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Hokuspokus aus der Wüste

Von Helmut Steuer
Trotz seines bubenhaften Aussehens ist Schüchternheit nicht Per E. Larssons Sache. Erneut schickt sich der Chef der Börse Dubai an, den gesamten Markt aufzumischen. Dieses Mal attackiert er seinen früheren Arbeitgeber ? und hat immer etwas im Ärmel.
STOCKHOLM. Ein Sonnyboy, ein ruhiger, ja fast schüchterner Junge aus dem hohen Norden ? die Beschreibungen von Per E. Larsson in der schwedischen Presse vor ein paar Jahren konnten falscher nicht sein. Larsson schickt sich erneut an, den gesamten Börsenmarkt aufzumischen. Schüchternheit ist trotz seines bubenhaften Aussehens nicht seine Sache. War es auch nie. Derzeit fordert der 46-jährige Nordschwede die große amerikanische Technologiebörse Nasdaq heraus. Die hatte im Frühsommer 3,7 Milliarden Dollar für die Übernahme des nordeuropäischen Börsenbetreibers OMX geboten. OMX betreibt die Börsen in Stockholm, Helsinki, Kopenhagen, Reykjavik, Tallinn, Riga und Vilnius. Die Übernahme schien in trockenen Tüchern zu sein, da der schwedische Staat und die mächtige schwedische Industriellenfamilie Wallenberg als OMX-Hauptaktionäre der Übernahme prinzipiell schon zugestimmt hatten. Doch nun ist Sand ins nordische Börsengetriebe geraten ? Sand, den Larsson verstreut hat und von dem er noch reichlich hat.Als Chef der Börse im Wüstenstaat Dubai läutete er in der vergangenen Woche einen möglichen Bieterstreit ein. Die staatliche Börse im Scheichtum Dubai übernahm vergangenen Donnerstag 4,9 Prozent der OMX-Aktien und ? viel wichtiger ? sicherte sich weitere 22,4 Prozent von zumeist großen Fonds an der OMX. Insgesamt kommt die Börse in Dubai damit auf 27,4 Prozent aller OMX-Aktien und könnte das Nasdaq-Übernahme-Angebot torpedieren. Das ist nämlich davon abhängig, dass es den Amerikanern gelingt, mindestens 90 Prozent der Aktien zu erwerben.

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Larsson, und das macht den Vorstoß der kleinen Börse in Dubai besonders pikant, kennt seine Schweden: Bis vor zwei Jahren war er selbst Chef der OMX, musste dann aber seinen Hut nehmen, weil er andere strategische Pläne hatte. Er wollte aktiv an der europäischen Konsolidierung teilnehmen, während die Hauptaktionäre zunächst lieber die Integration der nordeuropäischen Handelsplätze abschließen wollten. Nun ist es vielleicht die späte Rache des Per E. Larsson gegen seinen früheren Arbeitgeber, die ihn treibt. Oder der offenbar unbändige Wille seines neuen Bosses, des Scheichs Mohammed bin Rashid Al Maktoum. ?Scheich Mohammed ist an allen Beschlüssen beteiligt?, gibt der eher wortkarge Larsson zu. ?Und wenn er einen Beschluss gefasst hat, dann ist zwischen Wort und Handlung nur wenig Zeit.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Larsson hat bereits Erfahrungen mit Übernahmeangeboten.So wie jetzt. Noch diese Woche will die schwedische Finanzaufsicht wissen, was es mit dem Einstieg der Börse Dubai bei OMX auf sich hat. Der Erwerb von Aktien sowie die Option zum Kauf weiterer Anteile hat die Aufseher hellhörig werden lassen: Da die Börse Dubai bislang ?nur? 4,9 Prozent der Aktien tatsächlich besitzt, muss sie noch kein formales Übernahmeangebot machen.Larsson, der aus dem verschlafenen Härnösand an der nordschwedischen Ostküste stammt, war am Montag in Stockholm, um sowohl seinen ehemaligen Arbeitgeber als auch die größten OMX-Aktionäre zu treffen. Den Nordschweden wird Sturheit und Verschwiegenheit nachgesagt. Auf Larsson trifft beides zu. Er sagte über die Gespräche nichts ? außer, dass ?er sich willkommen? gefühlt habe.Als Ex-OMX-Chef hat der vierfache Vater bereits Erfahrungen mit Übernahmeangeboten. 2000 versuchte er, die altehrwürdige London Stock Exchange zu übernehmen. Der Versuch scheiterte zwar, sicherte aber dem kleinen nordeuropäischen Börsenbetreiber einen festen Platz in der europäischen Börsenlandschaft. Auch jetzt räumen die meisten Experten Larsson nur wenig Erfolgschancen ein. Doch eines kann man dem stets zurückhaltend wirkenden Larsson nicht absprechen: Selten zuvor ist so viel über die erst im September 2005 gegründete Börse in Dubai mit ihren 22 notierten Aktien und einem Börsenwert von rund drei Milliarden Dollar geschrieben worden.Hokuspokus aus dem Wüstenstaat? Larssons Leidenschaft ist die Zauberei, seine vier Kinder sind die treuesten Fans. Vielleicht träumt er jetzt von einem größeren Publikum.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.08.2007