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Jahr der Wahrheit für den Karmann-Chef

Mark C. Schneider
Bis kurz vor Weihnachten platzte Peter Harbigs Kalender aus allen Nähten. Immer wieder kamen ihm Termine mit Kunden und potenziellen Auftraggebern dazwischen. Aber der Karmann-Kapitän weiß, dass jedes Gespräch zählt ? mehr denn je.
DÜSSELDORF. "Das Schiff Karmann befindet sich in schwerem Wasser, und viele von Ihnen sehen mit Sorge in die Zukunft", schrieb Harbig den Mitarbeitern zum Jahreswechsel. Eine zutreffende Analyse angesichts von 1 770 Arbeitsplätzen, die das Traditionsunternehmen aus Osnabrück derzeit streicht. Nach einigen Verzögerungen soll in den nächsten Wochen endlich der Sozialplan stehen.Vor allem der Hoffnungsschimmer eines BMW -Auftrags, der im November dann doch an den Konkurrenten Magna Steyr ging, hatte die Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsräten stocken lassen. Auch wenn sie schmerzlich ist: Harbig hatte die Niederlage erwartet - BMW und sein Ex-Arbeitgeber Magna sind seit Jahren erfolgreiche Partner. Nun nutzt er die Enttäuschung, so gut es eben geht: als ein Fanal zum Aufbruch für das neue Jahr.

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"Wir sind auf dem Weg zu einer besseren Wettbewerbsfähigkeit ein beträchtliches Stück vorangekommen", teilte der Chef seinem angeschlagenen Karmann -Team zum Jahreswechsel mit. "Mit Kostensenkungsprogrammen, mit der Verbesserung der Prozesse und mit vielen Ihrer innovativen Ideen sind wir bei unseren Kunden positiv aufgefallen." Zum guten Schluss beschwor Peter Harbig den Erfolg geradezu: "Für eine solche Mannschaft kämpfen wir gern. Wir sehen die Chancen auf dem Markt, und wir werden mit unseren Fähigkeiten punkten."Typisch Harbig, sagen Wegbegleiter, die den 48-Jährigen gut kennen. Nüchtern trifft der drahtige Ingenieur die notwendigen Entscheidungen; und hat er eine Konstellation als aussichtslos erkannt, kämpft er nicht weiter auf verlorenem Posten, sondern sucht eine Alternative.Im Rückzug gnadenlos realistisch, macht Harbig seinen Truppen angesichts neuer Chancen bedingungslos Mut. Harbigs Stil prägt Karmann - und kommt trotz der Angst um den Arbeitsplatz auch bei den noch 5 250 Mitarbeitern am Stammsitz Osnabrück und im benachbarten nordrhein-westfälischen Rheine an.Der Fahrzeugbau ist an beiden Orten bedroht, wenn in diesem Jahr die Produktion der Cabrio-Version des Audi A4 in Rheine und die Fertigung des Mercedes CLK in Osnabrück auslaufen. Mehr als 33 000 Fahrzeuge beider Modelle haben die Karmänner 2007 montiert. Hinzu kamen über 3 500 Stück des Chrysler Crossfire als Coupé und Cabrio.Kein Modell veranschaulicht Harbigs unternehmerisches Problem so sehr wie der Crossfire, das technisch exzellente, aber ungeliebte Kind der längst geschiedenen Daimler-Chrysler -Ehe. Der stark steigende Euro verteuerte den Export in die USA vom Start des Projekts bis zu seinem Ende um fast 70 Prozent. Folge: Der Flitzer auf Basis des Mercedes-SLK-Vorgängers floppte. Nur 76 000 Autos dieses Typs wurden in Osnabrück gebaut.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die nächste Klippe lauert schon auf den Karmann-Kapitän

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