden Fall noch nicht sonderlich entspannt an. Aber bald wissen wir mehr.

    Bis dahin, viele Gruesse aus Philly... Upcoming MBA Events

    Obwohl in Philadelphia diese Woche noch über 30 Grad Celsius sind und man demensprechend nach wie vor in Shorts, T-Shirt und Flip-Flops zur Uni gehen kann, so merkt man am Veranstaltungskalender doch, dass es langsam Herbst wird. Denn just zu dieser Jahreszeit stehen wieder hunderte von EIS (Employer Information Session) an, auf welchen Unternehmen um die Gunst der MBA Candidates werben, und auch die German MBA Conference steht schon wieder bevor.

    Die Conference findet in diesem Jahr bereits zum fünften Mal statt und hat zum Ziel, das Netzwerk unter den deutschsprachigen MBA- und PhD-Studenten an US Business Schools zu stärken. Darüber hinaus finden ein Vielzahl von interessanten Diskussionen und Präsentationen rund um aktuelle Entwicklungen in Deutschland und Europa statt und natürlich gibt es auch hier die Möglichkeit mit diversen Unternehmen in Kontakt zu kommen. Weitere Details zur diesjährigen Conference am MIT in Cambridge sind unter www.germanmbaconference.org zu finden

    Aber auch für all diejenigen, die sich momentan in Deutschland befinden und sich überlegen einen MBA zu machen, gibt es in den kommenden Wochen wieder eine Vielzahl von Veranstaltungen auf welchen Business Schools über Ihre MBA-Programme informieren. Wharton wird beispielsweise am 19. Oktober 2007 im Frankfurter Messeturm eine Veranstaltung abhalten, auf welcher Admission Officers und Alumni über alle Themen rund um den MBA und Wharton berichten. Für alle Interessierten gibt es hier weitere Details. Fundraising - Klotzen statt Kleckern

    Während die Bundesregierung zu Hause die Gewinner der zweiten Runde der "Exzellenzinitiative zur Förderung der Hochschulen" verkündet, in deren Rahmen bis 2011 bundesweit 1,9 Milliarden Euro zur Förderung der sogenannten "Elite-Unis" bereitgestellt werden, hat die University of Pennsylvania, zu welcher Wharton bekanntlich gehört, ihre neue Fundraising-Kampagne gestartet, mit der nicht mehr und nicht weniger als 3,5 Milliarden Dollar an Spendengeldern gesammelt werden sollen.

    Ein Hollywood-tauglicher Name darf dabei natürlich nicht fehlen und so heißt die Kampagne offiziell "Making History - The Campaign for Penn". Auf der dazugehörigen Website kann man dann auch gleich sehen, wieviel Geld bislang schon von spendenwilligen Alumni, Angehörigen und Unternehmen eingegangen sind - Stand heute, ca. vier Wochen nach Beginn der Kampagne, bereits 1,6 Milliarden Dollar.

    Außerdem erfährt man, dass Geschichte nicht einfach nur "passiert", sondern dass Geschichte "gemacht" wird - "Making History" eben. Und genau dies schickt sich Penn nun an zu tun

    Die Kampagne wird aber natürlich nicht einfach nur bekanntgegeben, sondern mit einem enormen Aufwand gefeiert. Tausende Alumni aus aller Welt kommen auf den Campus, um zu sehen, wie sich Ihre Alma Mater verändert hat, um allerlei Andenken im University Store zu kaufen, am Gala-Dinner teilzunehmen und natürlich idealerweise auch gleich noch den Spendenscheck abzugeben. Überhaupt verwandelt sich der ganze Campus in eine riesige Open Air Party mit gratis Essen und Getränken und jeder Menge Musik auf Bühnen inmitten des Campus. Das zeitgleich an diesem Wochenende stattfindende Football Homecoming Game und eines der größten Feuerwerke, das Philadelphia in den letzten Jahren gesehen hat, runden das Wochenende ab. Fundraising auf amerikanisch eben. Die Bentley- und Rolls Royce-Dichte in Philadelphia war an dem besagten Wochenende aufgrund vieler wohlhabender Alumni auf jeden Fall merklich angestiegen

    Was wird sich konkret für Wharton durch diese Kampagne verändern? Zunächst einmal hat natürlich auch der für Wharton bestimmte Teil der Kampagne einen drehbuchreifen Namen: "Innovation and Leadership - The Campaign for Wharton" (Ähnlichkeit mit dem oben genannten Titel natürlich beabsichtigt). Mit den 550 Millionen Dollar, die Wharton aus der Penn-Kampagne erhalten soll, wird zum einen die ohnehin schon sehr gute IT-Infrastruktur verbessert, die Gebäude in Stand gehalten und noch mehr Stipendien an Undergrad-, MBA- und PhD-Studenten vergeben. Außerdem sollen weitere, hochkarätige Professoren nach Wharton geholt werden und sämtliche Studienprogramme internationaler ausgerichtet werden.

