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Holger Laubenthal

Harvard Business School (HBS)
Warum einen MBA?
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Graduation an der HBS

Die besten Jobs von allen

Lange schien es, als wäre sie in weiter Ferne, nun habe ich die Graduation abgeschlossen und bin bereits ein Alumn der Harvard Business School.Die letzten Wochen waren spannend. Nach Abschluß der Classes galt es, sich ein letztes Mal auf die Prüfungen vorzubereiten, und die Seminararbeiten einzureichen. Danach gab es einige Wochen Pause, bevor die Abschlußfeierlichkeiten begannen. Eine Woche lang gab es volles Programm, von einer Boat Cruise mit Disco über einen Gala Abend, Graduation guest speaker, letzte Abendessen mit Freunden bis hin zur Überreichung der Diplomurkunden.Viele Studenten der Business School sowie anderer Harvard Fachbereiche hatten anläßlich dieser Feierlichkeiten ihre Familien und Freunde zu Besuch, so dass entsprechend viel Trubel herrschte.Leider hatten wir zum ersten Mal seit vielen Jahren am Tag der Graduation, dem 6. Juni 2002, Dauerregen. Trotzdem habe ich den Tag genossen und mit vielen Emotionen erlebt. Am Morgen versammelten sich alle "Degree Candidates" der Harvard Univeristy im Harvard Yard, dem großen Innenhof der Universität, um an der traditionellen Abschlußfeier teilzunehmen.Wir Business School Studenten trafen uns, gekleidet im Talar, um 7:15 (gar nicht einfach nach den diversen Feiern der Nächte davor), und liefen über den Charles River nach Cambridge zum Yard. Um 10:52 wurde uns vom Dean der Harvard Business School, Kim Clark, offiziell der Titel MBA verliehen. Im strömenden Regen ging es danach zurück, um mit Familien und Freunden das Mittagessen einzunehmen.Am Nachmittag erfolgte die Verleihung der Diplomurkunden. Es war ein Gefühl der Bestätigung und des Stolzes, als ich vom Dean mein Diplom überreicht bekam und mein Name unter denen, die mit Auszeichnung bestanden haben, genannt wurde.In den wenigen Minuten gingen mir hunderte Gedanken durch den Kopf: über die wahnsinnig spannende Zeit, die ich hier erleben konnte, über neue Freunde und alte Freunde, über den Einfluß des MBA auf meine weitere Karriere, und über das, was in den kommenden Monaten und Jahren auf mich zukommen wird.Bei der folgenden Reception war es dann endlich möglich, ein wenig zu entspannen. Bei Champagner, Käse, Hähnchenspießen und Obst plauderten wir über unsere Erfahrungen, und verabschiedeten uns von den ersten Kommilitonen, die kurzfristig Boston verlassen mussten. Für den Abend hatte ich ein Abendessen in Boston, mit Überblick über Downtown und das Hafengebiet, organisiert, mit dem wir - 8 Studenten und Familienmitglieder - den Tag ausklingen ließen.Es fällt - wie wohl immer in einer solchen Situation - etwas schwer loszulassen, wenn sich alles dem Ende zuneigt. Das Campusleben mit all seinen schönen Seiten ist vorbei, und jeder von uns kehrt in die Arbeitswelt zurück. Trotz aller Sentimentalität freue ich mich auf die kommenden Schritte.Auch denke ich, daß meine Zeit mit der HBS in gewisser Weise erst jetzt beginnt: Nun gilt es, das Erlernte anzuwenden, die Erkenntnisse der Fallstudien in der Realität umzusetzen. Auch die vielen Freundschaften und Kontakte, die ich geschlossen bzw. geknüpft habe, werden nachhaltig mein weiteres Leben beeinflussen.Zunächst bin ich daher dankbar dafür und glücklich über die spannenden 1 œ Jahre, die ich hier verbringen konnte, und danke allen - Familie, Freunden, Kommilitonen, Professoren, der Administration der HBS, und meinem Sponsor, der mein Studium in großen Teilen finanziell ermöglichte.Nun geht es einige Wochen in den Urlaub (Florida, Lousianna, und Frankreich), danach werde ich einen abschließenden Bericht für die Junge Karriere schreiben. Dann kann ich auch berichten, wie es beruflich weitergehen wird!Bis dahin freue ich mich wie immer über Fragen und Anregungen unter hlaubenthal@mba2002.hbs.edu.
Auf der Zielgeraden...

2002 - nun macht es auch die Jahrszahl deutlich, was viele MBA Studenten meines Jahrganges nicht wahrhaben moechten: Das Leben an der Business School neigt sich rapide dem Ende zu. Mittlerweile bin ich im letzten Term. Da ich in unserer Section die Organisation der Graduation Week steuere, bin ich mit meinen Gedanken schon oft im Juni dieses Jahres, wenn wir unsere Abschlussfeierlichkeiten haben werden.

