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Herr der Kleinkunden

Von Nicole Bastian
Führungswechsel bei der Postbank: Wolfgang Klein ist ab kommenden Sonntag neuer Chef der nach Kundenzahl größten Bank Deutschlands. Die Fußstapfen sind groß, in die er tritt. Hat doch sein Vorgänger Wulf von Schimmelmann aus den ehemaligen Postscheckämtern eine moderne Privatkundenbank gemacht.
Wolfgang Klein wird neuer Vorstandschef der Deutschen Postbank. Bild: dpa
FRANKFURT. Als Kind wollte er Apotheker werden. Warum? Das weiß er eigentlich auch nicht mehr so genau. ?Vielleicht weil das so sauber schien, mit den weißen Kitteln?, meint Wolfgang Klein und grinst. Im Nachhinein mag es weise gewesen sein, dass sich der blonde Bottroper mit dem jugendlichen Gesicht für ein anderes Metier entschieden hat. Denn von diesem Sonntag an wird der 43-Jährige als Vorstandschef der Postbank über die Geschicke der größten Privatkundenbank Deutschlands entscheiden. Kein anderes Institut in Deutschland zählt so viele private Bankkunden wie das ehemalige Staatsunternehmen: 14,3 Millionen.Kleins Vorgänger Wulf von Schimmelmann hat in seinen acht Jahren an der Spitze des Instituts aus den ehemaligen Postscheckämtern eine moderne Privatkundenbank gemacht, die mit relativ geringen Kosten auch an den vielen Kleinkunden verdient. 2004 führte er die Bank an die Börse. Heute ist sie einer der 30 wichtigsten Werte im Deutschen Aktienindex (Dax). Im Ausland gilt ihre Privatisierung als so erfolgreich, dass sich das Bonner Institut mittlerweile die Privatisierungsberatung noch staatlicher Postbanken im Ausland bezahlen lässt.

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?Große Fußstapfen? seien es, in die Klein trete, meint nicht nur Peter Barkow von HSBC. Doch postbankintern galt Klein schon seit Jahren als Kronprinz. Schließlich hatte Schimmelmann ihn, der ebenso wie er selbst früher bei McKinsey gearbeitet hatte, in den Vorstand der Postbank geholt, in dem er die Entwicklung neuer Produkte für Privatkunden maßgeblich mitgeprägt hat.?Er ist analytisch top?, lobt einer seiner früheren Wegbegleiter. Seinen Hang zum analytischen Arbeiten hat der Schalkefan Klein nach eigener Einschätzung aus der Beraterwelt von McKinsey mitgenommen. ?Ich glaube, der erste Arbeitgeber prägt einen immer.?Die McKinsey-Jahre gleich nach dem Studium sind es auf jeden Fall, die seinen Weg in die Bankenwelt ebnen. Obwohl ihn die Chemiebranche zu dem Zeitpunkt eigentlich viel mehr reizt, steckt man ihn in die Abteilung Finanzinstitute, wo er fünf Jahre lang die Bankenbranche analysiert ? Spezialfeld: Privatkundengeschäft und Direktbanking. Darauf folgen Dresdner Bank und Sparkassenverband.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Evolution statt RevolutionNicht immer sei seine Karriere frei von Zufällen gewesen, meint er, wenn er heute in seinem Büro in der fünften Etage der Postbankzentrale zurückgelehnt sitzend an seinen Lebenslauf denkt, der sich im Nachhinein wie eine auf eine Bankenlaufbahn angelegte Berufsstrategie liest. ?Karrieren sind immer nur von hinten nach vorne folgerichtig.?Und in die Zukunft gedacht sind die Wünsche nicht immer von der Finanzwelt geprägt: ?Ich würde in meinem Leben noch einmal gerne etwas als Unternehmer starten, irgendetwas mit Bildung.? Kleins rote Krawatte zum strahlend weißen Hemd wirkt an diesem Tag nicht weniger sauber als ein Apothekerkittel. Und sein Schreibtisch, den er selbst als unordentlich bezeichnet, wäre