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Immer im Schatten Bushs

Von Markus Ziener
US-Außenministerin Condoleezza Rice äußert sich seit Wochen nur sehr zurückhaltend zur Entwicklung im Irak. Am heutigen Donnerstag wird sie vor dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses befragt, doch vieles spricht dafür, dass sie dabei kaum mehr als das sagen wird, was Präsident George W. Bush bereits verkündet hat.
WASHINGTON. Condoleezza Rice, immerhin die Außenministerin der USA, sagt seit Wochen nichts oder nur Vages zur Entwicklung im Irak. Ob sich das am heutigen Donnerstag ändern wird, ist mehr als fraglich. Vor dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses soll Rice als erstes Regierungsmitglied nach dem Bush-Auftritt Rede und Antwort stehen, doch vieles spricht dafür, dass ?Condi? kaum mehr als das sagen wird, was der Präsident bereits verkündet hat.Dabei findet sich Lob zuhauf über ihre Fähigkeit, vor Publikum aufzutreten und Dinge zu erklären. ?Super-Briefer?, ?Super-Presenter? schwärmen jene, die sie aus der Nähe kennen. Charmant sei Rice, ihre Rede gut komponiert, im Inhalt stets präzise auf den Punkt, immer sei sie optimistisch.

Die besten Jobs von allen

Doch die Außenministerin, die so beschrieben wird, ist öffentlich schon seit längerem nicht mehr zu sehen. Andere bestimmen das außenpolitische Bild der USA. Natürlich der Präsident, aber daneben auch Politiker aus der Vergangenheit, James Baker, Brent Scowcroft, ja sogar Henry Kissinger. Statt selbst die Debatte zu beeinflussen lässt Rice Raum für andere.Zu tun hat dies vor allem mit einer Grundtugend der leidenschaftlichen Klavierspielerin: Loyalität. Die 52Jährige, geboren im Birmingham, Alabama, hat ihre Karriere auf dieses Prinzip gebaut ? insbesondere, seitdem sie an der Seite von George W. Bush steht. Eine eigene Meinung erlaubt sich höchstens im engsten Zirkel. Öffentliche Kritik oder auch nur eine minimal abweichende Auffassung von ihrem Präsidenten sind bei Frau Rice nicht zu finden. ?Es ist nicht ihre Aufgabe, die Irak-Strategie zu erklären?, verteidigt sie Tom Donnelly vom konservativen American Enterprise Institut (AEI). ?Das ist der Job des Präsidenten.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Rice versteht sich vor allem als Vermittlerin der Politik des Weißen Hauses.So ist anders als bei vielen ihrer Vorgänger im Amt ist ihre Handschrift als Chefin des State Departments kaum erkennbar. Hatten ein Dean Rusk, George Shultz oder James Baker mit einem eigenständigen Profil Markenzeichen gesetzt, versteht sich die einstige Stanford-Kanzlerin vor allem als Vermittlerin der Politik des Weißen Hauses. Sämtliche Kritik am katastrophalen Gang der Dinge im Irak ist an der ?Secretary of Teflon? bislang abgeperlt. Während andere Advokaten einer militärischen Intervention wie die Pentagon-Crew um Paul Wolfowitz, Douglas Feith und Donald Rumsfeld oder aber ihr Vorgänger Colin Powell und Stabschef Andy Card mal freiwillig, mal unfreiwillig ihre Posten räumen und für Fehler Verantwortung tragen musste, hat Rice politisch überlebt ? obwohl sie seinerzeit als Sicherheitsberaterin die Irak-Entscheidung klar mitgetragen hatte.?Rice ist stets dort zu finden, wo gerade das Gravitationszentrum ist?, sagt Peter Beinart, dessen Irak-Buch ?The Good Fight? derzeit in den Buchläden ausliegt. ?Sie bewegt sich in der Administration dorthin, woher der Wind weht.? Und der weht in der Regel, von dort, wo sich der Präsident befindet. Also ist die Deutschland- und Russland-Expertin stets in seiner Nähe zu finden ? und nimmt dafür in Kauf, als dessen ?Protokollantin? verspottet zu werden.Rice dürfte sich auch in den ihr verbleibenden zwei Jahren Amtszeit kaum beim Thema Irak exponieren. Mit Ex-Irak-Botschafter John Negroponte hat sie nun ein politisches Schwergewicht als Stellvertreter, der diese Lücke füllen wird. ?Condi wird also weiterhin mal dahin und mal dorthin reisen, etwas Lärm machen und danach bleibt wieder alles so wie es war?, beschreibt Rita Hauser, langjährige Beraterin republikanischer Präsidenten, den Außenpolitik-Stil der Amtsinhaberin. Gelegenheit dazu hat sie bereits in den nächsten Tagen: Rice will ab morgen Israel, die Palästinensergebiete, Ägypten, Jordanien und Kuwait besuchen und auf dem Rückweg die britische und deutsche Regierung über ihre Gespräche informieren.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.01.2007