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Heiko Freitag

Tuck School of Business
Warum einen MBA?
Fragen an Heiko Freitag. weiter ...
Hallo liebe Leserinnen und Leser

Geschafft! Der Winter Term ist vorbei, und in zwei Stunden geht es nach Argentinien. Bevor ich in den Urlaub fahre, möchte ich kurz über die Ereignisse der letzten Woche berichten.

Die letzte Woche war dem "Forum Project" gewidmet. Dies ist ein Projekt, welches man im zweiten Semester umsetzt. Das Projekt ist entweder ein Beratungsprojekt für ein Unternehmen oder ein "Entrepreneurial" Projekt, in dem man einen Business Plan erstellt und VC's vorstellt. Ich habe mir ein Beratungsprojekt für ein Biotech-Unternehmen in Boston ausgesucht. Zusammen mit dem Tuckie Team haben wir eine neue Technologie des Unternehmens bewertet und dem Unternehmen strategische Optionen zur Nutzung dieser Technologie vorgeschlagen. Das Projekt wurde intensiv von Tuck betreut und hat eine Menge Spass gemacht. Nun bin ich aber froh, dass es in den Urlaub geht. Der Urlaub macht besonders Spass, weil ich gluecklicherweise schon ein Summer Internship bei einer Investment Bank in New York habe!

Jetzt muss ich zum Flughafen. Mehr gibts in zwei Wochen, wenn ich zurück bin.

Heiko
Hallo liebe Leserinnen und Leser,
ich heiße Heiko Freitag und ich moechte einige meiner MBA-Erfahrungen mit Euch "live" teilen. Ich hoffe, ich kann einigen bei der Entscheidungsfindung zum MBA helfen, die anderen finden es hoffentlich interessant! Ich werde das ganze eher informell schreiben und versuchen meine Eindruecke "unplugged" wiederzugeben.

Da dies mein erster Tagebucheintrag für die Junge Karriere ist, moechte ich einige einleitende Worte zu meiner Person schreiben und erklären, warum ich ein MBA-Studium mache. Danach moechte ich kurz ueber meine bisherigen Erfahrungen berichten.

Zu meiner Person:
Ich bin 27 Jahre alt und in Suedafrika aufgewachsen. Als ich 14 war, sind meine Eltern nach Deutschland gezogen, genauer gesagt nach NRW, und dort habe ich das Abitur gemacht. Trotz des NRW-Abiturs (so schlecht scheint es ja nicht zu sein) gelang es mir, ein Maschinenbaustudium in Aachen erfolgreich zu absolvieren, so dass ich 1998 in Muenchen bei einem Beratungsunternehmen anfangen konnte. Im August 2001 begann ich meine MBA-Ausbildung bei der Tuck School of Business - voraussichtliches Studienende ist Juni 2003.

Warum mache ich einen MBA?
Ich glaube, ein MBA ist eine ideale Ergaenzung zum Ingenieurstudium. Zudem scheint eine zusaetzliche Qualifikation immer mehr zum Standard zu werden. Ich habe mich letztendlich fuer einen MBA aus folgenden Gruenden entschieden: Auslandserfahrung, relevantes Wissen fuer die Karriere, Netzwerk, Jobschnuppern und Spaß. Die beiden ersten Punkte brauchen nicht erlaeutert zu werden. Das persoenliche Netzwerk einer renommierten, alten Business School ist wirklich beeindruckend und unbezahlbar. Die Eintrittskarte zu diesem Netzwerk von Ehemaligen ist ein MBA. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Jobschnuppern. Ein zweijaehriges MBA-Studium ermoeglicht ein Internship in einer neuen Branche, in einer neuen Funktion und/oder in einem anderen Land. Das ganze ist ohne Risiko, da man nur ein Internship macht - herausspringen kann aber eine Vollzeitstelle z.B. auf der Wallstreet! Der Spaßfaktor ist das wichtigste (man kann es umso mehr wertschaetzen nach einigen Berufsjahren!). Nie wieder wird man die Moeglichkeit und Zeit haben, mit so vielen begeisterungsfaehigen, internationalen und offenen Menschen gleichen Alters zu lernen und Bier zu trinken (Oktoberfest zaehlt nicht, da nur Bier getrunken wird!). Ich kann nun am Ende des zweiten Semesters sagen, dass meine Vorstellungen alle uebertroffen worden sind. Die Entscheidung, einen MBA zu machen, war sicherlich die beste meines Lebens.

