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Interview: Mannheim - The European MBA

Christoph Mohr
Zusammen mit zwei Business Schools in Frankreich (Essec) und Großbritannien (Warwick Business School) bietet die Universität Mannheim ab September 2002 ein neues MBA-Programm an. JungeKarriere.com sprach mit Professor Dr. Christian Homburg, Akademischer Direktor des Programms.
Frage: "A new star rises among the international MBA programs" kündigen Sie in der Broschüre zu Ihrem neuen MBA-Programm an. Nehmen Sie da den Mund nicht etwas voll?Homburg: Nein. Ich denke, dass unser Programm in puncto Qualität, Internationalität und Praxisorientierung sowohl national wie auch international keinen Vergleich scheuen muss.

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Frage:Am MBA-Himmel in Europa glänzt das Dreigestirn IMD-INSEAD-London Business School. "A long way to go", könnte man sagen. Wie groß sind Ihre Ambitionen, in die erste Liga der europäischen MBA-Programme vorzurücken?Homburg: Das Renommee der oben genannten Institutionen und ihrer Studiengänge ist unbestritten. Aber auch wir und unsere beiden Partner, die ESSEC und die WBS, haben über Jahre hinweg einen Ruf erworben, der uns dazu verpflichtet, ein erstklassiges MBA-Programm anzubieten. Unser Ziel muss es sein, hoch qualifizierte und ambitionierte Studierende für unser Programm zu begeistern. Und dafür wollen wir schon im ersten Jahrgang den Grundstein legen.Frage: Die Uni Mannheim springt in Deutschland relativ spät auf den MBA-Zug auf. Was bieten Sie den Studenten, was andere nicht haben?Homburg: Wir haben uns bewusst Zeit gelassen, um ein Top-Programm mit adäquaten ausländischen Partnern anbieten zu können. Die Faktoren, die unsere Diplom-Studiengänge auszeichnen, werden auch für unser MBA-Programm gelten: Wissenschaftliche Fundierung auf höchstem Niveau, ein konsequentes Qualitätsmanagement, ausgeprägte Praxisorientierung, Internationalität, Vielseitigkeit und sehr gute Arbeitsbedingungen für die Studierenden.Die Spezialisierung auf internationale Fragestellungen nach einer fundierten wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagenausbildung, die Möglichkeit, an drei namhaften europäischen Business Schools binnen eines Jahres studieren zu können, sowie das dreimonatige Praxisprojekt, in dem ein international zusammengesetztes Team ein Problem in einem weltweit tätigen Unternehmen bearbeiten wird, machen den besonderen Reiz des "European MBA" aus.Frage: Wie sehen Sie sich im Konkurrenzumfeld der besten deutschsprachigen MBA-Anbieter ?Homburg: Ich bin der Ansicht, dass der überwiegende Teil der deutschsprachigen MBA-Anbieter erhebliche Qualitätsprobleme besitzt. Das hängt zum einen mit der wissenschaftlichen Reputation der Dozenten zusammen. Zum anderen werden in der Regel nur zweit- oder drittklassige Business Schools als Partner gewählt.Außerdem wird von vielen Programmen Internationalität als wichtiges Element nur vorgegaukelt: Die Studierenden absolvieren ihre Ausbildung dann doch fast ausschließlich in Deutschland und die Lehrveranstaltungen werden größtenteils in Deutsch statt in Englisch abgehalten.Frage: Sie haben drei Standorte in Europa. Ihr Programm gleicht damit in gewisser Weise dem gut eingeführten MBA-Programm der EAP. Warum sollte ein Interessent eher Ihr Programm wählen?Homburg: Ich möchte keinen direkten Vergleich mit anderen Programmen vornehmen. Allerdings erscheint mir wichtig, dass man nicht nur die Architektur des Programms, sondern auch die wissenschaftliche Qualität der involvierten Personen berücksichtigen sollte.Frage: Sie organisieren Ihr MBA-Programm mit ESSEC und Warwick, zwei Hochschulen, die zweifellos gut sind, aber in ihren Ländern doch nicht die absolute Spitzengruppe bilden. Blieb Ihnen als Partner nur die zweite Wahl?Homburg: Ihre Einschätzung ist nicht nachvollziehbar. Wie wir zählen sowohl die ESSEC als auch die WBS in ihren Ländern in allen Rankings zur absoluten Spitze. Die Zeitung "The Times" hat Warwick in ihrem diesjährigen nationalen Ranking sogar auf Rang zwei vor den wesentlich bekannteren Londoner Wirtschaftshochschulen eingestuft. Unter zahlreichen Optionen haben wir uns bewusst für diese beiden Business Schools entschieden.Ein wichtiger Grund war, dass die ESSEC, die WBS und wir zu den vier ersten Hochschulen gezählt haben, die in Europa von AACSB International und damit dem