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Im Markt der Möglichkeiten

Kerstin Schneider
Fische haben Schuppen und Kiemen, bevor sie - zum Beispiel - zu Fischstäbchen werden. Das lernt jedes Kind im Kindergarten. Wie Fische allerdings dann in die Kühltruhe eines Einkaufmarktes gelangen, wissen Schüler des Lise Meitner Gymnasiums in Leverkusen jetzt ganz genau: Die Elftklässler untersuchten im Erdkundeunterricht am Beispiel von Fisch die Warenströme in Zeiten des globalen Handels. Ihr Partner: der Metro-Großmarkt in Leverkusen.

Das Düsseldorfer Großhandelsunternehmen Metro Cash & Carry setzt bei seinem Engagement auf langjährige Lernpartnerschaften. Und unterscheidet sich damit deutlich von vielen Firmen, die oft nur einzelne Aktionen in Schulen mit Know-how oder Geld unterstützen. In dieser Woche wurden in Berlin sechs neue Schulpartnerschaften mit den Berliner Großmärkten geschlossen. 40 solcher Kooperationen gibt es jetzt in Deutschland.

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Das Prinzip klingt einfach: Ein Markt kooperiert mit einer benachbarten Schule. Wie erfolgreich die Zusammenarbeit wird, hängt vom Engagement beider Partner ab. Jürgen Blühdorn, Fachleiter Arbeitslehre an der Berliner Beucke Oberschule, ist da ganz zuversichtlich. Der Lehrer ist froh, dass mit der Kooperationsvereinbarung seine schon sieben Jahre dauernden Kontakte zum Großmarkt Berolina auf eine neue Stufe gehoben werden.

Die Realschüler aus dem Wirtschaftskundekurs profitieren zum Beispiel vom Unterrichtsmaterial des Konzerns, das sie bei der Projektarbeit zu den Themen Logistik oder Im- und Export von Lebensmitteln nutzen können. Bei einem Besuch im Markt wurden die Jugendlichen von zwei Auszubildenden geführt, was bei den Schülern besonders gut ankam. Das Thema Handel steht auch im Mittelpunkt der Unterrichtsmaterialien, zu denen die CD Handelswelten Didaktik, ein Handelslexikon und das Lernspiel Super und Markt gehören.

Was die Schule darüber hinaus für Anforderungen an die Partnerschaft hat, kann individuell geklärt werden: Das kann auch mal Englischunterricht sein, oder es werden von Klassen Räume in einem Markt genutzt.

Doch es geht nicht nur darum, Schülern die Betriebs- und Arbeitswirklichkeit eines Handelsunternehmens näher zu bringen. Das Angebot der Metro ist auf Berufsorientierung ausgelegt und damit auch nicht ganz uneigennützig. Es geht darum, Schüler als Auszubildende zu gewinnen und den jungen Leuten früh die Karrieremöglichkeiten in einem Konzern vorzustellen.

"Die Lernpartnerschaften sind eine hervorragende Möglichkeit, junge Menschen so früh wie möglich in das Arbeitsleben zu integrieren. Wir zeigen ihnen, wie facettenreich und attraktiv die Welt des Handels ist und können auf diese Weise engagierte Schüler für eine Ausbildung begeistern. Diejenigen, die sich dann für eine Ausbildung bei uns entscheiden, tun dies sehr bewusst. Davon profitieren beide Seiten", macht Kai-Uwe Weitz, Mitglied der Geschäftsführung von Metro Cash & Carry, zum Auftakt der neuen Partnerschaften deutlich.

Die Kooperationsvereinbarungen wurden vom Institut Unternehmen & Schule erarbeitet, das in Deutschland für 600 Firmen Schulkontakte aufgebaut hat. Anspruch ist es vor allem, lebendige Partnerschaften zwischen Wirtschaft und Schule zu erreichen. Die Sorge um qualifizierten Nachwuchs rückt dabei immer mehr in den Vordergrund, denn der demographische Knick wird dazu führen, dass die Firmen mehr und mehr in Konkurrenz um gut ausgebildete Schüler treten.

Die Bundesbürger begrüßen es übrigens, wenn Unternehmen Schulen unterstützen: Zwei Drittel finden es laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitut Ipsos sehr gut, wenn Firmen Schulen in Sponsoringprojekten unter die Arme greifen. Es gibt kaum Kritiker - nur fünf Prozent der Bundesbürger lehnen die Unterstützung von Schulen durch Firmen ab.

Mehr Infos zur Initiative "Handelsblatt macht Schule" findet Ihr hier.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.05.2007