Bis dahin gibt es allerdings noch einiges zu tun. Meine Tage sind etwas weniger strukturiert als zu Beginn des Studiums, aber nicht weniger arbeitsintesiv. Der Kurs, der mir in diesem Term am meisten Spaß macht, ist "Advanced Competitive Strategy", unterrichtet von Prof. Rivkin, dem Zieh-Sohn von Michael Porter. Heute hatten wir ein Fallbeispiel ueber General Motors, in dem wir die Ausgruendung der Marke Saturn diskutierten.

Nach der ersten Class habe ich eine kurze Pause, dann geht es weiter: mit "Power and Influence". Nachmittags treffe ich mich mit meinem Projektteam zu unserer Field Study. Wir setzen unser Projekt, das ich im letzten Artikel beschrieben habe, fort: Mittlerweile haben wir einige spannende Firmen in der Tschechischen Republik identifiziert, und werden nun untersuchen, ob wir ein Investment Memorandum fuer ein Buyout schreiben koennen. Die Sache ist ungemein spannend, auch wenn sie nicht unbedingt zu einem erfolgreichen Abschluss fuehren sollte. Allein die Tatsache, unser Vorhaben risikolos und unter Betreuung erstklassiger Professoren sowie mit Nutzung einmaliger Resourcen zu testen, macht es den Versuch wert. Die Breite der Moeglichkeiten an der HBS fasziniert mich immer wieder.

Ein spuerbarer Daempfer für die Stimmung hier ist sicherlich die derzeitige Verfassung der Wirtschaft, insbesondere in den USA. Ich selbst habe zwar verschiedene Angebote (bin allerdings noch unentschieden), aber es gibt einige, bei denen es nicht so gut aussieht. Viele, die den MBA zu einem Karrierewechsel nutzen wollten, sehen sich doch in ihren alten Funktionen wieder oder muessen sich in den Management Programmen der Unternehmen hinten anstellen.

Es bewaehrt sich da wohl die Einsicht, dass man den MBA eben nicht aufgrund eines verlockenden Einstiegsgehaltes nach dem Studium antreten sollte. Zwar werden hier sicherlich alle ueber kurz oder lang eine interessante Stelle mit entsprechendem Gehalt finden. Trotzdem wird deutlich, dass sich ein großer Teil des Wertes dieses Studiums aus anderen Faktoren zieht: Der persoenlichen Weiterentwicklung, dem Lernen fuer die langfristige Karriere, den Netzwerken, etc. Gluecklicherweise wird das immer wieder von ehemaligen Studenten, die den Campus besuchen, bestaetigt.

Auch in diesem Jahr bin ich jederzeit fuer Fragen und Kommentare unter hlaubenthal@mba2002.hbs.edu zu erreichen.
3 Down, 1 To Go

Die Football Analogie deutet es an: Drei Viertel meines Studiums an der HBS sind hinter mir. Die Zeit vergeht rasend schnell - in nur sechs Monaten wird die Abschlußzeremonie stattfinden, bei der die Diploma vergeben werden.

Seit September bin ich im zweiten Teil des Studiums, dem Elective Curriculum. Im Gegensatz zu den ersten terms, in denen man alle Faecher mit derselben Gruppe zusammen belegt (mit der Section), sind jetzt viele Wahlmoeglichkeiten gegeben. Ich habe "International Marketing", "Business Analysis and Valuation", "Operations Strategy" und "Building a Sustainably Successful Enterprise" (BSSE) belegt.

Allgemein faellt mir auf, dass die Inhalte der Faecher voellig anders ausgelegt sind als in Deutschland. Einerseits wird, wie ich in einem frueheren Bericht geschrieben habe, alles ueber Fallstudien unterrichtet. Andererseits ist die Breite der classes deutlich groesser. Da kommt es haeufig vor, dass in "Operations Strategy" Marketing- oder Human Resources-Themen diskutiert werden. Besonders interessant ist dies in BSSE. Der Kurs wird von dem Fachgebiet General Management angeboten. Die Einrichtung dieses Gebietes stammt aus der Erkenntnis, dass ein Grossteil der Managementfaehigkeiten weit ueber technisches und funktionales Wissen hinausgeht. Perfektion in diesen funktionalen Bereichen, wie Finance, Marketing, etc. reicht meist nicht aus, um eine erfolgreiche Managementkarriere zu machen. So lernen wir in BSSE zum Beispiel, wie man Innovationen im Markt und unternehmensintern positioniert, damit sie zum Erfolg fuehren koennen. Oder wie man den "Resource Allocation Process" in einem Unternehmen gestalten kann, damit sowohl das Kerngeschaeft entwickelt wird, als auch neue, zukunftstraechtige Produkte entstehen. Das Fach hat mir sehr viel Spass gemacht, und es hilft, Prozesse und Geschehnisse in Firmen mit einer uebergreifenden Sicht zu betrachten.

