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Herr der Flocken

Von Gregory Lipinski
Hans Heinrich Driftmann führt seine Kölln-Flocken-Werke in Elmshorn ruhig, beständig und erfolgreich. In Sachen Politik kann er allerdings auch laut werden ? selbst gegenüber der Kanzlerin. Der 58-Jährige weiß, wie man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Er ist Chef der Kieler Industrie- und Handelskammer, Honorarkonsul von Venezuela und Präsident des norddeutschen Unternehmenverbands.
Der 58-Jährige weiß, wie man sich in der Öffentlichkeit bewegt. Er ist Chef der Kieler Industrie- und Handelskammer, Honorarkonsul von Venezuela und Präsident des norddeutschen Unternehmenverbands. In dieser Funktion sorgt er immer wieder für Schlagzeilen, auch durch Attacken gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel in seiner Funktion als Verbandschef. Jüngst warf er der CDU-Politikerin vor, dass ihr der Mut zu Reformen fehle: ?Kosmetische Korrekturen reichen nicht mehr aus?, kritisiert er.Kaum bemerkt in der Öffentlichkeit wird hingegen sein eigentlicher Job: Er ist Chef der traditionsreichen Elmshorner Gebäckwaren- und Flockendynastie Peter Kölln. Bekannt ist der Familienbetrieb durch seine cholesterinarmen Haferflocken in ihrer auffälligen Verpackung. Sie erinnert an das Rautenmuster der bayerischen Flagge ? die Karos sind allerdings hell- und dunkelblau gefärbt.

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Die mittelständisch geprägten Kölln-Werke sind nach dem Cornflakes-Hersteller Kellogg?s der zweitgrößte Produzent von Haferflocken und Musliriegeln in Deutschland. Während Kellogg?s kräftig wächst, ist auch Driftmann seit einigen Jahren in Käuferlaune. Denn damit verfolgt er gleich mehrere Ziele. Er will nicht nur Umsatz und Ertrag steigern, er schielt auch darauf, deutlich die Exportquote von 25 auf 50 Prozent zu erhöhen.Dafür beschreitet er im September 2004 neue Wege. Er übernimmt vom niederländischen Unilever die bekannten Fett- und Speiseölmarken Biskin, Livio und Palmin. Grund: ?Wir sind als Mittelständler vor allem an werthaltigen nationalen Marken interessiert, die großes Potenzial haben.? Driftmanns Übernahmehunger ist noch nicht gestillt: ?Wir wollen weiter zukaufen und verfügen über ausreichend Kapital?, sagt der stemmige, leicht pausbackig wirkende Firmenchef. Dabei schielt er auch auf größere Zukäufe. ?Ich habe bereits ein Unternehmen im Visier, das wir übernehmen würden?, sagt der Manager. Wen? Verrät er nicht.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Intensive Kontakte zu den HausbankenUm größere Akquisitionen zu stemmen, hat sich die Firma in den vergangenen Jahren ein finanzielles Polster angelegt. So ist die Eigenkapitalquote auf mehr als 50 Prozent gestiegen, da die Aktionäre des Familienbetriebs in der Regel auf ihre Dividende verzichten. ?Die Peter Kölln KGaA hat nur vier Kommanditisten: meine Schwiegereltern, meine Frau und ich. Wir achten sehr darauf, dass der Gewinn wieder ins Unternehmen fließt?, sagt Driftmann. Bei größeren Zukäufen dürften ihm die Hausbanken ? HSH Nordbank sowie Commerzbank ? mit millionenschweren Krediten unter die Arme greifen. Zu ihnen pflegt er intensive Kontakte: Bei der HSH sitzt er im Aufsichtsrat, bei der Commerzbank im Beirat.Driftmann führt das Elmshorner Unternehmen bereits in achter Generation: Gegründet wurde der Betrieb 1795 durch Hans Hinrich Kölln. Er verkauft Schiffszwieback an die norddeutschen Walfänger. 1820 übernimmt sein Sohn Peter Kölln den Betrieb. Sukzessive führt er die kleine Handwerksfirma per Dampfmaschine in das Industriezeitalter. Schnell floriert der Betrieb, das Sortiment wird um Haferprodukte erweitert. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 120 Millionen Euro. Und der Ertrag? Driftmann ist einsilbig: ?Der Gewinn des Unternehmens ist ordentlich.?Ähnlich zurückhaltend gibt sich die Firmenzentrale in der 50 000-Einwohner-Stadt Elmshorn. Der gelbe Klinkerbau wirkt antiquiert, riesige Glasfassaden im Eingang erinnern an den Stil der 70er-Jahre. Das Foyer sieht aus wie ein Relikt aus alten Zeiten. Links steht ein hölzernes Rundbogentor: die Tür des ehemaligen Ferienheims des Köllnflockenwerks in Kollmar an der Elbe. Darauf ist ein Leuchtturm eingeritzt, der einen Namen in großen Buchstaben abstrahlt: ?Köllnflocken.?Eigentlich wollte Driftmann Pastor werden, studiert aber zunächst Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Psychologie in München, wo er auch promoviert. Danach entscheidet er sich für eine Laufbahn bei der Bundeswehr, wird Referent im Bundesverteidigungsministerium und später Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. 1987 wird er Sprecher der Geschäftsführung. Bewerben muss er sich nicht: Er heiratet Gesche Kölln, einer der Inhaberinnen des schleswig-holsteinischen Flockenimperiums. Sie hatte er bereits mit 18 Jahren während seiner Zeit beim Bund kennen gelernt. Vier Töchter hat das Paar. Und: ?Ich bin stolz darauf, dass ich schon fünf Enkelkinder habe?, sagt Driftmann.Fit hält er sich vor allem mit Schwimmen und Wandern. Täglich joggt er vor dem Frühstück in einem kleinen Waldstück in der Nähe seines Familienhauses, einige Kilometer von der Firmenzentrale entfernt. In den Wintermonaten schwimmt er häufig bei seinen Schwiegereltern: Die haben einen eigenen Pool. Ansonsten sitzt er bereits um halb acht an seinem Schreibtisch, um fast mehr als zehn Stunden durchzuarbeiten. Freizeit gönnt er sich selten: ?Ich spare am Urlaub.?

