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Harte Strafen für US-Banker und US-Bosse

Immer mehr amerikanische Investmentbanker und Wirtschaftsbosse müssen ihre weichen Bürosessel mit den harten Stühlen der Gefängnisse vertauschen. Neuestes Opfer der unerbittlichen US-Justiz wurde Frank Quattrone (48), einst der Star unter den Investmentbankern der New Economy.
HB NEW YORK. Ein US-Richter verurteilte ihn am Mittwoch in New York wegen Behinderung einer amtlichen Untersuchung über die Zuteilung von Aktien begehrter Börsenneulinge zu 18 Monaten Gefängnis und 90 000 Dollar Geldstrafe.Quattrone hatte die Technologiegruppe der Investmentbank Credit Suisse First Boston von 1998 bis 2003 geführt und zahlreiche amerikanische Technologiefirmen an die Börse gebracht. Das zahlte sich für ihn aus: allein im Jahr 2000 konnte er rund 120 Millionen Dollar einstecken.

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Quattrone hatte im Jahr 2000 eine E-Mail eines Untergebenen an seine Mitarbeiter weitergeleitet. Es sei an der Zeit ?die Files zu säubern?, hatte es darin geheißen. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass Quattrone Computerunterlagen entfernt haben wollte, nachdem er erfahren hatte, dass die von der Bank begleiteten Erstemissionen durch eine gerichtliche Untersuchungskammer unter die Lupe genommen worden waren.Quattrone ist der prominenteste der Wall-Street- Manager der hinter Gitter muss, seit der Finanzier Michael R. Milken 1990 eine zehnjährige Gefängnisstrafe erhalten hatte.Milken, der als ?Junk-Bond?-König den Markt für riskante Anleihen dominierte, hatte sich im Zusammenhang mit Manipulationen des ?Junk- Bond?-Marktes des Wertpapierbetrugs schuldig bekannt. Er war nach 22 Monaten Haft entlassen worden. Er musste eine Strafe von 600 Millionen Dollar zahlen. Der Arbitrage-Spezialist Ivan F. Boesky hatte wegen illegalen Insiderhandels bis 1990 zwei Jahre im Gefängnis gesessen und 100 Millionen Dollar Strafe gezahlt. Richard Brennan, von der First Jersey Securities, war wegen Wertpapierbetrugs und Geldwäsche zu neun Jahren und zwei Monaten Gefängnis und 4,6 Millionen Dollar Geldstrafe verurteilt worden. Er sitzt noch ein, wie die ?New York Times? am Donnerstag berichtete.Die amerikanische Lifestyle-Unternehmerin Martha Stewart war kürzlich wegen Justizbehinderung im Zusammenhang mit dem Verkauf von knapp 4000 Aktien einer Biotechnologiefirma zu fünf Monaten Gefängnis und fünf Monaten Hausarrest verurteilt worden. Sie hat Berufung eingelegt.Der Prozess gegen Bernard Ebbers, den ehemaligen Chef des Telekomriesen WorldCom, soll im November beginnen. WorldCom war in den schlimmsten Bilanzskandal der US-Wirtschaftsgeschichte verwickelt. Die Gesellschaft firmiert jetzt als MCI. Andrew Fastow der ehemalige Finanzchef des Energiehändlers Enron muss wegen Wertpapierbetrugs zehn Jahre hinter Gitter. Die Verfahren gegen die ehemaligen Enron-Bosse Ken Lay und Jeff Skilling stehen bevor. Sie haben sich nicht schuldig bekannt.John Rigas und sein Sohn Tim wurden im Zusammenhang mit der Plünderung der Kabel-TV-Firma Adelphia Communications und Milliarden- Bilanzschwindeleien wegen Betrugs und Verschwörung für schuldig befunden. Ihnen drohen jeweils bis zu 20 Jahre Gefängnis.Dennis Kozlowski, den ehemaligen Chef des großen Mischkonzerns Tyco International, sowie den früheren Tyco-Finanzchef Mark Swartz erwartet im Januar ein zweites Verfahren. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten sich von der Gesellschaft mehr als 600 Millionen Dollar beschafft. Der erste Prozess war geplatzt.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.09.2004