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Harald Wilke

Der erste Term
Der zweite Term
Servus zusammen,

es ist zwar schon ein bisschen Zeit ins Land gegangen, seit ich meinen MBA hier am Instituto de Empresa (IE) in Madrid angetreten habe. Trotzdem möchte ich von vorne anfangen, Euch zuerst die spannende und auch ein wenig hektische Phase der Entscheidungsfindung und Bewerbung schildern, bevor ich über unsere nun schon absolvierten ersten beiden Terms berichte.

Die besten Jobs von allen


Vorab kurz noch ein wenig zu meiner Person: Geboren in Neuss, habe ich während meiner Schulzeit Station in Darmstadt und der schönen Landeshauptstadt Hannover gemacht, bevor es mich zum BWL-Studium an die LMU in München verschlagen hat. Während meiner Studienzeit war ich ein gutes Jahr zum Austausch in Chile an der Pontificia Universidad Catolica de Chile. Nach dem Studium habe ich im Frühjahr 2002 als Consultant in der Corporate Finance Beratung von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Bereich Financial Services in Frankfurt/Düsseldorf angefangen.

Hätte mir zu dieser Zeit jemand gesagt, dass ich knapp drei Jahre später einen MBA in Madrid machen werde, hätte ich ihn wohl verständnislos angeschaut. Ein MBA war für mich lange Zeit eine Möglichkeit der Fortbildung für diejenigen, die kein BWL/VWL studiert haben und sich deswegen auf diesem Wege ein entsprechendes Fachwissen für mögliche zukünftige Managementaufgaben aneignen wollen.

Da es bei PwC üblich ist, neben dem Job noch eine Zusatzqualifikation zu erwerben, wie z.B. einen CFA oder die Klassiker Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, habe ich mir im Laufe meiner Zeit bei PwC immer mal wieder die Frage gestellt, welche Zusatzqualifikation ich mir für mich denn vorstellen könnte. Meines Erachtens war jedoch insbesondere die Ausbildung zum Steuerberater oder auch zum Wirtschaftsprüfer zu fachspezifisch. Ich hatte die Befürchtung, bereits zu Beginn meiner Berufskarriere mich damit zu sehr auf einen zu eng abgesteckten Fachbereich festzulegen.

Und so tauchte dann hin und wieder doch auch der MBA auf der Suche nach weiteren Alternativen in meinen Überlegungen auf. Durch Gespräche mit Freunden und Kollegen als auch durch Informationen aus dem Internet hatte ich mich zudem langsam aber stetig von meinem MBA-Vorurteil verabschiedet und einen MBA ernsthaft als mögliche Zusatzqualifikation in Erwägung gezogen. Wiederkehrende Argumente, die für einen MBA sprachen, waren u.a. die Möglichkeit, bestehendes Fachwissen zu vertiefen bzw. neues Fachwissen aufzubauen, das meist internationale Umfeld, neue Kontakte und Kulturen und das Auffrischen der Fremdsprachenkenntnisse.

Da ich mich im Laufe der Zeit immer intensiver mit einem MBA auseinander gesetzt habe und ihn zum Schluss nicht mehr aus meinem Kopf bekam, stand ich plötzlich vor der nächsten Entscheidung: Wenn MBA, an welcher Schule? Neben den allgemeinen Argumenten pro MBA waren hier vor allem Reputation, Bilingualität, Dauer und natürlich auch ein wenig das örtliche Umfeld von Bedeutung. Da das IE seit Jahren zu den führenden Business Schools in Europa und der Welt gehört, ich aufgrund meiner Zeit in Chile den MBA in einem spanisch sprechenden Land machen wollte, das Programm im Vergleich zu vielen anderen Programmen nur ein Jahr beträgt, auf Englisch ist und Madrid durchaus seinen Charme hat, war mein Wunschkandidat schnell gefunden und die Entscheidung gefällt: als Weiterbildung ein MBA und wenn möglich am IE in Madrid.

