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Heute Abi, morgen Bachelor

Fotos: Markus Thelen
"Was studierst du? Bätschela?": Noch vor wenigen Jahren ernteten Bachelor-Studenten nicht nur von der Oma ungläubige Blicke. Mittlerweile hat sich der neue Studienabschluss Bachelor warm gelaufen. Der Trainingsplan verlangt künftigen Studenten aber einiges ab.
"Was studierst du? Bätschela?": Noch vor wenigen Jahren ernteten Bachelor-Studenten nicht nur von der Oma ungläubige Blicke. Auch ihren künftigen Arbeitgebern mussten die Absolventen der ersten Generation erst mal erklären, warum sie die Uni nicht mit einem deutschen Diplom oder einem Magister verlassen haben. Heute mag zwar Tante Trudi beim Bachelor immer noch an einen jungen Mann denken, der bei RTL seine Traumfrau sucht, doch ansonsten hat sich längst herumgesprochen, dass der Bachelor nicht viel mit Romantik zu tun hat, sondern ein neuer internationaler Studienabschluss ist.


  • Was ist was: Das Bachelor-Glossar
  • Bachelor-Portraits: Auf dem Weg zu Porsche, Hohe Anforderungen in München, Abheben mit Lufthansa, International in Furtwangen, Smalltalk auf Chinesisch



  • Die Hälfte des Studienangebots deutscher Hochschulen (48 Prozent) ist umgestellt, im Herbst wollen mehrere große Unis, zum Beispiel Köln, flächendeckend nachziehen. Wer also in diesem, im nächsten oder übernächsten Jahr sein Studium beginnt, wird sich in der Regel für einen Bachelor einschreiben. "Auf Bachelor" heißt mehr als nur unter einem neuen Etikett zu studieren. Das Studium ist straffer organisiert und schon nach drei Jahren - bis zum alten Uni-Diplom dauerte es im Schnitt knapp sechs Jahre - muss man entscheiden, ob man danach in den Beruf einsteigt oder noch einen zweiten Abschluss, den Master draufsattelt

    Die besten Jobs von allen


    Einmal Neustart, bitte!
    Die Umstellung der Studiengänge ist eine der größten Veränderungen im deutschen Hochschulsystem, die es in den letzten Jahrzehnten gegeben hat. Sie ist Teil eines Projekts, das sich "Europäischer Hochschulraum" nennt und bis 2010 umgesetzt sein soll. Hauptsächlich geht es darum, die Abschlüsse vergleichbarer zu machen, den internationalen Studentenaustausch zu verbessern und die Studenten besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Beschlossen wurde das zweistufige System aus Bachelor und Master

    Was in der Theorie einfach und plausibel klingt, war für die Hochschulen ein riesiger Kraftakt: Zudem gab es anfangs sehr viele Skeptiker, die nicht einsahen, warum man das bewährte deutsche Diplom aufgeben sollte. Auch Arbeitgeber fragten sich, was Absolventen, die viel jünger und nach nur drei Jahren Studium in den Job wollten, eigentlich können. Kurzum: Bachelor und Master lösten erst mal ein ziemliches Chaos aus. Einige Hochschulen begannen sofort mit der Umstellung, viele warteten ab, andere weigerten sich anfangs sogar. Die Folge: Studienanfänger waren massiv verunsichert.

    Heute sieht die Situation zum Glück anders aus: Die Hochschulen haben ihre Widerstände weitgehend aufgegeben - viele sehen inzwischen mehr Chancen als Risiken. Studien bestätigen, dass die ersten Bachelor-Absolventen besser im Job durchstarten, als viele vermutet haben. Nur für die Fächer Medizin und Jura gibt es bis heute keine Lösung: Hier ist immer noch das Staatsexamen die Eintrittskarte für Ärzte, Anwälte oder Richter

    Hilfe, wo ist der Richtige?
    Auf eines müssen sich künftige Studenten aber auf jeden Fall einstellen: Ein gemütlicher Spaziergang ist ein Bachelor nicht. Das fängt bei der Studienfachwahl an: Fast 4.000 Bachelor-Studiengänge - von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zellbiologie bieten deutsche Hochschulen schon jetzt an. Darunter sind Klassiker wie Germanistik, Maschinenbau oder BWL, aber auch so spezialisierte Studiengänge wie "Packaging Technology" oder "Baltic Management Studies". Auf dem Vormarsch sind auch die so genannten dualen Studiengänge, bei denen man ein Studium mit einer Ausbildung im Betrieb verbindet: 650 solcher Kombipakete gibt es bereits. Was lange eine Domäne der Berufsakademien war, wird zunehmend von Fachhochschulen und auch Universitäten angeboten.

