Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Hilfe im Abgaben-Dschungel

Steuern, Sozialabgaben, Kindergeld, Selbständigkeit und Bafög: In der November-Ausgabe der Jungen Karriere haben wir Sie aufgerufen, uns Ihre Fragen rund um das Thema "Studentenjobs" zu schicken. Hier haben unsere Experten einige repräsentative beantwortet:
Steuern, Sozialabgaben, Kindergeld, Selbständigkeit und Bafög: In der November-Ausgabe der Jungen Karriere haben wir Sie aufgerufen, uns Ihre Fragen rund um das Thema "Studentenjobs" zu schicken. Hier haben unsere Experten einige repräsentative beantwortet:

Familienversicherung bei Pflichtpraktika

Die besten Jobs von allen


Ich studiere und bin über meine Eltern krankenversichert. Seit September 2002 absolviere ich ein Pflicht-Praktikum und verdiene 700 Euro im Monat. Da das Praktikum in der Studienordnung vorgeschrieben ist, bin ich eigentlich nicht versicherungspflichtig. Wieso muss ich dann plötzlich für die Krankenversicherung bezahlen?
Stefan Scharrer, Nürnberg

Für das Pflicht-Praktikum besteht tatsächlich Versicherungsfreiheit; daher müssen Sie auf Ihre Praktikumsvergütung auch keine Sozialabgaben zahlen. Unabhängig davon fallen Sie aus der kostenlosen Familienversicherung raus, weil Sie mehr als 335 Euro im Monat verdienen. Das hat nichts mit dem Status "Pflicht-Praktikum" zu tun. Solange Sie mehr als 335 Euro im Monat verdienen, müssen Sie sich selber als Student krankenversichern. Das kostet zurzeit 53,59 Euro pro Monat, unabhängig vom Einkommen.
Rolf Junkmanns, Techniker Krankenkasse Düsseldorf

Zweimal zuviel verdienen erlaubt

Ich bin bis jetzt über die Familienversicherung krankenversichert, arbeite neben dem Studium als Teilzeitangestellte und verdiene 325 Euro im Monat. Zusätzlich bekomme ich Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Werden diese Sonderzahlungen anteilig auf alle Monate umgerechnet? Riskiere ich dadurch meine kostenlose Familienversicherung?
Karin Wiegandt, Berlin

Keine Sorge, zweimal im Jahr darf das Einkommen die Grenze von 335 Euro überschreiten, ohne dass die Familienversicherung beendet werden muss. Das Extra-Geld wird nicht auf die übrigen Monate umgerechnet. Sie bleiben weiterhin kostenlos bei Ihren Eltern krankenversichert.
Rolf Junkmanns, Techniker Krankenkasse Düsseldorf

Sozialabgaben bei Berufsakademie

Ich werde in diesem Jahr meine Ausbildung als Bankkaufmann abschließen und im kommenden Jahr ein Studium an der Berufsakademie Paderborn draufsatteln. Dabei werden sich Theorie- und Praxisphasen abwechseln. Die Studiengebühren wird die Bank tragen. Zusätzlich zahlt sie mir während der Ausbildungszeit ein monatliches Entgelt von 650 Euro. Muss ich dafür Sozialabgaben zahlen? Oder fällt mein Verdienst in die Sparte "Pflicht-Praktika"?
Dominik Hartung, Melsungen

Da Sie Ihr Studium im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses absolvieren werden, müssen Sie wie jeder Arbeitnehmer Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Die Versicherungsfreiheit für Jobs neben dem Studium oder Pflicht-Praktika kommt in Ihrem Fall nicht zum Tragen. Studiengebühr und Praktikantengehalt sind Arbeitsentgelt, das heißt für beides sind Beiträge in die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung zu zahlen - jeweils zur Hälfte von Ihnen und Ihrem Arbeitgeber.
Rolf Junkmanns, Techniker Krankenkasse Düsseldorf

Was geplant war, zählt

Ich habe in den vergangenen Semesterferien gearbeitet und von meinem Lohn Rentenversicherungsbeiträge gezahlt. Zwar lief der Arbeitsvertrag von Juli bis Dezember 2002, aber tatsächlich gearbeitet habe ich nur im Juli und August - also innerhalb der Semesterferien. Wie kann ich die gezahlten Rentenbeiträge zurück bekommen?
André Janus, ohne Ortsangabe

Maßgeblich für die Beurteilung eines Studentenjobs ist immer die Vereinbarung zu Beginn des Arbeitsverhältnisses. Da in Ihrem Fall ein Arbeitsvertrag über ein halbes Jahr abgeschlossen wurde, hat man Ihnen korrekterweise Beiträge zur Rentenversicherung vom Lohn einbehalten. Wenn sich während des Jobs etwas an der geplanten Beschäftigungsdauer ändert, fällt unter Umständen die Versicherungspflicht für die Rentenbeiträge weg. Das wirkt sich aber nur auf die Zukunft aus. Bereits gezahlte Beiträge werden nicht zurück gezahlt.
Rolf Junkmanns, Techniker Krankenkasse Düsseldorf

Studentenstatus weg

Ich studiere und arbeite gleichzeitig Teilzeit bei der Deutschen Bank. Dort war ich vor dem Studium Vollzeitangestellter. Da ich jetzt weniger als 20 Stunden arbeite, müsste für mich doch gelten, dass ich als Student keine Sozialabgaben zahlen muss. Da ich jedoch schon vor dem Studium bei der Bank tätig war, so die Begründung meiner Krankenkasse, muss ich auch jetzt die vollen, lohnabhängigen Sozialsätze zahlen. Ist das korrekt?
Michael Wachtendonk, Düsseldorf