    Am weitreichendsten wird aber vermutlich die Stärkung von drei Lehrstühlen sein, welche demnach in den kommenden Jahren im Fokus der Business School stehen sollen: das Global Leadership Institute, das Entrepreneurship Institute und das Business Institute for Global Good. Alle Details zur Wharton Campaign können übrigens auch in einer 30-seitigen Hochglanzbroschüre oder auf oben genannter Website nachgelesen werden - auch das gehört eben zum Fundraising

    Damit aber noch nicht genug des Guten. Auch mein MBA-Jahrgang - die Class of 2008 - wird in wenigen Wochen dazu aufgefordert werden, einen sogenannten Class Pledge zu leisten. Als Class Pledge bezeichnet man eine Spende, die man geschlossen als MBA-Jahrgang an Wharton "zurückgeben" bzw. spenden wird. Der Class Pledge der Class of 2006 belief sich beispielsweise auf knapp 7 Millionen Dollar. Bei 800 MBA-Studenten pro Jahrgang ergibt das eine nette Durchschnittssumme von knapp 9.000 Dollar pro Person

    Dies ist für einen Europäer im ersten Moment auch nicht so ganz einfach zu verstehen: erst zahlt man 90.000 Dollar für einen MBA, um dann in den letzten Wochen noch mal 10% draufzulegen? Nun ja, da der Großteil des Class Pledges aber angeblich von einer Hand voll Absolventen (sowie vermutlich deren Angehörigen) bestritten wird, werden sich die tatsächlich anfallenden Kosten pro "normal-spendendem" MBA-Student vermutlich in einem deutlich geringeren Rahmen bewegen.

    Wie man sehen kann, ist die Finanzierung der Universitäten in Deutschland und den USA grundlegend verschieden. Welches der beiden Systeme besser ist, könnte man sicherlich lange diskutieren. Fest steht lediglich, dass eine umfassende Finanzierung zumindest nach meinem Kenntnisstand noch keiner Uni geschadet hat. Bleibt also zu hoffen, dass die Milliarden an Geldern diesseits und jenseits des Atlantiks auf fruchtbaren Boden fallen. Die German MBA Conference - Vorträge, Networking und das MIT Beer Game

    Mitte November hat in Boston die 5. German MBA Conference stattgefunden und das Organisatoren-Team vom MIT hat gemeinsam mit den Sponsoren auch in diesem Jahr wieder eine erstklassige Veranstaltung auf die Beine gestellt. Neben dem eigentlichen Programm ist es auch immer wieder interessant, "die Anderen" kennenzulernen. Gemeint sind damit die anderen deutschsprachigen MBAs aus den verschiedenen Regionen der USA.

    Denn erstaunlicherweise handelt es sich dabei noch immer um eine sehr überschaubare Spezies und daher um ein entsprechend eng geknüpftes Netzwerk. Egal welche Schule man für den MBA ausgewählt hat und egal, in welche Stadt es einen gezogen hat, am Ende ist man einer von vermutlich wenigen hundert deutschen oder deutschsprachigen MBAs in den USA, die durch den German MBA Club miteinander verbunden sind (der MBA Club hat vermutlich genauere Statistiken hierüber)

    Aber zurück zur Conference, welche dieses Jahr unter dem Thema "Repositioning of Germany in the Global Marketplace" stand. Nach einem ausgiebigen Frühstück auf dem Campus des MIT ging es direkt mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen weiter. Unterbrochen von sogenannten Networking Breaks, in welchen man sich mit den verschiedenen Unternehmensvertretern und anderen MBAs austauschen konnte, wurden z.B. Themen wie die "Auflösung der Deutschland AG" behandelt.

    Außerdem stand in diesem Jahr auch das MIT Beer Game auf dem Programm. Nachdem die erste Enttäuschung darüber, dass mittags um 15 Uhr leider noch kein Bier ausgeschenkt wurde, verflogen war und alle verstanden hatten, dass es sich dabei eher um die Simulation einer Wertschöpfungskette handelt, ging es dann auch gleich munter zur Sache und 5 Teams à 10 Teilnehmer sind gegeneinander angetreten um - zumindest auf dem Spieltisch - so viel Bier wie möglich zu möglichst geringen Kosten unter die Leute zu bringen. In Summe eine sehr spaßige Ergänzung zur diesjährigen Conference, bei der man wieder einmal neue Leute kennengelernt hat und dabei auch noch etwas gelernt hat - total interaktiv eben

    Während der Freitagabend noch unter der Schirmherrschaft unserer Schweizer Freunde stand und als Swiss MBA Night im kleineren Kreis begangen wurde, stand am Samstagabend dann das große Gala Dinner an, bei dem alle Konferenzteilnehmer und Sponsoren einen Abend im Boston Museum of Fine Arts verbracht haben. Das großartige Ambiente inmitten hunderter weltberühmter Gemälde und die festlichen Reden wurden zu später Stunde allerdings gegen Bars und Clubs im Bostoner Nachtleben eingetauscht und so manch einer hat am nächsten Morgen das geplante Sightseeing-Programm rund um Boston und Cambridge dann lieber zugunsten einiger Stunden Schlaf ausfallen lassen

    Alles in allem eine erstklassige Conference, welche die Reise nach Boston hundertprozentig wert war. Nochmals herzlichen Dank an das Organisatoren-Team und an die Sponsoren, die diese Veranstaltung ermöglicht haben. Mal sehen, an welcher Business School die Conference im kommenden Jahr stattfindet. Ich für meinen Teil werde versuchen, dann wieder dabei zu sein - wenn auch nicht mehr als MBA Candidate sondern mit abgeschlossenem MBA. "Im zweiten Jahr wird alles besser!"