    Doch welcher Bachelor passt nun zu mir? Wie finde ich heraus, ob der Studiengang auch wirklich gut ist? Neben Uni-Rankings, Info-Materialien einzelner Fachbereiche, Studienberatungen oder Schnuppertagen der Hochschulen - die man natürlich fleißig nutzen sollte - gibt es für angehende Bachelors zwei weitere Orientierungshilfen: Das ist zum einen die Akkreditierung - sozusagen der TÜV für Studiengänge. Auf der Webseite www.akkreditierungsrat.de kann man alle geprüften Studiengänge und einen ausführlichen Bericht abrufen. Wer seinen Wunschstudiengang dort nicht findet, sollte an der Uni nachhaken, ob er dort zur Begutachtung eingereicht wurde

    Ein weiteres Navi ist ein neues Rating, das untersucht, wie gut die neuen Studiengänge auf den Job vorbereiten. Schließlich sollen Bachelor-Studiengänge nicht nur Fachwissen, sondern auch Schlüsselqualifikationen wie Rhetorik oder Projektmanagement für den Job vermitteln. Fast 400 Programme in den Bereichen BWL und Ingenieurwesen haben Experten unter die Lupe genommen und zum Beispiel daraufhin abgeklopft, ob sie international und praxisbezogen sind.

    Das Ergebnis zeigt, dass nur 20 Prozent der Studiengänge diese Anforderungen tatsächlich erfüllen, ein anderes Fünftel fällt gar komplett durch. Alle Ergebnisse des Bachelor-Ratings könnt ihr unter www.karriere.de/bachelor nachlesen. Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht zwischen einem sehr spezialisierten und einem breit angelegten Studiengang entscheiden kann, sollte eher die generalistische Ausbildung wählen. So hält man sich mehr Möglichkeiten offen, die Spezialisierung kann dann später im Master-Studium erfolgen.

    Bachelor ist ein FullTime-Job.
    Egal, ob Uni oder Fachhochschule: Das Klischee vom Studenten, der vor elf Uhr grundsätzlich keine Vorlesung besucht, hat mit der Einführung der Bachelor-Studiengänge wohl endgültig ausgedient: Bis zu 1.800 Stunden pro Jahr soll ein Bachelor-Student pro Jahr für sein Studium im Einsatz sein. Das schließt nicht nur die Zeit ein, die man in Seminaren und Kursen sitzt, sondern auch Lernsessions in der Bibliothek oder zu Hause sowie Pflichtpraktika. Schon ohne, dass Ferien eingeplant sind, entspricht dieses Pensum einer 35-Stunden-Woche.

    Der Studienplan ist nämlich weitgehend vorgegeben. Konnten Studenten früher oft selbst entscheiden, ob sie eine Veranstaltung in diesem oder erst im nächsten Semester belegen, ist nun meist festgelegt, welches Seminar, welche Übung oder welche Vorlesung wann zu absolvieren ist. Und erst zum Examen richtig reinklotzen, ist nicht: Schon ab dem ersten Semester fließt jede Note in die spätere Endnote ein. Die stärkere Verschulung hat ihre Vorteile: Man muss strukturierter studieren und wird nicht zum Bummeln verführt. Andererseits lässt es einem natürlich weniger Wahlmöglichkeiten, was Kritiker des Bachelors bedauern. Für freiwillige Praktika bleibt wenig Zeit. Die sollte man rechtzeitig einplanen. Schnelligkeit ist jedoch nicht alles: Wer merkt, dass für Praktika oder den Auslandsaufenthalt keine Zeit bleibt, sollte lieber einen Gang zurückschalten und den Abschluss ein oder zwei Semester später machen

    Job oder Master?
    Nach sechs oder sieben Semestern steht dann auch schon die nächste große Entscheidung an: Möchte ich nun arbeiten oder weiter studieren? Finde ich mit meinem Bachelor überhaupt eine Stelle? In Bereichen wie Marketing oder Vertrieb kommen Bachelors schon heute gut unter. Für den kaufmännischen Bereich gehen laut einer karriere-Umfrage unter Personalern, 66,2 Prozent davon aus, dass der Bachelor künftig der Regelabschluss wird. Viele große Unternehmen feilen gerade an entsprechenden Nachwuchsprogrammen.

    Für hoch spezialisierte Bereiche wie etwa Investmentbanking oder Forschung und Entwicklung wird künftig der weiterführende Abschluss Master unumgänglich sein. Und wer sagt denn, dass die Entscheidung eine Einbahnstraße bleiben muss? Ein Königsweg ist es, nach dem Bachelor für zwei oder drei Jahre zu arbeiten und dann an die Uni zurückzukehren.
    Dorothee Fricke



    Was ist was?