Ausser diesen Kursen habe ich noch ein Field Study Projekt belegt, das anstelle eines Kurses anerkannt wird. Diese Field Studies geben Studenten die Moeglichkeit, verschiedenste Projekte mit Unterstuetzung der Universitaet und in Zusammenarbeit mit einem Professor durchzufuehren. Viele meiner Kommilitonen nutzen dies, um einen Business Plan zu schreiben, oder eine Research Study fuer ein Unternehmen durchzufuehren.

Unser Team, ein Hollaender, ein Schwede, ein Amerikaner und ich, hat Investitionsmoeglichkeiten in der Tschechischen Republik untersucht. Wir waren dazu auch vor Ort in Prag, sprachen mit Politikern, Industriverbaenden, Private Equity und Venture Capital Firmen, und haben bereits einige interessante Unternehmen besucht. Im kommenden Term wollen wir fuer ein Unternehmen einen konkreten Business Plan schreiben - wie kann man den Vertrieb optimieren, die Produktpalette erweitern, die Produktionskapazitaet besser steuern, etc. Das ist eine wirklich spannende Sache, und ein weiterer wertvoller Baustein des MBA Studiums.

Ich wuensche allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in 2002. Weiterhin bin ich fuer Fragen und Kommentare unter hlaubenthal@mba2002.hbs.edu
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Warren Buffet, Jack Welsh, William Jefferson Clinton und - John Travers

28. November 2001 - Gelegentlich ist es fast unheimlich, welche Moeglichkeiten und Erlebnisse das MBA Studium an der HBS bietet. In den letzten Wochen besuchten uns Warren Buffet, laut Business Week der zweitreichste Mann der USA (hinter Bill Gates), Jack Welsh, scheidender CEO von General Electric, und der wohl "most admired" Manager der letzten Jahre, und Bill Clinton, 42. Praesident der Vereinigten Staaten.

Diese Persoenlichkeiten sprachen zu uns ueber "Leaderhip", Karrieren, Verantwortung, und persoenliche wie gesellschaftliche Herausforderungen. Was hatten alle Reden gemeinsam? "Integrity", so forderten die Redner, sei das herausragende Persoenlichkeitsmerkmal, das man pflegen sollte. Ohne Integritaet sei weder eine erfolgreiche persoenliche, noch eine erfolgreiche professionelle Karriere moeglich. Ausserdem wurden aktuelle Themen wie die Geschehnisse des 11. September und ihre Konsequenzen angesprochen.

Ich bin sehr beeindruckt, zwei der groessten Persoenlichkeiten des amerikanischen Kapitalismus und einen ehemaligen Praesidenten der Nation kennenzulernen und mit ihnen ueber die verschiedensten Fragestellungen zu diskutieren. Es offenbart einmal mehr die grundsaetzlichen Werte dieser Nation - der Glaube an die Staerke des Einzelnen und an die unbegrenzten Moeglichkeiten, die Ueberzeugung, dass das "Gute" letztendlich seinen Weg finden wird, und alles andere ueberstrahlt. Es erinnert mich daran, was ich an diesem Land so mag, und bietet einen Rahmen, einen Leitfaden, um meine Erlebnisse hier sowie die Geschehnisse um mich herum einzuordnen. Ironischerweise sind es dieselben Charakterzuege dieser Nation, die es fuer mich schwer machen, mich voll in die US-amerikanische Kultur zu integrieren. So ist das wohl mit allen Kulturkreisen. Faszinierend ist es allemal!

Und nach all diesen Rednern war da noch John Travers, einer meiner Sectionmates (Kommilitonen), mit dem ich auch privat viel unternommen habe. John kommt aus Irland und hat dort vor einigen Wochen ein von ihm geschriebenes Buch veroeffentlicht. In diesem Buch, "Driving the Tiger", berichtet er ueber Entrepreneure in Irland, die das dortige Wirtschaftswunder ermoeglicht haben. Schirmherr der Veranstaltung zur Veroeffentlichung war der Vize-Premierminister von Irland. Nun hat John das Buch auch in den USA eingefuehrt, zunaechst nur in Boston, da es hier eine grosse irische Community gibt. Leaderhsip im Kleinen - selbst neben den Events von von Buffet, Welsh, und Clinton sehr beeindruckend.