    Kurz vor dem Ende des 3. Semesters erlaube ich mir nun, die von mir selbst oftmals gestellte Frage/Hoffnung/Erwartung - "Ist das zweite MBA-Jahr deutlich stressfreier als das erste?" - zu beantworten. Meine Antwort lautet ganz eindeutig: JA!!!

    Obwohl auch das zweite Jahr noch immer sehr anspruchsvoll ist, so ist man doch einer ganz anderen Art von Stress ausgesetzt: während man im ersten Jahr allein von der puren Masse an Vorlesungen und Prüfungen erschlagen wird, hat man im zweiten Jahr die Möglichkeit, dies viel besser zu steuern, da man die Vorlesungen ja selbst aus dem umfangreichen Angebot an Electives auswählt. Man kann somit die eigene Arbeitsbelastung besser bestimmen und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass man die selbst ausgewählten Vorlesungen ja hoffentlich auch noch sehr interessant findet.

    Außerdem haben viele der Electives im zweiten Jahr kein Final Exam im klassischen Sinne, sondern entweder Take Home Exams oder Group Projects. Die Take Home Exams werden im Normalfall zu einem bestimmten Datum online ins Webcafe - am besten zu beschreiben als virtuelles Klassenzimmer, in welchem man Dokumente und Informationen aller Vorlesungen abrufen, dem Professor Fragen stellen und Themen mit anderen Studenten diskutieren kann - eingestellt und müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt dann auch wieder von jedem Studenten individuell online abgegeben werden. Group Projects werden bereits zu Beginn des Semesters bekanntgegeben und müssen bis zum Semesterende in Gruppen, die von den Studenten selbst ausgewählt werden, bearbeitet werden. Oftmals handelt es sich hierbei um frei zu wählende Themen, die lediglich bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Im vergangen Semester habe ich in verschiedenen Gruppen beispielsweise folgende Projekte bearbeitet:

  • Im Fach "Entrepreneurship through Acquisition", einer Vorlesung bei der die monetäre Bewertung von Unternehmen gefragt ist, habe ich gemeinsam mit 4 Kommilitonen einen Cabel TV Provider in einem Entwicklungsland analysiert und bewertet, um dadurch einen Kaufpreis für einen 10%-igen Anteil am Unternehmen abzuleiten.
  • In "Pricing Strategy" habe ich gemeinsam mit einigen Freunden eine Pricing Strategy für eine kleine spanische Winzerei entwickelt, die ihre Weine ab dem kommenden Jahr auch in den USA anbieten möchte.
  • In "Game Theory" haben wir uns - mehr oder weniger erfolgreich - darum bemüht, ökonomische Theorien aus dem Bereich der Spieltheorie auf Gruppenbildung und Cliquenbildung in amerikanischen High Schools anzuwenden

    Alle diese Group Projects hatten eines gemeinsam: die Themenstellung war sehr allgemein gehalten (beispielsweise "Evaluate a closely held company and identify a price to buy a 10% equity stake), damit jeder Themenfelder bzw. Unternehmen auswählen kann, welche einen auch tatsaechlich interessieren. Gleichzeitig gibt es aber für jedes dieser Group Projects sehr stringente Vorgaben und Richtlinien, was alles zu erfüllen ist.

    Die Kombination von selbst ausgewählten Fächern, gepaart mit Take Home Exams und Group Projects, macht das Leben dann aber in jedem Fall sehr viel leichter. Da Group Projects ja mittlerweile auch komplett virtuell durchgeführt werden können, ergeben sich auch schon mal etwas skurrile Situationen: so war bei einem unserer Team Meetings lediglich eine Person tatsaechlich vor Ort in Wharton, während sich die anderen Teammitglieder in Florida, Indien und der Karibik aufgehalten haben und zeitgleich an dem Projekt gearbeitet haben. Und es hat trotzdem funktioniert.

    Ein anderer Vorteil als 2nd Year ist, dass man im Gegensatz zu den 1st Years noch eine weitere Woche Weihnachtsferien hat. In diesem Sinne verabschiede ich mich daher nun in meinen verlängerten Urlaub und wünsche allseits Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. See you all in 2008!!! Das zweite MBA-Jahr ist eben doch besser als das erste? Die Entscheidung für die Zeit nach dem MBA (und was sonst noch so in Wharton los ist)

    Wenn auch ein klein wenig verspätet, so wünsche ich dennoch ein frohes, neues Jahr. Christmas Break ist gut überstanden (wen wundert es auch bei fast vier Wochen Urlaub), trotzdem hat Wharton einen innerhalb von zwei Tagen wieder in seinen Bann gezogen. Neben Familienbesuchen, ausgiebigem Reisen und Entspannen standen für viele 2nd year MBAs auch einige sehr große Entscheidungen auf dem Programm. Beispielsweise die Entscheidung, wo es nach dem MBA hingehen soll?

