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Hauptsache fest angestellt

Aufgezeichnet von Liane Borghardt, Illustration: Sabine Kobel, Foto: PR.
Sicherheit heißt heute, eigeninitiativ zu handeln, sagt Dagmar Rissler. Die Hanseatin leitet das Projekt .garage hamburg, das Existenzgründer unter 35 fördert. Ein Plädoyer für die Alternative Selbstständigkeit.
?Die Gründer, die in die .garage kommen, haben noch keinen langen Karriereweg hinter sich. Den alten, passiven Sicherheitsbegriff kennen viele von ihren Eltern. Er lautet: Hauptsache Festanstellung! Damals ging man in ein Unternehmen, das einem Geborgenheit gegeben hat. Motto: Leistest du hier deinen Beitrag, passiert dir nichts

Heute dagegen würde ich Sicherheit als aktiven Prozess bezeichnen: Man muss sie selbst gewinnen. Große Unternehmen bieten sie einem meist nicht mehr. Unter dem Druck, hohe Renditen einfahren zu müssen, streichen sie Arbeitsplätze, stellen befristet ein, kürzen Löhne. Arbeitnehmer sollen mobil, anpassungsfähig, loyal sein ? aber dafür bekommen sie in der Regel weniger zurück. Abhängigkeit unter Ungewissheit produziert ein Gefühl von Ausgeliefertsein, heißt es. Als Selbstständiger hat man den Vorteil, dass man eigenständig handeln und Entscheidungen treffen kann, die den Geschäftserfolg beeinflussen. An Netzwerk, Kundenstamm und einem marktfähigen Produkt kann man arbeiten. Stimmen dann noch die Gründerpersönlichkeit und Geschäftsidee, unterstützen wir junge Existenzgründer.

Die besten Jobs von allen


Unsere Gründer arbeiten in Medien und Kultur. Hier ist die Zahl der Freiberufler im letzten Jahrzehnt um 320 Prozent gewachsen. In einem schwierigen Angestelltenmarkt verschaffen sie sich ihre Jobs über die freie Tätigkeit. Vielleicht nehmen sie finanzielle Einbußen hin. Aber dafür genießen sie viele Möglichkeiten und Freiheiten ? mit einem gesunden Selbstbewusstsein.?
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007