Zu diesem Zeitpunkt war es Mitte Mai 2004, eigentlich schon deutlich zu spät für eine erfolgreiche Bewerbung für den MBA-Programmstart 2004. Lediglich IE bot noch einen letzten, sogenannten ?Open Day? Anfang Juni an, an dem man den Campus und die Leute kennen lernen, seine Bewerbung abgeben und ein Interview mit dem Admission Department führen kann.

Also nichts wie los: Flug gebucht, nachts nach dem Job die Essays geschrieben und das mehrseitige Bewerbungsformular mit Angaben zu Person, zur vermeintlichen Eignung und Motivation ausgefüllt und Empfehlungsschreiben eingeholt. An einem Sonntag ging es dann gen Madrid, am Montag der Open Day und am gleichen Abend wieder nach Deutschland. Die positive Antwort aus Madrid kam nach einer Woche ? schneller als erwartet ? per Email. Ich muss gestehen, dass das Öffnen der Email meinen Puls in lebensgefährliche Höhen getrieben hat.

Nach der Kündigung bei PwC hieß es die Zelte in Düsseldorf abzubrechen, zur Freude der Eltern den elterlichen Keller mit meinen Habseligkeiten zu bestücken und eine Unterkunft in Madrid zu finden. Hierbei erwies sich die Schule als eine gute Informationsquelle. Das allgemeine Intranet der Schule war schon zwei Monate vor Studienbeginn zugänglich und verfügte über viele nützliche Links und Wohnungsangebote. So war es mir trotz anfänglicher Zweifel möglich, innerhalb von drei Tage ein Zimmer in einer WG mit Studenten des IE zu finden. Der erste Term

Hoch motiviert und voller Vorfreude aber auch ein wenig ehrfürchtig vor der kommenden Arbeitslast bin ich Anfang November 2004 mit rund 240 Studenten in das internationale MBA-Programm am IE gestartet. Die erste Woche war geprägt von Workshops die dazu gedacht waren die Kommilitonen näher kennen zu lernen und uns auf das Arbeiten und Lernen in Kleingruppen vorzubereiten. Denn gleich zu Beginn wurden wir in vier Klassen unterteilt, die wiederum in Arbeitsgruppen aufgeteilt sind, in denen wir den jeweiligen Term verbringen.

Der allgemeine Arbeitstag am IE startet für mich nach einem 20 minütigen Fußmarsch um 9 Uhr mit der ersten Unterrichtseinheit. Die Einheiten sind jeweils 90 Minuten lang. Nach den ersten beiden Einheiten haben wir um 12 Uhr eine halbe Stunde Pause für z.B. einen ?cafe con leche? in der Nähe der Uni. Darauf folgt eine Stunde Gruppenarbeit und die letzte Unterrichtseinheit, die den offiziellen Teil des Tages um 15 Uhr beendet. Danach geht es meistens zum ?Mittagessen?, entweder nach Hause, in eine Bar oder ein Restaurant um die Ecke. Einer der Vorteile des IE ist, dass es mitten im Finanzzentrum von Madrid - am nördlichen Rand des Zentrums ? liegt und man so in unmittelbarer Nähe eine große Auswahl Restaurants oder Tapa-Bars hat.

Das Überstehen der ersten gemeinsamen Woche wurde gebührend mit einer ordentlichen Party gefeiert. Wenn man unter der Woche versucht hatte, sich die jeweiligen Namen der Kommilitonen zu merken, so habe ich spätestens nach dem zweiten Bier und dem zwanzigsten ?what?s your name? bzw. ?where are you from? aufgegeben und war einfach nur beeindruckt, woher all die Mitstudenten kommen und welch unterschiedlichen Hintergrund die jeweiligen Leute haben.

Die zweite Woche gab uns dann schon einen guten Vorgeschmack, was uns das ganze Jahr über erwartet. In den Fächern Organisational Behaviour, Entrepreneurship, Marketing, Financial Accounting, Quantitative Methods etc. waren die ersten Gruppenarbeiten und Case-Studies zu erstellen bzw. einzureichen, natürlich die diversen zu lesenden Kapitel und Artikel nicht zu vergessen.