    Abschlüsse: Je nach Fach oder Ausrichtung des Studiengangs werden folgende Abschlüsse vergeben:

  • Bachelor of Arts (B.A.): Geistes- und Gesellschaftswissenschaften
  • Bachelor of Science (B.Sc.): Naturwissenschaften
  • Bachelor of Engineering (B.Eng.): Ingenieurwissenschaften.
  • Bachelor of Laws (LL.B.): Rechtswissenschaften

    In den Wirtschaftswissenschaften wird manchmal der B.A. vergeben, manchmal der B.Sc. Letzterer Abschluss deutet darauf hin, dass die mathematischen Anteile höher sind

    Akkreditierung: Die TÜV-Prüfung für Studiengänge. Eine unabhängige Kommission wertet aus, ob in einem Studiengang entsprechende Standards eingehalten werden. Infos und alle akkreditierten Studiengänge stehen unter
    [ www.akkreditierungsrat.de ]

    Credit Points: auch Leistungspunkte oder ECTS-Punkte genannt, beschreiben den Arbeitsaufwand für Vorlesungen, Übungen und Seminare sowie die Vor- und Nachbereitung. Die Punkte werden im Laufe des Studiums gesammelt. Ein Credit Point steht dabei für 25 bis 30 Arbeitsstunden. Das System soll die Leistung der Studierenden vergleichbarer machen

    Curriculum: Lehrplan, der die Unterrichtsziele, aber auch die Unterrichtsorganisation und die Methoden in den einzelnen Fächern festlegt

    Diploma Supplement: Dokument, das mit dem Abschlusszeugnis ausgehändigt wird. Es beschreibt unter anderem Studienschwerpunkte, absolvierte Praktika sowie Thema und Dauer der Abschlussarbeit

    Modul: Mehrere thematisch aufeinander bezogene Veranstaltungen, zum Beispiel eine Vorlesung, ein Seminar und eine Übung zum Thema Marketing. Auf dem Weg zu Porsche
    "Mach lieber ein Diplom. Wer weiß, was so ein Bachelor wert ist." Das habe ich ziemlich oft gehört, als ich mich für mein Studium einschreiben wollte. Doch auch wenn ich mich vorwiegend für die Hochschule und nicht für einen bestimmten Abschluss entschieden habe, fand ich es gut, dass in Esslingen der Bachelor schon eingeführt war.

    Ich wollte einen internationalen Abschluss machen. Das System gefällt mir gut: Bachelor-Studiengänge sind besser strukturiert, und man weiß genau, wie welche Leistung in die spätere Endnote einfließt. Das nächste Semester ist mein Praxissemester: Das würde ich super gerne bei Porsche absolvieren. Nach allem, was ich gehört habe, sind die dort sehr offen für Bachelor-Studenten.

    Nach dem Abschluss würde ich gerne direkt in den Job einsteigen und vielleicht zwei, drei Jahre später einen Master draufsatteln. Je nachdem, wo ich dann meine Schwerpunkte setze, wird das dann eher ein technisch-orientierter Studiengang oder ein Management-Studiengang.
    Aufgezeichnet von Dorothee Fricke

    Lukas Greeb, 22, studiert im 4. Semester Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Esslingen. Hohe Anforderungen in München
    Nach dem Abi habe ich erst mal eine Ausbildung zur Augenoptikerin gemacht. Doch schnell war mir klar, dass ich noch studieren möchte. Die Idee, BWL mit Technik zu verbinden, hat mir gefallen, und deshalb habe ich mich dann für die TU München entschieden. Dass der Studiengang als Bachelor angeboten wurde, war mir wichtig.

    Ich wollte schnell einen Abschluss haben, um dann meinen Master im Ausland machen zu können. Am liebsten an einer richtig guten Uni wie Oxford oder Cambridge. Meine Studienwahl habe ich bisher noch nie bereut: Unser Fachbereich ist klein, und wir werden toll betreut. Allerdings ist unser Bachelor im Moment noch eher ein verkürztes Diplomstudium. Wir fühlen uns in unserem Jahrgang ein bisschen wie Versuchskaninchen. Demnächst wird der Studiengang neu strukturiert.

