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In der Nische finden Marktplätze viel Platz

Peter Funke
Jede Woche gehen im Internet zwei neue B2B-Portale an den Start. Aber von den heute etwa 600 Marktplätzen werden nur die wenigsten überleben.
Jede Woche gehen im Internet zwei neue Portale für Business-to-Business (B2B) an den Start, auf denen Unternehmen untereinander handeln können. Aber von den heute etwa 600 B2B-Marktplätzen werden nur die wenigsten überleben, sagen Marktforscher voraus. Trotz dieser düsteren Prognosen fließt selbst heute noch viel Geld aus Wagniskapital-Fonds an Erfolg versprechende Konzepte für B2B-Marktplätze. Erst kürzlich investierten Atlas Venture, der Gerling Konzern und die 3i-Gruppe 15 Millionen Euro in den Handel von Meeresfrüchten, Gemüse und Fleisch übers Internet. Glücklicher Empfänger: die Düsseldorfer Efoodmanager AG, Anbieter von B2B-Marktplätzen für die Lebensmittelindustrie. Was spricht für eine solche Investition?

Als Erfolgskomponenten für den Aufbau eines elektronischen Marktplatzes werden allgemein die "4 C´s" genannt, die für Content, Commerce, Context und Community stehen. Allerdings lassen sich Anforderungen wie der Umfang und die Aktualität der Inhalte, der Umsatz durch den Handel, Suchhilfen oder Community-Funktionen wie Informationsforen von jedem Anbieter mehr oder weniger gut erfüllen

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Über den Erfolg eines Online-Marktplatzes entscheidet deshalb vor allem der Buchstabe "N" mit. N wie Nische. Nur wer mit seinem B2B-Portal als Spezialanbieter für ein bestimmtes Thema auftritt und durch spezielle Branchenkenntnisse seinen Kunden einen einzigartigen Service und Fachkompetenz bietet, wird als unabhängiger Marktplatzbetreiber gegen die Marktplätze größerer Unternehmen eine Chance haben. Denn Branchen wie die Automobilindustrie, die Chemie oder die Telekommunikation belegen bereits sehr eindeutig, dass die großen etablierten Unternehmen das größte Potenzial haben, um mit B2B Geld zu machen. Erstes Beispiel: das von General Motors, Ford, Daimler-Chrysler, Renault und Nissan gegründete Internetportal Covisint, das den jährlichen Handel zwischen den Automobilunternehmen im Volumen von 300 Milliarden Dollar bündeln will.

Vor diesem Hintergrund gewinnt auch der Buchstabe "Z" wie Zusatzdienste an Bedeutung. Wer auf seiner Plattform zusätzliche Funktionen wie Versicherung, Finanzierung, Beratung oder Transport anbietet, wird sich auch als unabhängiger Newcomer gegen die großen Player behaupten können. Insbesondere auf stark fragmentierten Märkten mit vielen Teilnehmern, auf denen es keine feste Beziehung zwischen den Akteuren gibt, besteht ein großer Bedarf an Funktionen, die den Markt transparenter machen - zum Beispiel Preisvergleiche oder Informationen über Qualität und Kreditwürdigkeit des Geschäftspartners. Solche Zusatzdienste könnten für die Marktplätze in Zukunft auch eine wichtige Einnahmequelle darstellen. Grund: die steigende Konkurrenz, insbesondere durch die Entstehung von Marktplätzen von großen Industriekonsortien, führt zu einem erheblichen Verfall der Margen, da sich die einzelnen Betreiber bei den bisher gängigen Transaktionsgebühren unterbieten, um ihre Kunden nicht an andere Anbieter zu verlieren

Weiterer wichtiger Erfolgsfaktor ist der Buchstabe "M" wie Masse. Die elektronischen Marktplätze müssen früh eine ansehnliche Zahl von Produkten und potenziellen Geschäftspartnern auf ihre Seite locken. Denn nur dann lohnt es sich für Anbieter und Abnehmer, diesen Marktplatz überhaupt zu besuchen. Für Gründer gilt: Sie sollten stets das gesamte Erfolgs-ABC für B2B-Marktplätze im Auge behalten.

Dieser Artikel ist erschienen am 13.02.2001