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Ich kauf mir eine Geschäftsidee

Andreas Brenneke
Rund 950 Franchise-Systeme in Deutschland bieten Konzepte für jeden Geschmack und jedes Portemonnaie. Junge Karriere stellt drei Modelle vor: Baumhaus für den kleinen, Burger King für den großen und BabyOne für den nicht ganz so großen Geldbeutel.
Eigentlich wollte sich Birte Wildung erst in ein paar Jahren selbstständig machen. Doch als die junge Betriebswirtin vor zwei Jahren aus Unzufriedenheit ihren Job als Firmenkundenbetreuerin aufgab, zog sie ihren Plan vor. Nur eine Geschäftsidee fehlte ihr. Bei der Internationalen Franchise-Messe stieß sie auf das Franchise-Konzept Baumhaus: Der Pflanzen-Pflegedienst lieferte Wildung das ideale Business-Modell, und der Frühstart klappte unfallfrei. "Ich konnte ohne lästiges Suchen geeigneter Lieferanten oder Entwicklung eines Marketing-Konzepts sofort loslegen.

Wie Wildung haben sich schon 49.000 Menschen mit Hilfe eines Franchise-Systems selbstständig gemacht, ermittelte das Forum Franchise & System (ffs). Und der Markt expandiert weiter - wenn auch nicht mehr so rasant wie in den Jahren zuvor. Die Zahl der Franchise-Betriebe wuchs 2001 um 14,3 Prozent auf 56.000. "Früher waren es noch 20 bis 25 Prozent", relativiert ffs-Leiter Felix Peckert

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Die Franchise-Nehmer profitieren von einer markttauglichen Geschäftsidee, einem erprobten Unternehmenskonzept und nicht zuletzt von den praktischen Starthilfen, die von überregionaler Marktforschung und Standortanalyse über Schulungen und Handbücher bis zum professionellen Marketing-Konzept reichen. Hauptbestandteil im Leistungspaket ist das Franchise-Handbuch, das auf den bisherigen Erfahrungen des Systems basiert. Es soll den Abnehmern einen Leitfaden bieten für den Aufbau ihres Betriebs und die täglichen Geschäftsabläufe. Zusätzlich sichern die Systeme ihren Teilnehmern Preisvorteile, indem sie Waren in großen Mengen einkaufen. Dagegen kommt der Gebietsschutz, der Konkurrenz aus "dem eigenen Laden" verhinderte, zunehmend ins Wackeln.

Abweichler werden bestraft

Im Gegenzug zahlen die Jungunternehmer eine Einstiegsgebühr, die laut ffs bei durchschnittlich 11.500 Euro liegt, sowie rund sieben Prozent ihres laufenden Umsatzes an den Franchise-Geber. Außerdem verpflichten sie sich, Markenauftritt, Fortbildungspflicht und andere Qualitätsstandards des Franchise-Systems einzuhalten. Verstöße ahndet der Franchise-Geber meist mit empfindlichen Sanktionen, die sogar in der Kündigung enden können. Nichts für Einzelkämpfer. Als Mitglied eines Netzwerks genießen Franchiser zwar eine gewisse Sicherheit. Allerdings bleiben auch sie nicht von der Konjunkturflaute verschont. Lässt man die Spitzenreiter und -verlierer außer Acht, ging der durchschnittliche Umsatz je Franchise-System im vergangenen Jahr um 9,8 Prozent zurück. Trotzdem rechnen Experten damit, dass die Bedeutung des Franchising und die Zahl der derzeit 950 Systeme in Deutschland weiter zunimmt.

Auf dem Vormarsch

Dafür spricht, dass in anderen Ländern wie Japan und den Vereinigten Staaten mit 3.000 bzw. 5.000 Systemen bereits weitaus mehr Anbieter auf dem Markt sind. Rund 700 internationale Franchise-Gesellschaften sondierten bereits ihre Chancen in Deutschland. Schon jetzt verkauft die Branche viel mehr als nur Pizzas oder Hamburger, mit denen McDonald's-Gründer Ray Kroc 1954 im amerikanischen Provinznest San Bernadino den Grundstock für das moderne Franchising legte. Etabliert hat sich das neuartige Vertriebssystem inzwischen bei Autovermietern (Avis, Sixt), Baumärkten (Obi), Fotogeschäften (Foto Quelle), Spezialitätenhandel (TeeGschwender, Vom Fass), Sonnenstudio-Ketten (AYK und Sunpoint) und vielen anderen Sparten. Selbst Airlines (Team Lufthansa), Buchhalter, Betriebs- und Volkswirte (McData) sowie Zahnärzte (MacDent) sichern sich heute mit Hilfe erprobter Konzepte Wettbewerbs- und Einkaufsvorteile

Großkonzerne wie McDonald's sind nach wie vor selten. Die deutsche Franchise-Wirtschaft ist mittelständisch geprägt. Handel (39,1 Prozent) und Dienstleistung (31.8 Prozent) liegen laut ffs klar vorne in der Gunst der Gründer. Es folgen Gastronomie, Touristik und Freizeit (18,3 Prozent) sowie Bau und Sanierung (10,7 Prozent).

