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Heilsamer Schock

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Foto:Photocase
Mitten in der wohl schwersten Unternehmenskrise seiner Geschichte machen Fachleute dem Flugzeugbauer Airbus wieder Mut: Trotz enormen Imageschadens könnte Airbus am Ende sogar gestärkt aus dem Desaster hervorgehen.
Mitten in der wohl schwersten Unternehmenskrise seiner Geschichte machen Fachleute dem Flugzeugbauer Airbus wieder Mut: Trotz enormen Imageschadens könnte Airbus am Ende sogar gestärkt aus dem Desaster im Zusammenhang mit Lieferproblemen bei seinem Großraumflugzeug A380 hervorgehen. ?Die Krise ist ein heilsamer Schock für das Unternehmen?, sagte Peter Pletschacher, Präsident des Luftfahrtpresseclubs. Durch die Probleme sei jedem klar geworden, dass die Arbeitsverteilung bei der Produktion des A380, der zu Teilen in Frankreich, Deutschland und England gefertigt wird, betriebswirtschaftlich nicht optimal sei. ?Nun lassen sich viele Entscheidungen durchsetzen, die ohne die Krise unmöglich gewesen wären?, glaubt Pletschacher.

Damit, dass die Produktion des prestigeträchtigen Modells aus Hamburg abgezogen wird, rechnet in der Branche aber offenbar niemand. ?Der Standort ist mit viel politischem Druck für die Produktion des A380 ausgebaut worden?, gibt ein Zulieferer zu bedenken. Zudem ständen am Hauptstandort Toulouse gar nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung, um die Produktion dort zu konzentrieren. Auch in Deutschland hatte Airbus immer wieder den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften beklagt. Fachleute sehen darin die Spätfolgen des Dolores-Programms, in dessen Rahmen die DASA, in der bis 2000 die deutschen Airbus-Aktivitäten gebündelt waren, vor zehn Jahren viele Stellen abgebaut und einen Einstellungsstopp verhängt hatte. Als Reaktion hatte Airbus Zeitkonten eingeführt und verstärkt Zeitarbeiter eingesetzt.

Die besten Jobs von allen


Pletschacher rechnet daher auch nicht mit einem nennenswerten Abbau von Arbeitsplätzen. ?Airbus hat einen Berg Arbeit vor sich.? Dazu zählen der A320, der Militärtransporter A400 und der geplante A350, der gegen Boeings Langstreckenflieger 787 antreten soll. Möglicherweise stehen dem US-Konkurrenten dabei ähnliche Probleme bevor wie Airbus beim A380. Denn während Airbus nun darüber nachdenkt, die Produktion wieder stärker an einzelnen Standorten zu bündeln, sind die Zulieferer für Boeings neues Spitzenmodell, das im kommenden Sommer erstmals abheben soll, über die ganze Welt verteilt.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.10.2006