    Das wird sicherlich noch einiges verbessern. Die Anforderungen werden aber bestimmt nicht sinken. Doch wer von einem süßen Studentenleben mit viel Freizeit träumt, sollte ohnehin nicht an die TU München gehen.
    Aufgezeichnet von Dorothee Fricke

    Agnes Blümel, 25, studiert im 4. Semester, Technologie- und Managementorientierte Betriebswirtschaftslehre an der TU München. Abheben mit Lufthansa
    Flughäfen haben mich schon immer fasziniert. Die Atmosphäre von Internationalität und Fernweh - so stelle ich mir den perfekten Arbeitsplatz vor. Pilotin wäre mir zu technisch gewesen, das duale Studium in Kombination mit der Ausbildung bei Lufthansa passt dagegen ideal. Nach dem Abitur jahrelang Theorie pauken, ohne praktischen Bezug - das wäre nichts für mich gewesen.

    Inhaltlich ist Aviation Management zur Hälfte wie ein BWL-Studium, dazu lernen wir Fachwissen über Luftverkehr und Luftverkehrsmanagement. Das kann ich in meiner ersten Praxisphase, die im Sommer startet, gleich anwenden: Ich werde sechs Wochen lang am Flughafen von San Francisco arbeiten. Das ist natürlich ein Traum. Deshalb bin ich mit meiner Studienwahl sehr glücklich, auch wenn der Mix aus Studium und Ausbildung sehr arbeitsintensiv ist.

    Für meinen Traumjob nehme ich das gerne in Kauf. Nach dem Abschluss stehen mir verschiedenste Jobs im Lufthansa-Konzern offen, im Marketing, Finanz- und Personalwesen, Vertrieb oder in der Luftverkehrspolitik.
    Aufgezeichnet von Katja Stricker

    Lorena Silvestre Lloret, 21, studiert im 2. Semester Aviation Management an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel und absolviert parallel eine Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau bei der Lufthansa. International in Furtwangen
    Jahrelang Theorie pauken, das ist nicht mein Ding. Ich wollte schon immer praxisnah studieren. Deshalb bin ich nicht an die Universität, sondern an die Fachhochschule gegangen. Ob Bachelor oder Diplom, das war mir eigentlich egal. Doch dass mein Studium nur drei Jahre dauert, finde ich gut.

    Ich bin sowieso ein Typ, der lieber richtig Gas gibt und keine Durchhänger hat. Doch auch für Leute, die den Druck von außen brauchen, sind die straffen Bachelor-Studiengänge meiner Ansicht nach besser. Mein Studiengang hat meine Erwartungen voll getroffen: Viele Wahlmöglichkeiten, welche Kurse ich belege, gab es zwar nicht. Dafür ist mein Studium komplett auf Englisch. Im vierten Semester habe ich ein Praktikum in Mexico City gemacht und danach in Kalifornien studiert.

    Jetzt schreibe ich meine Abschlussarbeit. Auch hier habe ich mir ein praxisnahes Thema gesucht, was ich in Zusammenarbeit mit der Allianz bearbeite. Von Montag bis Mittwoch bin ich zurzeit im Unternehmen, von Donnerstag bis Samstag an der Uni. Klar, das ist ein hartes Pensum, aber um Karriere zu machen, muss man einfach gut sein.
    Aufgezeichnet von Dorothee Fricke

    Nico Köllner, 24, studiert im 6. Semester International Business Management an der FH Furtwangen. Smalltalk auf Chinesisch
    "Lernt eine Sprache, die nicht jeder kann", hat mein ehemaliger Oberstufenlehrer uns immer geraten. Und da China doch unheimlich boomt habe ich mich für ein Sinologie-Studium entschieden - und es bisher nicht bereut. "Ni Hau" für "Hallo", das war das erste Schriftzeichen, das ich gelernt habe.

    Mittlerweile sind gut 400 weitere dazugekommen. Damit würde ich in China zwar noch als Analphabet gelten, aber ich hoffe, das ich bis zu meinem Praxissemester im Herbst noch einige neue Zeichen kennen werde. Das Beste an meinem Bachelor-Studium ist das integrierte Auslandssemester. Für ein halbes Jahr werde ich in China leben und studieren - hoffentlich in Schanghai. Da kann ich dann endlich gucken, wie alltagstauglich mein Chinesisch ist. Im Sprachunterricht, wenn es um die richtige Aussprache und Intonation geht, haben wir eine Menge zu lachen - denn gerade am Anfang sind diese ganzen unterschiedlichen Laute und Betonungen schon eine völlig fremde Welt.

    Für ein bisschen Smalltalk sollte es aber auf jeden Fall schon reichen. Später würde ich gerne in einem internationalen Unternehmen arbeiten, das auch in China aktiv ist - und vielleicht berufsbegleitend noch einen Master dranhängen.
    Aufgezeichnet von Katja Stricker

    Monika Schwierz, 20, studiert im 2. Semester Sinologie an der Uni Frankfurt/Main.
  • Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007