Nichts für blutige Anfänger

Die Ansprüche steigen. Galt das Franchising früher als idealer Einstieg in die Selbstständigkeit für den "Existenzgründer von der Straße", so legen die Systeme heute zunehmend Wert auf Qualifizierung. Ein Indiz: Nach einer Umfrage des Deutschen Franchise-Verbands suchen 50 Prozent der System-Inhaber erfahrene Unternehmer als Partner. Und 25 Prozent aller Franchise-Geber wünschen sich laut ffs von ihren Partnern sogar ein abgeschlossenes Studium. Gute Aussichten für Akademiker

Das ffs plant zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem Gründerlehrstuhl der European Business School und dem Düsseldorfer Franchise-Rechtsexperten Joachim Klapperich eine mobile Franchise-Akademie. Ab Januar sollen Experten aus den Systemzentralen Mitarbeiter der Franchise-Geber weiterbilden, in drei Jahren auch Franchise-Nehmer.

Nicht übers Ohr hauen lassen Dass die Franchise-Branche für jeden Geschmack und jedes Portemonnaie etwas bietet, zeigen unsere drei Porträts. Gründer sollten sich ihr System sehr genau anschauen, denn es gibt nicht nur große Qualitätsunterschiede, sondern auch schwarze Schafe, die sich auf Kosten ihrer Franchise-Nehmer sanieren wollen. Franchise-Experte Felix Peckert warnt deshalb: "Franchise für sich ist noch kein Garant für Erfolg."


In zehn Schritten zum Franchise-Nehmer

1. Überprüfen Sie, ob Franchising das Richtige ist. Sind Sie bereit, Entscheidungsfreiheit abzugeben? Besitzen Sie kaufmännische Qualifikationen? Eine entsprechende Ausbildung ist kein Muss, fundierte Kenntnisse sind jedoch nötig

2. Suchen Sie eine Branche. Welche Geschäftsidee entspricht Ihren Interessen und Fähigkeiten? Marktübersichten gibt es bei Verbänden und Fachzeitschriften

3. Schreiben Sie fünf passende Systeme an. Bei der Auswahl helfen die jährliche Franchise-CD des Fachverlags Ulrich Kessler und der Katalog Franchise-Chancen aus dem Verlag für die Deutsche Wirtschaft

4. Überprüfen Sie Konzept, Leistungspaket und Gebühren. Einen Eindruck von der Seriösität des Systems vermitteln Entwicklungsgeschichte und Zahl der Franchise-Nehmer sowie Nachfragen bei Banken, Handelskammern oder dem Deutschen Franchise- Verband

5. Besuchen Sie die Zentralen. Stimmt die Chemie zwischen Ihnen und dem Franchise-Geber? Ein Auswahlverfahren spricht für das System. Fordern Sie eine Liste der Franchise-Nehmer und Zahlen, die Aufschluss über Erfolgsaussichten und finanzielle Lage des Systems geben.

6. Reden Sie mit dem Franchise-Nehmer- Beirat. Existiert überhaupt eine Interessenvertretung? Werden Franchise-Nehmer an strategischen Entscheidungen beteiligt?

7. Besuchen Sie mehrere Franchise-Nehmer. Hat der Franchise-Geber seine Zusagen eingehalten? Wie ist die Zusammenarbeit im System?

8. Arbeiten Sie für einige Wochen in einem Partnerbetrieb. Wollen Sie diese Arbeit die nächsten zehn Jahre machen?

9. Nehmen Sie die Unterlagen Ihres Favoriten unter die Lupe. Sind alle abgesprochenen Leistungen und Gebühren im Vertrag enthalten? Lassen Sie sich von einem Rechtsanwalt helfen. 10. Klären Sie die Finanzierung. Für Franchise-Nehmer gelten die gleichen Voraussetzungen wie für andere Gründer. Ein gutes System hilft bei der Suche nach Banken und Fördermitteln.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.11.2002