    Meine Frau und ich haben uns dazu entschieden, nach dem MBA wieder nach Europa zurückzukehren und so werden wir ab Sommer diesen Jahres in London anzutreffen sein. Ich werde, wie bereits in meinem Summer Internship, im Consulting arbeiten, hoffentlich viele neue Themenfelder kennenlernen und auch noch Spaß bei der Arbeit haben.

    Und obwohl das Recruiting somit hinter einem liegt und man noch entspannter in die Zukunft blicken kann, ist das erste, was man auf dem Campus zu hören bekommt, schon wieder "Recruiting" und "Interviews". Diesmal allerdings als "Sparringspartner" für die 1st year MBAs. Für sie geht nämlich das "Summer Recruiting" gerade erst los und so wird Ende Januar und Anfang Februar die erste Welle von Unternehmen auf den Campus kommen und in den bereits in einem anderen Beitrag erwähnten Interview-Suites und Besprechungszimmern Bewerbungsgespräche durchführen.

    Also heißt es mit den Kommilitonen Interviews proben, Consulting Cases üben und "War Stories" von den eigenen Interviews erzählen, damit auch sie möglichst gut vorbereitet sind. Denn genauso, wie man im vergangenen Jahr von den 2nd years profitiert hat, möchte man nun natürlich in gleichem Maße den 1st years helfen.

    Ich habe es vermutlich schon mehrmals erwähnt, aber ich finde es nach wie vor erstaunlich, dass trotz des derzeitigen Zustands der Wirtschaft in den USA (immerhin wird nicht nur in der Financial Times und im Wall Street Journal mittlerweile offen von einer angehenden Rezession gesprochen) auch die Banken nach wie vor in großem Maße nach Bewerbern suchen. Es wirkt schon fast grotesk, wenn man in der Zeitung liest, dass eine Bank 3.000 Investment Banker entlässt und zwei Wochen später nach Wharton kommt, um Leute einzustellen.

    Auf der anderen Seite kann man diesen Firmen aus meiner Sicht aber auch einen gewissen Respekt zollen: denn genauso kurzfristig, wie sie bei der Entlassung der Mitarbeiter leider denken, sind sie langfristig darum bemüht, Ihren "Nachwuchs" zu sichern, indem sie bereits im Sommer versuchen, viele 1st year MBAs an sich zu binden, um sie dann im späteren Aufschwung nach dem MBA einzustellen. Eine Art strategische Denkweise, die man vermutlich nur von wenigen deutschen Unternehmen beim Recruiting kennt

    Weiteres Gesprächsthema auf dem Campus war natürlich auch wieder das aktuelle Business School Ranking der Financial Times, in welchem Wharton zum dritten Mal in Folge den Spitzenplatz belegt hat. Diese Rankings sind schon ein Phänomen: jeder weiß, dass sie bestenfalls einen Anhaltspunkt für die Entscheidung liefern können, wo man seinen MBA macht, und hoffentlich niemand trifft diese Entscheidung ausschließlich auf Basis von Rankings, aber trotzdem freut man sich, wenn die eigene Schule dann wieder ganz oben steht. Der Super-Februar

    Anfang Februar standen gleich zwei Super-Events an. Zum einen der 42. Super Bowl, den die New York Giants gegen die New England Patriots gewonnen haben (für Nicht-Fans: es handelt sich um American Football) und zum anderen der Super Tuesday, bei welchem in über 20 amerikanischen Bundesstaaten die sogenannten "Primaries" stattgefunden haben und "Democrats" und "Republicans" über Ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im November abgestimmt haben.

