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Iris Hinterberger

  • Ein Platz an der Sonne
  • Es gibt kein Bier in Hawaii
  • Der MBA und die Liebe
  • Mens sana...
  • Das kommt mir Spanisch vor!

    Einer der großen Vorteile von IESE ist, das man neben einem vollen MBA-Studium auch noch perfekt Spanisch lernen kann. Angeblich ist das Beherrschen mehrerer Fremdsprachen ja auch einer der Schlüssel zum beruflichen Erfolg. Das hört man zumindest immer. Hat in meinem Fall auch zugetroffen. Immerhin habe ich fast 3 Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, dass routinemäßig in 4 Sprachen funktioniert. Mich musste also von diesem Konzept keiner mehr überzeugen. Ich war überzeugt. Und habe mich mit voller Energie auf das Studium der spanischen Sprache geworfen. 6 Stunden pro Woche ist eine ganze Menge, wenn man schon jeden Tag von 9 bis 15 Uhr Unterricht hat und jeden Fall in der Theorie 2 bis 3 Stunden vorbereiten sollte. Da freut man sich schon fast, wenn man Klausuren hat (denn dann wird der Spanischunterricht gnädigerweise ausgesetzt)

    Vor 2 Wochen habe ich dann glücklich den Spanischkurs beendet und die staatliche Prüfung abgelegt. Und mich gleich der nächsten großen Herausforderung gestellt: Die spanische Klasse. IESE hat nämlich noch eine Besonderheit: die Studenten studieren in 3 Klassen, 2 englische und eine spanische, in der ungefähr die Hälfte des Unterrichts auf Spanisch abgehalten wird. Im 3. Trimester kann man aus der englischen in die spanische Klasse wechseln (ein wenig Spanisch muss man schon können?). Dies habe ich gestern getan.

    Die besten Jobs von allen


    Meine ersten Eindrücke:
    die Unterschiede sind nicht sonderlich groß (wie auch, schließlich ist der Lehrplan exakt derselbe!), und Unterricht auf Spanisch ist auch nicht so schlimm. Die Leute sind sehr nett, die Professoren bemühen sich langsam zu sprechen und eigentlich ist Spanisch ja auch gar nicht sooooo schwierig ? oder doch? Mitschreiben zum Beispiel ist doch ein wenig komplizierter, als man das so gewohnt war und manchmal möchte man eigentlich gerne etwas fragen, weiß aber das Wort nicht. Schwarzmarkt zum Beispiel, mein neues Wort des Tages. Hätte ich heute gerne gebraucht, aber bis ich meine Sitznachbarin gefragt hatte war die Gelegenheit vorbei. Naja, jetzt weiß ich wenigstens, wie es den Japanern jeden Tag geht! Auch eine der vielen Erfahrungen, die mir in meinem späteren Berufsleben sehr nützlich sein werden

    Die gute Seite ist aber auf jeden Fall, dass man ganz neue Leute kennen lernt. Heute Abend zum Beispiel ist schon die erste Party. Mal sehen, ob ich es dahin schaffe? denn eines steht fest: Fremdsprachen sprechen ist am einfachsten, wenn man ein wenig angesäuselt ist!

    Ein Platz an der Sonne

    Bevor ich anfange, mein Leben in Barcelona zu beschreiben, möchte ich mich gerne vorstellen: Mein Name ist Iris Hinterberger und ich studiere zur Zeit im 1. Jahr an der IESE Business School. Ich habe die ersten 19 Jahre meines Lebens am schönen Rhein in Wiesbaden verbracht und dort mein Abitur gemacht. Danach packte mich das Fernweh und ich beschloss, im Ausland zu studieren. Aber nicht irgendein Ausland - Frankreich sollte es sein. So habe ich ein Doppelstudium zwischen Metz und Saarbrücken zu begonnen, das ich gute vier Jahre später auch erfolgreich beendet habe. Und was tut man mit einem deutsch-französischen Doppeldiplom in Betriebswirtschaft? Man zieht nach Luxemburg, arbeitet im Vertrieb und in der Kundenberatung eines Finanzdienstleisters und rollt den deutschen Markt für die Firma auf. Und wenn man nach fast drei Jahren genug davon hat? Genau: Man erfüllt seinen Langzeittraum und startet den Bewerbungsmarathon für einen MBA

    Und so bin ich hier gelandet.