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In Elmshorn sind die Flockenwerke einer der größten Arbeitgeber. Vor allem Bürgermeisterin Brigitte Fronzek ist von Driftmanns Managerqualitäten überzeugt, weil er den Betrieb trotz des scharfen Kostenwettbewerbs in Deutschland gehalten hat: ?Er ist angenehm im Umgang, sachbezogen in den Themen und sehr kenntnisreich?, beschreibt ihn das Stadtoberhaupt.Auch bei der Belegschaft ist der Firmenchef beliebt. ?Er ist einer der wenigen sozial eingestellten Unternehmer, die es in diesem Land noch gibt. Er ist ein Mann, der die Leistung seiner Mitarbeiter noch anerkennt?, beschreibt ihn Walter Scheuer, Sekretär bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG).Dass die rund 300 Mitarbeiter hinter ihrem Firmenchef stehen, ist verständlich. Denn Driftmann sieht sich vor allem als Unternehmer, der Arbeitsplätze in Deutschland schafft. Über eine Verlagerung der Produktion von Elmshorn in Billiglohnländer hat er nie nachgedacht, und betriebsbedingte Kündigungen oder Entlassungen kennt er nicht. ?Solche Worte?, so Driftmann, ?werden bei uns nur im absoluten Ausnahmefall in den Mund genommen.?Lesen Sie weiter auf Seite 3: Vita von Hans Heinrich DriftmannHans Heinrich Driftmann1948 wird er am 3. Januar in Bückeburg geboren.1974 studiert er an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und beendet sein Studium mit einer Promotion in Psychologie.1980 geht er als Referent ins Bundeswirtschaftsministerium für Verteidigung.1983 wird er Dozent für Betriebs- und Organisationswissenschaften an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg.1988 wird er Lehrbeauftragter für Wirtschaftspsychologie an der Chritian-Albrechts Universität in Kiel.1987 wird er Sprecher der Geschäftsleitung beim Lebensmittelhersteller Peter Kölln KGaA in Elmshorn.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.01.2007