weltweit renommiertesten Zusammenschluss wirtschaftswissenschaftlicher Bildungseinrichtungen akkreditiert wurden.Das ist Beleg für ein vergleichbares, exzellentes Niveau in Lehre und Forschung. Überdies bieten wir mit der ESSEC bereits seit über zehn Jahren ein überaus erfolgreiches Doppeldiplom an und arbeiten auch mit der WBS seit Jahren sehr eng zusammen.Frage: Und welche Garantie gibt es, dass ESSEC und Warwick dieses gemeinsame MBA-Programm zwar als nette Erweitung ihres Angebots sehen (nice to have), aber ihnen ihr eigenes MBA-Programm nicht doch wichtiger bleiben wird und sie die Universität Mannheim nur als Juniorpartner ansehen?Homburg: Da muss ich Ihnen widersprechen. Es gibt in unserer Kooperation keinen Juniorpartner. Wir sprechen in Augenhöhe zueinander und das Programm genießt auch bei der ESSEC und der WBS eine sehr hohe Priorität. Es ist sicherlich kein Fehler, sondern eher ein Vorteil, dass wir uns mit zwei Partnern zusammen getan haben, die bereits große Erfahrung mit der Organisation erfolgreicher MBA-Programme haben. "The European MBA" setzt nach den Core Courses einen klaren thematischen Schwerpunkt. Daher werden wir einen eigenen Interessentenkreis ansprechen und beispielsweise nicht mit General Management-Programmen der ESSEC oder der WBS konkurrieren.Frage: Sie preisen Ihr MBA-Programm dezidiert als "European MBA" an und das in einem Augenblick, wo der allgemeine Business School-Trend eher in Richtung transkontinentaler, "globaler" MBA-Programme geht. Haben Sie den MBA-Zug damit nicht schon verpasst ?Homburg: Dass wir unseren Fokus auf europäische Themen setzen bedeutet nicht, dass wir den Rest der Welt ausgeklammert lassen. Wie Sie schon in der Frage richtig gesagt haben, ist das in einer globalisierten Wirtschaftswelt gar nicht möglich. Wir wollen Manager ausbilden, die Spezialisten in europäischen Themen sind, aber natürlich auch die globalen Zusammenhänge sehr genau kennen.Doch nach meiner Meinung hätte es keinen Sinn gemacht, wenn drei europäische Top-Universitäten ein Programm angeboten hätten, das beispielsweise seinen Schwerpunkt auf den asiatischen Markt setzt. Wenn wir das irgendwann noch tun sollten, werden wir uns selbstverständlich einen Partner aus dieser Region suchen.Frage: Obwohl Sie sich so europäisch geben, hat ausgerechnet die Universität Mannheim mit AACSB eine US-amerikanische Akkreditierung angestrebt. Warum? Werden Sie zudem auch eine EQUIS-Akkreditierung "nachholen" ?Homburg: Wie oben bereits gesagt ist die AACSB fraglos die weltweit renommierteste Akkreditierungseinrichtung. Wir haben sie gewählt, damit in allen Teilen der Erde unsere Abschlüsse - und dazu zählen auch die international wenig bekannten Diplom-Studiengänge - als qualitativ hochwertig erkennbar sind. Die Notwendigkeit einer EQUIS-Akkreditierung sehe ich daher derzeit nicht.Frage: Ein gutes MBA-Programm lebt auch von guten Kontakten zu Unternehmen. In der dritten Phase Ihres MBA-Programms sollen die Studenten in dem "so genannten team project" in "selected international corporations" arbeiten. Über die Namen schweigt sich die Broschüre allerdings aus. Versprechen Sie mehr als Sie halten können?Homburg: Keineswegs. Kooperationspartner zu finden ist nicht unser Problem. Im Gegenteil: Wir werden förmlich mit Anfragen überschüttet und müssen selektieren. Das ist das Resultat der sehr guten Kontakte zur Praxis, die unsere Fakultät traditionell pflegt. Und natürlich ist ein solches Praxisprojekt für ein Unternehmen eine ideale Möglichkeit, hochqualifizierte "High Potentials" über einen längeren Zeitraum kennen zu lernen.Frage: Ein gutes MBA-Programm lebt auch von den internationalen Teilnehmern. Wie wollen Sie die als staatliche deutsche Hochschule, die de facto keine Werbung für sich machen kann, überhaupt nach Mannheim locken? Oder umgekehrt: Besteht nicht die Gefahr, dass Ihre Teilnehmer vor allem aus dem Großraum Mannheim kommen werden?Homburg: Wer hat Ihnen gesagt, dass wir keine Werbung machen dürfen? Uns ist das wie jeder anderen Bildungseinrichtung gestattet und wir werden das Programm daher auch intensiv bewerben. Wir gehen davon aus, dass schon unser erster MBA-Jahrgang aus Studierenden sehr unterschiedlicher Herkunft zusammengesetzt sein wird. Die vielen Anfragen, die wir aus dem In- und Ausland schon erhalten haben, belegen das.www.mba.uni-mannheim.de
Dieser Artikel ist erschienen am 06.12.2001