    Warum ein MBA?
    Gute Frage. Exzellente Frage.
    Die Idee kam mir zum ersten Mal im 3. Studienjahr in Saarbrücken (damals, als ich noch jung und naiv war?). Mich hatte einmal wieder das Fernweh gepackt, und ich wollte auch gern mein Englisch verbessern. Und natürlich etwas lernen. Man hört ja so viel von der individuellen Studentenbetreuung, den Professoren, die einen mit Vornamen kennen und den wundervollen Menschen aus aller Welt, die man trifft. Damals habe ich den Plan jedoch vorläufig auf Eis gelegt: kein Geld, keine Berufserfahrung und keinen Studienabschluss.

    3 Jahre später hatte ich dann den Studienabschluss und die nötige Berufserfahrung war, wenn schon nicht gesammelt so doch wenigstens in Sicht. Das Geld hatte ich immer noch nicht. Aber glücklicherweise habe ich meine Eltern und den Staat Luxemburg, die mir finanziell unter die Arme greifen

    Und so kam es, dass Iris sich an IESE (und einem guten Dutzend anderer Schulen bewarb), einen Platz erhielt, ihren Job in Luxemburg kündigte und mit 2 Reisekoffern unter Mithilfe ihres Freundes und eines berühmten irischen Low Cost Carriers nach Barcelona umzog, dort einen Kredit aufnahm und sich ein Zimmer suchte. Drei Tage später startete sie ihr Zweitstudiums an einer der 15 besten Schulen der Welt

    Und hat diese Entscheidung noch keine Sekunde bereut

    Sicher, nichts ist perfekt. IESE liegt malerisch auf einem der grünen Hügel oberhalb von Barcelona im teuersten Villenviertel der Stadt. Was bedeutet, dass die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel doch etwas beschränkt ist und es kein On-Campus-Housing gibt.

    Das MBA-Studium ist, zumindest im ersten Semester, nicht einfach. Um es genau zu sagen, fragt man sich manchmal, warum man für so viel Stress denn Geld zahlen sollte. Und wenn man nicht gerade sein Team trifft (pädagogisch so zusammengewürfelt, dass der kulturelle Clash völlig unvermeidlich ist), Unterricht hat, eine Unternehmenspräsentation besucht (vorzugsweise Beratung oder Investmentbanking), oder Cases bearbeitet (IESE unterrichtet fast ausschließlich mit 'Fällen, die das Leben schrieb'), dann macht man Carreer Counseling und schreibt man Bewerbungen für besagte Strategie-Beratungen und Investmentbanken. Ach wie schön ist es doch, morgens um 3.00 Uhr darüber nachzudenken, warum man lieber für Unternehmen A denn Unternehmen B arbeiten möchte. Und das 3 Wochen vor den Finals

    Ein Detail, das ich etwas merkwürdig fand, war die Sitzordnung. An IESE kann man sich nicht setzen wohin man möchte. Man hat einen zugewiesenen Platz und der Lehrer erhält ein Fotochart der gesamten Klasse. So kann er lernen wo du sitzt und dich jederzeit aufrufen, wenn du mal ein wenig Blödsinn machst (was mir öfter passiert)

    Doch nun zu den guten Seiten

    Da wäre zum einen mein Team. Ja, der Clash war vorprogrammiert. Ja, es ist nicht einfach nach durchgearbeiteter Nacht ein Teammeeting zu leiten. Ja, ich war nicht immer anwesend. Ja, wir haben unsere Probleme gehabt

    Und sind daran gewachsen. Hatten viel Spaß. Haben einen Film zusammen gedreht und einen Fall geschrieben (alles im Dienste der innovativen Lehrmethoden). Haben Gruppenarbeiten zusammen eingereicht, uns die Financial Times geteilt und uns gegenseitig Kostenrechnung erklärt. Ab nächster Woche werde ich in einem neuen Team arbeiten. Und vermisse mein altes Team jetzt schon

    Dann wäre da, so beängstigend es klingt, der Unterricht. Die Case Method. Die Fallmethode. In 80% der Unterrichtstunden das Instrument des Wissenstransfers. Ich habe versucht, einen maroden Bauernhof zu verkaufen, mich in die Ölförderung eingearbeitet, strategische Entscheidungen in der Textilindustrie getroffen, versucht, Kontaktlinsen für Legehühner zu vertreiben und vieles, vieles mehr. Und dabei mehr gelernt, als in meinen ersten 4 Studienjahren. Über die Welt, über Unternehmen, über Menschen und über mich selbst. Und mehr gelacht

    Dann sind da die Menschen. Davon hat es hier relativ wenige. Nur 400 MBA-Studenten über 2 Studienjahre. Da lernt man sich schnell kennen und knüpft Freundschaften. Meine zwei Sitznachbarn kommen aus Azerbaijan und Brasilien. Meine vorherigen Sitznachbarn kamen aus den USA und Japan. Nächste Woche gehe ich auf einen Wochenendtrip mit einer Freundin aus Indien

