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Hochschulen konkurrieren um die Gesundheitsexperten von morgen

Von Anna Sleegers
Kostendruck, Personalmangel und suboptimale Abläufe: Die Ansprüche an die Managerqualitäten von Klinikleitern steigen. Immer mehr Hochschulen haben diesen Bedarf erkannt und reagieren mit neuen Studienangeboten.
FRANKFURT. ?Die Nachfrage bei den Studenten ist groß?, sagt Julia Sander, Rektorin der privaten SRH Fernfachhochschule Riedlingen. Als die Fachhochschule in diesem Sommersemester einen berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang Gesundheits- und Sozialwirtschaft auflegte, gewann sie aus dem Stand weg 80 Studenten. Das Studium soll Mitarbeitern von Krankenhäusern, Kassen und sozialen Einrichtungen in sechs Semestern betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermitteln. Die Studiengebühren für das bei entsprechender Berufserfahrung auch ohne Fachhochschulreife zugängliche Studium belaufen sich derzeit auf 350 Euro im Monat.Viele Studiengänge im Bereich Gesundheitsmanagement richten sich jedoch an Führungskräfte, die bereits einen Hochschulabschluss in der Tasche haben. Das gilt nicht nur für den Masterstudiengang Health-Care-Management der Riedlinger Fernhochschule, der das Licht der Welt erst vor wenigen Wochen erblickte. Auch die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel bei Wiesbaden bietet Zusatzqualifikationen für Führungskräfte an. Seit 1996 absolvierten nach EBS-Angaben 600 Teilnehmer das Zertifikat-Studium Gesundheitsökonomie.

Die besten Jobs von allen

?Die Absolventen haben meist ein Medizin- oder Jura-Studium hinter sich und sind bereits im Gesundheitswesen tätig?, sagt Roswitha Meyer, die an der EBS den Bereich Health-Care-Management leitet. Hinter der Entscheidung für das Zertifikat-Studium stehe meist entweder der Wunsch, die nächste Stufe der Karriereleiter zu nehmen oder aber das Berufsfeld zu wechseln.Die EBS pflegt über den Ehemaligenverein engen Kontakt zu den Absolventen, denen regelmäßig spezielle ?Brush-up?-Seminare angeboten werden. ?Daher wissen wir, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer während der Teilnahme am Zertifikatsstudium oder im Laufe eines Jahres danach diesen Schritt auch schon vollzieht?, sagt Meyer.Tatsächlich werden fachlich qualifizierte Manager in der Gesundheitsbranche händeringend gesucht. ?Die Management-Kapazitäten sind das einzige, was unserem Wachstum derzeit Grenzen setzt?, sagt etwa Peter Küstermann, Chef der privaten Krankenhaus-Kette Helios.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Eine der größten Herausforderungen bei der Gestaltung der Studiengänge.Gefragt sind betriebswirtschaftlich ausgebildete Kenner des deutschen Gesundheitswesens nicht nur in Kliniken. Auch Krankenkassen, Medizintechnik-Hersteller und die Pharmaindustrie müssen sich mit neuen Vertriebs- und Vertragsmodellen auf den rasanten Wandel der Branche einstellen.Angesichts der hohen Nachfrage nach Absolventen entwickeln auch mehr und mehr Universitäten Programme für die Klinik-Manager von morgen. So bieten die Unis in Köln und Bayreuth seit einigen Jahren Masterstudiengänge Gesundheitsökonomie an. Die Universität Bielefeld bildet an der Fakultät Gesundheitswissenschaften im Bachelor-Studiengang ?Health Communications? Marketing-Experten für das Gesundheitswesen aus.Eine der größten Herausforderungen bei der Gestaltung derartiger Studiengänge sei es, den Spagat zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen der Absolventen zu schaffen, sagt SRH-Rektorin Sander. ?Mediziner bringen natürlich völlig andere Kenntnisse ins Studium mit als Ökonomen oder Sozialpädagogen.?Sander sieht die unterschiedliche fachliche Herkunft aber auch als Bereicherung. ?Die Teilnehmer sollen ja nicht einen bestimmten Stoff pauken, sondern lernen, Probleme im Gesundheitswesen zu lösen?, sagt sie. Gerade im Klinikalltag träfen oft so unterschiedliche Interessen aufeinander, dass es lohnend sei, schon im Studium einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.11.2006