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Hochtouriger Traumerfüller

Mark C. Schneider
Ulrich Bez baut automobile Träume ? und nun erfüllt sich der Chef der legendären britischen Sportwagenmarke selbst einen Wunsch: Er eröffnet heute ein Testzentrum am Nürburgring. Er hofft, so noch mehr deutsche Kunden für die schnellen Autos zu begeistern.
Ulrich bez präsentiert den Aston Martin DB 9. Foto: ap
DÜSSELDORF. Das Temperament von Aston-Martin-Chef Ulrich Bez ist legendär. ?Der lässt nicht locker?, sagt Weggefährte Franz-Josef Paefgen, heute Chef des britischen Konkurrenten Bentley, anerkennend. Bereits als junger Entwickler bei Porsche fiel Bez durch seine selbst für schwäbische Verhältnisse außergewöhnliche Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit auch bei Details auf.Um seine betuchte Klientel noch enger an die Marke zu binden, kombiniert Bez jetzt das Angenehme mit dem Nützlichen. Der Aston-Martin-Frontmann eröffnet heute das neue Testzentrum der Briten ? ausgerechnet am deutschen Nürburgring, der rheinland-pfälzischen Rennstrecke in der Eifel. Neben Werksfahrern auf geheimen Prototypen sollen auch Kunden fortan den Rausch hoher Geschwindigkeiten erleben dürfen ? und so die Zahl der produzierten Autos bis zum kommenden Jahr von 7000 auf 8000 steigern.

Die besten Jobs von allen

Bez verwirklicht sich einen langgehegten Wunsch. ?Der Nürburgring hat für mich, seit ich im Geschäft bin, eine ganz besondere Bedeutung. Wenn man ein Auto wirklich auf Haltbarkeit auslegen will, führt kein Weg an dieser Strecke vorbei?, sagt der 64-Jährige. Alle neuen Modelle lässt er 10 000 Kilometer bei hohen Geschwindigkeiten auf dem Rennzirkus absolvieren, bevor sie in den Verkauf kommen. Und er selbst fährt da regelmäßig Rennen.Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Porsche hat der promovierte Luftfahrtingenieur den Bau herausragender Automobile von der Pike auf gelernt. Dem schwäbischen Sportwagenbauer verdankt der gebürtige Stuttgarter einschneidende Erfahrungen. Nach einem Intermezzo beim bayerischen BMW-Konzern ? Bez schuf dort mit kleinem Team den 1987 vorgestellten Roadster Z1 ? holte der Heimkehrer in Stuttgart zum großen Wurf aus.In den Vorstand aufgerückt, entwickelte der leidenschaftliche Tüftler für Porsche Anfang der 90er-Jahre den ersten Viertürer. Im Anschluss an eine Sitzung des Aufsichtsrates begleitete Familienpatriarch Ferdinand Piëch, damals Audi-Chef, den stolzen Entwicklungschef ins Designstudio ? und zollte ihm seine Anerkennung für die Perfektion des Wurfes. ?Da bin ich glücklich nach Hause gefahren und habe gedacht: Jetzt hast du es geschafft?, sagt Bez. Von wegen: Stattdessen markierte die Episode den Anfang vom Ende seiner Porsche-Karriere. Der machtbewusste Piëch wollte sein geplantes Flaggschiff Audi A8 an den Mann bringen, sagen Beobachter, potenzielle Konkurrenz aus dem Familienunternehmen war unerwünscht.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Er bedient die Schönen und Reichen ?Auf den sportlichen Viertürer habe ich einen Anspruch?, beharrt Bez und nimmt es als späte Genugtuung, dass Porsche im nächsten Jahr mit der vierten Baureihe Panamera endlich einen Viertürer auf den Markt bringt. Dem auf Wettbewerb getrimmten Strategen gefällt besonders, dass er mit Aston Martin vorn liegt: Der Viertürer Rapide geht mit 510 PS früher an den Start als der Porsche-Rivale Panamera. In Aktion könnte ihn ein großes Publikum vielleicht bereits neben Daniel Craigs bisherigem Dienstwagen, einem Aston Martin DBS, im neuen James-Bond-Film (?Quantum of Solace?) sehen, der im Herbst in die Kinos kommt.Traut man Bez? Worten, dann ist er am Ziel angekommen. ?Ich bin jetzt da, wo ich immer hinwollte?, sagt der Automanager, der nach dem Verkauf der ehemaligen Ford-Tochter an die kuwaitische Beteiligungsgesellschaft Dar als Minderheitsgesellschafter noch Unternehmer geworden ist.Nach einer Übergangsstation bei der koreanischen General-Motors-Tochter Daewoo (heute Chevrolet) steuert er seit acht Jahren das britische Traditionsunternehmen Aston Martin. Dessen Autos reüssieren bei den Schönen und Reichen, die sich solche Traumwagen zum Einstiegspreis von 111 000 Euro für den V8 Vantage bis zum Spitzenpreis für den DBS von einer Viertelmillion Euro locker leisten können.Kunden aus aller Welt soll das besondere Fahrerlebnis auf der Rennstrecke ebenso ansprechen wie die Teilnahme an einschlägigen Wettbewerben auf dem Nürburgring, die von den Händlern organisiert werden.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Sache mit seinem Hund Bislang nutzte Aston Martin die Anlage von Jaguar, ehemals ein Schwesterunternehmen im Ford-Reich. ?Nach dem Verkauf brauchten wir einen eigenen Standort?, sagt Bez. Warum fand er den nicht in England vor der Haustür, sondern in Deutschland? ?Der Nürburgring ist die einzige Strecke, die einer normalen Landstraße entspricht und auf der man zugleich staufrei fahren kann.? Privat pendelt der Manager zwischen der Firmenzentrale im mittelenglischen Gaydon und dem Haus der Familie in Düsseldorf. ?Dort können wir entspannter leben als etwa in London. Und die Stadt ist trotzdem nur eine Flugstunde entfernt?, sagt Bez. Zu Hause erholt er sich beim Tennis oder auf Spaziergängen mit seinem Jack-Russel-Terrier.Das selbstbewusste Tier wagt, was sich ?Doc Bez? beruflich von niemandem bieten ließe: Er hört einfach nicht auf sein Herrchen. ?Ständig gräbt er sich unter dem Gartenzaun durch und haut ab.? Bez wäre nicht Bez, wenn er ihn nicht jedes Mal wieder einfinge.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Er ist bei BMW für das Design des Z1 zuständig Ulrich Bez 1943Er wird in Bad Cannstatt geboren und studiert später in Stuttgart Ingenieurwissenschaften und promoviert in Berlin. Er arbeitet bei BMW, wo er für das Design des Z1 zuständig ist, und bei Porsche, wo er Produktdesign und Entwicklung des 911 Turbo, Carrera RS 2.7, 968 und 993 verantwortet.1993Ulrich Bez wird Vice President of Engineering von Daewoo Motor in Südkorea. Später berät er den US-Autoriesen Ford.2000Ulrich Bez wird im Juli Chief Executive Officer (CEO) und Chairman des britischen Autoherstellers Aston Martin, den Ford übernommen hat, und saniert ihn im Lauf der Jahre.2006Bez fährt nach wie vor selbst gerne Rennen. So gehört er zum Team, das im Jahr 2006 mit einem Aston Martin V8 Vantage am 24-Stunden-Rennen des Nürburgrings teilnahm. Außerdem ist er Autor von vielen wissenschaftlichen Publikationen über Themen wie Aerodynamik, Material und Design.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.05.2008