    Zusammenfassend sei gesagt: Soweit bisher abzusehen, war die Entscheidung einen MBA zu beginnen, eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Alle meine Erwartungen haben sich bisher erfüllt. Meine Lehrer kennen mich mit Vornamen. Sie fragen mich regelmäßig wie es mir geht (und geben keine Ruhe, bis sie eine ehrliche Antwort erhalten). Ich habe unglaubliche Menschen kennen gelernt, die mir ein Vorbild sind (und damit meine ich nicht die Professoren!). Ich bin völlig abgebrannt und fühle mich doch so reich wie noch nie in meinem Leben. Natürlich vermisse ich meinen Freund und meine Familie. Sehr sogar. Und doch schlafe ich abends mit einem Lächeln ein. Es gibt kein Bier in Hawaii

    Heute spielen wir eines der bekanntesten Graduate Studies Spiele der Welt: The Beer Game. Hmmm? Spielt man das im Studium nicht jeden Abend? Im MBA leider nein, zum Ausgehen kommt man nicht ganz so oft wie man möchte

    Doch zurück zum Thema. Das Bier-Spiel hat absolut nichts mit Konsum zu tun, sondern mit Supply Chain Management (wie es neudeutsch so schön heißt). Es geht darum, in einer einfachen Lieferkette, die Biernachfrage eines anonymen Bierkonsumenten zu stillen. Das System ist denkbar einfach und doch ist der Lerneffekt wohl sehr, sehr groß. Es geht dabei hauptsächlich um die Verinnerlichung des Peitscheneffekts. Man darf gespannt sein

    Vor dem Spiel:
    Das Spiel besteht aus einer Simulation von 30 Arbeitstagen (1 Minute = 1 Tag) und das Team muss allabendlich Bier bestellen, dass dann 3 Tage später geliefert wird. Die Vorbereitung ist im Prinzip denkbar einfach: Das Team soll eine einfache Regel formulieren, à la "Wenn mein Bestand unter x fällt ordere ich y." oder "Ich ordere so viel wie ich an diesem Tag verkaufe.

    Frohen Mutes haben mein brandneues Team (bestehend aus acht gut aussehenden, intelligenten Südländern) und ich (mehr der stämmige nordische Typ) also angefangen unsere Strategie zu erarbeiten. Klingt ja auch eigentlich nach einer Aufgabe, die man innerhalb von 10 Minuten bewältigen kann. Oder dauert es vielleicht doch ein wenig länger? Wir haben die Email mit unserem Plan nach 5 Stunden abgeschickt

    Woran liegt es, dass dies so lang gedauert hat? Teilweise liegt es natürlich an der südländischen Mentalität. Da muss man als guter Deutscher schon viel Geduld an den Tag legen (ich zum Beispiel habe pädagogisch vorgeschlagen die Gruppe aufzuteilen und andere Gruppen-Aufgaben zu erledigen). Ein anderer Grund ist, dass in unsere Gruppe von 9 Personen 4(!) neue Mitglieder integriert werden. Es dauert eine Weile bis man sich aneinander gewöhnt hat und weiß, wie man mit wem kommunizieren kann. Und schließlich liegt es an einem Grund, der mir die Menschen in der Gruppe sehr sympathisch macht: Es liegt ihnen daran, die perfekte Lösung zu finden. Und zwar nicht nur, weil die eigene Note dahinter steht, sondern auch, weil sie den Wissensdurst und Ehrgeiz haben, alles perfekt zu machen

    Tief drin sind wir uns also doch nicht so unähnlich

    Und so lernt man jeden Tag etwas über andere Kulturen, auch wenn es manchmal ein wenig dauert zu Ergebnissen zu kommen

    Übrigens habe ich vorgeschlagen, das heutige Treffen abzublasen und es mit den Details doch vielleicht nicht so genau zu nehmen. Auf Spanisch. Man lernt eben nie aus

    Nach dem Spiel:
    Was für ein Spiel! Am Anfang lief es ja noch recht zivilisiert. Die vier offiziellen Rollen wurden vergeben und der Rest des Teams setzte sich bequem hin um zuzuschauen und unseren Senf dazuzugeben. Runde 1, 2 und 3 liefen auch noch recht harmonisch. Dann hat unser Kunde auf einmal angefangen, wie wild Bier zu ordern. Und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Dann steht man nämlich auf einmal vor der großen Frage, die das Denken in Operations Strategy überschattet: wenn es1? kostet einen Kasten eine Nacht zu lagern, und man 2 ? verliert, wenn man nicht liefern kann, was ist dann besser? Sollte man nach geringen Kosten streben, oder nach hohem Service? Oder nach beidem? Oder vielleicht doch nach etwas anderem?

