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Interessenkonflikte sind programmiert

Chris Löwer
Das Outplacement-Geschäft ist schwieriger geworden. Während die klassische Beratung bisher Kandidaten fit machte für die Stellensuche, wird heute immer intensiver mitgesucht.
Jobhunter schnüffeln auch andere Branchen nach attraktiven offenen Stellen ab, die auf das Profil des Klienten passen könnten.Die Bilanz der Spezialisten für faire Kündigungen, wie sie sich selbst nennen, lässt sich sehen, meint man beim Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater, der auch die Outplacementberater vertritt: Der Umsatz der Branche sei stark gestiegen, berichtet Ulrich Küntzel, Vorsitzender des Fachverbandes Outplacementberatung.

Die besten Jobs von allen

Der klassische Kandidat ist ein 43-jähriger Mann, war achteinhalb Jahre in seiner letzten Position und verdiente 90 000 Euro im Jahr. Im Schnitt dauert die Vermittlung sechseinhalb Monate. Vor zwei Jahren ging es vier Wochen schneller.?Der Erfolg basiert auf Direktansprache, Kontakten des Beraters und Klienten sowie auf Kontakten zu Headhuntern?, beschreibt Küntzel. Dabei gilt manchem Anbieter die Zusammenarbeit mit Headhuntern als ehrenrührig. Die Frage ist, wie lange in einem schwierigen Umfeld auf die Profi-Schnüffelnasen verzichtet werden kann. Denn von der schnell gefundenen neuen Position, die auch noch exakt passen soll, hängt die Zufriedenheit mit den Beratern ab. Und auch das: Ob auf das alte Unternehmen im Zorn zurückgeblickt wird oder nicht. Je schneller ein Kandidat woanders unterkommt umso besser.Bei DBM v. Rundstedt & Partner, seit 20 Jahren im Geschäft, arbeiten fünf Jobhunter. ?Diese Zahl werden wir in den nächsten Monaten verdoppeln. Heute geht es nicht mehr nur um Hilfe zur Selbsthilfe, sondern um aktiveres Ausnutzen der Suchmöglichkeiten?, sagt Geschäftsführer Eberhard von Rundstedt, der 100 Berater beschäftigt. Er vermeldet gerade eine Umsatzsteigerung von 22 Prozent im vergangenen Jahr ? drückt sich aber darum, konkrete Zahlen zu nennen.Beide Bereiche, Executive Search und Outplacement, finden durchaus unter einem Dach Platz, meint der Düsseldorfer. Und wenn Personalberater, denen die Felle wegschwimmen, sich umgekehrt für das Feld faire Kündigung interessierten, stört ihn das als Branchenprimus wenig. Hauptsache, beide Bereiche blieben intern getrennt: ?Ein- und dieselbe Person darf nicht Berater und Job-Sucher sein.?Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer gleichnamigen Managementberatung, warnt davor, gleichzeitig als Outplacement-Berater und Headhunter tätig zu sein. Der Interessenkonflikt zwischen dem Kundenauftrag, einen passenden Mitarbeiter zu finden, und den Karrierezielen des Gekündigten sei unvermeidbar.?Es besteht die Gefahr, Klienten in eine Position zu drängen, die ihnen nicht liegt. Neutrale Beratung ist so kaum möglich?, sagt auch Aila Kruska, Beraterin bei Lee Hecht Harrison in Frankfurt und ist ebenfalls für strikte Trennung beider Dienstleistungen. Von Rundstedt führt dagegen den Staat an: ?Mittlerweile bieten auch Arbeitsämter Outplacement an.? Ziel müsse immer sein, in möglichst kurzer Zeit den Klienten in eine adäquate Position zu bringen. Für dieses Ziel Jobhunter einzuspannen, sei ein gutes Hilfsmittel.Dass die Akzeptanz seines Geschäfts deutlich gestiegen ist, macht von Rundstedt daran fest, dass ?die Zahl derer, die Outplacement mit Outsourcing verwechseln, drastisch gesunken ist?.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.03.2004