    Während beide Events an sich schon ziemlich spannend sind, so bieten sie für MBA-Studenten noch einige weitere Feinheiten. Das studentische Super Bowl-Prozedere verläuft wie folgt:
    • Man finde heraus, wer den größten Fernseher hat, denn per ungeschriebenem Gesetz wird dort die Party stattfinden. Mittlerweile braucht man allerdings mit Flatscreens unter 40 Zoll gar nicht mehr antreten und das Rennen macht man eher mit einem Flatscreen in der Größenordnung von 52 Zoll o.ä. Fernsehen hat für die Amerikaner einfach einen unglaublichen Stellenwert (man bedenke, es handelt sich hierbei "nur" um Studenten).
    • Man bestelle ausreichend Bier im Internet beim "Beer Distributor", der dann am Tag vor dem Super Bowl diverse Kisten der unterschiedlichsten (auch deutschen) Marken schön gekühlt anliefert.
    • Am Tag des Super Bowls sollte man dann zu einer strategisch günstigen Uhrzeit Pizza o.ä. bestellen und liefern lassen, da es erfahrungsgemäß zu Engpässen kommen kann. Wer - wie ich im vergangenen Jahr - erst wartet bis man Hunger hat, der hat gute Chancen, beim Eintreffen der Pizza bereits kurz vor dem Hungertod zu stehen. Pizza wird in den USA natürlich mittlerweile auch fast immer online bestellt und das Trinkgeld auch gleich mit auf die Kreditkarte gesetzt. Was hat man eigentlich früher nur ohne Internet und Kreditkarten gemacht?
    • Wenn das Spiel dann beginnt, kann man nur hoffen, dass man als Europäer ausreichend Regelkunde betrieben hat, um auch alles zu verstehen. Ach, ist Fußball nicht schön einfach?
    • Für MBA-Studenten ist es außerdem wichtig, die diversen Werbespots während des Spiels zu verfolgen. Am Tag nach dem Super Bowl werden in der Marketing-Vorlesung nämlich erstmal die verschiedenen Spots analysiert und dann die gesamte Werbebranche auseinandergenommen.
    Das Super Tuesday-Erlebnis ist da schon etwas anders:
    • Bereits einige Wochen vor dem Super Tuesday fällt immer wieder auf, dass an der Business School diverse Leute das gleiche T-Shirt anhaben. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass dies die Campaign-Shirts der verschiedenen Kandidaten sind. Während die "Republicans" - zumindest gemessen an der Anzahl T-Shirts - allerdings keine besonders aktive Anhängerschar in Wharton zu haben scheinen, ist der eindeutige Liebling der Whartonites der "Democrat" Barack Obama.
    • Übrigens darf in den USA natürlich gerne und zu jeder Zeit für die Wahlkampfkampagne des jeweiligen Favoriten gespendet werden.
    • Am Abend des Super Tuesday treffen sich dann alle politikinteressierten Whartonites in einer Bar in Center City Philadelphia, um - gesponsert vom Wharton Politics Club - auf 15 verschiedenen Fernsehschirmen die Liveberichterstattung und den Ausgang der "Primaries" zu verfolgen, politische Diskussionen zu führen und auf den Sieg mit einem Bier anzustoßen oder den Frust gleich in selbigem zu ertränken.
    Egal ob "Republican", "Democrat" oder Außenstehender - ein Spektakel sind die "Primaries" in jedem Fall. Wharton, Walton und Watson

    Man hat es als deutscher Whartonite ja nicht immer ganz einfach. Die eigene Business School steht zum X-ten Mal in diversen globalen Rankings ganz oben, aber wenn man auf einen Abstecher in die Heimat fliegt und alten Bekannten erzählt, dass man gerade in Wharton seinen MBA macht, dann bekommt man häufig schon mal als Antwort: "wo liegt denn WALTON" oder "was macht man denn in WATSON?" Nein, nicht WALTON und auch nicht WATSON: WHARTON!!! Wenn man dann klargestellt hat, was Wharton ist und wo Wharton liegt, dann ist meistens alles klar: "Ach, so etwas wie Harvard!" Na ja, so ähnlich?

    Erfreulicher ist da schon das Ansehen, das Wharton in der deutschen Wirtschaft genießt. In den wöchentlichen Leadership Lectures, in welchen sich CEOs, Politiker und andere Berühmtheiten die Klinke in die Hand geben und mit Studenten verschiedene Themen diskutieren, werden immer häufiger auch deutsche Vorstände gesichtet. So war beispielsweise Mitte Februar Peter Löscher, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG, in Wharton und hat über eine Stunde mit ca. 250 Studenten Themen wie Globalisierung und Integrität diskutiert (obwohl Peter Löscher bekanntermaßen österreichischer Staatsbürger ist, ist mir hoffentlich niemand böse, wenn ich die Siemens AG trotz ihrer Internationalität nach wie vor als deutsches Unternehmen bezeichne).

    Eine Woche später war dann Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG, zu Gast in Wharton, hat über "Leadership" referiert und anschließend fast anderthalb Stunden Fragen der Studenten beantwortet. Abgerundet wurde dies dann mit einem Abendessen mit Dr. Zetsche und ca. 25 Wharton-Studenten, die in entspannter Atmosphäre Gelegenheit hatten, einem ja auch in den USA hochbekannten Unternehmenslenker Fragen zu stellen

    Außerdem bin ich manchmal doch erstaunt, dass einige deutsche Unternehmen hier in Wharton rekrutieren, die ich nicht auf der Liste der in Wharton aktiven Recruiter vermutet hätte. Während kleinere deutsche Unternehmen zwar nur selten auf den Campus kommen, um direkt vor Ort Interviews zu führen, so sind doch schon mehrere europäische Studenten direkt von deutschen Arbeitgebern - teilweise auch Mittelständlern - angesprochen worden.

