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Interview: Rolf Geisel, Geschäftsführer Boysen

Rolf Geisel arbeitet seit 30 Jahren für die Friedrich Boysen GmbH & Co. KG im Schwarzwald. Angefangen hat er als Werkzeugmacher, seit 15 Jahren ist er Geschäftsführer.
Als Mittelständler hat man es dieser Tage nicht leicht in der Zulieferindustrie...Man muss sich auf das konzentrieren was man kann. Anfang der 90er-Jahre haben die Hersteller nur noch auf Multisupplier gesetzt. “Was anderes wird es nicht mehr geben”, hieß es damals. Wir sind unseren Weg konsequent weiter gegangen und haben alle Zweifler eines Besseren belehrt. Inzwischen hat in der Industrie ein Umdenkungsprozess eingesetzt. Die Autohersteller haben erkannt, dass Größe nicht alles ist. Gefragt sind heute Innovationen in allen Bereichen, dies macht einen Zulieferer zu einem guten oder schlechten.

Die besten Jobs von allen

Zu welcher Gruppe Sie Boysen zählen- ist dann ja nicht schwer zu erraten. Wie wird man denn ein Guter?Wir haben immer versucht, technologischer Schrittgeber zu sein. Boysen investiert pro Jahr zehn Prozent des Umsatzes in Innovationen. Und da wir im Premiumbereich tätig sind, können uns auch konjunkturelle Schwankungen nicht so viel anhaben.Wirtschaftlich ist also alles im grünen Bereich?Zu den Zahlen nur soviel: Vor elf Jahren haben wir 41 Millionen Euro Umsatz erzielt, 2001 waren es 322 Millionen An unserer Investitionsquote können Sie sehen, dass es eine entsprechende Rendite gibt. Ich will es mal so ausdrücken: Die Firma Boysen träumt davon, einmal ganz ohne Fremdkapital auszukommen.Sie sind zufrieden?Natürlich könnte die Ertragssituation besser sein, einfach weil wir der Meinung sind, dass die Erträge, die uns die Autohersteller zur Verfügung stellen, zu gering sind. Für die Leistung, die wir erbringen, werden wir nicht genügend am Ergebnis beteiligt.Wie sieht es bei den Mitarbeitern aus?Unser größtes Problem ist nicht, Maschinen und Prüfstände zu installieren, sondern qualifiziertes Personal für die Forschung und Entwicklung zu gewinnen. Und so wird es die nächsten Jahre wohl auch bleiben.Aber Sie ergeben sich doch nicht in Ihr Schicksal, oder?Wir haben neue Strukturen geschaffen, Gruppenleiter und Teamleiter eingeführt, damit man auch hierarchisch weiterkommen kann. Außerdem versuchen wir in den Unis, unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Sehr wichtig: Bei uns ist jeder Einzelne ein wichtiges Rad, das etwas bewegen kann.Ist das alles?Natürlich nicht. Wir versuchen Arbeitsplätze zu schaffen, die Lust auf Leistung machen. Im Moment sind wir dabei, im Versuch und in der Konstruktion virtuelle Räume zu generieren. Durch eine neue Raumkoordination und den gezielten Einsatz verschiedener bewusstseinsbestimmender Faktoren wie zum Beispiel Klimatisierung, Beleuchtung und aktiver Akustik wird das Büro zu einem Ort der Kreativität und der Inspiration. Arbeit und Freizeit werden in Zukunft ineinander verschmelzen. Dies ist nur eine weitere aus einem ganzen Paket von Maßnahmen.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.06.2002