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In Bildung zu investieren, bringt die besten Zinsen.

Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Im Unruhestand betätigt sich der emeritierte Politikprofessor als Wissenschaftsberater und Headhunter. Mit kritischem Blick kommentiert er für Junge Karriere monatlich die Hochschulszene.
Die Studiengebühren sind in vielen Ländern eingeführt. Um sie sozialverträglich zu gestalten, fehlen Kredite zu vernünftigen Konditionen und vor allem Stipendien. Meint Klaus Landfried.
Dass die Hochschulen in Deutschland unterfinanziert sind, weiß jeder, der in ihnen arbeitet. Was dagegen zu tun wäre, außer mehr öffentliches Geld hineinzugeben, kann ich hier nicht weiter erörtern. Immerhin so viel: Die sehr deutsche Ideologie, der Staat solle alles richten, ist nicht unschuldig an der Misere. Nahe liegt die Frage, ob die vom Verfassungsgericht den Ländern gestatteten Studienbeiträge von in der Regel etwa 1000 Euro pro Jahr die Studienbedingungen a) sinnvoll und b) auf eine zumutbare Weise verbessern können. Einige Länder haben solche Beiträge eingeführt. Kann man die Auswirkungen schon bewerten? Nur an wenigen Stellen. Sinnvoll hieße: Es werden mehr Lehrende beschäftigt, Bibliotheken und Labors bieten bessere Arbeitsmöglichkeiten, es werden didaktisch wirksamere Lehr- und Lernformen eingeführt. Je nach Fach und Art der Hochschule tragen die Studienbeiträge bislang zwischen fünf und 15 Prozent der geschätzten Kosten. Das ist nicht allzu viel. Im ganzen kann man aber sagen: Je besser (relativ) eine Hochschule ohnehin finanziert ist, desto wirksamer die Beiträge. Einige stopfen wirklich nur die ärgsten Löcher damit. Andernorts wird von wirklichen Verbesserungen berichtet.

Sind die Beiträge für die Studenten zumutbar? Ein Blick in die schmalen Studi-Budgets zeigt sofort, dass die Lebenshaltungskosten mit je nach Ort 700 bis 900 Euro monatlich das eigentliche Problem darstellen, nicht die 83,33 Euro Studienbeiträge im Monat. Die belasten zwar auch mit rund zehn Prozent. Das Bundesverfassungsgericht hatte seinerzeit die Länder aufgefordert, eventuelle Studienbeiträge "sozialverträglich zu gestalten". Die in der Folge angebotenen Studiendarlehen erfüllen diese Bedingung bisher nur in geringem Maße. Solange Hochschulen mit Geld aus ihren Studienbeitragseinnahmen Fonds zur Absicherung der Ausfallrisiken für die Geschäftsbanken bedienen müssen, die selbst trotz des Minirisikos Marktzinsen nehmen - Ausnahme: KfW - solange muss man sich nicht wundern, dass nur wenige Studenten die Darlehen in Anspruch nehmen. Stattdessen wird mehr neben dem Studium gejobbt.

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Wenn die Gesellschaft will, dass mehr junge Leute studieren, muss sie die finanziellen Bedingungen des Studiums spürbar verbessern. Bundespräsident Horst Köhler hat jetzt gemahnt, "nur mit einem wirksamen Stipendiensystem" (wie es zum Beispiel in den USA oder in den Niederlanden existiert) seien Studienbeiträge der Studenten akzeptabel. Ja, so ist es. Ergänzt durch ein am Bausparmodell orientiertes, ebenso gefördertes Bildungssparen der Familien könnte sich endlich auch in Deutschland Benjamin Franklins Einsicht aus dem 18. Jahrhundert durchsetzen, die da lautet: In Bildung und Ausbildung zu investieren, bringt noch immer die besten Zinsen. Für den Einzelnen wie für den Staat.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.03.2008