Ich muss sagen, dass ich wirklich zufrieden sein konnte mit meiner Arbeitsgruppe des ersten Terms. In meiner Gruppe waren Griechenland, Portugal, Wales, Spanien, die USA, Italien und natürlich Deutschland vertreten. Neben dem gemeinsamen Spaß hat die Zusammenarbeit bei den diversen Gruppenarbeiten sehr gut funktioniert.

Auch wenn der erste Term von einer gewissen Unsicherheit geprägt war, wo man eigentlich im Vergleich zu seinen Mitstudenten steht, gab bzw. gibt es doch diverse Möglichkeiten, auch einmal auf andere Gedanken zu kommen. Zum einen veranstaltet die Uni, die neben dem MBA auch weitere Master-Studiengänge anbietet, diverse Vorträge und Veranstaltungen an denen man auch als fachfremder IE-Student teilnehmen kann. Darüber hinaus gibt es diverse Clubs, wie den Entrepreneurship- oder den Finance-Club, die von MBA-Studenten geführt werden und immer wieder zu Veranstaltungen bzw. Round-Table-Gesprächen einladen. Und spätestens am Donnerstagabend trifft man sich in der wöchentlich wechselnden ?bar of the week?, wo sich die Gelegenheit bietet, seine Mitstudenten bei Wein und Bier und natürlich auch Madrid selbst näher kennen zu lernen.

Nachdem die ersten Wochen wie im Fluge vergangen waren, haben die meisten von uns ein langes Wochenende im Dezember genutzt, vor den anstehenden Abschlussexamina des ersten Terms noch einmal ein bisschen durchzuschnaufen und Spanien zu erkunden. So habe ich mich mit einer Gruppe von 15 Leuten nach Salamanca aufgemacht, um hoch wissenschaftliche Untersuchungen über diese kleine Universitätsstadt, das dortige Studenten- und Nachtleben anzustellen.

Nach diesem Wochenende ging es in den Endspurt des ersten Terms. Je nach Fach mussten Klausuren geschrieben oder Abschlussarbeiten entweder in der Arbeitsgruppe oder auch individuell erstellt werden. Da es bei Klausuren und den Deadlines der Abschlussarbeiten Schlag auf Schlag ging, wurde doch auch schon mal die Nacht zum Tage gemacht. Nach der letzten Klausur am 21. Dezember hat jede Klasse ein Weihnachtsessen veranstaltet und sich unter Regie des Social Activity-Clubs in einem Madrider Club getroffen um das Ende des ersten Terms ausgelassen und unserer Meinung nach natürlich wohlverdient zu feiern.

Der zweite Term

Nach erholsamen Weihnachtsferien in Deutschland ging es für mich am ersten Januarwochenende sogar mit ein wenig Vorfreude wieder nach Madrid. Vorfreude deswegen, weil ich mich auf das Wiedersehen mit den Studienkollegen freute und darüber hinaus gespannt war, wie unseren neuen Professoren und Fächer sein würden und wie das Feedback des letzten Terms ausgefallen ist.

Zu den Professoren des ersten Terms ist zu sagen, dass meine Erwartungen durchaus erfüllt ? wenn nicht sogar übererfüllt - worden sind hinsichtlich der Aufbereitung der jeweiligen Materie, dem Praxisbezug und dem Engagement für studentische Anliegen. Lediglich ein Professor hat meine Erwartungen enttäuscht, weswegen er auch auf Drängen der Studenten als Professor zurückgezogen wurde und sich nun der Forschung widmet. Der zweite Term hat meinen überwiegend positiven Eindruck der Professoren des ersten Terms durchaus bestätigt.