    Trotzdem muss man einfach sagen, dass Wharton in Deutschland sicherlich (noch) keinen so starken Markennamen genießt wie andere Top-Business Schools. Wenn man allerdings in Indien oder in China von Wharton spricht, dann ist der Gesprächspartner sofort im Bilde - zumindest ist uns das vergangenen Sommer auf unserer Studienreise durch China aufgefallen und auch Studenten, welche an der vergleichbaren Reise nach Indien teilgenommen haben, wussten hiervon zu berichten

    Natürlich sind dies alles Klagen auf sehr hohem Niveau. Zum einen gibt die steigende Zahl der Deutschen in Wharton Mut zur Hoffnung (immerhin hat sich die Zahl der deutschen MBAs in der Class of 2009 gegenüber meinem Jahrgang verdoppelt), zum anderen wird die German MBA Conference, mittlerweile ein fest etabliertes Event der deutschsprachigen MBA Community, im November diesen Jahres wieder auf dem Wharton Campus in Philadelphia stattfinden.

    Außerdem gibt es ja auch noch den Wharton Club of Germany/Austria, welcher ca. 200 Alumni in Deutschland und Österreich umfasst und es einem auch nach der Zeit in Wharton ermöglicht, mit der Business School in Kontakt zu bleiben, das eigene Wharton-Netzwerk auch in Deutschland zu pflegen und mit anderen Whartonites auf tolle Events zu fahren (z.B. aufs Oktoberfest oder zum Karneval nach Köln). Bei all der Liebe zur Alma Mater darf ja schließlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen, oder? Wharton mal aus einer anderen Perspektive

    Meine Zeit in Wharton geht langsam aber sicher dem Ende entgegen. Noch eine Woche Vorlesungen, danach eine Woche Examen und anschließend geht es mit dem gesamten Jahrgang uebers Wochenende nach Miami Beach zur Wharton Beach Week um die zurückliegenden zwei Jahre nochmals gemeinsam gebührend zu feiern. Und Mitte Mai werde ich dann auch schon mit Cap und Gown "ausgerüstet" im 52,000 Zuschauer fassenden Stadion der University of Pennsylvania stehen und mein Diplom in Empfang nehmen

    Da sich somit auch mein MBA-Tagebuch langsam dem Ende nähert, dachte ich mir, dass es doch auch mal interessant wäre, wenn an dieser Stelle ein deutscher Professor seine Sichtweise der Dinge zu schildern. Christian Terwiesch, Associate Professor of Operations and Information Management an der Wharton School, fand die Idee toll und hat mir daher einen Artikel zur Verfügung gestellt, welchen er bereits im vergangenen Jahr für eine große deutsche Wirtschaftszeitung verfasst hat. Und obwohl der Bericht also schon vor knapp einem Jahr geschrieben wurde, spiegelt er aus meiner Sicht dennoch ganz hervorragend das Geschehen in Wharton wieder. An dieser Stelle also ein ganz herzliches Dankeschön an Christian Terwiesch. Mehr über ihn erfahrt Ihr auf unter www.wharton.upenn.edu/faculty

    Ein Stimmungsbericht von der Wharton School, der wirtschaftlichen Fakultät der University of Pennsylvania (Philadelphia)

    Die Stimmung an der Wharton School diese Woche ist angespannt - eine Anspannung wie man sie aus deutschen Universitäten primär in den Tagen vor und während der Diplomprüfung kennt. Es ist DIP week, die "dedicated interviewing period". Für eine Woche wird der Lehrbetrieb komplett eingestellt und die 800 MBA Studenten in ihrem ersten Studienjahr machen sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz für den kommenden Sommer. Der durchschnittliche Student hat diese Woche um die zehn Vorstellungsgespräche, große Banken und Beratungsfirmen haben in den Philadelphia Hotels gleich ganze Etagen komplett gebucht - viele von ihnen treffen sich mit mehreren Hundert Wharton Studenten.

    Für mich als Professor ist DIP week eine schöne Abwechslung. Mitten im Quartal - die meisten Kurse sind nur sieben Wochen lang - eine Art Halbzeitpause. Obwohl wir schon durch die ersten sechs Vorlesungen sind tue ich mich mit den Namen meiner 180 Studenten etwas schwer. 180 Studenten bedeutet dreimal am Tag eine Gruppe von etwa 60 Studenten zu unterrichten, um 9:00am, um 10:30am, und um 1:30pm. Dennoch verläuft jeder Vorlesung anders, schon der Begriff Vorlesung ist fehl am Platze. Ob Simulation oder Fallstudie, die meiste Zeit reden die Studenten. Mehrere Stunden haben sie sich auf diese Diskussion vorbereitet. Jetzt heißt es aus Professorensicht die Diskussion so zu dirigieren, dass sie in den vorgesehenen 80 Minuten zu einem Ergebnis kommt, einer konkreten Empfehlung für ein Management Problem.