für viele das Resultat nach dem Aufräumen. Das geräumige Vorstandsbüro liegt anders als das von Privatbankenvorständen in Frankfurt nicht in einem Büroturm in der 30. oder 40. Etage. Die Postbankzentrale in Bonn hat nur fünf Etagen. Klein stört die Ferne zur Bankenhauptstadt nicht. ?Erfolgreiche Retailbanken kommen aus der Provinz?, meint er und lächelt selbstbewusst.In der Bonner Finanzwelt gilt er nicht zuletzt aus seiner Zeit beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) als exzellent verdrahtet. Hier am Rhein trainiert er in seiner Freizeit derzeit drei- bis viermal pro Woche für den New-York-Marathon im November, hört dabei die Kinderbibel-CD seines Sohnes. Von hier am Rhein will der Familienvater die Postbank weitertreiben. Sein Weg: Evolution statt Revolution.Große Strategiewechsel erwartet niemand, denn Klein hat unter Schimmelmann die Produkt- und Vertriebsstrategie verantwortet ? und damit auch die Integration der zugekauften 850 Postfilialen und der BHW Bausparkasse. Jetzt gilt es, die neue Beratungs- und Verkaufsmaschine zu nutzen, um aus dem enormen Kleinkundenpotenzial mehr zu machen. Denn viele halten nur ein Postsparbuch ? und nach einem Rekordgewinn von 941 Millionen Euro vor Steuern im vergangenen Jahr spürt die Postbank den Druck der Konkurrenz, die das Massengeschäft wieder für sich entdeckt hat, in ihren Margen.Lesen Sie weiter auf Seite 3: Mit Klein könnte ein anderer Führungsstil Einzug halten.Abzuwarten bleibe, wie Klein sich mit den beiden anderen Postbankbereichen, die bisher nicht in seiner Verantwortung gelegen hätten, positioniere. Da ist zum einen das Transaction-Banking; die Postbank wickelt für andere den Zahlungsverkehr ab und will mit dem Start des einheitlichen europäischen Zahlungsraums neue Kunden gewinnen. Und da ist das vergleichsweise kleine Firmenkundengeschäft, das bisher in der Prioritätenliste weiter hinten zu stehen schien. Zudem, sagen Analysten und Banker, müsse man sehen, wie gut sich Klein gegen Postchef Klaus Zumwinkel durchsetzen könne. Zumwinkel ist Aufsichtsratschef bei der Postbank und die Deutsche Post der größte Anteilseigner.Mit Klein könnte trotz vieler Übereinstimmungen mit von Schimmelmann jedoch ein anderer Führungsstil in der Postbank Einzug halten, meint ein Weggefährte. War von Schimmelmann eher die unangefochtene Autorität, sei Klein teamorientierter in seiner Herangehensweise. Ansonsten hat Klein aber auch finanzpolitisch ähnliche Auffassungen wie von Schimmelmann ? etwa bei dessen Kritik am Dreisäulenmodell Deutschlands. Doch zunächst will er sich mit solchen Äußerungen zurückhalten. ?Ich mache jetzt erst einmal hier meine Hausaufgaben, und dann rede ich.?
Der Weg an die Postbankspitze1964: Klein wird in Bottrop geboren. Nach Abitur und Banklehre folgt ein Ökonomie-Studium an der Universität Witten/Herdeck.Während des Studiums macht er einen MBA in den USA.1991: Seine erste Berufsstation ist die Unternehmensberatung McKinsey, Bereich Finanzinstitutionen.1996: Klein wechselt zur Dresdner Bank, ist dort Bereichsleiter für Privatkunden und Vermögensberatung und baut die Direktbanktochter mit auf.1998: Rückkehr an den Rhein. Im Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) in Bonn verantwortet er IT, Kartensysteme und Zahlungsverkehr. Abschluss seiner Promotion.2001: Wechsel zur Postbank. Vorstand im Kernsegment Privatkundengeschäft. Auch zuständig für Produktmarketing.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.06.2007