Die Noten reichen von A (bei herausragenden Leistungen A+) bis C+ (bei Ausnahmefällen C). Bei der Benotung der Klasse wird die Normalverteilung zu Grunde gelegt, was bedeutet, dass es in jedem Fach Studenten gibt, die ein A bzw. ein C+ erhalten. Auch wenn wir in Abhängigkeit der Leistung der Kommilitonen benotet werden, so ist der Konkurrenzdruck unter den Studenten eher gering. Vielmehr bin ich positiv überrascht von der Kollegialität und dem Zusammenhalt untereinander.

Nachdem sowohl Arbeitsgruppe als auch Noten zufriedenstellend waren, konnte der zweite Term kommen. In diesem Term hatten wir insgesamt 7 Fächer: Operations Management, Financial Management, Marketing II, Entrepreneurship II, Quantitative Methods II, Economic Environment und Cost Accounting.

In diesem Term war meines Erachtens noch stärker als im letzten Term zu beobachten, wie sich das Wissensniveau der einzelnen Gruppenmitglieder mit dem Laufe der Zeit annähert. Bei 6 bis 7 Gruppenmitgliedern kommt es in der Regel vor, dass es in jedem Fach Leute gibt, die ein mehr oder minder gutes Vorwissen haben und andere, die das erste Mal mit diesem Fach in Berührung kommen, weswegen sie bei Diskussionen über das jeweilige Fach anfangs eher zurückhaltend sind. Mit der Zeit wird der Unterschied zwischen den Gruppenmitgliedern jedoch immer geringer. Und so war es einfach faszinierend zu beobachten, wie Gruppenmitglieder, die Cost Accounting nur vom Wort her kannten, am Schluss des Terms aktiv zu Gruppendiskussionen beitragen konnten. Auch wenn es manchmal kritische Situation in der Arbeitsgruppe gibt, so zeigt diese Beispiel doch, wie fruchtbar Gruppenarbeit ist und wie man von den Gruppenmitgliedern und ihren unterschiedlichsten beruflichen wie aber auch kulturellen und persönlichen Hintergründen im Laufe des MBA lernen kann.

Bis auf Entrepreneurship folgten alle Kurse dem Schema des letzten Terms: Gruppenarbeiten, individuelle Arbeiten und Zwischen- bzw. Abschlussexamina. In Entrepreneurship haben wir hingegen unsere Arbeitsgruppen noch mal gesplittet. Die Aufgabe des jeweiligen Teams für diesen Term war, einen Idee für eine Unternehmensgründung zu entwickeln und Ende des Terms eine vorläufige Executive Summary eines entsprechenden Business Plans abzugeben. Der abschließende Business Plan samt Präsentation wird gegen Ende des dritten Terms eingereicht.

Der zweite Term war mit knapp 11 Wochen deutlich länger als der erste Term und das machte sich gegen Ende des zweiten Terms bemerkbar. Jede Woche war mindestens eine Arbeit einzureichen und fast jeden Tag einen Fall für die Diskussion im Unterricht vorzubereiten. Da war selten ein Tag, an dem man sich eine Auszeit gönnen konnte. Als wir nun zwei Wochen vor Ostern auf die Zielgerade dieses Terms einbogen, war allen anzumerken, dass die persönliche Tankanzeige auf Reserve stand. Das Motto war nur noch ?Augen zu und durch?. Für mich war das Ende diesen Terms ein besonderer Anreiz, da ich am Tag nach den letzten Klausuren meinen 30. Geburtstag u.a. mit Freunden aus Deutschland gefeiert habe. Ich muss wirklich meinen Eltern danken, dass sie in weiser Voraussicht meinen Geburtstag nicht ein paar Tage früher haben stattfinden lassen. Aber auch die Schule schien ein kleines Einsehen zu haben. So organisierte unser Operations Management Professor für uns nach der letzten Klausur einen Besuch bei der Brauerei Mahou in Madrid, was auf große Gegenliebe gestoßen ist.

Viele Grüße aus dem frühlingshaften Madrid, dass so langsam wieder die Outdoor-Saison mit seinen berühmt berüchtigten ?terrazas? einläutet. Ich werde mich in Kürze wieder bei Euch melden,

Euer Harald
Dieser Artikel ist erschienen am 08.04.2005