    Doch zurück zu den Studenten. Für sie sind diese drei Monate zwischen dem ersten und zweiten MBA Jahr ein erstes Vorfühlen für ihre neuen Zukunftspläne. Ob vom Mediziner zum Managementberater, vom Historiker zum Investmentbanker, oder vom Buchhalter zum Firmengründer, die Karrieresprünge der Studenten sind ebenso vielfältig wie die Studentenschaft selbst. Hinzu kommen viele, die die ersten Jahre der Berufslaufbahn einmal aus einer neuen Perspektive betrachten möchten. Karrieresprünge in der gleichen Branche und manchmal gar im gleichen Unternehmen sind keine Seltenheit

    Über 80 Länder sind hier vertreten, fast jeder zweite Student kommt nicht aus den USA, alle haben mehrere Jahre Berufserfahrung, und alle wurden handverlesen. Unter ihnen auch Jan Hellmich, einer der wenigen Deutschen Studenten. Von der Automobilindustrie möchte er den Wechsel ins Beratungsgeschäft vollziehen. Außerdem wollte er nach 6 Jahren im Beruf noch einmal eine neue Dimension von Herausforderung, etwas Neues wagen, in ein anderes Land ziehen. Wie jeder der über 7000 Bewerber musste er Aufsätze schreiben, Empfehlungsschreiben organisieren und auf einen hohen Wert im GMAT Test hinarbeiten. Im Februar dann kam er für ein Vorstellungsgespräch, im August dann zum Studienbeginn zogen er und seine Frau komplett nach Philadelphia

    Keinem der Studenten ist die Entscheidung leicht gefallen. Zwei Jahre ohne geregeltes Einkommen, über $80,000 an Studiengebühren, und eine Abonnement auf eine 60 Stunden Woche, insbesondere im ersten Jahr. Dies sieht auf den ersten Blick nach einem schlechten Geschäft aus - kann man doch an der kommerziellen University of Phoenix seinen MBA für einen Bruchteil des Geldes erhalten, und das per Fernstudium. Dieser Kalkulation liegt allerdings ein fundamentaler Denkfehler zu Grunde, ein Denkfehler, der insbesondere in Deutschland verbreitet ist. Hier geht es nicht um den Titel, es geht um mehr als um drei Buchstaben, viel mehr.

    Ein MBA Programm an einer der Top Schulen hat drei positive Einflüsse auf die zukünftigen Berufsmöglichkeiten. Den ersten Nutzen bezieht der Student schon vor dem ersten Tag des Unterrichts: die Gewissheit zu den besten Bewerbern des Jahrgangs zu gehören. Dieser Stempel mit der Aufschrift "admitted to Wharton" hat in den Augen mancher MBA Zyniker mehr Wert also die gesamte Ausbildung. Der zweite Nutzen ist der Vorlesungsbetrieb selbst. Über 150 verschiedene MBA Kurse stehen zur Wahl, von der Umweltökonomie zur Unternehmensethik, vom Immobilieninvestment zum Venture Capital, und von der Produktentwicklung zum Mediengeschäft.

    Vor den Wahlfächern kommt eine intensive Grundausbildung zu allen Aspekten des General Management. Zu den Vorlesungen kommt eine Vielzahl von anderen Veranstaltungen, verschiedene Clubs, Firmenpräsentationen, und karitativen Initiativen. Hierbei wird das Lernen von Student zu Student ebenso betont wie von einem der über 200 Professoren (Vollzeit). Der dritte Nutzen ist schließlich der Übergang ins neue Berufsleben, der Zugang zu einem einzigartigen Netzwerk von über 80,000 Alumnis (ehemaligen Studenten). Das Management von Oracle bis hin zu Starbucks und von Mittal Steel zu Charles Schwab lag in den letzten Jahren in den Händen dieser Alumnis. Hinzu kommt eine Reihe von Investmentmanagern und Immobilienmogulen, angeführt, zumindest im punkto Bekanntheit, von Donald Trump.

    Dieses Netzwerk und die enge Verbindung zur Wall Street sowie zu den großen Beratungsfirmen ist bei der späteren Jobsuche von großer Hilfe. McKinsey und Goldman Sachs zusammen stellen etwa 100 Wharton Studenten ein - jedes Jahr. Weitere 70 gehen zu Bain, Boston Consulting Group und Booz Allen Hamilton. Zu den Banken und Beraterfirmen kommen eine Reihe von Private Equity Firmen, Venture Capitalists, und High-Tech Unternehmen - auch Microsoft und Google zählen zu den beliebtesten Arbeitgebern

    Es ist schwierig diesen Nutzen in Geld auszudrücken. Dennoch, keiner gibt so viel Geld aus ohne dabei auch an den Gewinn zu denken. Das Investment zahlt sich aus. Bis zu $40,000 bekommen viele der Studenten schon als Handgeld ("Sign-up Bonus" und "Tuition Reimbursement") mit dem ersten Job, und das zu einem Anfangsgehalt was schon im ersten Jahr im Durchschnitt jenseits von $100,000 liegt. Doch ein MBA Studium ist kein Bausparvertrag. Zwei Jahre Eintauchen in eine neue Welt, das heißt auch neue Freundschaften, Erlebnisse, Kulturen, und Reisen um die Welt. So schickt Wharton im Rahmen seiner Leadership Ventures einen Teil der Studenten in die Antarktis, ein anderer Kurs (das Global Consulting Practicum) arbeitet auf fast allen Kontinenten der Erde