Meine bisherigen akademischen Erfahrungen:
Ich habe heute die letzte Pruefung im zweiten Semster abgelegt. Im zweiten Semester macht man bei Tuck Corporate Finance, Global Corporate Strategy, Marketing und ein Projekt (Consulting oder Entrepreneurial). Im ersten Semester macht man Statistics, Decision Science, Macro- and Microeconomics, Leading Organizations, Capital Markets, Managerial Communication, Corporate Communication und Accounting. Das akademische Programm ist sehr intensiv und ich habe noch nie so viele Stunden wie im ersten Semester gearbeitet. Im Gegensatz zu Deutschland muss man auch teilweise taeglich Hausaufgaben einreichen. In jedem Fach gab es schriftliche Pruefungen zum Teil mehrmals im Semester. Es wird auch erwartet, dass man vorbereitet in den Unterricht kommt. Das wird insbesondere durch "cold-calling" erreicht. Ein "cold-call" bedeutet, dass der Professor jemandem scheinbar wahllos eine Frage stellt, damit die Diskussion in Gang kommt. Man kann so jederzeit im Unterricht dran kommen - dies verschafft die noetige Motivation, viele Stunden zu arbeiten. Die Vorbereitungen zum Unterricht muss man jedoch nicht alle alleine machen. Sehr viele Vorbereitungen finden im Team statt. Hier bei Tuck wird man in den ersten beiden Semestern jeweils Lerngruppen zugeteilt. Die Lerngruppen sind absichtlich heterogen gestaltet. Dies befruchtet natuerlich die Diskussion, kann aber auch um 2 Uhr morgens fuer Stress sorgen. Solange man die Teammeetings mit einer Portion Humor und Gelassenheit angeht, macht das meistens eine Menge Spaß, und das Teamarbeiten wird perfektioniert. Das akademische Programm wird durch Vortraege ergaenzt, z.B. mit dem CEO der New York Times oder der Fortune Reporterin, die Enron entlarvt hat. Rueckblickend kann ich sagen, dass ich wirklich eine Menge gelernt habe, was ich direkt im Beruf anwenden kann. Desweiteren besitze ich nun ein viel besseres Selbstverstaendnis von wirtschaftlichen Zusammenhaengen. Ich bin sicher, dass mein MBA die Weichen fuer ein erfolgreiches und erfuelltes Berufsleben stellt.

Meine bisherigen Freizeiterfahrungen:
Meine Freizeiterfahrungen sind gepraegt von den besonderen Tuck Charakteristiken. Tuck ist eine kleine Business School mit ca. 220 Personen in jedem Jahrgang. Die Schule bietet ausschlieslich den zweijaehrigen MBA an, so dass sich ca. 440 Studenten auf dem Campus befinden. Hinzu kommen ca. 50 Professoren und noch wesentlich mehr Assistenten. Desweiteren ist Tuck mitten auf dem Land, ca. 2 Stunden noerdlich von Boston oder 5 Stunden noerdlich von New York. Die Abgeschiedenheit verbunden mit der "kleinen Groeße" des Programms bedeutet, dass man alle Freizeitaktivitaeten mit den Mitstudenten zusammen macht. Man lernt also jeden persoenlich kennen. Zum anderen macht man hier viel Sport - Eishockey, Skifahren, Golf, Kanufahren, Wandern etc., das Angebot ist riesig. "Nightlife" findet hier in Form von internen Festen statt, jeden Mittwoch und Donnerstag gibt es zudem feste Kneipentreffs. Jedes Jahr gibt es zusaetzlich einige Highlights, z.B. hat Tuck letzte Woche wieder zum Winter Carnival eingeladen. Das ist ein von Tuck veranstaltetes Skirennen zwischen den besten Business Schools in den Staaten. Insgesamt kamen ungefaehr 300 Vertreter von 17 Business Schools. Der sportliche Wettbewerb beschraenkte sich jedoch nicht nur auf Skifahren sondern erweitert sich auf die Parties! Zusammenfassend kann ich sagen, dass es mir nie langweilig wird. Im Gegenteil. Es gibt neben dem akademischen Programm so viel Freizeitprogramm, dass man neben neuen Management Tools und lebenslangen Freundschaften auch noch lernt, mit viel weniger Schlaf auszukommen!!

Das naechste mal schreibe ich Euch ueber mein Projekt, Wing Night und den Jobsearch.

Bis zum naechsten Mal,
Heiko

Für Fragen und Feedback erreicht Ihr mich per E-Mail unter
Heiko.G.Freitag@Dartmouth.EDU

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Dieser Artikel ist erschienen am 28.02.2002