    Mein Team hat diese Fragen (und eine Reihe weiterer Punkte) heiß und ausgiebig debattiert. Und laut. Sehr, sehr laut. Und natürlich auf Spanisch (welche Sprache denn auch sonst). Ich habe mich ja bei der ganzen Diskussion vornehm zurückgehalten. Mein Job bestand im Großen und Ganzen darin, zu überwachen, dass wir am Ende jeder Spielrunde überhaupt etwas orderten (sonst hätten die anderen wohl in ihrem Eifer dieses kleine Detail verpasst). Ich habe an diesem Nachmittag eine Menge neue Worte gelernt. Leider kann ich diese weitgehend nicht in der Öffentlichkeit benutzen. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

    Übrigens waren wir am Ende gar nicht so schlecht. Kostenmäßig waren wir ganz gut und unsere Orderstrategie war, wenn schon nicht völlig richtig, wenigstens doch nicht total daneben. Aber fehlerfrei kriegt so etwas eh nie jemand hin. Wo wäre denn dann der Lerneffekt? Der MBA und die Liebe

    Heute beschäftige ich mich mit einer der großen Fragen, mit der sich jeder MBA-Kandidat zwar nicht öffentlich aber doch ausgiebig auseinandersetzt. Der MBA und das Beziehungsleben. Ein Diskurs mit Fallbeispielen aus meinem MBA-Jahrgang

    Leidet meine Beziehung unter meinem MBA?

    Hier lässt sich ganz wunderbar die typische MBA-Antwort benutzen: IT DEPENDS (es kommt darauf an). Es gibt Paare, die sich vorher trennen, es gibt Paare, die sich währenddessen trennen, es gibt Paare, die sich währenddessen finden, es gibt Menschen, die suchen aber nicht finden, es gibt Paare, die den MBA zusammen machen, ?. You get the picture

    Einer meiner Kommilitonen trennte sich von seiner Freundin bevor er hierher kam. Er sagt, dass er lieber mit ihr in gutem Kontakt bleiben möchte, als eine Liebesbeziehung über die Ferne in den qualvollen Tod zu treiben. Ein anderer kam mit seiner Ehefrau hierher. Sie wollte Spanisch lernen und dann anfangen zu arbeiten. Jetzt erwarten sie ihr erstes Kind und spricht besser Spanisch als er. Wir haben 3 Paare im MBA. Die Partner haben beschlossen den MBA zusammen zu machen, weil beide gerne eine weitere Ausbildung wollten und sie dachten, dass der Stress für sie besser zu bewältigen sei, wenn beide in der gleichen Situation sind. Eine Kollegin hat ihren Mann (freischaffender Autor) mitgebracht. Sie ist die absolute Ausnahme: keine andere Frau hat ihren Partner dabei (umgekehrt ist das häufiger). Ein Freund von mir brachte seine Frau mit, doch sie haben sich getrennt und sie ist in ihr Heimatland zurückgegangen. Ein Kommilitone wohnt hier mit Frau und 2 Kindern. Ich habe inzwischen von 3 oder 4 Paaren innerhalb des Jahrgangs gehört, die seit Beginn des Programms zusammengekommen sind (und da ich so was immer als Letzte mitkriege, sind es bestimmt sehr viel mehr). Mein Freund lebt in Deutschland und hat nicht die Absicht hierher überzusiedeln. Wir sind immer noch zusammen und so Gott will bleiben wir das auch

    Man sieht also: die Möglichkeiten sind endlos

    Dies hilft dem MBA-Bewerber jedoch wenig bis gar nicht weiter. Daher habe ich eine Liste von besonders kritischen Punkten zusammengestellt, über die man vorher einmal nachdenken sollte:

    Grundsätzlich gilt, dass jeder MBA Zeit kostet. Und zwar sehr viel mehr als man vorher denkt. Diese Zeit geht von Schlaf, den Hobbies und dem Partner ab. Dessen muss man sich bewusst sein. Ich habe außerdem das Problem, dass meine Freizeit so gegen 23.00 Uhr anfängt (weil ich ein Spätlerner bin). Meinen Freund dann noch für eine Stunde anrufen, fällt schwer

    Ein MBA kann Umzug bedeuten. Doch wie stark dies die Beziehung beeinflusst, muss jeder selbst wissen. Ich zum Beispiel habe mich bewusst nicht an der US-Westküste beworben, da mich dann kaum jemand besuchen hätte können. Zeitverschiebung und Sprachbarriere sind andere Probleme.