Ich freue mich auch in der Zukunft auf Ihre/Eure Mails und bin dafuer weiterhin unter E-Mail: hlaubenthal@mba2002.hbs.edu
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Trauer an der Harvard Business School

17. September 2001 - Die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Woche in den USA sind auch an Harvard nicht spurlos vorbeigegangen. Am Morgen des 11. September sass ich in meiner International Marketing Class als der Terror begann. Im Anschluss daran wurden alle Veranstaltungen des Tages abgesagt. Viele Studenten versammelten sich an den auf dem Campus verteilten Bildschirmen, um die von dem amerikanischen Fernsehsender CNN live uebertragenen Ereignisse zu beobachten.

Entsetzen, Fassungslosigkeit, Angst, und Trauer praegte das Bild der folgenden Tage an der Universitaet. Gerade an einer Top-Business School ist der Anteil derer, die Angehoerige oder Freunde in New York City haben, gross. Somit sind einige meiner Kommilitonen direkt von den Ereignissen betroffen.

Beeindruckend in dieser schwierigen Zeit ist die unglaubliche gegenseitige Unterstuetzung der Studenten - sei es bei seelischer Hilfestellung, dem Blutspenden oder dem Organisieren von Gedenkveranstaltungen. Nie habe ich den Geist der "Harvard Community" derart real erlebt.

Die Geschehnisse ruecken vieles in Perspektive und draengen andere Sorgen in den Hintergrund. Auch heute, mehrere Tage nach der Tragoedie, scheint vieles wie gelaehmt und die Stimmung ist sehr gedrueckt.

Trotzdem - das Leben und damit auch das Studium geht weiter. Die Recruiting-Saison steht an und die gestaltet sich in diesem Jahr etwas komplizierter als in den vergangenen. Nachdem zumindest Unsicherheit ueber die weitere wirtschaftliche Entwicklung in den USA herrscht (milde ausgedrueckt), ist deutlich mehr Aktivitaet und Biss bei der Jobsuche gefragt. Darueber, und ueber meine ersten Eindruecke des 2. akademischen Jahres an der HBS, bald mehr.

Fuer Fragen und Bemerkungen bin ich nach wie vor unter der email-Adresse hlaubenthal@mba2002.hbs.edu zu erreichen.
Liebe Leserinnen und Leser,

immer wieder in den letzten Wochen werde ich ueber Tipps zum MBA-Studium und Bewerbungsprozess gefragt. Ich moechte daher kurz auf einige Dinge eingehen, in der Hoffnung, dass sie das allgemeine Interesse treffen.

Die Bewerbung - das laesst sich nicht vermeiden - ist sehr zeit- und energieraubend. Wer im September 2002 das Studium beginnen moechte, der sollte jetzt schnellstens loslegen. Aus meiner Sicht (und der meiner Kommilitonen) ist das wichtigste, in der gesamten Bewerbung ein konsistentes, differenziertes Bild wiederzugeben. Das bedeutet, dass man sich positionieren muss - zum Beispiel als der internationale Troubleshooter im Berufsleben, als jemand, der immer wieder Beruf und soziales Engagement verbindet, als ein geborener "Leader", sei es als Skipper im Segelverein, Organisator von Wohltaetigkeitsveranstaltungen, etc. Ein guter GMAT bedeutet zwar auch etwas, wenn man aber im Admissions-Kommittee 20 Bewerbungen am Tag gelesen hat, bleiben die 10 Punkte mehr oder weniger kaum haengen. Also - seid kreativ, und authentisch, denn ein Verdrehen der Persoenlichkeit ist einerseits nicht der Zweck der Sache, und faellt andererseits dem geuebten Leser schnell auf.

Zum Thema Finanzierung: Man muss sich wohl grundsaetzlich ueberlegen, ob man einen MBA machen moechte oder nicht. Leider gibt es ja fuer Stipendien keine Garantie. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus sinnvoll und hilfreich, sich einmal zu fragen, was die Weiterbildung bringen kann und soll. Dabei ist es schwierig, wenn gar unmoeglich, alles in DM, Euro oder $ zu berechnen. Vieles laeuft auf weitere Erfahrungen, breitere Moeglichkeiten, nuetzliche Kontakte, und neue Freundschaften heraus. Wem diese Aspekte attraktiv erscheinen, der sollte sich von Kosten nicht abschrecken lassen, und der muss bei der Planung mit der Ungewissheit der Finanzierung leben. Die grossen amerikanischen MBA Schulen bieten mittlerweile auch deutschen Studenten die Moeglichkeit an, ohne zu hinterlegende Sicherheiten relativ zinsguenstige Kredite aufzunehmen (Harvard z.B. ueber die Zusammenarbeit mit der Citibank), so dass es zumindest nicht am Geld scheitern muss. Dennoch bleibt fuer jeden die Frage offen, ob sich der finanzielle Aufwand lohnt. Ich kann - auch aus jetziger Sicht - das mit einem klaren "Ja" beantworten.

