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Im Job: Tu Gutes und rede drüber

Diese Frau ist Understatement pur. Zurückhaltend sei sie, sagt Hwee See Teng über sich. "Das hängt vielleicht mit meiner asiatischen Herkunft zusammen."
Diese Frau ist Understatement pur. Zurückhaltend sei sie, sagt Hwee See Teng über sich. "Das hängt vielleicht mit meiner asiatischen Herkunft zusammen." Dass die 36-Jährige eine Meisterin der Selbstdarstellung ist, wird erst klar, wenn sie von ihrer Karriere erzählt. Vor 14 Jahren kam die Volkswirtin aus Singapur nach München, heuerte bei einer Bildagentur als Mädchen für alles an und stieg innerhalb weniger Jahre zur Geschäftsführerin auf.

Ihre Strategie: Statt sich still über den Sand im Getriebe zu ärgern, reichte sie Verbesserungsvorschläge ein. Obwohl ihr Deutsch nicht perfekt war, machte sie in Meetings den Mund auf. Und sie nahm den Kollegen im Verkauf - ihrer Wunschabteilung - so viel Arbeit ab, dass sie schließlich zur Verkaufsleiterin ernannt wurde. "Selbstmarketing habe ich nie offiziell betrieben", beteuert Hwee See Teng, die sich inzwischen als Unternehmensberaterin selbstständig gemacht hat. "Aber es ist mir auch nicht peinlich, meine Leistungen auf den Tisch zu legen."

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Genau so funktioniert geschickte Selbst-PR, findet die Münchener Karriereberaterin Gitte Härter: "Wer weiterkommen will, muss sichtbar sein." Es ist die Kombination aus Können und starkem Auftritt, die sich Entscheidern ins Gedächtnis brennt. Solange der unscheinbare Typ aus dem Vertrieb nicht kundtut, dass er gerne mal einen Messeauftritt organisieren würde, wird er nie eine Messehalle von innen sehen. Härter, Autorin des Buches "Ich-Marketing", räumt auch mit der Mär auf, dass vor allem talentlose Großschwätzer befördert werden: "Da steckt sehr viel Neid dahinter." Reine Blender, die es bis nach oben schafften, seien "die absoluten Ausnahmen"

Wer als Fachkraft keine Selbst-PR betreibt, ist dumm. Wer sie als Führungskraft vernachlässigt, gefährdet seine Karriere. Schließlich verbringen Vorgesetzte rund 80 Prozent ihrer Arbeitszeit in Gesprächen - das sind mindestens 35 Wochenstunden, in denen sie von anderen Menschen beobachtet, bewertet und kategorisiert werden.

Allerdings muss ein Manager mehr können, als nur die eigene Person zu vermarkten. Er steht stellvertretend für sein Unternehmen, sein Projekt - und wird auch so wahrgenommen. Wer seine Firma optimal repräsentiert, bringt auch sein eigenes Image auf Hochglanz. Das hat auch Hwee See Teng immer im Hinterkopf, wenn sie über sich sagt: "Ich bin meine eigene Visitenkarte." 10 Tipps für Selbst-PR im Beruf

  • Machen Sie einen guten Job. Das ist die Basis für jede Selbst-PR

  • Vergessen Sie Ihren Perfektionswahn: Wenn Sie sich in einem Thema leidlich auskennen, dann sind Sie Experte - und sollten sich auch so bezeichnen

  • Lassen Sie Ihren Chef wissen, was Sie erreicht haben. Etwa, indem Sie ihn per Mail über Ihre Erfolge auf dem Laufenden halten

  • Machen Sie sich selbst zur Marke. Wenn Sie als "Vermittler", "Troubleshooter" oder "kreativer Kopf" bekannt sind, wird man Sie in wichtigen Situationen zu Rate ziehen

  • Sprechen Sie über sich nur gut. Werten Sie sich nicht abIntelligenz ist nützlich - aber Wissen ist der entscheidende Schlüssel zum Können. Dies zeigen neuere Forschungsergebnisse, die auch für die Bildung praktische Bedeutung haben.

  • Gehen Sie niemals unvorbereitet in Meetings. Überlegen Sie sich Fragen und Problemlösungen, und diskutieren Sie mit. Grübeln Sie nicht zu lange über die richtige Formulierung, sonst sagt es ein anderer

  • Besser als Eigenlob ist ein Lob aus fremdem Munde. Deshalb sollten Sie ab und zu die Leistungen Ihrer Kollegen preisen. Dann fühlen sie sich verpflichtet zurückzuloben

  • Wer schreibt, der bleibt. Also fangen Sie an zu publizieren - in der Hauszeitschrift, im Intranet oder zu ihrem Spezialgebiet in einem Fachmagazin

  • Nutzen Sie jedes Angebot, Vorträge zu halten oder Interviews zu geben. Man wird sich an Sie erinnern und häufiger einladen

  • Keine Scheu vor hohen Tieren: Sprechen Sie den Chef ruhig mal an, wenn Sie ihm begegnen. Und vor allem: Gehen Sie Ihrem direkten Vorgesetzten nicht aus dem Weg.
    Extra-Tipps für Chefs:

  • Nehmen Sie jede Gelegenheit zum Networking wahr. Gehen Sie auf alle wichtigen Events, halten Sie Smalltalk am Telefon oder verschicken Sie mal Weihnachtskarten. Es kann eine Weile dauern, aber Ihre Mühe wird sich auszahlen

  • Behandeln Sie Ihr Team immer fair und respektvoll. Sonst streuen enttäuschte Mitarbeiter im Unternehmen, was für ein schlechter Chef Sie sind

  • Machen Sie deutlich, dass Ihr Handeln einem Plan folgt und legen Sie ihn gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten offen

  • Der Vorstand muss wissen, was Sie leisten. Aber sprechen Sie nicht nur über sich. Sprechen Sie auch über Ihr Team. Wer die Arbeit seiner Abteilung für sich reklamiert, macht sich unbeliebt.
  • Dieser Artikel ist erschienen am 22.07.2003