Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Hauptsache Haftpflicht

Peter Nederstigt
Bei der Absicherung privater Risiken wie Krankheit gibt es im Prinzip nur einen Unterschied zwischen Selbstständigen und Angestellten: Der eine muss sich selbst um die Versicherungen kümmern, die für den anderen der Arbeitgeber übernimmt. Unternehmer sollten aber auch ihren Betrieb versichern.
Bei der Absicherung privater Risiken wie Krankheit gibt es im Prinzip nur einen Unterschied zwischen Selbstständigen und Angestellten: Der eine muss sich selbst um die Versicherungen kümmern, die für den anderen der Arbeitgeber übernimmt. Unternehmer sollten aber auch ihren Betrieb versichern

Schäden, die der Betrieb bei anderen anrichtet, werden durch Haftpflichtversicherungen abgedeckt. Am wichtigsten ist die Betriebshaftpflichtversicherung. Sie zahlt, falls beispielsweise Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter zu Recht Schadenersatz von einem Unternehmen verlangen. Selbst wenn der Unternehmer grob fahrlässig gehandelt hat

Die besten Jobs von allen


"Wer als Existenzgründer auf diese Police verzichtet, spart am falschen Ende. Denn Haftpflichtschäden sind grundsätzlich nicht kalkulierbar", mahnt der Deutsche Versicherungs-Schutzverband (DVS) in Bonn. Eine Rechtsschutzversicherung könne man sich dagegen sparen, meint Helmut Fischer, Vorstand beim DVS-Pendant BvU, dem Bund versicherter Unternehmer. Die Haftpflichtversicherung prüfe auch, ob Ansprüche gegen das Unternehmen gerechtfertigt seien

Freiberufler wie Architekten oder Ingenieure schließen anstelle einer Betriebshaftpflichtversicherung eine Vermögensschaden- oder Berufshaftpflichtversicherung ab. Und für die berühmte Bananenschale, auf der ein Kunde im Büro des Freiberuflers ausrutscht, gibt es eine Betriebsstätten- oder Bürohaftpflichtversicherung. Weitere wichtige Haftpflichtversicherungen betreffen fehlerhafte Produkte und Umweltschäden

Die zweite Sparte bilden Versicherungen für Schäden im Betrieb. Hier gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt. So können Unternehmer ihren Betrieb gegen Einbruch, Brand, Wasserschäden, Sturm und Hagel versichern. Zusätzlich gibt es spezielle Sachversicherungen für einzelne Betriebsteile wie Maschinen- oder Elektronikversicherung, die auch Vorsatz oder menschliches Versagen mitversichern. Greift dagegen ein Mitarbeiter in die Kasse, spricht man von Vertrauensschaden. Auch dafür gibt es, wer hätte es gedacht, eine Versicherung

Während diese Sachversicherungen Schäden am Betriebsvermögen abdecken, übernimmt die Betriebsunterbrechungsversicherung Fixkosten wie Miete, Löhne und Gehälter und entgangenen Gewinn. Das Gegenstück für Freiberufler ist die Praxisausfallversicherung, die zahlt, wenn der Chef ausfällt.

Im Gegensatz dazu springt die Warenkreditversicherung ein, wenn Kunden des Betriebs nicht mehr zahlen können. Angenehmer Nebeneffekt: Sie überprüft zugleich die Kreditwürdigkeit von Abnehmern, getreu der Devise "Vorsorge ist die beste Versicherung"

Die sollten auch Unternehmer beherzigen. Denn häufig ist es billiger, Risiken zu reduzieren, als alles zu versichern. Auch wenn eine Betriebshaftpflichtversicherung für einen kleinen Laden mit etwa 500 Mark im Jahr nur den Bruchteil einer Krankenversicherung kostet, können die Beiträge bei größeren Unternehmen beachtliche Summen erreichen.

Grundsätzlich gilt: Risiken, die die Existenz bedrohen, müssen versichert werden. "Bei den kleinen Schäden sollte man meines Erachtens von einer Versicherung Abstand nehmen und die Prämie als Rücklage verwenden", meint Gründerberater Hans Emge

Übersicht über die Risiken und die Möglichkeiten, sie zu mindern, verschafft ein Risiko-Check, bei dem Versicherungsmakler und -berater helfen. Einmal pro Jahr sollten Unternehmer den Risiko-Check fortschreiben, um die Versicherungen dem Unternehmenswachstum anzupassen. Wer seine Versicherungen nur für ein Jahr abschließt, schafft sich Druckmittel bei der neuen Verhandlung über Prämien und Konditionen

BvU und DVS nehmen gegen einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 400 Mark aufwärts auch die konkreten Angebote der Versicherungen unter die Lupe. Womit sich die Frage stellt, ob man alle Versicherungen aus einer Hand nehmen sollte. Dafür spricht aus Sicht von Hans Emge, dass die Versicherung eher einen Schaden begleichen wird, wenn man mit der Kündigung sämtlicher Verträge drohen kann.

Dagegen gibt Jörg Heidemann, Fachreferent beim DVS, zu denken: "Ein Versicherer ist nie in allen Sparten der beste." Weshalb er eher von den Komplettpaketen der Versicherer für Selbstständige abrät. Die Ausnahme: "Wenn man einen günstigen Versicherer hat, der auch noch Rabatte für Versicherungspakete anbietet, sollte man zugreifen." Und notfalls muss man selbst nach Rabatten fragen. Aber vor Preisverhandlungen dürften Unternehmer ja keine Angst haben.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2002