Ihre Krankenkasse liegt richtig. Da Sie während einer bestehenden Beschäftigung das Studium aufgenommen haben, gelten für Sie die Regelungen über die Versicherungsfreiheit jobbender Studenten nicht. Das gilt selbst dann, wenn die Beschäftigung an das Studium angepasst und nur noch in Teilzeit ausgeübt wird. Dies hat das Bundessozialgerichtes so entschieden. Ausnahme: Wenn der Student eine neue Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber aufnimmt oder zwischen den beiden Jobs beim selben Arbeitgeber ein Zeitraum von mindestens zwei Monaten liegt, sind Sonderregelungen möglich.
Rolf Junkmanns, Techniker Krankenkasse Düsseldorf

Fahrtkostenzuschuss versteuern

Ich erhalte bei meinem Nebenjob von meinem Arbeitgeber eine Pauschale für jeden beruflich gefahrenen Kilometer. Zählt dieser Betrag als Einkommen und muss ich ihn mit versteuern?
Torsten Abt, Dresden

Wenn Sie mit dem Auto zur Arbeit fahren, ist ein Fahrtkostenzuschuss grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn. Ihr Arbeitgeber kann aber darauf eine pauschale Lohnsteuer von 15 Prozent ans Finanzamt zahlen. Für Sie ist der Zuschuss dann steuer- und sozialversicherungsfrei. In Ihrer Steuererklärung machen Sie die gefahrenen Kilometer mit den üblichen Pauschalen als Werbungskosten geltend. Das Finanzamt kürzt diesen Betrag automatisch um den schon pauschal versteuerten Fahrtkostenzuschuss.
Willi Olschowka, Diplom-Finanzwirt und Buchautor

Arbeiten auf Gewerbeschein

Ich habe bereits eine Ausbildung als Fotografin hinter mir und studiere jetzt. Seit einem Jahr arbeite ich auf Gewerbeschein für verschiedene Promotion-Firmen. Zusätzlich habe ich vier Monate als Praktikantin auf Lohnsteuerkarte gearbeitet und noch mal in der Weihnachtszeit gejobbt. Wie funktioniert das jetzt mit der Steuererklärung? Mache ich eine gemeinsame für Gewerbeschein und Lohnsteuerkarte?
Sarah Lorenz, Erkrath

Bei der Steuererklärung benötigen Sie die Anlagen N (Arbeitnehmer) und GSE (Unternehmer) sowie den Mantelbogen, der Ihre persönlichen Daten enthält. Als Fotografin sind Sie Unternehmerin und müssen eine so genannte Gewinnermittlung anfertigen: Einnahmen minus Ausgaben gleich Gewinn. Aus den weiteren Jobs erhalten Sie Lohn als Arbeitnehmerin. Auch hiervon ziehen Sie Ihre Kosten, zum Beispiel für Fahrten zur Arbeit ab. Anschließend werden Ihre Einkünfte als Arbeitnehmerin und aus Ihrem Gewerbe addiert. Vom Gesamteinkommen können Sonderausgaben wie Haftpflicht- und Krankenversicherung sowie Kosten fürs Studium bis maximal 920 Euro abgesetzt werden. Das Ergebnis ist Ihr zu versteuerndes Einkommen. Lag es für 2002 unter 7.235 Euro, zahlen Sie keine Steuern.
Willi Olschowka, Diplom-Finanzwirt und Buchautor

Bafög ruhen lassen

Ich bekomme seit fünf Semestern Bafög, möchte aber jetzt erst mal keins mehr in Anspruch nehmen. Ich studiere allerdings weiter. Kann ich die Förderung so einfach unterbrechen? Ist es möglich, später wieder Bafög zu beziehen?
Simone Jäger, Aachen

Es reicht, wenn Sie einfach keinen weiteren Wiederholungsantrag stellen, wenn Sie kein Bafög mehr beziehen möchten. Was eine spätere Förderung angeht, ist Vorsicht geboten. Das ist zwar grundsätzlich möglich, aber Bafög wird nur bis zum Ende Ihrer Regelstudienzeit gewährt. Und da Sie weiterstudieren, zählen die Semester natürlich auch weiter.
Dr. Stefanie Stegemann-Boehl, Bafög-Expertin beim Bundesministerium für Bildung und Forschung

Ausbildungskosten mindern Einkommen

Ich arbeite neben dem Studium und bin im vergangenen Jahr mit meinem Jahresverdienst über die Kindergeldgrenze gekommen. Allerdings besuche ich eine private Hochschule und zahle dafür monatlich 350 Euro. Wegen der Studiengebühren steht mir doch trotz meines hohen Einkommens das Kindergeld zu, oder?
Marion Schierer, Bielefeld

Sie haben Recht. Laut eines Urteils des Bundesfinanzhofs dürfen Sie Kosten für "besondere Ausbildungszwecke" von Ihre jährlichen Einkünften und Bezügen abziehen. Darunter fallen beispielsweise Aufwendungen für Fachbücher, Computer, Büromaterial, Fahrten zwischen Wohnung und Uni sowie Studiengebühren und sogar die Kosten für eine Sprachschule. Bleiben Sie nach Abzug dieser Kosten mit Ihrem Einkommen für 2002 unterhalb der Grenze von 7.188 Euro, haben Sie weiterhin Anspruch auf Kindergeld.
Willi Olschowka, Diplom-Finanzwirt und Buchautor
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2003