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Intel-Chef baut Führungsmannschaft um

Intel-Chef Paul Otellini forciert den Sparkurs und beseitigt die Doppelspitzen im Management. Mit dem Umbau will er den Halbleiterhersteller fit für die Zukunft machen. Intel ist in diesem Frühjahr so stark unter Druck geraten wie schon seit Jahren nicht mehr.
jojo MÜNCHEN. Der größte Chiphersteller der Welt kommt nicht zur Ruhe. Am Donnerstag gab Intel-Chef Paul Otellini erneut Veränderungen im Top-Management des US-Unternehmens bekannt. Demnach streicht Otellini die Doppelspitzen in wichtigen Bereichen und überträgt die Verantwortung einzelnen Managern. Bereits vergangene Woche hat Intel mitgeteilt, dass 1 000 hochrangige Manager den Konzern verlassen müssen.Mit dem Umbau will Otellini den Halbleiterhersteller fit für die Zukunft machen. Ziel ist es, die Kosten um jährlich eine Mrd. Dollar zu senken und die Abläufe effizienter zu gestalten. Intel hat allen Grund dazu, denn die Geschäfte laufen schlecht. Im abgelaufenen Quartal brach der Gewinn um mehr als die Hälfte auf 885 Mill. Dollar ein. Der Umsatz sank um 13 Prozent auf acht Mrd. Dollar.

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Intel ist in diesem Frühjahr so stark unter Druck geraten wie schon seit Jahren nicht mehr. Der kleinere Rivale AMD nahm Intel vor allem im wichtigen Markt für Großrechner, so genannte Server, dramatisch Marktanteile ab. Zudem kündigte der weltgrößte Computerbauer Dell an, künftig auch AMD-Chips zu verwenden. Dell hatte sich bislang ausschließlich auf Intel verlassen.Intel und AMD teilen sich den Markt für Prozessoren. Diese sind das Gehirn eines jeden Rechners. In den vergangenen Jahren hatte Intel einen Marktanteil zwischen 80 und 90 Prozent. Doch durch überlegene Produkte greift AMD diese Position an. Um zu kontern, senkte Intel im Frühjahr drastisch die Preise.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Folgen bekam das Unternehmen in den Quartalszahlen zu spüren. Die Folgen bekam das Unternehmen in den Quartalszahlen zu spüren. AMD dagegen meldete gestern nach Börsenschluss verglichen mit dem Vorjahreszeitraum eine Steigerung des Quartalsgewinns von 11,3 Dollar auf 88,8 Mill. Dollar. Der Umsatz erreichte 1,22 Mrd. Dollar.?Der Preiskrieg um Marktanteile war der Grund für die schlechten Intel-Zahlen im zweiten Quartal?, urteilten die Experten der Hypo-Vereinsbank. Die Analysten gehen davon aus, dass sich die Auseinandersetzung mit AMD noch verschärft: ?Neue Preissenkungen für das dritte Quartal sind bereits angekündigt.?So ist denn auch die Prognose von Intel sehr zurückhaltend. Für das laufende dritte Quartal rechnet Intel mit Einnahmen zwischen 8,3 und 8,9 Mrd. Dollar. Analysten haben im Durchschnitt neun Mrd. Dollar erwartet. Für das zweite Halbjahr rechnet Intel zwar insgesamt mit einem besseren Geschäft als zu Jahresbeginn. Aufs Gesamtjahr gerechnet wird der Umsatz aber wohl um zehn Prozent unter dem des Jahres 2005 liegen. Für den an Wachstum gewöhnten Konzern sind das enttäuschende Aussichten.Deshalb forciert Intel derzeit die Einführung neuer Produkte. In diesen Tagen kommen so genannte Zweikern-Prozessoren auf den Markt, im Herbst werden die modernen Vierkern-Prozessoren ausgeliefert. Sie sind leistungsstärker und verbrauchen weniger Strom.Neben dem Finanzchef gibt es jetzt bei Intel nur noch zwei Manager, die direkt an Otellini berichten. Dies sind Sean Maloney, der den gesamten Vertrieb und das Marketing von Intel führt. Diese Aufgabe hatten bislang Anand Chandrasekher und Eric Kim inne. Sie bekommen jetzt neue Aufgaben, die niedriger angesiedelt sind. Der zweite Top-Manager ist David Perlmutter, der alle Produkte verantwortet, die in mobile Rechner eingebaut werden. Er war dafür bislang zusammen mit einem Kollegen zuständig, der nun eine Ebene tiefer rutscht.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.07.2006