Gerne helfe ich auch weiterhin bei Fragen, Unklarheiten, etc. weiter. Ich bin nach wie vor unter hlaubenthal@mba2002.hbs.edu zu erreichen.

Best from sunny Boston,
Holger Laubenthal
Liebe Leserinnen und Leser,

Meine letzte Nachricht stammte aus meiner Examenswoche. Wie Sie sehen, habe ich die Zeit gut ueberstanden. Jetzt bin ich kurz vor dem letzten Tag meiner "Spring Break". Die neun Tage Freiraum vom Studium waren wirklich noetig und sehr erholsam. Der Dauerstress in den Wochen vorher - voller Case Studies, Class discussions, Veranstaltungen von der Uni-Clubs, ersten Recruiting-Vorstellungen verschiedener Unternehmen usw. - laugt schon aus. Umso befreiender war der erste Tag nach den Pruefungen - absolut arbeits- und stressfrei. Jetzt, nach einigen Tagen Sonne und Palmenstrand, habe ich das Gefuehl, meinen Akku wieder ausreichend aufgeladen zu haben.

Im kommenden Term - immer noch Required Curriculum - haben wir Finance II, Negotiations, Competition and Strategy, Business, Government and the International Economy und Entrepreneurial Management. Letzteres wurde vor ein paar Jahren aus dem vorherigen General Management Kurs abgeleitet. Ich freue mich auf die kommenden Monate mit neuen Faechern und Themengebieten.

Da ich im Januar hier angefangen habe, steht bei mir leider keine mehrmonatige Sommerpause mit laengeren Urlaubsaufenthalten oder Praktika an. Stattdessen haben wir durchgaengig Unterricht, lediglich im August gibt es 3 Wochen Freizeit. Fuer diese Zeit bieten verschiedene Unternehmen, insbesondere Berater und Investment Banken, 1-2 woechige Kurzpraktika an. Diese Firmen tummeln sich jetzt auf dem Campus, um ihre Programme zu verkaufen.

Ausserdem kommt natuerlich der Sommer, und mit ihm die vielen Ablenkungen. Cambridge liegt am Meer, so dass es viele Studenten zum Segeln oder Surfen an das Wasser zieht. Die Amerikaner spielen 1-2 mal pro Woche Golf, die Europaeer und Sued-Amerikaner mindestens genauso oft Fussball.

Alles in allem wird es sicher ein spannender zweiter Term!

Herzliche Gruesse und bis bald,
Holger Laubenthal
hlaubenthal@mba2002.hbs.edu
Liebe Leserinnen und Leser,

mittlerweile ist der erste Teil des Studiums fast vergangen - der erste Term neigt sich dem Ende zu. In dieser Woche haben wir finals - Abschlusspruefungen. Das bedeutet: Jeden Tag gibt es eine Klausur, jeweils 4,5 Stunden lang. Die Pruefungen kommen in der fuer Harvard typischen Form, einer Case Study. Wie in allen vorherigen class discussions geht es also darum, fuer eine beschriebene Problemstellung aus der Geschaeftswelt eine Loesung zu erarbeiten.

Heute hatten wir die Pruefung in "Leadership and Organizational Development". Es ging um den Bereichsleiter im Engineering eines mittelgrossen Elektronikunternehmens. Der gute Mann sollte dafuer sorgen, dass der Vertrieb und die Produktion mit der Entwicklung enger zusammenarbeiten, um Markteinfuehrungstermine einhalten zu koennen. Ich habe untersucht, ob er das Netzwerk und die "sources of power" hat, um seine Vorstellungen umzusetzen. Welchen Einfluss hat die Unternehmenskultur? Und wo sind die groessten Widerstaende zu erwarten?

Morgen kommt die Pruefung in Financial Reporting and Control. Mein Tip auf den Inhalt: Wahrscheinlich Activity Based Costing, vielleicht auch Balanced Scorecard. Auf jeden Fall gibt es wieder eine Case Study...

Interessanterweise komme ich in der Examenswoche zu mehr Freizeit, als ich es von meinem Studium in Deutschland gewohnt bin. Da man hier unter dem Semester permanent dabei bleiben muss, sieht die Pruefungswoche etwas entspannter aus.

Trotzdem - jetzt wird es Zeit fuer die Erholung, damit ich den Rest der Woche gut hinter mich bringen werde.

Ueber emails freue ich mich weiterhin - hlaubenthal@mba2002.hbs.edu.

Herzliche Gruesse,
Holger Laubenthal
Ein Tag im Leben eines HBS Studenten

6:50 Der Wecker klingelt, wie immer viel zu früh. Duschen, schnell die E-Mails checken, leichtes Frühstück (Banane, Bagle, Joghurt, o.ä.), und ich laufe zur Uni. Glücklicherweise lebe ich direkt am Campus, so dass das nur 5 Minuten dauert.

