Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Immer im Einsatz

Die Frau, die Rechtsanwalt Stefan Truskowski heute vor Gericht vertritt, wirkt unsicher, als wir das Gerichtsgebäude betreten. Sie blickt immerzu auf den Boden und man sieht, wie nahe ihr der Fall geht. Kein Wunder, sie wird heute von ihrem Ehemann geschieden.Ihre größte Angst ist, dass der Richter die Kinder ihrem Ex zuspricht.
Doch Stefan Truskowski beruhigt seine Mandantin. In einfachen Worten erklärt er ihr, was sie gleich im Gerichtssaal zu erwarten hat. Dann läuft alles viel unspektakulärer als gedacht. Der Noch-Ehemann ist gar nicht erschienen, es liegt nur eine schriftliche Vernehmung vor.
Jens-Daniel Florian, 18 Jahre: Traumberuf Anwalt

Die Frau, die Rechtsanwalt Stefan Truskowski heute vor Gericht vertritt, wirkt unsicher, als wir das Gerichtsgebäude betreten. Sie blickt immerzu auf den Boden und man sieht, wie nahe ihr der Fall geht. Kein Wunder, sie wird heute von ihrem Ehemann geschieden. Ihre größte Angst ist, dass der Richter die Kinder ihrem Ex zuspricht. Doch Stefan Truskowski beruhigt seine Mandantin. In einfachen Worten erklärt er ihr, was sie gleich im Gerichtssaal zu erwarten hat.

Dann läuft alles viel unspektakulärer als gedacht. Der Noch-Ehemann ist gar nicht erschienen, es liegt nur eine schriftliche Vernehmung vor. Die ganze Verhandlung dauert gerade mal vier Minuten.
Ausbildung: Jurastudium plus Referendariat (2 Jahre)
Gehalt: Die Bandbreite ist enorm. Die Einstiegsgehälter reichen von etwa 25.000 Euro pro Jahr in kleinen Sozietäten bis 70.000 Euro in Großkanzleien. Wer sich selbstständig macht, startet im Schnitt mit 18.000 Euro netto im Jahr.
Chancen: Dürftig. Die Juristen-Arbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren überdurchschnittlich angestiegen. Anwaltsketten wie Juraxx bieten neue Jobperspektiven für Absolventen, sind derzeit aber noch dünn gesät.
Als feststeht, dass die Frau das Sorgerecht für die beiden Kinder bekommt, spürt man ihre Erleichterung. Zum ersten Mal an diesem Morgen lächelt sie und wirkt gleich viel entspannter. Stefan Truskowski bedankt sich beim Richter und erklärt seiner Mandantin das weitere Prozedere.

Ein geschlagenes Jahr, erzählt mir Truskowski später in seiner Remscheider Kanzlei, habe die Vorbereitungszeit für den Scheidungstermin gedauert. "Die Eheleute redeten kein Wort mehr miteinander und dann war der Mann zwischendurch nicht auffindbar." Verteidiger auf Verbrecherjagd und beim Showdown vor den Geschworenen - das gibt's nur in US-Serien. Den Großteil seines Berufs übt der deutsche Anwalt am Schreibtisch aus: Telefonate, Recherchen, Anträge schreiben, Plädoyers entwerfen. "Etwa 70 Prozent der Zeit verbringe ich damit, Akten zu bearbeiten", schätzt Truskowski. Zu ihm kommen ganz unterschiedliche Mandanten. Die wenigsten sind Kapitalverbrecher. "Meistens geht es um Mietstreitigkeiten, Verkehrsdelikte oder eben Scheidungen."

Die besten Jobs von allen


Häufig wird Truskowski aber auch als Pflichtverteidiger eingeteilt: Fälle, bei denen er sich die Mandanten nicht selbst aussuchen kann. Für Jugendliche etwa, die schon mit 15 Jahren das Strafregister eines Profi-Ganoven haben oder bei Fällen von sexuellem Missbrauch. "Wenn Kinder die Opfer sind, geht mir das besonders nahe", sagt Stefan Truskowski. Doch Anwälte dürfen nicht zimperlich sein. Täglich werden sie mit Dramen konfrontiert, und menschliche Abgründe gehören eben zum Job

Eins habe ich mitgenommen aus diesem Tag: Als Anwalt muss man viel mehr als nur Gesetzestexte kennen. Mit Menschen aller Milieus umzugehen und sich in ihre Lage hineinzuversetzen, ist mindestens genauso wichtig. Und man muss seinen Beruf so sehr lieben, dass man bereit ist, immer im Einsatz zu sein: Truskowskis Arbeitswoche hat nicht selten mehr als 60 Stunden.

Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2005