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Idylle pur

Fabian Schamoni
Die Lage der Uni steht symbolhaft für die Bedeutung, die sie für Freiburg einnimmt: Sie ist mit Abstand der größte Arbeitgeber der Stadt und Südbadens. Insgesamt 12.000 Menschen arbeiten daran, den Ruf der Universität als eine der wissenschaftlichen Hochburgen Deutschlands zu festigen.
In dieser Stadt muss man sich einfach wohl fühlen. Eingebettet zwischen Schwarzwald und dem malerischen Rheintal, ist die 1120 gegründete südbadische Metropole selbst ein Schmuckstück mittelalterlicher Baukunst. Mit ihren vielen verwinkelten Gassen, den romantischen Plätzen und den zahlreichen Wasserrinnsalen - den "Bächle" - hat es ein deutlich mediterranes Flair: Ein Hauch von Italien mitten in Südbaden. Das gilt auch für das Wetter: Die Region ist hinsichtlich der Sonnenstunden und Temperaturen in Deutschland Spitze

Im Zentrum der Stadt liegen die Hauptgebäude der 1457 gegründeten Albert-Ludwigs-Universität. Deren Lage steht symbolhaft für die Bedeutung, die sie für Freiburg einnimmt: Sie ist mit Abstand der größte Arbeitgeber der Stadt und Südbadens. Insgesamt 12.000 Menschen arbeiten daran, den Ruf der Universität als eine der wissenschaftlichen Hochburgen Deutschlands zu festigen. Keine überfüllten Seminare

Die besten Jobs von allen


Insgesamt sind die Studienbedingungen in Freiburg überdurchschnittlich gut. Als Düsseldorfer Germanistik-Student an überfüllte Seminare und schlechte personelle Ausstattung gewöhnt, kam mir auch in dieser Hinsicht Freiburg wie ein Paradies vor. In keiner einzigen Veranstaltung habe ich jemals mein Lager auf dem Fußboden aufschlagen müssen. Fast alle Fakultätsbibliotheken sind unter der Woche bis mindestens 20 Uhr geöffnet. Die Unibibliothek hält Wissbegierigen sogar bis 22 Uhr, Samstags bis 18 Uhr ihre Pforten offen - Vorteile einer traditionellen Universitätsstadt.

Knapp 22.000 Studenten haben die Auswahl zwischen 65 Fächern, die an 15 Fakultäten gelehrt werden. Rechnet man die Studenten der Pädagogischen Hochschule, der Musikhochschule und der katholischen und evangelischen Fachhochschulen für Sozialwesen hinzu, leben in Freiburg rund 30.000 Studenten - fast ein Sechstel der 200.000 Einwohner. Unter ihnen befinden sich ca. 2.000 ausländische Studenten. Im Hochsommer wird es richtig international: Dann gesellen sich noch jede Menge Gaststudenten hinzu, die die im Juli und August angebotenen Sommer-Sprachkurse besuchen. Savoir Vivre

Freiburgs größtes Plus ist seine gemütliche und zugleich offene Atmosphäre. Vor allem im Sommer findet das Leben auf der Straße statt. Das alljährlich stattfindende Zelt-Musik-Festival oder das Passagenfest rund um das alternative Greter-Gelände sind nur zwei Beispiele aus einer Vielzahl von kulturellen Outdoor-Veranstaltungen. Gastronomisch gesehen ist der Schlossberg-Biergarten besonders attraktiv: Angesiedelt auf den Überbleibseln einer von den französischen Besatzern im 17. Jahrhundert errichteten Festungsanlage, bietet er vor allem nachts einen tollen Blick über die Stadt.

Wer noch höher hinaus will, sollte die Kagan-Bar aufsuchen. Angesiedelt im 16. Stockwerk eines der Hochhäuser des neu erbauten Freiburger Hauptbahnhofes, ermöglicht der vollverglaste Raum einen grandiosen Rundum-Blick über die Region: Vor allem der Anblick der untergehenden Sonne über den Vogesen ist ein Naturerlebnis par excellence. Abends verwandelt sich die Bar dann in einen hippen Club. Nach den Plänen des amerikanischen Stararchitekten Kagan im schlichten Stil der 60er Jahre eingerichtet, bringt es einen Hauch Weltstadt in den Schwarzwald. Paradies für Sportfreaks

Auch den Sportbegeisterten wird einiges geboten: Von Aerobic bis Yoga reicht das - meist kostenlose - Programm des Sportinstituts. Darüber hinaus lädt Südbadens Natur zum Sport geradezu ein: Im Sommer stellt der Schwarzwald selbst für trainierte Radfahrer eine Herausforderung dar. Im Winter kommen die Skifahrer voll auf ihre Kosten. Innerhalb einer halben Stunde ist man auf Freiburgs Hausberg, dem Schauinsland. Wer's etwas schwieriger möchte, fährt zum Feldberg, der sich ebenfalls fast in Sichtweite befindet. Das Schweizer Hochgebirge ist innerhalb von gut zwei Stunden zu erreichen.

Spätestens seit dem ersten Bundesliga-Aufstieg 1993 der "symbadischen" Underdogs des SC Freiburg ist die Stadt auch überregional ins Interesse der sportinteressierten Öffentlichkeit gerückt. Sport auf Erstliga-Nivau zeigen außerdem die Eishockeyspieler des EHC sowie die Basketballerinnen des USC Freiburg. Leben zwischen Wohnheim und WG

Wie in den meisten Studentenstädten ist es auch in Freiburg nicht leicht, eine schöne Wohnung zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen. Obwohl in dem neu gebauten Stadtteil Rieselfeld 4.500 Wohnungen entstandenen sind, herrscht nach wie vor Mangel an Unterkünften. Viele Studenten leben daher privat zur Untermiete oder in Wohngemeinschaften. Das Studentenwerk stellt in sechs Wohnheimen insgesamt 3.000 Plätze zur Verfügung, in dem die Bewohner bis zu sechs Semester bleiben dürfen. Die Preise bewegen sich zwischen 150 und 250 Euro für Einzelzimmer. Günstiger ist es, Doppel- oder Dreierappartements zu beziehen. Zusätzlich bietet das Studentenwerk eine private Zimmervermittlung an

Besonders beliebt ist der Stadtteil Stühlinger, der den Charme des alten Kreuzberg versprüht und eine lebendige Kneipenszene aufweist. Da viele Wohnungen nicht saniert sind, bewegen sich auch die Mieten im erträglichen Bereich: Der Quadratmeterpreis liegt im Stühlinger zwischen 6 und 8, im restlichen Freiburg zwischen 7 und 11 Euro. An zweiter Stelle der Beliebtheitsskala rangiert die Wiehre, die, am Rande des Zentrums gelegen, fast durchgängig aus Jugendstil-Altbauten besteht - dementsprechend aber auch teuer ist.

Und dennoch - alles in allem ist Freiburg, vor allem aufgrund seiner zahlreichen preiswerten Ausgehmöglichkeiten bezahlbar. Unbezahlbar sind die Schönheit der Stadt, die südländische Atmosphäre und die vielen Freundschaften, die man im Laufe des Studiums schließt. Fragen zur Uni-Stadt Freiburg? Mail to: fabian_schamoni@gmx.de

Links:
www.freiburg.de
www.uni-freiburg.de
www.studentenwerk.uni-freiburg.de
www.hochschulsport-freiburg.de

Dieser Artikel ist erschienen am 25.07.2001