7:30 Die Study Group trifft sich. Für die Dauer des "required curriculums", also der ersten 2 terms, sind wir in dieser Gruppe und studieren und lernen zusammen, diskutieren Fallstudien, etc. Die Gruppen werden von der HBS nicht vorgegeben, sondern finden sich vielmehr auf Initiative der Studenten. In meiner Gruppe sind unter anderem Paul, Consultant einer Strategieberatung aus Australien, Scott, ehemaliger Vice President einer Leasing Gesellschaft, Pete, Leiter einer Fischerei aus Alaska, und Dhruv, CEO eines indischen Bergbauunternehmens. Heute diskutieren wir unsere Erkenntnisse für die anstehenden Fallstudien in Technology and Operations Management, Leadership, und Marketing.

8:30 Wir sind durch und alle einigermaßen gut auf die anstehenden Classes vorbereitet. Auf dem Weg zum Unterricht greife ich die Financial Times und lese einige der Headlines.

8:40 Leadership. Wer bekommt den gefürchteten "Cold Call" - den Aufruf, die erarbeitete Lösung zum anliegenden Problem aufzuzeigen? Der Kommilitone schlägt sich ganz gut, aber einige Studenten bohren kritisch in den Details nach. In meiner 85 Leute starken Section, mit der ich im Rahmen des gesamten required curriculum zusammen bin, diskutieren wir die Effektivität des Management-Teams der Bertelsmann Music Group. Hat der CEO ein gutes Team gebildet? Kann das Team die Herausforderungen der Zukunft bewältigen?

10:10 Fließender Übergang: Marketing. Die Fallstudie ist Über Colgate. Zunehmender Wettbewerb führt zu dem Druck, sich über das Produkt zu differenzieren. Oder stammt die Idee der Differenzierung im Markt für Zahnbürsten von den Unternehmen, die damit erst die Nachfrage im Markt erst erwecken? Was sollte der Marketing-Direktor tun - Die neue "Precision"-Zahnbürste unter dem Brand Umbrella von Colgate auf den Markt bringen? Oder doch als eigene Marke?

11:50 Mittagspause. Wir haben das Section Officers' Meeting. Als International Representative sitze ich mit unserem Section President und den anderen Represantatives über einem Sandwich und dem Budget für das kommende Jahr. Cash Management in practice.

13:10 Technology and Operations Management. Unser Professor war bis vor kurzem CEO von Arrow Electronics -einem 30 Mrd. $ Unternehmen- und ist jetzt Vorsitzender im Board der Firma. Der Case heute: Das Toyota Production System. Welchen Einfluss auf den Output, Cycle Time, etc. hat es, wenn bei jedem Fehler das komplette Band gestoppt wird? Nachdem wir einen Video zum Thema gesehen und ein paar Kenngrössen berechnet haben, vergleichen wir die Fabrik mit einigen herkoemmlichen Automobilfabriken. Wo liegen die Vorteile?

14:30 Ende der Cases. Hinter uns liegen 250 spannende Minuten, die in der Schnelle und Intensität erstmal verarbeitet werden muessen. Die Lösungen in den Fallstudien sind nicht immer eindeutig - genauso sind es auch die Lernerfahrungen nicht. Oftmals ist das deutlichste, was man mitnehmen kann, dass es keine klare Lösung gibt. Ich gehe nach Hause und mache mir ein paar Notizen zu den erarbeiteten Themen. Das Reflektieren über die Cases hilft, Lerneffekte zu entwickeln.

15:15 Jetzt wieder an die Uni. Heute hat der Manufacturing Technology Club Charles Ghosn eingeladen, Direktor und COO von Nissan Motor, und einer der angesehensten Turnaround Manager der Industrie. Er berichtet über seine Erfahrungen bei der Sanierung und strategischen Neuausrichtung des Unternehmens. Danach gibt es einen Sektempfang. Ich frage ihn, was für ihn die Herausforderungen im Retailgeschäft der Zukunft sind, und wie er Nissan und Renault dafür aufstellt.

17:00 Zurück Zuhause. Jetzt heisst es: Fallstudien vorbereiten. Morgen haben wir 2 Fächer. In Financial Reporting and Control werden wir die unterschiedlichen Leasing- und Abschreibungsmethoden von Continental Airlines und Singapore Airlines analysieren. Danach haben wir Marketing - es geht um die Markteinführung des BMW Z3 in den USA. Ich lese die Cases und mache Analysen. Morgen früh in der Study Group gibt es sicher noch weitere Erkenntnisse. Die Vorbereitung dauert ca. 4 Stunden - mit 2 Stunden pro Fallstudie durchschnittlich lang.

