Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Inkognito zur neuen Stelle

Der Versicherungskonzern Axa anonymisiert in Frankreich seit Anfang Januar alle online eingehenden Bewerbungen, um Diskriminierung zu verhindern. Die Personalverantwortlichen erhalten Lebensläufe ohne Name, Alter, Geschlecht, Adresse; sie entscheiden allein anhand der Zeugnisse und beruflichen Erfahrungen, ob sie jemanden zum Vorstellungsgespräch einladen. Axa erhält jährlich rund 40.000 Bewerbungen auf 600 Stellen, die Hälfte davon online.

Nach Ende des Tests im Juni wird entschieden, ob die Anonymisierung auf alle Bewerbungen ausgeweitet wird. Axa setzt damit freiwillig um, was ein Ende des Jahres gescheiterter Gesetzentwurf gegen berufliche Diskriminierung in Frankreich vorsah. Dort erhalten nur zwei Prozent der Behinderten und fünf Prozent Maghrebiner laut einer Studie des Zeitarbeitsunternehmens Adia eine positive Antwort auf ihre Bewerbung. In Deutschland hat die Regierung einen Gesetzentwurf zur Anti-Diskriminierung im Job vorgelegt, den Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt als ?bürokratisch, unkalkulierbar, überzogen? kritisiert. Danach kann klagen, wer sich wegen Geschlecht, Alter oder Hautfarbe benachteiligt fühlt.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.02.2005