    Das größte Problem ist meiner Ansicht nach jedoch die Erfahrung, die man im MBA sammelt und die man beim besten Willen nicht 100%ig teilen kann. Klar kann ich meinem Freund von Unterhaltungen erzählen, ihm meine Freunde vorstellen und meinen Tag beschreiben. Aber er kann sich nur begrenzt damit identifizieren. Dieses Problem hat man zwar auch im Job. Aber im MBA wird es durch den Jargon, den engen Gruppenkontakt und den Zeitmangel besonders schwierig, viele Dinge zu kommunizieren

    Was also kann man tun? Meiner Meinung nach ist Offenheit der wichtigste Punkt. Die Entscheidung einen MBA zu machen, sollte so früh wie möglich mit dem Partner besprochen werden und es sollte auch sehr direkt abgeklärt werden, wie die Beziehung weiterlaufen kann: Partner können sich versetzen lassen, sich einen neuen Job im Zielland suchen, einfach nur als Hausmann/-frau mitziehen oder in der Heimat bleiben. Es muss aber offen abgeklärt werden, was jede Seite möchte. Da ist schonungslose Ehrlichkeit gefragt.

    Außerdem ist man gut beraten, die Spielregeln so früh wie möglich festzulegen: wer kommt wie oft zu Besuch; wo treffen wir uns; nehmen wir uns, wenn wir zusammenwohnen jeden Samstag einen halben Tag nur für uns; bis wie viel Uhr wird unter der Woche gelernt etc.?

    Eine exzellente Managementaufgabe für die junge Führungskraft

    Übrigens haben wir auch 2 Paare, die diesen Sommer heiraten. Es bestehen also alle Chancen, dass die Beziehung den MBA unbeschadet übersteht. Es ist eben mehr als alles andere eine Frage der Energie, die man hineinsteckt

    Alle Angaben sind (wie immer) ohne Gewähr. Mens sana...

    Nachdem ich jetzt schon einige Male über das Leben mit dem MBA geschrieben habe, möchte ich heute gerne über das Leben in einer europäischen Metropole berichten

    Zu sagen, dass das Leben in Barcelona sich grundlegend von dem in Luxemburg, Saarbrücken und Metz, meinen letzten drei Wohnorten unterscheidet, wäre übertrieben. Natürlich stehe ich morgens auf, gehe einkaufen, treibe Sport usw. Aber es gibt schon erhebliche Unterschiede

    Am Sonntag habe ich an einem der großen Ereignisse Barcelonas teilgenommen: dem 29. Corte-Ingles-Volkslauf. Es ist nicht eines der berühmten Straßenfeste, die es hier mindestens einmal im Monat gibt, auch nicht Sant Jordi, der sicherlich katalanischste aller Feiertage und schon gar nicht La Mercé, die größte Party der Stadt. Aber es ist schon mal was

    Und so habe ich mich am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr, nach einer indischen Wodka-Party unter Stöhnen aus dem Bett gerollt, habe mich angezogen und bin zum City-Lauf gefahren. Ja, gefahren. Ich weiß, ich hätte hinjoggen sollen?

    Ich bin (wie immer) 20 Minuten zu spät angekommen und hatte daher das seltene Vergnügen, auf offener Strasse und im fließenden Verkehr hinter dem Feld herzuwetzen. Die Organisatoren hatten die Barrieren nämlich schon wieder abgebaut. Und da sage noch einer, die Spanier wären nicht reaktiv. Nachdem ich das Feld dann nach ungefähr 10 Minuten später erreicht hatte, fand ich mich hinter 53.321 weitgehend spazierenden Sportlern wieder. Die meisten hatten Kinder im Vorschulalter oder kleine Hunde dabei. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Menschen überholt (allerdings bei weitem nicht alle 53.321)

    Dafür wurde ich mit kostenlosem Wasser und wunderschönen Ausblicken auf Barcelona entschädigt. Und ich war zum ersten Mal in den Olympiaanlagen. Bin durchgejoggt. Der Lauf war immerhin 11 Kilometer lang - es wird nicht verraten wie lang ich gebraucht habe. Aber lustig was es auf jedem Fall. Und ein Beweis dafür, dass man auch in hammerharten Studiengängen jeden Tag etwas Neues machen kann.
    Dieser Artikel ist erschienen am 16.03.2007