21:30 Ich treffe mich mit ein paar Freunden - wir gehen auf ein Bier zum "Central Square". Hier findet man die meisten Bars in Cambridge.

23:30 Ich bin Zuhause, noch mal am Computer. Schnell ein paar E-Mails lesen und beantworten. Dann lese ich noch etwas Zeitung, und um 0:30 geht es ziemlich erschöpft ins Bett.
Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zum zweiten Teil meiner Berichterstattung von der Harvard Business School. Ich bedanke mich für die Rückmeldungen und Fragen zu meinen Ausführungen und würde mich freuen, weiterhin in Sachen MBA behilflich sein zu können. Nach wie vor bin ich am besten unter hlaubenthal@mba2002.hbs.edu zu erreichen.

Mittlerweile bin ich seit 4 Wochen hier und habe einiges erlebt, so dass es mir manchmal so vorkommt, als hätte ich bereits Monate hier verbracht. Hier ein paar Details zu dem bisher erlebten.

Zum Einstieg in das Studentenleben wird zunächst ein dreiwöchiges Einführungsprogramm angeboten - Foundations. An Fächern belegt man unter anderem ?Leadership, Values and Decisionmaking' und ?Creating Modern Capitalism'. Die Fächer werden in der HBS-typischen Case Study method unterrichtet, das heisst, es werden anhand konkreter Fallbeispiele Analysen und Entscheidungen zu verschiedenen Situationen herbeigeführt.

Spannend war insbesondere ein Unternehmenssimulationsspiel aus der Kategorie "erfahrungsgeleitetes Lernen". In Teams von 13 Leuten, wobei alle verschiedene Postionen von Produktion bis Vertrieb bekleiden, muss man einen Grusskartenhersteller durch den Turnaround führen. Das Produkt, die Karten, müssen dabei tatsächlich hergestellt werden, ausserdem müssen interne Prozesse überdacht und optimiert werden. Es ist erstaunlich, wie sich HBS Studenten am Basteln, kleben und Schneiden von Karten erfreuen können!

Die wohl interessantesten Teile von Foundations sind die diversen Social Events. Im Januar haben hier ca. 330 Personen das Studium aufgenommen. Wenn dann bei grösseren Kneipenbesuchen 80% dabei sind, zusätzlich noch einige Partner der Studenten, ist das schon ziemlich umwerfend. Nach einigen Tagen "Hardcore-Socializing" war ich ziemlich erschöpft, aber auch beeindruckt von der unglaublichen Vielfalt der Leute, die mit mir zusammen studieren.

Nach dem Ende der Foundations geht es in den Required Curriculum, der vor einigen Tagen begonnen hat. Mit ihm beginnt der Ernst des Lebens, und das Arbeitspensum nimmt schlagartig zu. Dazu und zu meinem dann voll laufenden Studentenleben berichte ich beim nächsten Mal mehr!

Für heute herzliche Gruesse
Holger Laubenthal
Liebe Leserinnen und Leser,

willkommen zu meiner Handelsblatt Berichterstattung über meine Erfahrungen im MBA Studium an der Harvard Business School. Ich hoffe, auf diesem Wege am MBA Studium interessierten Lesern einen Einblick in die Vorbereitung, Durchführung und Erfahrungen in diesem Studium vermitteln zu können. Für Rückfragen und Anmerkungen stehe ich unter meiner email Adresse (hlaubenthal@mba2002.hbs.edu) gerne zur Verfügung. Gerne antworte ich auch zu noch offenen Fragen zum Bewerbungsprozess an den Business Schools, soweit durch die Erläuterungen meiner Kollegen auf dieser Internetseite noch nicht alles klar geworden sein sollte.

Vorab noch eine grundsaetzliche Bemerkung: Meine Aussagen bei der Berichterstattung sind selbstverständlich subjektiver Natur und erheben keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Insofern bitte ich, meine Ausführungen als persönliche Bemerkungen zu verstehen.

In diesem ersten Teil meiner Berichterstattung möchte ich zunächst einige grundlegende Punkte erläutern, um in Zukunft verstärkt auf meine Erfahrungen hier in den USA vor Ort einzugehen.

Mein Hintergrund

Nach dem Erwerb des Diplom-Ingenieurs (Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universitaet Berling) stieg ich 1997 in die Internationale Nachwuchsgruppe der damaligen Daimler-Benz AG ein. Hier absolvierte ich verschiedene Projekte in unterschiedlichen Funktionen, sowohl im In- als auch im Ausland. Danach war ich, zuletzt als Manager, im Erlöscontrolling der Sparte Mercedes-Benz (MB) PKW tätig. Mein Aufgabenumfeld umfasste hier die Preisbildung der PKW in verschiedenen europäischen Märkten. Auch das Controlling und die Berichterstattung der Ergebnisse dieser Märkte an die Leitung der MB PKW Sparte waren meine Aufgaben. In dieser Funktion war ich bis Ende des Jahres 2000 tätig. Diese Aufgaben haben mir viel Spass bereitet und viele Erfahrungen gegeben, so dass ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Amerika gegangen bin.