    Bei aller Internationalität, Deutsche gibt es hier relativ wenig, Jan Hellmich ist der einzige in seinem Jahrgang. Selbst Pakistan oder die Türkei sind da deutlich besser vertreten. Insbesondere wenn man die Zahl der Studenten in Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung des Heimatlandes sieht, ist der Anteil von Deutschen und allgemein von West-Europäern bemerkenswert gering. Teilweise lässt sich dies sicherlich mit dem deutschen Studienangebot erklären. Selbst seit Einführung der Studiengebühren in Deutschland existiert immer noch ein dramatischer Preisunterschied zwischen einem der sich schnell vermehrenden MBA Studiengänge an einer Deutschen Fachhochschule oder Universität und den Top Schulen der USA. Hinzu kommt, dass trotz der Erfolge einiger Absolventen - Henning Schulte-Noelle als langjähriger Chef der Allianz AG ist ebenso ein Wharton Alumnus wie Frank Mattern als Chef von McKinsey Deutschland- der Bekanntheitsgrad vieler Schulen relativ gering ist. Diese Knappheit des Angebotes von deutschen MBA Absolventen von amerikanischen Schulen kam den wenigen deutschen Studenten in der Vergangenheit meist zu Gute

    Das Oligopol der Top Schulen ist in bemerkenswerter Weise über die letzten Jahrzehnte unverändert geblieben. Die vielen neuen Schulen die gerade in Europa derzeit wie Pilze aus der Erde schießen finden (noch) wenig Beachtung. Selbst meine Heimatschule INSEAD in Fontainebleau (und mittlerweile auch in Singapur), wo ich vor über 10 Jahren studiert habe, gilt irgendwie noch als Neuling im Kreise der Top Schulen.

    Wie kommt es, dass im rasant wachsenden Markt der Bildung und Weiterbildung sich die Marktmacht der alteingesessenen Schulen so langsam ändert? Nur wenige Wirtschaftszweige entwickeln sich so langsam wie Universitäten. Dem liegt ein einfacher Prozess zugrunde - durchaus vergleichbar mit dem der Fußball Bundesliga. Erfolgreiche Schulen schaffen es die besten Professoren und die besten Studenten anzuziehen. Dadurch werden diese Orte noch attraktiver und können sich noch mehr die Bewerber auswählen. 200 Bewerbungen auf eine Professorenstelle. 7000 Bewerbungen für das MBA Programm, und eine weit größere Zahl von Studenten scheut den großen Bewerbungsaufwand und fokussiert sich direkt auf eine der sogenannten "second tier schools". Zudem kommt mit dem Erfolg früher oder später auch das Geld. Die Wharton School alleine hat ein Jahresbudget von fast $300 Millionen. Wohlgemerkt, dies ist allein die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der University of Pennsylvania

    Diese Vormachtstellung der renommierten Schulen führt auch auf dem Absolventenmarkt zu einem interessanten Effekt. Unter dem Stichwort "Grade Non Disclosure" haben sich zum wiederholten male die Mehrheit der Studentenschaft das Wort gegeben ihre akademischen Leistungen gegenüber potentiellen Arbeitgebern geheim zu halten. Aus ökonomischer Sicht ein klassisches Kartell, eine OPEC von MBA Studenten. Auch untereinander sprechen die Studenten selten über ihre Noten. Es zählen allenfalls Auszeichnungen wie die "Director's List" (die Liste der 10% Studenten mit dem besten Notendurchschnitt) oder der "Leadership Fellow". Ob jemand dagegen ein "A" oder "B" in meiner Einführungsvorlesung "Operations Management" erhält ist dagegen von weit geringerer Bedeutung

    Dieses Jahr verläuft DIP hervorragend. Die gute Stimmung bei den Investmentbanken und Beratungsunternehmen schlug sich in einer enormen Nachfrage nach neuen MBA Einstellungen nieder. Der MBA Pub, eine feste Institution auf dem Campus, der jeden Donnerstag die Studenten anzieht, ist gut gefüllt. Auf meinem Weg dorthin treffe ich Heiko Nick, ein Student im zweiten Jahr den ich aus meiner Vorlesung "Operational Performance Analysis" kenne. Im Gegensatz zu den "first years" ist Heiko mittlerweile eher auf der gelassenen Seite. Im Sommer fängt er bei McKinsey in Köln an, vorher will er noch die verbleibende Zeit nutzen. Ein Südamerika Trip ist geplant, dazu kommt im Mai noch die obligatorische "beach week", die Woche zwischen der letzten Klausur und der Abschlusszeremonie in der die Mehrheit der Studenten Philadelphia gegen die Karibik eintauscht. Und vielleicht kann er die Flüge ja so legen, dass es noch für ein paar Tage Urlaub reicht - mit Logistik kennt er sich bestens aus, schließlich arbeitete eher vorher bei der Deutschen Post AG.
  • Dieser Artikel ist erschienen am 22.03.2007