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Hemjö Klein wird Vorstandschef beim Ingenieurdienstleister Edag

Von Eberhard Krummheuer, Handelsblatt
Verkehr und Mobilität gehören seit Jahrzehnten zu den Konstanten seines Berufslebens. Nun tummelt er sich auch noch in der Autobranche: Hemjö Klein, mittlerweile 63 Jahre alt, wird Vorstandschef der Edag.
DÜSSELDORF. Edag ist der größte deutsche Ingenieurdienstleister für die Automobilindustrie, einem Unternehmen mit 4 300 Mitarbeitern und knapp einer halben Milliarde Euro Umsatz.Der neue Job des ehemaligen Lufthansa- und Bahnvorstandes ist allerdings schon aus juristischen Gründen nicht von Dauer: Er steht unter der Klausel des Paragrafen 105, Absatz 2 des Aktiengesetzes. Klein, erst im letzten Dezember zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Edag gekürt, wird zum ?Stellvertreter eines fehlenden Vorstandsmitglieds? berufen: Er übernimmt den Chefsessel, weil die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft im Familienbesitz seit Monaten vergeblich einen Chef sucht. Das Gesetz schreibt vor, dass ein solcher Wechsel vom Aufsichtsrat in den Vorstand maximal auf ein Jahr befristet sein muss.

Die besten Jobs von allen

Der smarte Manager, der in den letzten Jahren vor allem als Selbstvermarkter in Erscheinung getreten ist, dürfte kaum Branchenerfahrungen in der krisengeschüttelten Automobilindustrie haben. So wird er den Vorstandsjob eher als Moderator wahrnehmen können: einer mit exzellenten Beziehungen quer durch die deutsche Wirtschaftslandschaft.Als Querdenker, stets mit flotten Sprüchen, guten Ideen und reichlich Charisma ausgestattet, hatte Klein in den 80er- und den beginnenden 90er-Jahren, die vor sich hin marodierende alte Behörden-Bundesbahn mit Volldampf in ein Stimmungs- und Imagehoch rangiert. ?Rosarote Zeiten? ließ der damalige Personenverkehrsvorstand anbrechen. Er war der Erste bei der Bahn, der begriff, dass man mit der sturen Formel ?Fahrpreis gleich Kilometer-Grundpreis mal gefahrener Strecke? kaum leere Züge füllen konnte und dass diese Mathematik kaum Anreize zum Umsteigen vom Auto gab. Dazu beherrschte er die Klaviatur des Marketings einfach zu gut.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vergeblicher Versuch, die Pleite abzuwendenKlein, auch in Abwesenheit häufig nur mit seinem aus ?Hermann-Josef? zusammengezogenen Vornamen bezeichnet, ließ Sonderangebote mit günstigen Preisen entwickeln. Zudem gilt er als einer der Väter der Bahn-Card mit den Rabatten für Vielfahrer ? deren Vorbild stammt allerdings aus der Schweiz.Fast schon ein Treppenwitz seiner Karriere ist es, dass der heute amtierende Bahnchef Hartmut Mehdorn ihn als Berater engagierte, um nach der Pleite des vor drei Jahren gestarteten neuen Preissystems zu retten, was noch zu retten war. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hemjö Klein sich ein neues, für ihn aber nicht so fernes Geschäftsfeld eröffnet ? das Show-Business. Als Vorstandschef der in die Bredouille geratenen Musicalfirma Stella hatte er 2000 bis 2001 versucht, dort die Pleite abzuwenden. Vergeblich.Flugs gründete er seine eigene Firma, die Live Holding AG. Mit ihm als Vorstandsvorsitzenden ist sie ein bestorganisierter Kontakthof, der unternehmerische Ideen und ihre Macher vermittelt ? mit Hilfe des optimal über Aufsichtsräte, Ehrenämter und berufliche Weggenossen verdrahteten Machers Hemjö.Luftverkehrskaufmann hat er mal vor Jahrzehnten bei der Lufthansa gelernt und es dann vor 30 Jahren schon zum Geschäftsführer der Lufthansa Service GmbH gebracht. Von dort wechselte er in den Neckermann-Vorstand, um dann bei der Bundesbahn ? und nach der Wende auch bei der Reichsbahn ? zu landen. 1993 dann noch einmal ein Steilflug für fünf Jahre in den Lufthansa-Vorstand. Böse Zungen behaupten, dass Klein dort dasselbe Problem hatte wie zuvor bei der Bahn: Sein Selbstdarstellungsvermögen kam weder beim damaligen, auch nicht eben introvertierten Bahnchef Heinz Dürr noch beim eher biederen Ober-Lufthanseaten Jürgen Weber an.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2005