Warum ein MBA?

Meine endgültige Entscheidung, für ein MBA-Studium in die USA zu gehen, fiel im Laufe des letzten Jahres und beruhte auf verschiedenen Gründen. Zunächst bietet das MBA Studium als sehr praxisorientierter Lehrgang eine hervorragende Ergänzung zum deutschen Studium, das vergleichsweise theoretisch ausgerichtet ist. Ferner ist es für eine erfolgreiche Karriere im internationalen Management von herausragender Bedeutung, ganzheitlich und über funktionale Grenzen hinweg Entscheidungen fällen zu können. Eine MBA Ausbildung im General Management ist sicherlich hilfreich um diese Fähigkeit zu foerdern.

Nicht zuletzt kommt für mich hinzu, dass ich bereits seit langem von dem Gedanken, ein MBA Studium aufzunehmen, fasziniert bin. Es freut mich wahnsinnig, mit Menschen verschiedenster Kulturkreise und beruflicher Hintergründe für 18 Monate zusammenzuarbeiten. Das Studium bietet mir die Möglichkeit, eine produktive ?Auszeit' zu nehmen, neue Ideen zu sammeln und Impulse zu bekommen, meine Perspektive zu erweitern und dann meine Karriere entsprechend weiterzuentwickeln. Auch der Drang, etwas Neues zu starten, ?aus der Box zu denken' und ein Abenteuer zu wagen, spielen eine entscheidende Rolle.

Warum die Harvard Business School?

Die Harvard Business School ist -so wird es in den einschlägigen Rankings immer wieder bestätigt- führend in der General Management Ausbildung. Verstärkt wird hier auf eine internationale Zusammensetzung der Klassen (mittlerweile ein Drittel der Studenten kommt von ausserhalb der USA) sowie Bearbeitung internationaler Themen Wert gelegt. Nicht zuletzt hat die Universität ein starkes Netzwerk ehemaliger Studenten, sowohl in den USA als auch in Europa. Letzteres spielte aus meiner Sicht besonders daher eine Rolle, da ich durchaus in der Zukunft gerne wieder in Europa leben möchte. Vor diesem Hintergrund fiel mir die Entscheidung der Wahl meines Studienortes leicht, als ich vor knapp 12 Monaten einen Express-Brief des Admissions Comittee erhielt, indem man mir mitteilte, dass ich einen Studienplatz an der Harvard Business School bekommen habe.

Die Harvard Business School bietet zur Zeit zwei Anfangszeitpunkte für das MBA-Studium an, nämlich im September und im Januar. Ich habe mein Studium im Januar aufgenommen, so dass ich jetzt seit einigen Wochen in den USA bin. In meinem nächsten Bericht werde ich somit meine ersten Erfahrungen vor Ort mitteilen können.

Finanzierung des Studiums

Dies ist sicher ein kritischer Punkt - und einer, den man nicht früh genug planen kann. Aufgrund horrender Studiengebühren (Harvard Business School zur Zeit insgesamt US$ 57.000), der Lebenshaltungskosten (variieren je nach Studienort - Cambridge ist ein sehr teures Pflaster), sowie diversen Nebenkosten (Anschaffung eines Computers, Lehrmaterial, etc.) kann man schon ca. US$ 100.000 - 130.000 einplanen. Dann hängt natürlich viel vom Kurs des US$ ab, bzw. in welcher Währung man bisher sein Geld verdient hat.

Ich selber finanziere mein Studium im Wesentlichen über ein Stipendium. Diese sind allerdings rar und entsprechend beliebt, so dass frühzeitige Bewerbungen empfehlenswert sind. Über das Stipendium hinaus werden meine Ersparnisse helfen, und nicht zuletzt werde ich einen Restbetrag über einen Kredit finanzieren (den man aber in den USA über die meisten Universitäten problemlos bekommen kann).

Die Umstellung, plötzlich ohne größere regelmäßige Einzahlungen auf das eigene Konto am Monatsende dazustehen, ist sicher nicht einfach. Aber keine Sorge - mit diesem Problem ist man keinesfalls ein Einzelfall. Die meisten Studenten verschulden sich zu einem gewissen Grad, und die Statistiken zeigen, dass die Verschuldung auf lange Sicht meist durch eine gute Investition begründet ist.

Für heute beste Gruesse aus den USA und bis zu meinem nächsten Artikel, in dem ich meine ersten Eindrücke aus Cambridge und von der Harvard Business School schildern werde.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.01.2001