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Infineon fährt die harte Tour

Von Joachim Hofer
Eine Woche lang haben die Anwälte von Infineon mit denen von Rüdiger Günther über eine einvernehmliche Trennung verhandelt. Ohne Erfolg. Am Montag ging Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley in die Offensive und warf den Finanzvorstand des Chipherstellers raus. Günther saß erst seit April im Vorstand. Nun übernimmt ein alter Bekannter noch einmal das Finanzressort.
Rüdiger Günther sei schlicht ein 'Fehlgriff' gewesen, heißt es in Unternehmenskreisen. Foto: dpa
MÜNCHEN. In dürren Worten teilte Infineon am Nachmittag mit, es gebe unüberbrückbare Differenzen mit dem 49-Jährigen. Deshalb habe der Konzern ihn von seinen Vorstandsaufgaben entbunden. Nachfolger Günthers wird dessen Vorgänger, Peter Fischl. Er werde das Amt vorübergehend übernehmen.Dass sich der Ex-Chef des Landmaschinenherstellers Claas bei Infineon nicht mehr halten würde, war schon seit Tagen klar. In einer Sitzung am Montag voriger Woche hatte der Aufsichtsrat nach kontroverser Diskussion beschlossen, Günther den freiwilligen Abgang nahe zu legen. Offizieller Grund: Fachliche Mängel und ein großspuriges Auftreten. Im Umfeld von Günther hieß es jedoch, dass er zu tief in der Vergangenheit gegraben habe und ihn Kley deshalb fallenlasse. So sei er Ungereimtheiten in der Bilanz und Korruption auf der Spur gewesen.

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Welche Version auch immer richtig ist: Der Aufsichtsratssitzung folgten lange Verhandlungen zwischen den Juristen beider Seiten, die aber ohne Ergebnis blieben. Aus Unternehmenskreisen verlautete, Günther habe eine utopisch hohe Abfindung gefordert. Günthers Seite wiederum ließ wissen, dass der Manager gar keinen Grund sah, seinen dreijährigen Vorstandsvertrag von sich aus zu kündigen. Fachlich habe er sich überhaupt nichts vorzuwerfen.Das Gezerre bringt nun allerdings auch Aufsichtsratschef Kley in Schwierigkeiten. Hinter den Kulissen werfen ihm Aufsichtsräte vor, die ganze Sache nicht richtig eingefädelt zu haben. Zudem hätte der ehemalige Finanzchef von BASF das Aufsichtsgremium viel zu spät von seinen Plänen informiert. Mit Stefan Jentzsch, Vorstand der Dresdner Bank, hat ein prominentes Mitglied des Aufsichtsrats sein Mandat bereits aufgegeben. Ihm folgt der BASF-Manager Eckart Sünner.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nicht das erste Mal, dass ein Wechsel im Top-Management von Infineon für öffentliche Aufregung sorgt.Es ist nicht das erste Mal, dass ein Wechsel im Top-Management von Infineon für öffentliche Aufregung sorgt. Was in anderen Unternehmen still und leise geregelt wird, findet bei der ehemaligen Siemens-Tochter fast schon traditionell vor großem Publikum statt.Bereits der plötzliche Abgang des ehemaligen Konzernchefs Ulrich Schumacher im Frühjahr 2004 wurde von einer Schlammschlacht begleitet. Dem Manager warf Kley sogar vor, er habe Schlafstörungen gehabt. Später musste ein anderer Vorstand gehen, als bei ihm die Staatsanwaltschaft wegen einer Korruptionsaffäre vor der Tür stand.Auch in den vergangenen Tagen haben die PR-Berater wieder scharfes Geschütz aufgezogen. Günther versuchte, sich in der Öffentlichkeit als Saubermann zu präsentieren, der im Korruptionssumpf von Infineon gewühlt hat und dafür nun abgestraft wird. Der Chipkonzern vermittelte den Eindruck, der Manager würde wegen seiner Persönlichkeit und seiner Qualifikation nicht passen.Die Vergangenheit bei Infineon zeigt: Mit einer Entlassung ist die Sache nicht vorbei. Auch bei Schumacher folgte eine Reihe von Prozessen. Für ein Unternehmen, das mit hohen Verlusten kämpft, sind das keine besonders guten Aussichten.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.08.2007